Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery (Foto:Imago)
Ach, wie schön waren doch die Zeiten, als Ärzte noch als „Halbgötter in Weiß“ galten, so wie dereinst Professor Brinkmann in der „Schwarzwaldklinik”, die haben wir immer gern geschaut. Heute gibt es derlei Verehrung nur noch in einschlägigen Romanen, in denen die Welt noch in Ordnung ist – in denen der Chefarzt die Krankenschwester heiratet, den kleinen Timmy von seinem Dauerschluckauf befreit und nebenbei noch seine Klinik vor der Pleite rettet, weil der unterschätzte Onkel von Timmy in Wirklichkeit Milliardär ist und eine ordentliche Spende überweist. Zwar sind wir auch heute froh, wenn wir für unsere Leiden einen vernünftigen Arzt finden (so wie ich den besten Psychiater von allen), aber die Hochachtung für diesen Berufsstandes hat doch ein wenig nachgelassen.
Corona könnte die Chance in sich bergen, das wieder zu ändern. Man stelle sich vor, wegen der Energiewende bräche unser Stromnetz zusammen und die Deutsche Bahn müsste wieder auf Dampfloks umsteigen – es wäre die große Stunde aller Dampfmaschinen-Experten, die bisher als verschrobene Nerds belächelt wurden, denn Dampfmaschinen interessierten in den letzten Jahren kaum noch jemanden. Auch Lokführer, die eine Dampflok zu bedienen verstünden, lägen wieder hoch im Kurs. So wie jetzt die Virologen – denn mit Corona kam doch scheinbar das auf uns zu, was unzählige Filmszenarien schon auf die Leinwand gezaubert hatten. Wenngleich ohne Zombies, aber mit Laborunfall und Quarantäne – die Stunde der Helden hatte geschlagen!
Wir haben Karl Lauterbach als Unheilspropheten aufblühen sehen, an dessen Lippen die Gläubigen hingen, die sich nach der filmreifen Apokalypse sehnten; doch ach! Das Heer der Zweifler wuchs. Auch deshalb, weil die Prophezeiungen nicht immer stimmten und das angekündigte Heilmittel nicht annähernd so funktionierte wie angekündigt. Solche Zweifel sind ein Stachel im Fleisch derer, die sich schon als strahlende Fackel der Hoffnung in der Dunkelheit sahen. Doch während Karl Lauterbach & Co. mit ihren düsteren Prophezeiungen unbeirrt fortfahren, drängt es Weltärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery seit Wochen zu Höherem: Er will nicht nur Prophet, sondern wenigstens wieder Halbgott sein. Der Ramses II. unter den Medizinern, der Ungeimpften schonmal mit der Peitsche drohte. Zu Weihnachten gewährte Montgomery nun auch Einblicke in sein Verständnis von Rechtsstaatlichkeit:
(Screenshot:Welt)
Dreisterweise stellten sich nun also auch noch einige „Richterlein“ in Niedersachsen seinem Herrschaftsanspruch entgegen: Entgegen seines Expertenrates erklärten sie die 2G-Regel im Einzelhandel für „unverhältnismäßig”. Das ist in etwa so unverschämt, wie trotz der Expertenmeinung von Luisa Neubauer den Klimawandel für als vom Menschen verursacht zu betrachten. Ein Sakrileg vor dem Herrn! Leider sind Daumenschrauben und Scheiterhaufen im deutschen Strafvollzug abgeschafft, sonst könnte man sie als einzig angemessene Bestrafung betrachten. Wenigstens urteilen anständige Gerichte wie das von Stephan Harbarth geleitete Bundesverfassungsgericht so, wie es die „Gesundheitsexperten“ gerne hätten – oder besitzen wenigstens den Anstand, mit ihren Urteilen so lange zu warten, bis eine Maßnahme beendet ist und ihre Stellungnahme niemandem mehr nutzt (so wie in Bayern zum Beispiel).
Frank Ulrich Montgomery befindet sich offensichtlich im Höhenflug, als hätte ihm das Virus ein Bündel Heliumballons angebunden. Aber er ist nicht allein damit. Von allen Seiten wird uns inzwischen vermittelt, wir hätten einen falschen Begriff von Freiheit. In Österreich wurde nun immerhin beschlossen, dass die Wirksamkeit der Corona-Impfung zweifelsfrei nachgewiesen sein müsse, wenn weiter über eine Impfpflicht debattiert werden soll. Hätten dort nicht viele Bürger protestiert, so wäre wahrscheinlich einfach durchgewinkt und längst beschlossen worden.
Wissenschaftliche Debatte, Freiheitsproteste: Die Montgomerys dieses Landes fürchten so etwas wie der Teufel das Weihwasser. Sie glaubten stets unangreifbar zu sein – und werden doch ab und zu noch auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Selbst, wenn man ihnen keine persönliche Machtgier, sondern den Willen, das Richtige zu tun, unterstellt, stehen zwischen uns und ihrem Totalitarismus nur noch die tapferen „Richterlein“. Denn was gern übersehen wird, ist die Tatsache, dass selbst fähige Experten betriebsblind werden können, wenn ihnen der Widerspruch fehlt, gegen den sie argumentieren müssen. Dann platzt nämlich der Heißluftballon.

