Horst D. Deckert

Auch Hendrik Streeck platzt der Kragen: Testen statt impfen!

Pflegeheime als Einfallstor für die Gastronomie (Foto:dts-Nachrichtenagentur)

Die Unverantwortlichkeit eines durchgedrehten Staates, der alles zum fürsorglichen Schutz seiner Impfkampagne tut und dabei sehenden Auges Menschenleben riskiert, um dem eigenen Dogma treu zu bleiben, sorgt durchaus auch bei zahllosen Ärzten und Virologen dieses Landes für Fassungslosigkeit; die gehören dann allerdings nicht zum mainstreammedial wohlgelittenen Zitierkartell, nicht zur Expertennomenklatur jener „überwältigenden Mehrheit von Wissenschaftlern und Medizinern“, die in Abgrenzung von den angeblich marginalen Leugnern, Schwurblern, Verharmlosen et cetera exklusiv über unser aller Schicksal wachen dürfen und den Dauernotstand täglich neu befeuern.

Doch nun regt sich Unmut auch bei prominenten Standesvertretern der Virologie, und wieder einmal ist es Virologe Hendrik Streeck, der nach Böhmermann’scher Hetzlehre „menschenverachtende“, weil kritisch-renitente Drosten-Rivale, der in dieser Pandemie seinen wachen Verstand behalten und eine wenigstens weitestgehende Restunabhängigkeit bewahrt hat: Er kritisiert nun in deutlichen Worten die Beschlüsse der Länder-Gesundheitsminister zu Tests in Pflegeheimen und 2G in „besonders betroffenen“ Regionen, wie auch Spahns Corona-Pläne. Denn sie alle blenden einfach weiterhin die bittere Wahrheit aus, dass nicht nur Besucher, sondern auch das Personal in Alten- und Pflegeheimen – selbst wenn komplett „durchgeimpft“ – die Bewohner (trotz deren zumeist vollständigem Impfschutz) infizieren und damit in Lebensgefahr bringen können. Daran würde auch eine berufsgruppenbezogene Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegepersonal nichts ändern: Geimpfte sind schlicht genauso ansteckend wie Ungeimpfte.

Dreimal pro Woche für Heimmitarbeiter

Der Königsweg ist daher das Testen. Und hier setzt Streeck an: Alle Mitarbeiter der Heime müssten mindestens dreimal in der Woche systematisch getestet werden, fordert er laut „dts“. Die Länderminister sehen dies anscheinend anders – denn ihr Beschluss sieht weiterhin nur einen Test für die Besucher vor. Dies sei nicht ausreichend, so Streeck, und begründet seine Forderungen nach Tests mit den vielen Impfdurchbrüchen. Von einer 2G-Regel in Pflegeheimen hält er überhaupt nicht: „2G reicht nicht mehr aus, denn auch Geimpfte können sich infizieren. Deshalb müssen sich aber auch geimpfte Bewohner und das Pflegepersonal regelmäßig testen lassen.“ Auch in der Gastronomie und bei Veranstaltungen würde 2G zu Problemen führen: „Die Geimpften haben das Gefühl, sie sind nicht mehr Teil der Pandemie und verhalten sich auch entsprechend risikoreich„, warnt Streeck und verweist auf eine hohe Mobilität und viele Kontakte.

Genau dieses Problem ignoriert der Staat: Impfdurchbrüche sind keine Seltenheit, sondern zunehmend der Normalfall (wie gerade wieder eindrucksvoll der Massenausbruch innerhalb einer vollständig durchgeimpften „Feinschmecker-Bruderschaft“ auf Sylt zeigte), und dieses Problem wird, wie das Virus selbst auch ganz ohne Impfkampagne schon, vor allem dort zum Problem, wo vulnerable Risikogruppen konzentriert sind: in Heimen und Kliniken. Streeck macht auch auf einen weiteren kontraproduktiven Effekt des Irrglaubens „Doppelt bzw. dreifach geimpft = Problem gelöst“ aufmerksam, das sich mit der drohenden Ausweitung der in Österreich und Sachsen bereits obligatorischen allumfassenden 2G-Pflicht auf ganz Deutschland noch deutlich verstärken dürfte: Je häufiger Ungeimpfte nämlich ausgeschlossen werden und sich noch weniger testen lassen, desto weniger lassen sie sich testen – einmal wegen der Kostenpflichtigkeit der Tests und dann wegen der Schließung von immer mehr unrentabel gewordenen Testzentren. „Dadurch kann es folglich zu mehr unkontrollierten Ausbrüchen kommen„, warnt Streeck.

