Horst D. Deckert

UNTERNEHMER-BERATER, SERIENUNTERNEHMER BZW. MEHRFACHGRÜNDER Parteilos und damit völlig unabhängig von irgendwelchen Parteien, Organisationen, Verbänden, etc. Seit 1971 im Dienst von Inhabern, Geschäftsführern, Unternehmern. 1971: Gründung einer Werbeagentur mit dem Schwerpunkt Marketing für Kleinbetriebe im Alter von 19 Jahren. Seit 1977 Firmengründer in Europa, USA und Südamerika. Fragen?
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RWI nominiert Inzidenzwerte zur «Unstatistik des Monats»

Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e. V. zählt zu den fünf führenden Instituten, aus deren Mitte die Wirtschaftsweisen der Bundesrepublik kommen. Jetzt liest die Organisation der Bundesregierung die Leviten: Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz wurde zur «Unstatistik des Monats» erkoren.

«Die aktuelle Politik orientiert sich mit ihren Anti-Corona-Massnahmen vor allem an dieser 7-Tage-Inzidenz, die die Entwicklung der Neuinfektionen abbildet», begründet das RWI seine Entscheidung und fährt fort: «Massnahmen wie Sperrstunden, Personengrenzen auf Veranstaltungen und Alkoholverbote hängen davon ab.»

Die 7-Tage-Inzidenz gibt dem RWI zufolge die innerhalb der vergangenen sieben Tagen registrierten Neuinfektionen je 100’000 Einwohner an. Habe beispielsweise eine Stadt mit 250’000 Einwohnern in den letzten sieben Tagen insgesamt 50 Neuinfektionen verzeichnet, so betrage die Sieben-Tages-Inzidenz 50*(100’000/250’000) = 20. Eine hohe 7-Tage-Inzidenz zeige an, dass sich viele Menschen mit dem Virus infiziert haben.

Doch mit diesem Mythos räumt das RWI jetzt auf:

«Manche schliessen daraus, dass mit etwas Zeitverzögerung das Gesundheitssystem überfordert sein wird und nicht alle Patienten behandelt werden können, was zahlreiche Todesfälle zur Folge haben kann. Alleine auf die 7-Tage-Inzidenz zu schauen, ermöglicht jedoch keinen Blick auf das Gesamtgeschehen. In dieser Unstatistik erklären wir, warum Neuinfektionen in Bezug zu anderen Zahlen gesetzt werden sollten und warum die Zahlen in der ersten Welle im März-April nicht mit jenen von heute vergleichbar sind.»

Je mehr Tests durchgeführt würden, «desto mehr positive Ergebnisse kann man erwarten», schreibt das RWI.

Daher sagen die Neuinfektionszahlen «für sich genommen wenig über die Situation aus».

Für die Politik klar und verständlich erklären die Ökonomen, warum das von der Bundesregierung genutzte Prozedere nicht funktionieren kann:

«Ein Beispiel: In der 18. Kalenderwoche (Ende April) gab es 8321 Neuinfektionen, in der 36. Kalenderwoche (Anfang September) etwa genauso viele. Die Situation ist jedoch nicht die gleiche, denn in der Septemberwoche wurden mehr als dreimal so viele Tests durchgeführt. Man kann die Situation besser beurteilen, wenn man die Anzahl der positiven Tests (‹Neuinfektionen›) durch die Anzahl der Tests teilt. Diese Positiv-Test-Rate war in der Aprilwoche 2,5 Prozent, in der Septemberwoche aber nur 0,8 Prozent. Wenn man nur auf die Neuinfektionen bzw. die 7-Tage-Inzidenz blickt, könnte man meinen, man hätte es mit der gleichen Situation zu tun. Tatsächlich ist aber der Anteil der Personen, die positiv testen, zwischen der 18. und der 36. Kalenderwoche deutlich zurückgegangen. Erst seit Ende September hat sich dies wieder umgekehrt, als der Anteil der positiven Tests stetig anstieg und in der 42. Kalenderwoche (Mitte Oktober) 3,6 Prozent erreichte. Man kann also die absolute Anzahl der Neuinfektionen und auch die 7-Tage-Inzidenz der ersten ‹Welle› im März und April nicht mit der zweiten Welle vergleichen».

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