Horst D. Deckert

UNTERNEHMER-BERATER, SERIENUNTERNEHMER BZW. MEHRFACHGRÜNDER Parteilos und damit völlig unabhängig von irgendwelchen Parteien, Organisationen, Verbänden, etc. Seit 1971 im Dienst von Inhabern, Geschäftsführern, Unternehmern. 1971: Gründung einer Werbeagentur mit dem Schwerpunkt Marketing für Kleinbetriebe im Alter von 19 Jahren. Seit 1977 Firmengründer in Europa, USA und Südamerika. Fragen?
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Intensivbetten: wie der Pandemie-Journalismus Fakten ausblendet

Die Investigativ-Journalistinnen Catherine Riva und Serena Tinari schreiben auf re-check.ch

Gegenwärtig werden drei Hauptargumente genannt, die dafür sprechen sollen, dass die Situation in den Krankenhäusern bald kippen oder sogar ausser Kontrolle geraten könnte:

  1. Die Belegung soll in einigen Einrichtungen bei über 75% liegen.
  2. Das Pflegepersonal könnte bald gezwungen werden, eine Triage durchzuführen. Das würde bedeuten, dass die Aufnahme einiger Patienten auf die Intensivstation infolge Platzmangels nicht mehr möglich ist.
  3. Die Hilferufe der Krankenhäuser nehmen zu.



Eigentlich ist eine Belegung von 75% auf Intensivstationen normal, auch ohne COVID19. Intensivstationen stossen regelmässig an ihren Belastungsgrenzen.



Dieser Just-in-Time-Betrieb und seine Folgen betreffen insbesondere die Universitätskliniken: so stellte das «Centre hospitalier universitaire vaudois» in seinem Jahresbericht 2017 fest, dass die Belegung «auf der Intensivstation (…) weiterhin (…) nahe bei 90% liegt, während bei den Akutbetten das Optimum bei 85% liegt». Derselbe Bericht stellte fest, dass zwischen 2015 und 2017 die Belegung in der Intensivpflege für Erwachsene zwischen 90,9% und 93,4% lag.



Auch die Frage der Triage auf der Intensivstation ist nichts Neues. Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften stellt in ihrer Broschüre Medizinisch-ethische Leitlinien: Intensivmedizinische Massnahmen fest: «Bei der Aufnahme auf die Intensivstation übernimmt der verantwortliche Facharzt für Intensivmedizin die Rolle eines Gate-Keepers. Sterbende Patienten sowie Patienten, die keine reelle Aussicht haben, je wieder von intensivmedizinischen Massnahmen unabhängig zu werden, sollen nur in begründeten Ausnahmesituationen in die Intensivstation aufgenommen werden.»

In den Berichten, die bisher über die «Hilferufe» verschiedener Spitäler berichtet haben, fehlte bisher immer eine grundlegende Information: Die Besonderheit des Finanzierungsmodells der Schweizer Spitäler. Die Einnahmen der Spitäler sind weitgehend von ambulanten Leistungen abhängig, insbesondere von elektiven Operationen. Gegenwärtig gibt es einen Machtkampf zwischen verschiedenen Kantonen und dem Bundesrat, sowie zwischen Bern und einzelnen Spitälern. Bern wünscht sich, dass die Kantone ihre Spitäler zwingen, auf diese Eingriffe zu verzichten.

Die täglich in den Medien publizierten und aktualisierten Infografiken, die die dargestellten Zahlen nicht in einen Kontext stellen, vermitteln der Bevölkerung kein evidenzbasiertes Bild der Situation in den Schweizer Spitälern. Sie ermöglichen es der Öffentlichkeit auch nicht zu verstehen, inwiefern die Situation wirklich aussergewöhnlich und besorgniserregend ist, oder ob sie eher auf die Art und Weise zurückzuführen ist, wie das Gesundheitssystem in unserem Land funktioniert.

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