Horst D. Deckert

Besprechung der Präsidenten Russlands und Weißrusslands zu NATO-Notfallplänen – Teil II

Zwei Tage nach der Besprechung mit dem russischen Sicherheitsrat, traf sich Waldimir Präsident mit dem Präsidenten Weißrusslands in St. Petersburg und erörterte mit Alexander Lukaschenko den Notfallplan der NATO mit dem möglichen Einfall von Nachbarstaaten in der Westukraine im Detail weiter:

 

Russlands Präsident Wladimir Putin: Herr Lukaschenko, wie vereinbart, treffen wir uns heute…

Präsident der Republik Belarus Alexander Lukaschenko: Wie wir es vor sechs Monaten vereinbart hatten.

Wladimir Putin: Das ist wahr. Wir haben das schon vor langer Zeit vereinbart. Wir treffen uns heute in St. Petersburg. Das Wetter ist gut, es ist heute Sonntag, aber wir haben immer etwas zu besprechen.

Zunächst möchte ich feststellen, dass alle unsere Pläne realisiert werden, und zwar schneller als Sie und ich erwartet hatten.

Ich möchte die solide Leistung der russischen und belarussischen Wirtschaft hervorheben. Ich habe die neuesten Daten geprüft: In diesem Jahr wird für Belarus ein Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent erwartet. Das ist zwar nur eine Prognose, aber immerhin. Unsere Zahl ist etwas niedriger, aber ich kann sagen, dass dies auch für uns ein guter Indikator ist: Wir erwarten ein Wachstum von mehr als zwei Prozent.

Ihr Defizit ist minimal – 0,4 Prozent. Auch das ist sehr gut. Die internationalen Reserven sind auf einem anständigen, sehr guten Niveau. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle wichtigen Indikatoren uns Grund zur Annahme geben, dass wir dieses Jahr mit Zuversicht und Gelassenheit durchlaufen und ein gutes Wachstum verzeichnen werden.

Die Pläne zum Aufbau des Unionsstaates werden in vollem Umfang umgesetzt. Wir kommen in dieser Hinsicht stetig voran: Der Handel wächst. Die Daten variieren, nach unseren Informationen beläuft sich der Gegenwert des US-Dollars auf etwa 43,7 Milliarden, nach den belarussischen Statistiken sind es fast 45.

Alexander Lukaschenko: Samt Dienstleistungen.

Wladimir Putin: Ja, mit Dienstleistungen, Sie haben recht, 45 Milliarden US-Dollar. Das ist ein sehr guter Wert.

Ich glaube, das Kernkraftwerk hat bereits 17.000 [Gigawattstunden] erzeugt. Der zweite Block wird noch in diesem Jahr in Betrieb genommen.

Alexander Lukaschenko: Es ist bereits in Betrieb, wir meistern die Inbetriebsetzung.

Wladimir Putin: Großartig! Es geht also alles voran bzw. moderat ausgedrückt: In zufriedenstellender Weise.

Wir werden die Sicherheitsfragen in der Region streifen – Sie wissen, wovon ich spreche. Ich hoffe, dass wir heute und morgen Gelegenheit haben werden, diese Fragen in einem informellen Rahmen sehr gründlich und detailliert zu erörtern.

Herzlich willkommen!

Alexander Lukaschenko: Ich danke Ihnen, Herr Putin.

Ich möchte, dass Sie sich anhören, was ich zu sagen habe. Ich habe speziell einige Themen herausgegriffen. Sie haben sich so ausführlich mit der Wirtschaft befasst – das ist in der Tat eine gute Sache. Die Wirtschaft ist der Eckpfeiler. Wenn wir eine [stabile] Wirtschaft haben, werden wir auch alle anderen Probleme lösen können.

