Gesprengte Ketten und abgestreifte Fesseln? Nicht für maßnahmendressierte Coronadeutsche (Symbolbild:Imago)
Wenn dieser Tage deutsche Normalos gefragt werden, was sie vom ab kommender Woche anstehenden „Wegfall der Maßnahmen“ halten: Dann überwiegen nicht etwa Freude und Erleichterung, sondern Skepsis, Vorsicht, Angst oder gar Zorn über die „verfrühten”, „leichtsinnigen“ und „riskanten“ Lockerungen. Damit nehmen die Deutschen einmal mehr einen ebenso unrühmlichen wie unzweifelhaften Spitzenplatz im internationalen Vergleich ein. Das für seine „German Angst“ sprichwörtlich berüchtigte Volk von Bedenkenträgern, Umstandskrämern und Subordinationsfreaks kann – wie eh und je – wenig anfangen mit Selbstbestimmung, Freiheit und Mündigkeit; es duckt sich lieber in der sicheren Herde der Schlafschafe zusammen, „bemaßnahmt“, bevormundet und geschurigelt von ein er Obrigkeit, die heute anmaßend als paternalistisches Gesundheitspräventionsregime, als „Team Vorsicht“ auftritt.
Und auch wenn sich Reporter der Leitmedien, die dieses nicht maßnahmen- sondern lockerungskritische Stimmungsbild weiterzeichnen, gewiss bevorzugt solche ausgewählten Bürger vor ihre Mikros und Kameras holen, die mit dem Wegfall von Maske und 2G/3G hadern und ihre Stirn in Sorgenfalten legen, so kann man doch getrost annehmen, dass diesmal öffentliche und veröffentlichte Meinung nicht sehr weit auseinanderliegen. Die demoskopische Datenlage bestätigt dies: So zeigt eine im Auftrag von RTL durchgeführte Forsa-Umfrage, dass sagenhafte 65 Prozent der befragten Deutschen (!) die Aufhebung der Corona-Beschränkungen zum 2. April für „verfrüht” halten. Nicht einmal ein Drittel (knapp 32 Prozent) befürwortet hingegen die Entscheidung zur Aufhebung der Maßnahmen – wobei interessanterweise lediglich die Anhänger von FDP und AfD eine Mehrheit bilden.
Spott für den „Freedom Day“, der eh keiner ist
Erwartungsgemäß ist die Ablehnung der Freiheitsschritte bei den verbotssüchtigen Grünen mit 79 Prozent am höchsten; ein weiterer eindrucksvoller Beleg dafür, dass das braune und rote Erbe im giftgrünen Reservoir der gesellschaftlichen Gegenwart weiterexistiert. Was besonders verdrießlich an diesen Zahlen stimmt, ist der Umstand, dass es sich bei den „Lockerungen“ in Wahrheit nicht einmal ansatzweise um eine echte Rückkehr zum status quo ante vor März 2020 handelt – und auch um keinen echten „Freedom Day” (der anderswo in Europa bezeichnenderweise ersehnt und gefeiert, in Deutschland hingegen zum pejorativen sarkastischen Schmähwort wurde): Weder entfällt die Maskenpflicht tatsächlich überall, noch sind – mit Blick auf eine Impfpflicht und Reisevorschriften – die Covid-Impfnachweise wirklich gegenstandslos geworden. Und die jederzeitige Wiederaushebelung von Grundrechten durch Reaktivierung von Freiheitsrestriktionen ist, anders als vor Corona, an keinerlei – geschweige denn hohe – rechtliche Hürden mehr gekoppelt, sondern sie kann auf fortan auf Länderebene beliebig per Verwaltungsakt vollzogen werden (die „Hotspot-Regelung“ lässt grüßen).
Dass so viele Deutsche dies „gut finden” – 69 Prozent sprechen sich in der erwähnten Umfrage etwa für ein zumindest vorläufiges Beibehalten des Maskenzwangs in den meisten Betrieben aus, nur 11 Prozent unterstützten eine komplette Aufhebung – ist eigentlich kaum logisch zu fassen; ebenso wenig wie der hohe Zuspruch zu einer Impfpflicht ab 18 Jahren (und damit einer weltweit von praktisch keinem anderen Staat mehr aufrechterhaltenen Geisterfahrermaßnahme), die von erschütternden 61 Prozent (!) der Befragten befürwortet wird.
