Ein sehr persĂśnlicher Nachruf von Odin Wiesinger auf das freiheitliche Urgestein Lutz Weinzinger, der am 17. August 2021 im Alter von 78 Jahren fĂźr immer seine Augen schloss:
Liest man die Zeitungsberichte und Politikerstellungnahmen zum Ableben von Lutz Weinzinger, so werden durchweg alle Funktionen in der FPĂ, sowie seine Verdienste auf Landes- und Bundesebene, und seine ZugehĂśrigkeit zu Burschenschaften erwähnt. Ebenfalls bemerkenswert: Die pennale B! Scardonia zu Schärding gäbe es nicht ohne ihn!
Es ist verschiedentlich die Rede vom âväterlichen Freund, treuen Mitstreiter, standhaften Kameraden, politischen Weggefährten, Mann mit klaren Werten und Vorstellungen, Vorbild, etc.â.
FĂźr mich war er ab meinem 16. Lebensjahr all dies zusammen und noch viel mehr! Er war mein Leibbursch*!
Er verstand es, auf seine eigenwillige, aber zutiefst menschliche Art, mit viel Idealismus, Ruhe und Vernunft den Rebellen in mir ein wenig zu zähmen. Ich war begeistert, wenn er ßber die alten Germanen und die deutsche Geschichte sprach und uns im Fuxenunterricht ßber die Entstehung der Burschenschaften und ßber das burschenschaftliche Leben mit seinen Bräuchen und Traditionen erzählte!
Ermunterung zum Singen
A propos Bräuche: Bei meinen Mensuren hatte er mehr Angst um mich als ich jemals vermutet hätte. Als Sangwart ermunterte er uns, kräftig und mit Begeisterung zu singen. âUnd wennâs geht, nicht ganz so falschâ, meinte er dann immer mit einem Lächeln!
Das hat mich von Jugend an geprägt, und dafßr danke ich ihm heute noch, obwohl es manchmal verdammt schwer war, der Leibfux von Lutz Weinzinger zu sein, den so viele kannten und schätzten. Ich gebe zu, ich war stolz auf ihn. Durch ihn lernte ich interessante Menschen kennen, und einige davon wurden auch mir ßber die Jahre zu lieben Freunden.
Unvergessen sind die gemeinsamen Couleur-Reisen, bei denen er uns mit seinem historischen Wissen beeindruckte und wo er immer schon beim FrĂźhstĂźck den âTagesschuldigenâ bekannt gab, sollte etwas schief gehen. Unvergessen auch seine wortgewaltigen Reden auf Kneipen, Stiftungsfesten, Burschentagen und anderen Veranstaltungen. Und meine Gespräche mit ihm Ăźber âGott und die Welt ⌠und die Parteiâ, die er meist mit den Worten âLeibfux, schauâŚâ oder âIch blicke in AbgrĂźndeâŚâ begann!
SchĂśne Erinnerungen
Als ich mit ihm darĂźber sprach, dass ich Malerei studieren mĂśchte, anstatt die von ihm fĂźr mich bevorzugte Karriere beim Bundesheer anzustreben, meinte er: âMachâs, aber ich hoffe, du schmierst dann nicht so herum wie diese modernen KĂźnstler.â Weil er nicht davon Ăźberzeugt war, dass mir an der Kunsthochschule in Linz viel beigebracht wurde, bekam ich von ihm im 2. Studienjahr ein ganz besonderes Jul-Geschenk Ăźberreicht. Nämlich ein Malset âMalen nach Zahlenâ. Ich hatte es zur âmoralischen UnterstĂźtzungâ noch lange im Atelier.
Es gäbe noch viele Episoden und Anekdoten ßber den Politiker, Burschenschafter und Menschen Lutz Weinzinger, und wir hätten uns sicher noch eine Geschichte zu erzählen. PersÜnlich Erlebtes und GehÜrtes, woran ich mich in diesem Augenblick erinnere.
Und Erinnerung soll es auch ßber den Tod hinaus bleiben, so wie die gegenseitig gewachsene Wertschätzung, das Vertrauen und die Freundschaft! Es war mir eine Ehre.
Daher ein letztes âHeil dir!â, lieber Lutz. Du wirst mir fehlen!
Fiducit Leibbursch!
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*Leibbursch: Als Leibbursch werden bei Burschenschaften erfahrene Mitglieder bezeichnet, die sich um Neuzugänge (FĂźchse) kĂźmmern.Â
Ăber den Autor:
Odin Wiesinger wurde 1961 im oberÜsterreichischen Innviertel geboren und absolvierte seine kßnstlerische Ausbildung an der Hochschule fßr Gestaltung in Linz, in der Meisterklasse fßr Malerei und Graphik. Wiesinger, der in seinen Darstellungen den Realismus nie aus den Augen verliert, ist sowohl als Maler als auch als Bildhauer tätig. Er steht fßr eine vielfältige Art von Kunst, die sich inhaltlich mit verschiedensten Themen beschäftigt und sich in der Themenauswahl niemals etwas vorschreiben lässt. Fßr Info-DIREKT hat Wiesinger bereits zwei Titelblätter gezeichnet.
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