Ich möchte mit der Arbeit der ukrainischen Streitkräfte beginnen. Nach unseren Angaben war gestern ein schwieriger Tag für uns, und ich werde später auf Ihre Meinung zurückkommen. Ein sehr schwieriger Tag. Glücklicherweise endete er mit einem guten Ergebnis. Unseren Angaben zufolge – ich habe dies aufgeschrieben – wurden in einem einzigen Gefecht mehr als 15 Leopard Panzer und über 20 Bradleys zerstört. Ich glaube, es wurden noch nie so viele ausländische Militärfahrzeuge zerstört.

Wladimir Putin: Ich nehme an, dass noch nie so viele ausländische Fahrzeuge an einem Tag zerstört worden sind, was daran liegt, dass Einheiten voll ausgerüstet mit ausländischen Fahrzeugen auf deren Seite agierten.

Alexander Lukaschenko: Absolut richtig.

Deshalb ist es möglich, eine ungefähre Schätzung darüber abzugeben, wie viele ukrainische Soldaten bei der Zerstörung so vieler Fahrzeuge leider getötet wurden. Ich weiß das, weil ich als Offizier auf einem gepanzerten Fahrzeug gedient habe und weiß, wie es sich anfühlt, so viele APCs [Armed Personal Carriers oder Mannschaftstransportwagen] und vor allem diese hochgelobten Leopard Panzer zerstört zu bekommen.

Nach Schätzungen der Vereinigten Staaten von Amerika belaufen sich die unwiederbringlichen personellen Verluste der ukrainischen Streitkräfte seit Beginn der Anti-Terror-Operation auf 26.000.

Wladimir Putin: Mehr…

Alexander Lukaschenko: Die Zahl ist jetzt höher, aber das sind ihre Schätzungen von letzter Woche: Mehr als 26.000 seit dem 4. Juni. Ich habe deren Daten aufgeschrieben.

Wladimir Putin: Noch mehr…

Alexander Lukaschenko: Gestern hat sich gezeigt – deshalb sage ich Ihnen das -, dass wir gezwungen sind, einen Krieg gegen den gesamten NATO-Block zu führen. Die Bewaffnung gehört zu ihnen, sie haben dazu eine große Anzahl von Söldnern eingesetzt. Was nicht weniger wichtig ist und weshalb der gestrige Tag wichtig ist, sie müssen jetzt den Kern ihrer strategischen Reserven einsetzen. Das ist der Beweis dafür, dass diese rücksichtslose Politik, unvorbereitete Leute und Söldner mitten in eine Schlacht zu werfen, zu nichts führen kann. Aber es gibt keine Gegenoffensive. Was kommt als Nächstes?

Wladimir Putin: Doch, es gibt eine: Sie scheitert einfach!

Alexander Lukaschenko: Sie ist gescheitert – ohne Ergebnisse. Was kommt als Nächstes?

Sie [NATO] haben – wie Sie kürzlich sagten – damit begonnen, Polen einzubeziehen und aktiv Söldner zu rekrutieren. Ich habe extra eine Karte für Sie mitgebracht, auf der die polnischen Streitkräfte in der Projektion auf die Grenzen des Unionsstaates zu sehen sind, worüber Sie gesprochen haben.

Quelle: Ijanderson977, Public domain, via Wikimedia Commons
Quelle: File:Belarus-Poland border (ru).png: Homoatroxderivative work: Homoatrox, CC BY-SA 4.0 <creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0&gt;, via Wikimedia Commons

Wir sehen, dass sie die Bühne bereiten: Nehmen wir an, dass sich eine Brigade 40 Kilometer von Brest entfernt befindet. Sie waren [ursprünglich] 500 km von Brest entfernt, jetzt wurden sie auf eine Entfernung von 40 km herangezogen. Ich werde Ihnen die Karte zeigen, wir sehen alles. Und die zweite Brigade ist etwas mehr als 100 km von Grodno entfernt stationiert. Sie haben eine Division, aber im Moment nähern sich die Brigaden.

