Kit Knightly
Nur ein paar Stunden nachdem ich geschrieben hatte, dass ich die große Agenda von Davos 2026 noch nicht gesehen hatte, hielt der kanadische Premierminister Mark Carney eine Rede, die plötzlich alles klar machte.
Also, worum geht es in dieser Rede?
Sie handelt davon, dass die USA die Bösewichte sind, die versuchen, die Welt allein durch Stärke herumzukommandieren. Davon, dass die „regelbasierte Ordnung“ eine Lüge ist – und es immer war (so ungefähr). Davon, dass die US-Hegemonie schlecht ist und enden muss. Davon, dass Länder unabhängig sein sollten (aber auch nicht wirklich).
Die Rede ist weitschweifig und unspezifisch, spielt auf Ideen an, ohne eine echte Position zu erklären – außer der, dass die alte Art, Dinge zu tun, vorbei ist und es kein Zurück gibt.
Er fasst das mit einem Schlusssatz zusammen, der eine gewisse … Vertrautheit hat:
wir glauben, dass wir aus dem Bruch etwas Größeres, Besseres, Stärkeres, Gerechteres aufbauen können.
For anyone who would like to hear Mark Carney’s outstanding Davos speech in full here it is. This is what true global leadership looks like.
Canada should be immensely proud today, because they are leading the fight back when others dare not.
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— 𝔗𝔯𝔲𝔱𝔥 𝔐𝔞𝔱𝔱𝔢𝔯𝔰 (@politicsusa46) January 20, 2026
Hmmm.
Die Quintessenz ist: Das ist eine wichtige Rede. Woher wissen wir das? Nun, weil alle das sagen.
„Mark Carney tritt als der unbeugsame Realist hervor, der bereit ist, Trump die Stirn zu bieten“, meint der Guardian. Der New Statesman stimmt zu und titelt:
Europa kann viel von Mark Carney lernen – Europa muss erkennen, dass es Zeit ist, sich damit auseinanderzusetzen, was aus den USA geworden ist.
In den sozialen Medien reicht es von Robert Peston …
… bis zu Alastair Campbell (der es sich natürlich nicht verkneifen kann, nebenbei noch seinen Podcast zu bewerben):
Das Hochjubeln von Carneys angeblichem „Realismus“ und seiner „Integrität“ ist zum Hobby all jener geworden, die sich selbst für Liberale halten – und das signalisiert ganz klar einen narrativen Wandel.
Sogar einige, die es eigentlich besser wissen müssten, kaufen das Narrativ, verführt von einer Mainstream-Agenda durch Carneys (ziemlich unaufrichtige) Verurteilung der „regelbasierten internationalen Ordnung“:
Das ist weder neu noch unvorhergesehen, sondern vielmehr die Weiterentwicklung einer Agenda, die schon seit einiger Zeit offen zutage liegt.
In einer dieser verrückten MSM-Zufälligkeiten äußerte Gordon Brown nur wenige Stunden vor Carneys „wichtiger Rede“ in Davos exakt dieselben Gedanken – nur in leicht anderen Worten – in einer Kolumne für den Guardian:
Während Trump Grönland bedroht, ist eines klar: Die freie Welt braucht einen neuen Plan – und inspirierte Führung.
Diese Kolumne ist, wenn überhaupt, noch expliziter als Carneys Rede. „Die Vorstellung, dass die liberale regelbasierte Ordnung seine Präsidentschaft überleben kann, wirkt inzwischen selbstgefällig. Dies ist ein historischer Moment – und eine Zeit zum Handeln“, schreibt er.
Und weiter: „Die eigentliche Frage ist nun, ob die 2020er Jahre vom vollständigen Zusammenbruch der ohnehin schon bröckelnden Pfeiler dieser Ordnung und den damit einhergehenden Gräueltaten geprägt sein werden, oder ob eine internationale Koalition der Willigen zusammenkommen kann, um an ihrer Stelle ein neues globales Rahmenwerk aufzubauen.“
Wir wissen, was das ist. Wir haben unzählige Male über das Narrativ vom „Ende der Hegemonie“ und den Aufstieg einer neuen postimperialen globalen Ordnung an ihrer Stelle geschrieben.
Kurz gesagt: Um in eine utopische postnationale Welt einzutreten, muss die alte Welt erst zerbrochen und das alte System diskreditiert werden.
Deshalb wird der liberale Ideenmarktplatz mit vagen, halbherzigen Zugeständnissen an die brutale Realität des US-Imperiums überschwemmt.
Und deshalb stolziert Donald Trump über die Weltbühne und spielt den Bösewicht. Er faselt über Grönland und Irrenanstalten und Friedenspreise – genau damit die Öffentlichkeit buht und zischelt, während die auserwählten Anführer der globalistischen Zukunft ruhig und eloquent in ihrer Opposition erscheinen können.
Es ist seit Langem vorhersehbar, aber 2026 könnte das Jahr sein, in dem die USA offiziell zum „Bösewicht“ werden – ein Papierdrache, den unsere globalistischen Helden zu erschlagen haben.
Die alte (imaginäre) „regelbasierte internationale Ordnung“ wird zusammenbrechen, und wir werden build back better.


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