Deutsche Schulklasse (hier bei der der „Anti-Mobbing-Prävention“) (Symbolbild:Imago)
Der Ukraine-Krieg hält Deutschland in vielerlei Hinsicht den Spiegel vor: Patriotismus, Liebe zur eigenen Nation und Kultur, die unbedingte Bereitschaft, diese zu verteidigen und sie vor allem auch für künftige Generationen zu bewahren – all das also, was hier aus der Fernwarte plötzlich bewundert wird, sobald es ein überfallenes Volk praktiziert, ist den Deutschen seit Jahrzehnten fremd, wurde aus einem einem linken Bildungssystem verbannt und steht im Zweifel unter „Nazi”-Generalverdacht. Wenig verwunderlich in einem Staat, in dem heute ein Vizekanzler regiert, der noch vor drei Jahren wörtlich erklärt hatte, es gäbe „kein Volk und deshalb auch keinen Verrat am Volk”, in dem seit Jahren vorgealterte Landfrauen an der Spitze des Verteidigungsministeriums stehen, und in dem Bundeswehrvertreter und Uniformträger – selbst zu Berufsinformationstagen – an Schulen und Universitäten für unerwünscht erklärt werden.
Das deutsche Bildungssystem ist seit Jahren damit befasst, ahistorische Verkürzungen und Umdeutungen à la „Soldaten sind Mörder“ in die Köpfe zu hämmern und sich, statt mit zwischenstaatlichen Aggressionen, lieber mit Befindlichkeiten von Minderheiten und Mikroaggressionen zu beschäftigen. Wo anstelle von Charakter- und Geistesbildung, humanistischen Werten, qualifizierter Lernstoffvermittlung und solidem Grundwissen seit Jahrzehnten gesellschaftspolitische „Herausforderungen” wie Integration, Inklusion und Indoktrination und auf dem Lehrplan stehen, wo die Teilnahme an den richtigen Demos zu Klima und Rassismus (gerne auch zur Unterrichtszeit) und politisch korrekte Haltungsbekundungen (pro Ukraine und gegen Russland, die Anerkennung kolonialistisch-weißer Erbsünden), Schreiben nach Gehör oder Gendern wichtiger sind als Deutschkenntnisse oder internationales Abschneiden in MINT-Fächern, und wo Test- und Maskendisziplin wichtiger sind als die Ertüchtigung zu eigenständigem Denken und geistiger Reife: Da gerät Schule endgültig zur weltanschaulichen und staatsbürgerlichen Erziehungsanstalt. Dass mancherorts an staatlichen Bildungseinrichtungen zunehmend schon eine aggressive Frühsexualisierung bzw. identitär-sexuelle Umpolung bereits von Kindern und Halbwüchsigen durch eine institutionalisierte Diversitätssekte Einzug gehalten hat, rundet das Gesamtbild ab.
Der Ruf eilt dem System voraus
Offenbar ist der katastrophale Ruf dieses Systems diesem nicht nur bis in die östliche EU, sondern längst auch bis in die Ukraine vorausgeeilt. Ukrainische Politiker sorgen sich nämlich nun – durchaus zu Recht – um die geistige Entwicklung und Zukunft jener verlorenen Generation an Schülern, die im Zuge der Flüchtlingsbewegung überwiegend mit ihren Müttern nach Deutschland gekommen sind und hier nun beschult werden sollen. Die ukrainische Generalkonsulin Iryna Tybinka hielt bereits am 10. März vor der Kultusministerkonferenz (KMK) in Lübeck eine Rede, die die versammelten deutschen Bildungspolitiker (besser: Bildungsabschaffer) reichlich verlegen machte und sprach- wie fassungslos zurückließ. Tybinka sprach sich darin nämlich vehement gegen die von der deutschen Migrations- und Schulbürokratie geplanten „Integrationsklassen” für geflüchtete ukrainische Kinder aus. Diese würden „für die ukrainischen Kinder eine Wand des Unverständnisses, das Gefühl der Minderwertigkeit und des geringen sozialen Schutzes bedeuten.” Stattdessen forderte sie Unterricht möglichst nach dem ukrainischen Lehrplan.
