Horst D. Deckert

UNTERNEHMER-BERATER, SERIENUNTERNEHMER BZW. MEHRFACHGRÜNDER Parteilos und damit völlig unabhängig von irgendwelchen Parteien, Organisationen, Verbänden, etc. Seit 1971 im Dienst von Inhabern, Geschäftsführern, Unternehmern. 1971: Gründung einer Werbeagentur mit dem Schwerpunkt Marketing für Kleinbetriebe im Alter von 19 Jahren. Seit 1977 Firmengründer in Europa, USA und Südamerika. Fragen?
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Corona-Strategie des Bundes steht vor dem Scheitern

Noch letzte Woche meinte die Epidemiologin Professor Nicola Low, Mitglied der wissenschaftlichen Task-Force des Bundes, dass die Schweiz zu wenig teste und dies dazu führe, dass nicht alle infizierten Personen entdeckt würden. Diese könnten das Virus weiter übertragen.

Gegenüber der NZZ sprach sie von einer sehr beunruhigenden Entwicklung. Der anhaltende exponentielle Anstieg sei bereits vor den 700 neuen Corona-Fällen eine Warnung gewesen. Derzeit stimme die Balance zwischen Präventionsmassnahmen und Lockerungen nicht. Sie zeigt sich besorgt wegen der grossen Zahl von positiven Testresultaten im Verhältnis zur Anzahl der durchgeführten Tests.

Die Task-Force des Bundes scheint immer noch eine Art «Ausrottungsstrategie» zu verfolgen. Mittlerweile sind jedoch viele Fachleute der Meinung, dass Sars-CoV-2 unter uns bleiben wird und unser Immunsystem lernen wird, mit ihm zu leben.

Gemäss Prof. Hendrik Streeck sollten uns sogar 20’000 Neuinfektionen pro Tag (für Deutschland) keine Angst machen, weil ein milder Verlauf oder ein Verlauf ohne Symptome nicht so stark zum Infektionsgeschehen beitrage. Dieses Virus werde nicht mehr aus dem Menschen ausgetrieben werden und wir müssten anfangen, mit dem Virus zu leben. Zu hören sind die Aussagen von Streeck in einer beachtenswert kritischen Situationsanalyse der ARD.

Der Bundesrat scheint hingegen immer noch an seiner Vision festzuhalten, das Virus irgendwie in den Griff zu bekommen, bis es irgendwann eine Impfung gibt.

Pietro Vernazza, Infektiologe, Professor und Chefarzt am Spital St. Gallen, bezeichnete diese Strategie schon im Juli dieses Jahres als «ambitiös» (wir berichteten).

Vernazza meinte, es sei sehr aufwendig, die hohen Sicherheitsmassnahmen nicht nur ein paar Monate, sondern vielleicht über Jahre aufrechtzuerhalten. Denn es setze voraus, dass man jeder möglichen Infektion nachgehe und Menschen in Quarantäne setze – bis es einen brauchbaren Impfstoff gibt.

Und genau das erleben wir zurzeit. Über 20’000 (!) Schweizerinnen und Schweizer – und wahrscheinlich werden es den Winter hindurch noch mehr – sitzen momentan auf blossen Verdacht hin im Hausarrest.

Mittlerweile scheint im Kanton Waadt, die sogenannte «Test-Trace-Quarantine-Isolation-Strategie» bereits am Zusammenbrechen zu sein. 20 Minuten berichtet, die lokalen Behörden hätten entschieden, Personen mit weniger häufigen Symptomen wie Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, genereller Müdigkeit, Schnupfen oder Magen-Darm-Problemen nicht mehr auf Covid-19 zu testen. Die Genfer Virologin Isabella Eckerle kommentiert dies als sehr bedenklich und fragt «Hat der Kanton bereits aufgegeben angesichts der 2. Welle und lässt sie nun laufen?»

Der Blick berichtet, dass die steigenden Corona-Fallzahlen nun auch die Contact-Tracer im Kanton Zürich überfordern.

Die «Infizierten» müssen dort ihre möglicherweise angesteckten Kontaktpersonen selber in die Quarantäne befeheln. Die Strategie der Unterbrechung aller Infektionsketten erweist sich zunehmend als unrealistisches Vorgehen.

Infektiologe Professor Pietro Vernazza fordert daher ein Umdenken. Bei jeder Massnahme im Gesundheitssystem stelle sich die Frage der Effizienz und der Wirksamkeit einer Massnahme, also inwieweit die WZW-Kriterien erfüllt sind (Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit).

Eine Recherche in der Fachliteratur für unterstützenden Argumente zur Wirksamkeit der Teststrategie verlaufe erfolglos. Die Europäische Gesundheitsbehörde (ECDC) empfehle zwar eine aktive Teststrategie, doch es fänden sich keine Belege, welche die Wirksamkeit der aktiven Testung, sei es aus historischer Sicht oder aufgrund von Modellen, bestätigen würden.

Besonders intensiv war die Testaktivität in Luxemburg, doch auch dort konnte die Ausbreitung der Erkrankung nicht gestoppt werden. Die Regierung hat daraufhin die Strategie geändert und macht nur noch Stichproben.

Für den kommenden Winter kalkuliert Vernazza detailliert die Kosten der schweizerischen Teststrategie. Er kommt auf die horrende Summe von rund einer Milliarde Franken alleine an Testkosten. Nicht dabei sind die anfallenden Kosten durch Arbeitsausfälle wegen Isolierung aller mild oder asymptomatisch Erkrankten. Auch die Kosten verursacht durch falsch-positiv getesteten Personen sowie aller Kontaktpersonen in Quarantäne sind dabei noch nicht eingerechnet.

Prof. Vernazza fordert daher, dass das Covid-Präventionskonzept auf den Prüfstand gesetzt wird: “Wir leben in einem reichen Land. Dennoch sollten wir uns bemühen, das zur Verfügung stehende Geld möglichst sinnvoll einzusetzen. Insbesondere, da es möglich ist, dass die ganze Strategie Schiffbruch erleidet. Allenfalls wäre ein noch intensiverer Schutz von Risikopersonen die bessere Investition.»

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