Die Polen haben ein Reparaturzentrum für Leopard Panzer im Land eröffnet: In Rzeszow wurde ein Flugplatz aktiviert, auf dem die Amerikaner und der Rest ihre Fahrzeuge stationieren und dann in das [ukrainische] Gebiet verlegen.

Rzeszow: Ein NATO-Waffenumschlageplatz
Quelle: Karte: NordNordWest, Lizenz: Creative Commons by-sa‑3.0 de, CC BY-SA 3.0 DE <creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en&gt;, via Wikimedia Commons

Einsatz von Söldnern und so weiter – das ist der Fall mit Polen. Ich werde Ihnen erklären, warum ich Sie auf dieses Thema aufmerksam machen möchte, wobei ich betonen will: Sie haben dies im Sicherheitsrat sehr präzise und richtig formuliert.

Natürlich stellt Polen die Frage: Was bekommt es im Gegenzug? Es ist klar: Geld, Rüstungsgüter, das ist klar! Aber jetzt – das haben auch Sie festgestellt – wird viel darüber spekuliert, dass die Ukraine stückweise in die NATO aufgenommen würde. Das ist eine Nebelkerze. Was steckt dahinter? Was Sie gesagt haben, steckt dahinter.

Wladimir Putin: Die Westukraine!

Alexander Lukaschenko: Die Westukraine und Westweißrussland, natürlich, aber wir sprechen jetzt über Polen. Das Abreißen dieses westlichen Teils der Ukraine: Unter dem Deckmantel des NATO-Beitritts, um die Bevölkerung in die Irre zu führen.

Sie wollen die Westukraine abhacken und an Polen anschließen. Das ist die Bezahlung für die aktive Teilnahme der Polen an dieser Operation, natürlich gegen die Kräfte der Russischen Föderation. Dies wird von den Amerikanern unterstützt.

Ich habe Ihnen das schon vor langer Zeit gesagt, wir haben das vor sechs Monaten erkannt und im Vorfeld besprochen. Warum erzähle ich Ihnen das alles? Es ist für uns inakzeptabel, Herr Putin.



Es ist inakzeptabel, die Westukraine abzureißen, die Ukraine zu zerstückeln und diese Gebiete an Polen zu übergeben. Und wenn natürlich die westliche Bevölkerung der Ukraine dies [Hilfe von der Union] braucht, werden wir sie unterstützen, natürlich.

 Ich bitte Sie, diese Frage zu diskutieren und durchzudenken. Natürlich möchte ich, dass Sie uns in dieser Hinsicht unterstützen. Mit dieser Unterstützung, und wenn die Westukraine um diese Hilfe bittet, werden wir der westlichen Bevölkerung der Ukraine auf jeden Fall diese Hilfe und Unterstützung gewähren. Wenn dieser Fall eintritt, würden wir jede mögliche Unterstützung leisten.

Das [die Abtretung der Westukraine] wäre inakzeptabel, denn wir sind dem militärischen Zugriff der Balten und Polen vom Westen und Süden her ausgesetzt, wie es sich herausstellen würde.

Als Unionsstaat werden uns in jedem Fall verteidigen müssen – deshalb sind solche Szenarien inakzeptabel.

Das betrifft unsere Sicherheitsagenda, das ist es, was uns Sorgen macht. Ich spreche nicht über das westliche Weißrussland, ich möchte Ihnen nur Danke sagen. Sie sind der erste Mann in Russland, der offen, klar und verständlich über dieses Thema spricht. Gott bewahre: Eine Aggression gegen Weißrussland ist genau eine, wie gegen Russland. Wir stellen dies zur Entwicklung unserer Streitkräfte in Rechnung.