Erschreckend viele Jüngere auf Paranoia-Kurs
Bei älteren Menschen, denen die Corona-Politik in den letzten zwei Jahren eine irreparable Angststörung zugefügt hat, von der sie sich zeitlebens nicht mehr erholen werden, mag man derlei Skepsis und Besorgtheit ja noch nachvollziehen; zwar nicht rational, aber zumindest subjektiv-intuitiv. Erschreckend aber ist die große Zahl auch jugendlicher und mittelalter Vertreter der deutschen Aktivbevölkerung, die dieser Tage in jedem Radio- oder Fernsehinterview, ob in deutschen Fußgängerzonen oder am Ballermann (wo nun, wie überall in Spanien, die Maßnahmen final beseitigt wurden), in geradezu gruseliger Konformität, oftmals wortgleich, ihr Zweifel und Missfallen gegenüber dem Wegfall der Beschränkungen zum Ausdruck bringen. Dies so, dass es im Sinne der erfühlten Mehrheitsposition und zum Gefallen der Herrschenden ist, und stets auf dem gefühlten Median des Common Sense entlangsegelt. Allen wohl und niemand wehe, way of minor resistance, im Zweifel für die „Solidarität“. Freiheit ist Egoismus.
„Man hätte noch warten sollen, die Zahlen sind viel zu hoch”, „so lange die Impfquote so niedrig ist, ist das leichtsinnig”, „es besteht jetzt die Gefahr, dass dann im Winter wieder alles von vorne losgeht” – diese Zitate sind in unzähligen Variationen bei jedem Straßeninterview zu vernehmen; keiner redet Tacheles über die überfällige Aufhebung der Schikanen und deren gänzliche Unsinnigkeit in Zeiten von Omikron. Und keiner nimmt die Alarmisten beim Wort, die bereits vor einem halben Jahr die gänzliche Aussagelosigkeit von täglichen „Zahlen“ und „Neuinfektionen“ ohne jede Krankheitswert konzedierten (und darum die 7-Tages-Inzidenz als Leitindex abschafften), bis heute aber trotzdem an diesem Wert unverdrossen die angebliche Bedrohlichkeit des „Infektionsgeschehens“ festmachen und Panik schüren.
Volk im Wahn
Floskeln wie die oben zitierten Interviewaussagen belegen nicht nur das schockierende Ausmaß der angerichteten Gehirnwäsche, sondern auch die Realitätsblindheit und Verweigerung einer differenzierten, objektiven eigenen Beschäftigung mit Daten, Fakten und Hintergründen durch die meisten Deutschen. Sie verweisen zudem auf eine landestypische Disposition zur Unterwürfigkeit, die in Frankreich und Italien, aber auch Großbritannien völlig undenkbar wäre. Bei uns heißt es: Im Zweifel lieber Mund halten und kuschen, die da oben werden schon wissen, was sie tun – deshalb besser Handbremse statt Gaspedal. Die Institutionen können nicht irren. Dass niemand im Ausland unseren Weg mitgehen will, weder in Sachen Impfpflicht noch Maßnahmenverlängerung? Was wissen die schon! Am deutschen Wesen soll Corona genesen.
Wer immer daher die Freiheitsfeindlichkeit der Lauterbachs, Drostens und anderer Phänotypen des neuen Gesundheitsfaschismus in Politik und Wissenschaft zurecht beklagt, der kommt nicht um die bittere Erkenntnis herum: Ihr Wahn konnte von Beginn an nur deshalb so prächtig in Deutschland gedeihen, weil dessen willfährige Bevölkerung sich nur allzu gerne bevormunden lässt – und nicht zum ersten Mal in der Geschichte unkritisch bereit ist, sich mit der inbrünstiger Überzeugung und Glauben an das „Richtige“ und „Vernünftige“ freiwillig in Ketten legen zu lassen.
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