Horst D. Deckert

UNTERNEHMER-BERATER, SERIENUNTERNEHMER BZW. MEHRFACHGRÜNDER Parteilos und damit völlig unabhängig von irgendwelchen Parteien, Organisationen, Verbänden, etc. Seit 1971 im Dienst von Inhabern, Geschäftsführern, Unternehmern. 1971: Gründung einer Werbeagentur mit dem Schwerpunkt Marketing für Kleinbetriebe im Alter von 19 Jahren. Seit 1977 Firmengründer in Europa, USA und Südamerika. Fragen?
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Der Ölpreis als Ableitung der Preise für Photovoltaik

Der Ölpreis als Ableitung der Preise für Photovoltaik

Bei MMNews gibt es gerade eine Kaufempfehlung für Uran und Öl. Bei Uran stimme ich zu, der Rohstoff erlebt gerade eine zwangsweise Renaissance. Zwangsweise ist die deshalb, weil Deutschland bekanntlich aus der Stromproduktion aussteigt und unsere Nachbarn den wegfallenden Kraftwerkspark ersetzen müssen. Gleichzeitig wird ihnen und dem Rest der Welt auf moralischer Ebene der Weg verstellt für weniger explosive Brennstoffe, so dass weltweit wohl bald mehr Atommeiler als Kohlekraftwerke entstehen dürften.

Für Öl dagegen sehe ich eine andere Zukunft. Denn es gibt da einen Faktor, der wie ich vermute dem schwarzen Gold schon seit einiger Zeit so weit die Spitze nimmt, dass er sich bereits jetzt als der bestimmende Preisfaktor bezeichnet werden lässt. Es geht um Solarzellen, die seit einigen Jahren das Preisniveau von Wegwerfartikeln erreicht haben.

 

Photovoltaik + Dieselgeneratoren

 

Wer wissen will, wie viel etwas kostet ohne Arbeitssicherheit, Umweltauflagen, Ausgaben für F&E und ohne rechtsstaatliche Zwänge, der schaue zu Alibaba. Das ist der große Billigheimer aus China, wo buchstäblich alles angeboten wird, was im roten Riesenreich produziert wird. So gibt es auch zahllose Angebote für Solarzellen, wobei die billigsten Modelle in der Großabnahme für unter 70 US-Dollar pro 2m² Paneele zu haben sind.

Die Leistungsspanne der Paneele zwischen 200 und 400 Watt, je nachdem wie stark die Sonneneinstrahlung ist. Das verlinkte Modell kommt überdies mit einer Garantie von 25 Jahren, wobei die meisten Angebote eine 10 Jahresgarantie auf 90% der angegebenen Leistung geben und weitere 10 Jahre mit 80% der Leistung.

Aus diesen Eckdaten lässt sich unter Berücksichtigung der klimatischen Bedingungen berechnen, wie teuer die daraus produzierte Kilowattstunde ist. Naheliegenderweise ist der Kostenpreis umso niedriger, je mehr Sonne auch im Winter scheint. Ein Umstieg lohnt sich daher insbesondere in Äquatornähe. Nimmt man eine durchschnittliche Sonnenscheindauer von 4 Stunden pro Tag auch im Winter an, dann lassen sich mit dem verlinkten Modell im Verlauf seiner Lebenszeit durchschnittlich 11MWh Strom erzeugen.

Teilt man die Anschaffungskosten inklusive eines ordentlichen Zinssatzes von circa 200 Dollar durch diese Produktionsmenge, dann kostet eine Kilowattstunde mickrige 1,8 US-Cent. In Barrel Öl umgerechnet entspricht dies in etwa 10 Dollar. Das ist sehr wenig und führt dazu, dass in den warmen Regionen der Welt immer öfters die heute schon bestehenden Dieselgeneratoren ergänzt werden durch große Photovoltaikanlagen. Diesel wird dann nur noch abends verbrannt, nachdem die Sonne untergegangen ist.

Bestes Beispiel für diese Entwicklung ist die größte Shopping Mall der Philippinen in Manilla, bzw. deren Parkplatz. Dieser ist circa ein Hektar groß und wird in Gänze überdacht von einer Photovoltaikanlage. Da die Philippinen keine Grünen haben und daher auch kein EEG, kann man davon ausgehen, dass die Investoren nicht auf Subventionen aus waren, sondern ein gutes Geschäft sahen.

