Es ist immer erfreulich, wenn die Mainstream-Medien Kritik an der Corona-Politik üben, ohne die Regierung weiter anzupeitschen. Der britische The Telegraph ist zum Beispiel voll dem offiziellen Corona-Narrativ ergeben. So schrieb Allister Heath am 1. Dezember 2021, dass das einzig eindeutig Positive an der Covid-Krise sei, dass «unser Gemeinschaftsgeist lebendig ist und Millionen bereit sind, sich freiwillig für das Allgemeinwohl einzusetzen».
Doch im selben Artikel erkennt Heath auch, dass manche die Krise für ihre eigenen Interessen nutzen, abgesehen von der Pharmaindustrie und den Befürwortern eines Great Resets. Auch würden die meisten die vermeintliche Sicherheit der Freiheit vorziehen. Und zu viele Briten würden gerne ihre Nachbarn verpfeifen und seien krankhaft unfähig zu rationalen, ganzheitlichen und langfristigen Kosten-Nutzen-Analysen. Eine weitere traurige Wahrheit sei: Die britische Gesellschaft messe der Erziehung und Entwicklung von Kindern keinen angemessenen Wert bei.
In den letzten zwei Jahren sei entdeckt worden, dass vielen Menschen der Ausnahmezustand recht ist. Das erkläre auch die etwas übereifrige Unterstützung des politisch-bürokratisch-medizinischen Establishments für Beschränkungen, die, wenn überhaupt, nur wenig zur Verlangsamung der Omikron-Variante beitragen würden.
Es sei eine unangenehme Wahrheit, dass die Ereignisse der letzten Tage für einige einen Silberstreif am Horizont darstellen würden, merkt Heath an. Pressekonferenzen abzuhalten und als mutig zu gelten, sei einfacher als die übliche Politik. Es sei hilfreich für die Regierung, nicht so viel über die Nebenjobs der Abgeordneten oder die Tatsache, dass immer noch Tausende den Ärmelkanal überqueren, ausgefragt zu werden.
Die Rückkehr des Krisengefühls dürfte die Öffentlichkeit nachsichtiger gegenüber den Versäumnissen der Regierung machen. Die Wähler würden die Krise bei den Lebenshaltungskosten und die gebrochenen Versprechen bei der Sozialversicherung vielleicht mit mehr Wohlwollen betrachten.
Doch nicht nur für die Politiker hätte die durch Omikron ausgelöste Verschiebung der nationalen Agenda Vorteile. Es komme grossen Unternehmen und inkompetenten Managern zugute, die die Krise genutzt hätten, um ihren Kundenservice zu verschlechtern. Früher hätten sie dem Brexit die Schuld gegeben, jetzt würden sie es auf Omikron schieben.
Es sei bequem für störende Gewerkschaften und faule Arbeitnehmer, die nach einer Ausrede suchen, um weniger zu arbeiten. Es werde einige dazu ermutigen, über die Feiertage länger von zu Hause aus zu arbeiten, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Arbeitgeber oder die zusätzliche Belastung der Kollegen. Das passe zum öffentlichen Sektor und seiner Entschlossenheit, die Interessen der Produzenten über die der Verbraucher zu stellen. Geschlossene Schulen und abgesagte Krippenspiele seien ein abscheulicher, unmoralischer Schlag gegen die Kinder, doch ein gefundenes Fressen für militante Gewerkschaften.
Der schlimmste Übeltäter sei wie immer der National Health Service (NHS), dessen überlastete Ärzte und Krankenschwestern von einer Institution mit unheilbaren Mängeln im Stich gelassen würden, stellt Heath fest. Omikron gebe dem NHS Deckung für die gescheiterte Wiedereinführung von persönlichen Hausarztterminen – selbst wenn dies zu mehr Todesfällen durch «nicht-Covid»-Krankheiten führe – und um den enormen Behandlungsrückstand zu vertuschen. Abgesagte Weihnachtsfeiern und Urlaube würden dem NHS das Leben erleichtern. Der NHS wolle, dass die Briten für ihn arbeiten, anstatt dass er ihnen dient.
Heath resümiert:
«Eiferer des öffentlichen Gesundheitswesens fühlen sich wohl, wenn ihnen Einschränkungen auferlegt werden. Sie lieben es, den Menschen vorzuschreiben, was sie zu tun haben. Dasselbe gilt für einige radikale Umweltschützer. Kein Wunder, dass es immer einfacher wird, Beschränkungen aufzuerlegen als sie abzuschaffen: Viele Interessengruppen profitieren davon.»