Für ihre Bitte nannte Tybinka vier – durchaus nachvollziehbare – Gründe: Erstens gehe es – man höre und staune – nur um einen „vorübergehenden Aufenthalt” (für deutsche Willkommenspolitiker natürlich ein völlig unvorstellbarer Gedanke, dass zu uns gelangte Schutzsuchende aus freien Stücken nur befristet in ihrem Aufnahmeland bleiben wollen!). Zweitens bräuchten die ukrainischen Schüler „Kontinuität beim Bildungsprozess”. Drittens müsse – hört, hört! – ihre „nationale Identität erhalten bleiben”. Und viertens müsse „zusätzlicher psychischer Druck vermieden werden”.
Unbegründete Sorge um prorussischer Infiltration
Zudem beklagte Tybinka, dass die Ukraine in deutschen Lehrplänen bislang überhaupt nicht vorkomme – obwohl sie dem Territorium nach das größte Land Europas sei, dessen Geschichte sich zudem oft mit der deutschen gekreuzt habe. In deutschen Lehrplänen jedoch dominierten nach wie vor „Russland und russischer Imperialismus”. Die Generalkonsulin vermutet hierin auch den Ursprung so mancher pro-russischer Neigungen und das Bestreben vieler Menschen in Deutschland, Putin bzw. Russland zu „verstehen” – was im gegenwärtigen Krieg bedeute, auch Propagandalügen des Kreml zu folgen und Russlands Kriegsverbrechen zu rechtfertigen, „aber auch die Angst davor, Russland irgendwie zu kränken.“
So legitim und angebracht die vier erstgenannten Punkte sind: Mit letzterem Punkt irrt Tybinka. Dass zumindest in deutschen Schulen irgendein Russland-Verständnis oder gar latente Sympathien für das heutige Putin-Regime herrschen, kann getrost ausgeschlossen werden – in Zeiten, wo sogar Schulkinder mit russischer Herkunft gemobbt, vor versammelter Klasse zum formelhaften Abschwören der Putin-Politik und expliziter Distanzierung von „Krieg und Aggression” genötigt werden, und wo Lehrer mit geistigen Teletubby-Horizont eine grotesk simplifizierende Schwarz-Weiß-Malerei des aktuellen Konflikts zum Gegenstand von Unterrichtsmaterialien machen, wie etwa hier (abgebildet ist ein Aufgabenblatt aus der Orientierungsstufe eines deutschen Gymnasiums):
(Screenshot:privat/Facebook)
Nicht nur dieses Beispiel (das von Niveau und Machart an die einstige „Staatsbürgerkunde” der DDR erinnert) zeigt: Die Sorge, ukrainische Schulkinder könnten in Deutschland so etwas wie „Feindpropaganda“ anheimfallen, ist gänzlich unbegründet – im Gegenteil.
Alle anderen Einwände Tybinkas sind hingegen mehr als berechtigt. Denn all die Probleme, die sich gerade an deutschen Schulen aus einer gegen die eigene Nation und die einheimische Bevölkerung gerichteten jahrzehntelangen Destabilisierungs- und Transformationspolitik wie unter dem Brennglas verdichten, sind ukrainischen Schülern völlig fremd: Ethnische Inhomogenität, babylonische Sprachverwirrung, religiöse Konflikte Segregation und Zerfall von Schulgemeinschaft in Parallelmilieus, interkulturelle Verständigungsprobleme. All diese Erschwernisse erlauben nur mehr einen Unterricht auf stetiger Basis des allergeringsten gemeinsamen Nenners. Hinzu kommt noch eine strukturelle Verteufelung des Leistungs- und Wettbewerbsprinzips seit den 1970er Jahren, die eine adäquate Förderung von Talenten und Eliten gezielt sabotiert.
Tybinka gibt auch zu bedenken, dass ukrainische Schüler im internationalen Bildungsvergleich gerade in der Grundschule besser und schneller vorankämen als deutsche Schüler – vor allem in den Naturwissenschaften -, und dass daher Rückstände und Defizite drohten. Zudem sorgt sie sich verständlicherweise darum, wie junge Ukrainer auch hier weiterhin mit ihrer Sprache, Literatur und Geschichte vertraut gemacht werden sollen. Diese Probleme stellen sich in den osteuropäischen Nachbarländern Slowakei und Polen, die aktuell die Hauptlast der Ukraine-Flüchtlinge tragen, in weitaus geringerem Maße.