Wenn Ungeimpfte am Sozialleben nicht teilnehmen dürften, organisierten sie sich anderweitig – etwa beim Feiern zu Hause. Dort lasse sich das Infektionsgeschehen dann überhaupt nicht mehr kontrollieren. Streeck dringt deshalb auf die schnelle Wiedereinführung kostenloser Corona-Tests: „Wir müssen einfach viel, viel mehr testen, um zu verstehen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Nur so können wir früh die Infizierten herausfischen und eine unkontrollierte Verbreitung des Coronavirus verhindern„, so der Bonner Virologe. Seit Abschaffung der kostenlosen Tests lasse sich das Infektionsgeschehen nur noch sehr schlecht erfassen. „Wir brauchen schlicht mehr Daten, und das Testen kann die uns liefern.“ Streeck rechnet mit einer enormen Dunkelziffer bei den Corona-Fallzahlen und bei den Impfdurchbrüchen. Der Grund: „Nur bei Symptomen machen Geimpfte einen Test, doch die vielen asymptomatischen Infektionen bleiben unentdeckt.“ Streeck plädiert daher ebenfalls dafür, dass sich Menschen auch testen lassen müssen, wenn sie geimpft sind.

Gescheiterte Kampagne

Geimpfte müssen getestet werden, Ungeimpfte müssen getestet werden: Im Prinzip räumt Streeck damit unausgesprochen ein, dass die gesamte Impfkampagne als gescheitert betrachtet werden muss – und in der Tat, sie ist es. Alles, was auch schon vor diesem vermeintlichen Wundermittel als Pandemiregularium galt, muss auch jetzt wieder reinstalliert werden. Oder man setzt, wie die Regierenden, eben weiterhin blind und fahrlässig auf einen Phantomschutz (der für Nichtvorerkrankte und Nichthochbetagte sowieso sinnlos ist, weil ihnen das Virus – jedenfalls in einer statistischen Signifikanz, die staatliche Interventionen erforderlich machen würde – nicht gefährlich werden kann) und wiegt die Vulnerablen in der trügerischen Sicherheit, je mehr sie sich spritzen lassen, desto geschützter seien sie. Das, was im Sprachgebrauch bis vor kurzem das Allheilmittel „Impfen“ war, ist nun das „Boostern“.

Was aber eigentlich, wenn sich die Heilsversprechen der „Auffrischungen“ als ebenso maßlos übertrieben herausstellen sollten wie die Wirksamkeitsprognosen der Doppelimpfung? Wenn immer mehr Alte – trotz oder wegen des „Boosters“ – weitersterben wie die Fliegen? Wird man uns die wahren Zusammenhänge weiterhin vorenthalten, die Tatsachen verschleiern und dann zur vierten, fünften, sechsten (und so weiter) Impfung raten? Oder wird die Politik endlich ihre Hausaufgaben machen, die Normalbevölkerung endlich „mit dem Virus leben lassen“ – und die Risikogruppen wirksam schützen? Dieser Schutz kann jedenfalls, wie schon 2020, eben nur im Testen liegen. Und die einzige Frage, die sich hier stellt, ist, wie hoch Bund und Länder den „Body Count“ noch treiben wollen.  Das Fazit nach knapp einem Jahr Impfkampagne lautet daher: Alles auf Anfang –  das Geld ist futsch. Anders gesagt: Zum „Game-Changer“ wurde diese Pandemie nur für einzelne Pharmagiganten und Startups à la Biontech.

 

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