In Deutschland gehen nicht nur die Uhren anders, stehen permanent auf fĂŒnf vor zwölf oder sollen rĂŒckwĂ€rts gedreht werden. Regierende Doppelmoralisten achten auch genau darauf, wann man sie am Handgelenk trĂ€gt und wann besser nicht. Seit am Wochenende ein Schlussdetail aus dem Auftritt von Finanzminister Christian Lindner bei âMaybritt Illnerâ im ZDF viral ging, ergieĂen sich berechtigte Lawinen von Groll und HĂ€me ĂŒber den FDP-Politiker.
Denn Lindner hatte dort, nach der Sendung, nonchalant seine Protz-Rolex aus der Hosentasche gezogen und wieder ĂŒbergestreift â in der Annahme, die Kameras seien bereits ausgeschaltet. Dumm gelaufen, denn tatsĂ€chlich lief die Ăbertragung sie noch fĂŒr einige Sekunden und entlarvte den peinlichen Versuch, Understatement vorzuschĂŒtzen.
Heuchelei trifft auf Missgunst
Typisch deutsch an dieser Posse war zweierlei: Zum einen die inzwischen milieutypische Heuchelei von halbseidenen und unaufrichtigen Politikern, Bescheidenheit und SeriositĂ€t vorzuschĂŒtzen; zum anderen aber auch die unsĂ€gliche Neidkultur in Deutschland. Die in Deutschland allgegenwĂ€rtige Missgunst auf erfolgreiche und reiche Menschen korreliert direkt mit der besorgniserregenden Wiederakzeptanz und Rehabilitierung offen sozialistischer oder sogar kommunistischer Enteignungs- und Umverteilungsphantasien, die ĂŒber die âKlimaâ- und Energiepolitik bereits schleichend verwirklicht werden.
Wo Enteignungen, Umverteilung und Mangel zur Tugend werden und bereits Heizen und Stromverbrauch zu verzichtbaren âWohlstandsprivilegienâ erklĂ€rt werden, gedeiht der schwarze Neid (âWarum sollte es anderen besser gehen als mir?â) prĂ€chtig.
WĂ€hler fĂŒr dumm verkauft
Das Ă€ndert nichts daran, dass Lindners Gebaren mehr als peinlich ist â aber gerade nicht, weil er eine Protzuhr besitzt, sondern weil er sie im Fernsehen auszieht. Wer privat den Luxus liebt, sollte auch dazu stehen und seine WĂ€hler nicht fĂŒr dumm verkaufen. Die können sich auch ohne schamhafte Bescheidenheitsinszenierungsversuche ausrechnen, dass Lindner bei seinen 18.000 Euro MonatssalĂ€r sicher nicht auf der Brotsuppe dahergeschwommen kommt oder Tchibo-Uhren trĂ€gt.
Und: Wer als Finanzminister gleichzeitig 1 Billion Euro Steuereinnahmen verkĂŒndet und es politisch mitverantwortet, dass zweistellige Milliardensummen an ein hochkorruptes ukrainisches Regime weitergeleitet werden (dessen Hauptakteure einschlieĂlich des PrĂ€sidenten hunderte Millionen Euro teure Immobilien im Ausland besitzen), der kann auch zu seiner Rolex stehen.
Sylt-Hochzeit lĂ€sst grĂŒĂen
Allerdings war es nicht das erste Mal, dass Lindner die offenbar mit seinem Ausgabeverhalten als Finanzminister korrelierende private Verschwendungssucht versuchte, vor der Ăffentlichkeit zu verheimlichen: Bei seiner pompösen VermĂ€hlung mit seiner âGehhilfeâ Franca Lehfeldt im vergangenen Jahr auf Sylt versuchte der Porsche-Freak, die handverlesene Hochzeitsgesellschaft durch ein ganzes Regiment staatlicher SicherheitskrĂ€fte vor den Blicken von Pöbel & Papparazzi abzuschirmen (was ĂŒbrigens ebenfalls schiefging).
Fakt ist, und dies ist das eigentliche Ărgernis: Linder traut sich nicht, zu dem groĂkotzigen Lebenswandel zu stehen, den er pflegt. Mit dieser Inkonsequenz ist er tatsĂ€chlich ideales Sinnbild einer durch und durch verlogenen Politikerriege, die Wasser predigt und Wein sĂ€uft.
Zum Autor: Daniel Matissek ist Journalist mit pfĂ€lzischen Wurzeln, arbeitet neben fĂŒr AUF1 auch fĂŒr diverse deutschsprachige freie Medien (unter anderem âJournalistenwatch.comâ). GrĂŒndungsherausgeber des Blogs âAnsage.orgâ. Schwerpunktthemen: Migrationspolitik, politischer Extremismus, Demokratie und Medienlandschaft. Freund differenzierter Zwischentöne, aber gerne auch leidenschaftlicher Polemiker. Devise: âDie Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos; es könnte aber auch umgekehrt sein.â
Wir sind unabhĂ€ngig, weil Sie uns unterstĂŒtzen!
AUF1 ist durch seine Zuseher finanziert. Wenn Ihnen unser Angebot gefÀllt, dann bitten wir Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten zu helfen. Nur mit dieser Hilfe können wir ein tÀgliches Programm aufrechterhalten und weiter ausbauen.

