Von unserem Osteuropa-Korrespondenten Elmar Forster
Die Ankündigung des russischen Präsidenten Putin, in Kürze als Zahlungsmittel für die Gaslieferungen an „unfreundliche Staaten“ (u.a. neben den allermeisten EU-Staaten auch Deutschland und Österreich, nicht aber Ungarn) nur mehr den russischen Rubel zu akzeptieren, löste im Westen ungläubiges Staunen aus… So reagierte etwa der Generaldirektor des österreichischen Mineralölverbandes (OMV), Alfred Stern, wie der tollpatschige Kaiser Ferdinand im Jahre 1848: „Wir dürfen das gar nicht. Bei uns hat noch niemand angerufen, wir haben auch bestehende Verträge, da ist es so nicht vereinbart. Ich werde jetzt mal warten, ob da jemand auf uns zukommt.“ (krone)
„Jo, dürfens des denn ?“
Zu Erinnerung: 1848 soll der damalige Habburger-Kaiser Ferdinand, angesichts eines revoltierenden Bürgermobs, sich die verdatterte Frage gestellt haben: „Jo, dürfen´s denn das überhaupt ?“ – Übrigens weiß jeder Historiker: Dass es das Wesen jeder erfolgreichen Revolution ausmacht, dass man sie nicht bei den Herrschenden vorher ankündigt…
Im selben Stil reagierte auch die gleichgeschalte Westpresse zwischen verdutzt, not-amused bis empört: „Kreml-Despot Putin will die Sanktionen des Westens eiskalt unterlaufen!“ (bild) Und auch sogenannte Experten erkannten gleich die dramatische Tragweite des „bösen Putin-Schachzugs“ (Bild): „Putin will den Westen unter Druck setzen und seine abstürzende Wirtschaft retten.“ (Bild)
Rubel-zahlungen stützen Russlands Finanzsystem
Zwar braucht man für diese Analyse keine Wirtschaftsprofessur: Denn durch die Erdgas-Rubelzahlungen nähme – logischerweise – die internationale Nachfrage nach Rubel zu. Die russische Währung wird gestützt.
Komisch nur, dass von den vielen westlichen Wirtschaftsministern, Präsidenten und klugen Leitartikelschreiben niemand auf dieses stringente Eskalationspotential gekommen ist…: Denn durch die Sanktionen des Westens war der Rubel zunächst stark abgestürzt. Gleich nach der Putin-Ankündigung stiegt der Rubel aber wieder stark an, vor allem gegenüber dem Dollar.
„Gefährlicher Schachzug Putins“ (Bild)
In welcher Welt leben eigentlich die westlichen Staatenlenker noch ? Wohl in der Nachkriegsära ab 1945… Von „klarem Vertragsbruch“ sprach etwa Top-Ökonom Südekum. (Berater des deutschen Wirtschaftsministers Habeck) Mittlerweile dämmert es aber langsam allen…: Putin „testet jetzt, ob wir da mitgehen. Das ist eine Eskalation des Wirtschaftskrieges. Diese Breitseite haben nicht viele erwartet.“ (Südekum) – Na so was..: „Letztlich handelt es sich wohl um eine Retourkutsche auf die verhängten Sanktionen des Westens.“ (Analyst Ralf Umlauf) Die bisher so coolen Wirtschaftsmanager ergreift blankes Entsetzen: „Wir haben die Meldung … mit großer Irritation zur Kenntnis genommen“ (Geschäftsführer des Verbandes „Zukunft Gas“). Und Wirtschaftsminister Habeck pochte – wie ein kleines Kind – auf die Einhaltung der Vor-(!)kriegs-Verträge.
Auf alle Fälle schlug Putins Meldung wie eine Bombe im deutschen Aktienmarkt ein: So verlor der DAX 1,31%. Dafür hatten allein schon die neuen Inflationsprognosen für Deutschland für das Jahre 2022 gesorgt: Nämlich zwischen 5,1 und 6,1% – die höchste Rate seit 1982. (Focus) – Wohl mit viel Luft nach oben…
Dollar soll als globale Leitwährung abgelöst werden
Daran sind aber auch China und etwa der Iran interessiert. Mit fatalen Auswirkungen für den Westen: Der europäische Erdgas-Future verteuerte seit Dienstag zeitweise um bis zu 31 % auf 130 Euro je Megawattstunde. (standard)
Putins banale Analyse: Der Westen hat seine Währungen dadurch selbst entwertet, indem er alle russischen Guthaben eingefroren hat. – Nachfrage: „Jo, dürfen´s denn das ?“
Grüner österreichischer Bundespräsident: „Wir sind auf einem guten Weg“
Mit einer besonderen Mischung aus Alters-Weisheit und ‑Starrheit ließ der (von vielen bösen Geistern bereits senil-verdächtigte) grüne österreichische Bundespräsident Van der Bellen aufhorchen: „Wenn wir das nicht tun, laufen wir Gefahr dass nur die Preise steigen, aber sich die Situation nicht rasch genug ändert. Ich glaube das haben alle verstanden.“ (Krone) Dessen Hoffnung auf „weitreichende Entscheidungen“ (im Sinne eines Gansembargos bzw. einer Verringerung der Abhängigkeit von Russland), dass wir nämlich „auf einem guten Weg sind“, obwohl „ich nicht leugne, dass es schwierig ist“, haben sich mittlerweile längst zerschlagen…
Selbst dem österreichischen Bundeskanzler Nehammer schwant Böses: Dass Putin nämlich „ein neues Spielfeld eröffnet hat“ (Krone) Nehammers sinnierende „Frage“, ob „wir uns auf dieses begeben müssen oder nicht“, ist einfach zu beantworten: Der Westen müsste nur eine Gasembargo ausrufen. – Und würde damit seinen wirtschaftlichen Kollaps auslösen…
„Wer kein russisches Gas braucht, der kann Sanktionen fordern.“ (Nehammer, Kleine Zeitung)
Maria-Theresien-Zimmer (Hofburg Wien)
Nehammers Zukunftsprophezeiung: „Wir brauchen jetzt viele Ideen, um weiter die Sanktionen zu verschärfen“ (Kleine Zeitung), könnte nämlich – via a vis des Bundeskanzleramtes, nämlich in den, von grünem Geist durchsetzen, Amtsräumen des Bundespräsidenten van der Bellen – einen Denkanreiz auslösen: Denn im sogenannten Maria-Theresia-Zimmer befindet sich ein barockes Glanzstück ein Riesen-kachelofen… Und am anderen Westende von Wien befinden sich ehemaligen Amtsräume des zweitletzten österreichischen Kaiser, des legendären Franz Josephs. Denn dessen Arbeitszimmer ließ sich selbst Anfang des 20. Jahrhunderts – trotz bester Technik – nur auf maximal 12 Grad Celsius aufheizen. Von Franz Josephs legendärer Arbeitsdisziplin könnte man heute also durchaus noch etwas lernen…

Kaiser Franz Joseph in seinem Arbeitszimmer (Schloss Schönbrunn) Grüner Bundespräsident van der Bellen in der Hofburg
Unser Ungarn-Korrespondent Elmar Forster, seit 1992 Auslandsösterreicher in Ungarn, hat ein Buch geschrieben, welches Ungarn gegen die westliche Verleumdungskampagne verteidigt. Der amazon-Bestseller ist für UM-Leser zum Preis von 17,80.- (inklusive Postzustellung und persönlicher Widmung) beim Autor bestellbar unter <ungarn_buch@yahoo.com>