Misstrauensvotum gegenüber deutschem Bildungssystem
Die Lösung des Problems liegt für für die Generalkonsulin daher auf der Hand: Die Kinder geflüchteter Ukrainer sollten zum einen über die digitale Plattform e-school.net.ua, zum anderen mit Hilfe ebenfalls zahlreich geflüchteter ukrainischer Lehrkräfte unterrichtet werden. Ein pragmatischer und zweckmäßiger Vorschlag, der gleichwohl ein Schlag ins Gesicht der Willkommensdeutschen bedeutet – und eine glatte Misstrauenserklärung gegenüber dem einst weltweit gerühmten deutschen Bildungs- und Schulsystem. Der Jahrhundertflop „Integration”, das grandiose (obwohl politisch bis heute nicht zur Kenntnis genommene) Scheitern der „multikulturellen Gesellschaft” – sie manifestieren sich in Klassenzimmern und auf Pausenhöfen nicht minder wie in deutschen No-Go-Areas und auf Bahnhofsvorplätzen. Wir schaffen das… garantiert nicht! In der Ukraine hat man das, bei aller Dankbarkeit für die Aufnahmebereitschaft, ebenso kapiert wie in Polen oder Ungarn. Deshalb wäre wohl auch kein Ukrainer ohne diesen Krieg je auf den Gedanken gekommen, sein Kind in Buntdeutschland zur Schule zu schicken.
Weil nun aber die Realitätsverweigerung der durchweg migrantophilen Parteienlandschaft buchstäblich grenzenlos ist, fanden Tybinkas Worte erwartungsgemäß kein Gehör geschweige denn Anklang – mit Ausnahme der AfD. Deren bildungspolitischer Sprecher Thorsten Weiß sagte: „Die Forderung der Generalkonsulin ist absolut gerechtfertigt. Sie stellt sich mit ihren Forderungen auch gegen den immer weiter ideologisierten deutschen Schulunterricht. Die Flüchtlinge aus der Ukraine wollen nur für die Dauer des Krieges in Deutschland bleiben. Daher ist es wichtig, die Kinder in ihrer Heimatsprache und nach ukrainischem Lehrplan zu unterrichten. Alleine diese Forderung zeigt den Unterschied zu 2015: Die Ukrainer wollen nicht in unser Sozialsystem einwandern, sie suchen temporären Schutz.”
Verfehlter Sprachgebrauch
In der SPD hingehen kann man es kaum erwarten, die ukrainischen Kinder möglichst dauerhaft und möglichst schnell ins deutsche Bildungskorsett zu zwingen; deshalb ja auch schon wieder der – bei temporären Kriegflüchtlingen, zumal aus einem europäischen Kulturvolk, absolut verfehlte – Sprachgebrauch „Integration“, der auf die eigentliche Agenda verweist, jeden zu uns Geflüchteten tunlichst dauerhaft hier anzusiedeln. Diese Sichtweise – Migration als Einbahnstraße ins Schwarze Loch Deutschland, aus dem niemand mehr heraus will und soll – vertritt etwa mustergültig der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Marcel Hopp: Er verteidigt vehement die „Willkommensklassen” an den Berliner Schulen und poltert, die Kinder seien „nicht, wie es der Vorschlag von Generalkonsulin Tybinka ist, nach ukrainischen pädagogischen und schulrechtlichen Vorgaben” zu unterrichten, sondern sie hätten „das Recht, hier unterrichtet zu werden”. Gemeint ist: nach der ideologiegefärbten linksgrünen Berliner Schulpolitik. Im Kontext ihres Ukraine-„Krisenmanagements” (ein im Shithole an der Spree ohnehin nur ironisch zu verstehender Begriff) gehe die SPD davon aus, dass es „eben kein vorübergehender Aufenthalt ist. Wir haben die Arbeitsthese, dass die, die hier sind, erst mal hierbleiben werden.”
Welch entwaffnende Ehrlichkeit: Auf Basis dieser „Arbeitsthese“ wird Deutschland spätestens seit 2015 systematisch an die Wand gefahren.
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