 

 

Die globale Ölnachfrage steht kurz vor dem Scheitelpunkt

 

Nicht anders läuft es in anderen Ländern Südostasiens – und sicherlich nicht nur in den Städten. Auf den vielen für die Großregion typischen kleineren Inseln lohne es sich kaum, Großkraftwerke zu betreiben, weswegen kleine, autonom betriebene Generatoren zum Einsatz kommen. Wie beschrieben eignen sich Dieselgeneratoren perfekt für eine Kombination mit Photovoltaik, die dann zum Einsatz kommen, wenn gerade keine Sonne scheint.

Im Ergebnis sinkt in der gesamten Region das Nachfragewachstum für Öl (Indonesien, Malaysia, Philippinen). Es ist stark davon auszugehen, dass trotz der weiter wachsenden Bevölkerung und des ebenso wachsenden Energiehungers der Scheitelpunkt in Kürze überschritten sein wird.

Es gibt zwar noch Afrika mit einem sehr großen Aufholbedarf im Bereich der Energieversorgung. Dort allerdings ist lässt sich erwarten, dass entweder der selbe Weg wie Südostasien gegangen wird. Bei einer verzögerten Entwicklung wiederum könnte bis in einem Jahrzehnt die Kombination aus Photovoltaik und Dieselgeneratoren gänzlich übersprungen werden und anstelle der Generatoren Akkus eingebaut werden.

In beiden Fällen sind das strukturell keine guten Entwicklungen für den Ölpreis. Kurzfristig sind zwar noch immer Preisschocks möglich, wie etwa der Angriff auf saudische Raffinerieanlagen am 14. September 2019. In anderen Jahren hätte dieser Zwischenfall wie auch weitere Angriffe auf die Ölinfrastruktur am arabischen Golf zu heftigen und bleibenden Preisreaktionen geführt. Das war bei dem fraglichen Angriff aber nicht der Fall, einem klaren Zeichen für eine Zeitenwende am Energiemarkt.

 

 

Photovoltaikkunden kommen nicht wieder zurück

 

Für die Ölkonsumenten der Welt sind das erstklassige Nachrichten. Der Weltmarkt ist so sehr gesättigt, dass sogar sehr schlechte Nachrichten den Preis nicht mehr nach oben treiben können. Auf der anderen Seite wiederum hat der globale Schock Mitte diesen Jahres zu der absurden Situation geführt, dass Öl zeitweise einen negativen Marktpreis annahm.

Der Preis erholte sich danach zwar wieder auf das Gleichgewichtsniveau der vergangenen sechs Jahre, wird strukturell jedoch nie wieder höher steigen als aktuell. Denn jedes Mal, wenn der Ölpreis zu sehr steigt, wird es in weiteren Regionen der Welt profitabel, die ölbasierte Stromversorgung durch Photovoltaik zu ergänzen.

Für die ölproduzierenden Länder ist das ein Problem, da Photovoltaikkunden nicht wieder zurückkommen, sobald sich der Preis wieder eingependelt hat. Die Paneele liegen auf dem Dach, die Technik ist installiert und so sinkt die Nachfrage Stück für Stück, ohne wieder zurückzukommen.

Für Produzenten wird es daher zum wichtigsten Kalkül, den Ölpreis möglichst konstant zu halten. Kurze Preisschocks nach unten sind dabei als weniger kritisch zu erachten, auch wenn sie durchaus ein Loch in die Kasse reißen können. Viel schlimmer ist es, einen Kunden zu verlieren, als ihm zu wenig abzuverlangen, so dass die Kapazitäten stets höher sind als die Nachfrage.

Dieses Spiel wird so lange fortdauern, bis die gesamte öl- und danach erdgasbasierte Stromversorgung mit Hilfe von Photovoltaik hybridisiert wurde.

 

Photovoltaik als Preisbarometer für Öl

 

Mit den entsprechenden Informationen über Sonneneinstrahlung, der technischen Entwicklung im Photovoltaiksektor, deren Preisabsatzfunktion und der Nachfrage nach Öl für die Stromproduktion ließe sich theoretisch berechnen, wann der Ölpreis das nächste mal einen strukturellen Bruch erleben wird, und bis auf welches Niveau der Gleichgewichtspreis absacken wird.

Die vergangenen sechs Jahre lag der Gleichgewichtspreis für Öl der Marke WTI bei circa 55 Dollar, davor lag er ebenso für ein halbes Jahrzehnt circa 95 Dollar. Unter Berücksichtung der beschriebenen Kalküle und Mechanismen ist nicht abwegig, dass für Öl das nächste Stündlein fast schon wieder geschlagen hat. Bis in einem Jahr könnte ein Fass des Rohstoffs dauerhaft für nur noch 30 Dollar zu haben sein.

Quelle Titelbild, Satellitenfoto, Chart

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