Vielleicht sollte ich das nicht sagen, aber ich sage es trotzdem: Die Wagner-Söldner gehen uns langsam auf die Nerven. Sie bitten um Erlaubnis, nach Westen zu gehen: „Erlaubt uns!“ Und ich sage: „Warum müsst ihr dorthin in den Westen gehen?“ Und sie sagen heimlich, dass sie das Geschehen kontrollieren möchten: „Wir wollen einen Ausflug nach Warschau und Rzeszów machen!“ Denn, Rzeszow scheint für sie inakzeptabel. Sie haben am Rande von Bachmut [Artjomowsk] gekämpft und wussten, woher die Fahrzeuge kamen, und sie merkten sich das: „Rzeszow steht für Ärger.“ Und natürlich halte ich sie [die Wagner Söldner], wie wir vereinbart hatten, in Zentral-Belarus fest. Ich möchte sie nicht verlegen, denn sie sind in schlechter Laune, doch, ich möchte ihnen zugutehalten, dass sie wissen, was um den Unionsstaat herum geschieht.

Aber das ist keine große Sache. Wir werden uns mit allen Mitteln dagegen wehren, und ich bitte Sie, diese Frage im Hinblick auf unsere Unterstützung gegenüber der Westukraine zu prüfen.

Was die Wirtschaft anlangt, so habe ich dies bereits gesagt, aber ich möchte unsere Regierungen bitten, einen Wirtschaftsplan vorzulegen. Ich habe es aufgeschrieben – wir verlassen uns nur auf uns selbst. Wir werden niemandem nachgeben, wir haben die Köpfe, wir haben mehr als genug Ressourcen und wir müssen einen Entwicklungsplan für unser Mutterland erstellen – wie ich sage: „Zwei Staaten, ein Mutterland“, und wir sind in der Lage, dies zu tun!

Aber die Hauptkräfte sind seit langem hier, in Russland, und wenn unsere Regierungen diesen Plan ausarbeiten, wird das gut sein. Selbst wenn es hier etwas schlimmer werden sollte, würden die Menschen das verstehen und uns unterstützen, weil sie das Licht am Ende des Tunnels sehen würden.

Darüber haben wir bereits begonnen, etwas zu tun: Mikroelektronik, Raumfahrt und den Rest, Landwirtschaft – und wir sehen überall positive Ansätze. Wir müssen also diesen Plan konsolidieren, die Verantwortlichen benennen, und wir werden unsere Arbeit in diesem Bereich strategisch durchziehen. Denn das ist es, was ich mit Ihnen besprechen wollte, ein Tag reicht dafür nicht aus. Deshalb werden wir uns morgen etwas Zeit nehmen. Soweit ich weiß, werden Sie etwas Zeit für ein Gespräch finden.

Wladimir Putin: Ja, natürlich. Ich habe einige meiner Pläne geändert. Wir werden problemlos eineinhalb bis zwei Tage miteinander verbringen können.

Alexander Lukaschenko: Wir werden diese Fragen in eineinhalb Tagen klären. Ich danke Ihnen, dass Sie Ihr Versprechen, welches Sie vor sechs Monaten bezüglich dieses Treffens gegeben hatten, eingelöst haben, es ist also nichts Ungewöhnliches: Wir hatten es vor langer Zeit geplant und treffen uns jetzt. Wenn nötig, würden wir uns, wie wir immer sagen, jederzeit treffen und unsere taktischen und strategischen Fragen besprechen können.

Wladimir Putin: Was die ausländischen Söldner betrifft, so haben auch sie erhebliche Verluste zu beklagen.

Alexander Lukaschenko: Schwere.

Wladimir Putin: Ja.

Alexander Lukaschenko: Wegen ihrer Taktik.

Wladimir Putin: Wegen ihrer Dummheit.

Alexander Lukaschenko: Weil sie sich dort in kleinen Gruppen bewegen.

Wladimir Putin: Auf jeden Fall muss die Öffentlichkeit in den Ländern, deren Regierungen jetzt Menschen in das Kriegsgebiet schicken, wissen, was dort vor sich geht: Wir werden dies den Menschen mitteilen, damit sie die Handlungen ihrer Führer beurteilen können!

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Übersetzung aus dem Russischen: UNSER-MITTELEUROPA

Teil I Hier


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