Horst D. Deckert

«Avaaz»-Netzwerk sucht deutsche WhatsApp-Detektiv:innen

Avaaz bedeutet «Stimme» in vielen osteuropäischen, nahöstlichen und asiatischen Sprachen. Gleichzeitig ist Avaaz ein Kampagnen-Netzwerk, das, wie sich die Aktivisten auf ihrer Website loben, «mit Bürgerstimmen politische Entscheidungen weltweit beeinflusst». Die Initiative wurde 2007 in den USA gegründet und hat fast 69 Millionen Mitglieder. Sie arbeitet in 15 Sprachen, mit Tausenden von Freiwilligen und einem Team, das über sechs Kontinente verteilt ist.

Ihre «einfache, demokratische Mission» sei es, schreibt Avaaz, Bürgerinnen und Bürger weltweit zu mobilisieren, um «gemeinsam die Lücke zwischen der Welt, die wir haben, und der Welt, die sich die meisten Menschen überall wünschen, zu schliessen».

Avaaz gebe Menschen aus allen Gesellschaftsschichten eine Stimme, mit der sie auf dringende internationale, regionale oder nationale Themen Einfluss nehmen könnten – sei es Armut, Korruption, Konflikte oder Klimaschutz. Dafür nutzt das Netzwerk vor allem das Internet, um Menschen miteinander zu verbinden und so «mit vereinten Kräften für das Gemeinwohl einzutreten».

Der Einsatz der Aktivisten ist vielfältig:

«Wir unterzeichnen Petitionen, finanzieren Medienkampagnen und Protestaktionen, rufen Regierungen an oder senden ihnen Emails und organisieren auch Offline-Proteste und Events. So sorgen wir dafür, dass die Ansichten und Wertvorstellungen der Menschen rund um den Globus berücksichtigt werden, wenn es um Entscheidungen geht, die uns alle betreffen.»

Wirklich ehrenwerte Ziele, könnte man denken. Man muss sich allerdings fragen, in wessen Auftrag Avaaz vor einigen Tagen die folgende Rundmail unter die Leute brachte:

«Politiker:innen, die Haustierhaltung verbieten und die Witwenrente abschaffen wollen, Betrug bei Briefwahlen … auf Deutschlands sozialen Medien gewinnen solche Falschnachrichten an Fahrt und bedrohen die Kanzlerkandidat:innen und unsere Wahlen im Herbst.

Von Brasilien über Spanien bis zu den USA – Whatsapp ist heute eine bevorzugte Waffe derjenigen, die demokratische Wahlen mit Desinformationen destabilisieren wollen. Und neueste Studien zeigen, dass falsche und irreführende Narrative zur Bundestagswahl bereits jetzt zunehmen.

Nick Clegg, ehemals Grossbritanniens stellvertretender Premierminister und jetzt bei Facebook für Politikstrategie zuständig, sagt, die Bundestagswahl 2021 sei für den Konzern (zu dem auch WhatsApp gehört) ‹top priority›. Doch Avaaz-Untersuchungen haben in der Vergangenheit bereits gezeigt, wie sich auf privaten Kanälen wie WhatsApp menschenverachtende Memes und komplett falsche Nachrichten trotz aller Versprechen von den Betreibern der Plattformen in Windeseile verbreiten.

Hier kommen wir ins Spiel: Fast drei Millionen Avaazer:innen leben in Deutschland, und viele von uns nutzen WhatsApp – gemeinsam können wir verdächtige Nachrichten über Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz identifizieren und als WhatsApp-Detektiv:innen helfen, sie noch vor der Wahl zu entlarven.

Ein Avaaz-Team arbeitet daran, die Wähler:innen in Deutschland vor Falschnachrichten zu schützen: Wenn Sie eine merkwürdige, hasserfüllte, sexistische oder wahrscheinlich falsche Nachricht zu den Kandidat:innen oder den Wahlen erhalten haben, leiten Sie diese jetzt an +447704 306568* weiter ….»

Absender dieser Rundmail war eine gewisse Antonia Staats, eine in London lebende deutsche Avaaz-Aktivistin, die als Senior Campaigner für das Netzwerk arbeitet. Ihr Schreiben versendete sie unter dem Betreff «In Gefahr» an alle deutschen Avaaz-Mitglieder.

Staats ist nach Angaben der britischen Presse die Geliebte des britischen Wissenschaftlers Neil Ferguson], der als Hauptberater des Präsidenten Boris Johnson für den ersten Corona-Lockdown 2020 verantwortlich war. Dennoch lud Ferguson die Blondine, wie die sensationslüsterne Presse kundtat, während der Ausgangssperre mindestens zweimal zu sich nach Hause ein. Als das «illegale» Techtelmechtel aufflog, trat Ferguson Anfang Mai 2020 von seinem Posten zurück. Wie das Medienportal Rubikon damals berichtete, gab es für diesen Rückzug auch noch andere Gründe.

Zum Abschluss ihrer Mail verkündete Staats:

«In 4 Jahren Anti-Desinformationsarbeit haben Avaazer:innen bereits so viel ermöglicht: Gemeinsam haben wir bei den EU-Wahlen rechte Netzwerke, die Falschnachrichten und Hass verbreiteten, aufgedeckt (und viele Akteure vom Netz genommen). Wir haben Facebook Stück für Stück dazu gebracht, Richtigstellungen anzuzeigen (auch wenn dieser Prozess noch nicht vorbei ist – da gibt’s noch einiges zu tun, Facebook!). Und wir haben Unternehmen, deren Anzeigen unwissentlich Klimalügen finanzieren, alarmiert sowie Corona-Falschnachrichten an Plattformen gemeldet. Helfen Sie uns nun, unsere Wahlen zu schützen.»

Das Schreiben wurde mit dieser Grussbotschaft gekrönt: Voller Hoffnung und Entschlossenheit, Antonia, Muriel, Barbara, Christoph, Vanessa, Tabea und das ganze Avaaz-Team.

Und es erfolgte noch der Hinweis: *Yep, es ist eine britische Handynummer – nicht irritieren lassen!»

Kommentar Corona-Transition: Achtung, deutsche WhatsApp-Detektiv:innen! Sie sollten auf jeden Fall über Frau Staats «irritiert» sein. Sowohl über den Inhalt ihres Schreibens als auch über die britische Handynummer …

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