Horst D. Deckert

UNTERNEHMER-BERATER, SERIENUNTERNEHMER BZW. MEHRFACHGRÜNDER Parteilos und damit völlig unabhängig von irgendwelchen Parteien, Organisationen, Verbänden, etc. Seit 1971 im Dienst von Inhabern, Geschäftsführern, Unternehmern. 1971: Gründung einer Werbeagentur mit dem Schwerpunkt Marketing für Kleinbetriebe im Alter von 19 Jahren. Seit 1977 Firmengründer in Europa, USA und Südamerika. Fragen?
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Wer infiziert ist, ist nicht krank

«Wer die Gesellschaft mit immer neuen Hiobsbotschaften auf immer höhere Bäume treibt, der macht die Gesellschaft krank», meint Walter Plassmann, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg.

In einem Gastbeitrag im Hamburger Abendblatt* hatte Plassmann den Virus-Mahner Markus Söder angegriffen und damit eine lebhafte Diskussion losgetreten. In den Warnungen erkenne er ein «Söder’sches Muster. Unter mehreren Möglichkeiten wird immer die dramatischste genommen, notwendige Relativierungen werden als ‹Verharmlosung› verunglimpft und der ‹Schlag auf die Zwölf› gilt so lange als probates politisches Mittel, solange die Bevölkerung dies mit guten Umfragewerten belohnt».

Die Konsequenz: «Permanenter Stress, ununterbrochene Aufgeregtheit und Angst schädigen Körper und Seele eines Menschen. Sie machen ihn krank», betont Plassmann.

Schon im April sei Ärzten und Ärztinnen aufgefallen, «dass es eine Diskrepanz gibt zwischen der politisch-medialen Aufgeregtheit und dem, was sie erleben», so der Verbandsvorsitzende weiter. «Es ist ja bezeichnend, dass unter denjenigen, die zur Mäßigung aufrufen, überdurchschnittlich viele Ärzte sind.»

Plassmann bewertet auch die ständigen «Räuberpistolen» des Virologen Christian Drosten sowie des «SPD-Gesundheitsexperten» Karl Lauterbach als hochgradig kontraproduktiv.

Speziell bei Corona sei laut Plassmann «die Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren, sehr gering, die Wahrscheinlichkeit zu erkranken, hoch gering und die Wahrscheinlichkeit, schwer zu erkranken oder gar zu sterben, äußerst gering».

«Das sind die Botschaften, die Politik und Medien aussenden sollten, anstatt die Ausnahme zur Norm zu machen», fordert Plassmann in seinem Gastbeitrag und schlussfolgert: «Es ist kein ‹Killervirus›, das uns zwingt, im aseptischen ‹Panikraum› zu zittern, bis der Spuk vorbei ist.»

Aufgrund des grossen Echos wollte FOCUS Online von Walter Plassmann genauer wissen, was ihn veranlasste, sich lautstark zu Wort zu melden, worin er die Gründe für Deutschlands ängstliche Corona-Politik sieht und warum die Fixierung auf Infektionszahlen keinen Sinn macht.

Ein Auszug seiner Antworten aus dem FOCUS online Interview:

  • Viele haben mich in meinem Wunsch und der Forderung bestärkt, eine gesellschaftliche Debatte zu unterstützen, die nicht immer nur Worst-case-Szenarien zum Mass aller Dinge macht.
  • Was mir aufstösst, ist, dass von mehreren Möglichkeiten immer die schlechteste angenommen wird. Es ist immer ganz, ganz schlimm, jüngst ist wieder von einer Schockwelle die Rede gewesen, die angeblich auf uns zukommt. Niemand aber weiss zum Beispiel, ob wirklich eine Grippewelle auf Deutschland zurollt.
  • Nachdenklich wurde ich, als die Reaktionen der Ärzte nicht mehr mit dem übereinstimmten, was ich am Abend in den Nachrichten sehen konnte. Ein Arzt kam im April ganz aufgeregt zu mir – ich dachte, er wäre wegen des heftigen Infektionsgeschehens so betroffen. Doch er erzählte mir, dass er verzweifelt sei, weil er die ganze Nacht im Einsatz gewesen sei und keinen einzigen kranken Menschen erlebt habe.
  • Wir hätten den Lockdown nach zwei bis drei Wochen beenden und den schwedischen Weg gehen sollen.
  • Wir müssen uns von dieser vollkommenen Fixierung auf Infektionszahlen lösen. Wer infiziert ist, ist nicht krank. Wichtig ist aus meiner Sicht, wie viele Menschen krank sind, wie viele wegen Corona auf der Intensivstation liegen und wie viele daran gestorben sind – also an dieser Infektion gestorben sind und nicht mit ihr. Wenn die Infektionszahlen hochgehen, aber es sind nicht mehr Menschen krank oder sterben, dann ist das nicht schlimm.
  • Wenn die Schweden das können, warum sollten wir es dann nicht auch hinbekommen?
  • Von den AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) ist die Maskenpflicht die unwichtigste. Ungeschützt anderthalb Meter Abstand halten, bietet mehr Schutz als eine Maske. Aber die Maske ist auch ein Symbol – sie erinnert uns daran, dass es noch nicht vorbei ist. Dass so intensiv über sie diskutiert wird, zeigt aber, dass etwas nicht stimmt.

* Anm. Redaktion: Der Gastkommentar im Hamburger Abendblatt ist hinter einer Paywall. Wir bieten deshalb einen Link zu einem Focus-Artikel, der wesentliche Auszüge des Textes von Walter Plassmann enthält.

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