Horst D. Deckert

UNTERNEHMER-BERATER, SERIENUNTERNEHMER BZW. MEHRFACHGRÜNDER Parteilos und damit völlig unabhängig von irgendwelchen Parteien, Organisationen, Verbänden, etc. Seit 1971 im Dienst von Inhabern, Geschäftsführern, Unternehmern. 1971: Gründung einer Werbeagentur mit dem Schwerpunkt Marketing für Kleinbetriebe im Alter von 19 Jahren. Seit 1977 Firmengründer in Europa, USA und Südamerika. Fragen?
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7. „Die digitale Zusammenarbeit verbessern“ – Das digitale Weltgehirn

Die siebte Verpflichtung in „Our Common Agenda“ betrifft die Verbesserung der digitalen Zusammenarbeit durch die Schaffung eines „Global Digital Compact“ [1], d. h., dass alle Menschen an das Internet angeschlossen werden sollen, dass Haftungskriterien für diskriminierende und irreführende Inhalte entwickelt werden sollen, dass künstliche Intelligenz reguliert werden soll und dass die „Digital Commons“ als globales öffentliches Gut eingerichtet werden sollen. Das Ganze ist aber noch umfassender als das. Im weiteren Sinne handelt es sich um die Konstruktion eines digitalen Weltgehirns, das das gesamte menschliche Leben regulieren und kontrollieren soll, um es innerhalb der planetarischen Grenzen zu halten.

Die Verpflichtung ist eine der zentralsten und zielt darauf ab, einen Konsens über die Notwendigkeit einer vollständigen Digitalisierung zu schaffen. Sie stützt sich auf die Empfehlungen des Berichts „The Age of Digital Interdependence“ (2019) des „UN High Level Panel on Digital Cooperation“ unter der Leitung von Melinda Gates (Bill & Melinda Gates Foundation) und Jack Ma von der „Ali Baba Group“ und in Zusammenarbeit mit Akteuren wie dem Weltwirtschaftsforum und seinem „Center for the Fourth Industrial Revolution“ [2].

Melinda Gates und Jack Ma stellen UN-Generalsekretär António Guterres den Bericht „The age of digital interdependence“ vor

Auf dem „Zukunftsgipfel“ im Jahr 2023 sollen sich die Vereinten Nationen zusammen mit der Zivilgesellschaft und dem Privatsektor auf gemeinsame Grundsätze für eine „offene, freie und sichere digitale Zukunft für alle“ einigen.

Dazu gehört die Förderung eines „vertrauenswürdigen Internets“ mit Rechenschaftskriterien für diskriminierende und irreführende Inhalte sowie die Regulierung künstlicher Intelligenz im Einklang mit „unseren gemeinsamen globalen Werten“. In der Praxis bedeutet dies jedoch, dass die „Werte“ mit den von der UNO und dem WEF hochgehaltenen Überzeugungen übereinstimmen müssen (siehe „Das Wahrheitsministerium“).

Generalsekretär António Guterres schreibt in „Our Common Agenda“, dass eine der Gefahren der vierten industriellen Revolution „die Nutzung digitaler Überwachung und Manipulation zur Beeinflussung des Verhaltens und zur Kontrolle der Bevölkerung“ ist.

Bei dieser sehr berechtigten Sorge geht es jedoch eher darum, dass die UNO nicht möchte, dass diese Technologie in die Hände von Kräften fällt, die sie selbst oder ihre Partner nicht kontrollieren. Denn die ganze Idee hinter dem „Global Digital Compact“ besteht darin, die Weltbevölkerung kontrollieren zu können und ihre Werte an die Interpretationen der 17 globalen Ziele der Agenda 2030 durch die UN und das WEF anzupassen.

Ein konkretes Beispiel ist die Initiative „Coalition for Digital Environmental Sustainability“ (CODES), die nach dem Start der UN-Roadmap für digitale Zusammenarbeit im März 2021 mit dem Ziel gegründet wurde, die „digitale Nachhaltigkeit“ zu fördern. [3] Die Koalition versammelt derzeit rund 1.000 Akteure aus über 100 Ländern. [4]

Zu den Gründern von CODES gehören das UNEP, das UNDP, der Internationale Wissenschaftsrat, das deutsche Umweltbundesamt, das kenianische Umweltministerium, „Sustainability in the Digital Age“ und „Future Earth“. Die letztgenannte Organisation spielt eine Schlüsselrolle bei der Agenda und ist Teil der „Global Commons Alliance“-Initiative, auf die ich im letzten Teil dieser Serie – Be Prepared – zurückkommen werde.

CODES setzt sich für einen kollektiven Systemwandel und die Beseitigung von Hindernissen ein, die einer vollständigen Digitalisierung im Wege stehen, die ihrer Meinung nach zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele erforderlich ist (laut einer Studie, auf die sich CODES bezieht, können 70% der Ziele durch die Anwendung digitaler Lösungen erreicht werden).

Während der Umweltkonferenz „Stockholm +50“ im Juni 2022 stellte CODES seinen Aktionsplan vor, der über die im „Global Digital Compact“ enthaltenen Prioritäten informieren soll. Der Bericht beschreibt drei Systemverschiebungen, achtzehn strategische Prioritäten und neun Initiativen mit „globaler Wirkung“, die den „gewünschten“ Wandel herbeiführen sollen [5].

Diese Systemverschiebungen sind:

1. Ausrichtung ermöglichen – Werte, Visionen und Ziele aufeinander abstimmen

2. Negative Auswirkungen abmildern – Nachhaltige Digitalisierung

3. Innovation vorantreiben – Digitalisierung für Nachhaltigkeit

Um die Ziele zu erreichen, wird die Einrichtung einer „Weltkommission für Nachhaltigkeit im digitalen Zeitalter“ vorgeschlagen, die erforschen und wissenschaftlich orientierte Informationen darüber liefern soll, wie Nachhaltigkeit im digitalen Zeitalter erreicht werden sollte. Deren Ergebnisse wiederum sollen die Grundlage für eine globale Plattform („Clearing House for Digital Sustainability Standards“) bilden, die digitale und finanzielle Nachhaltigkeitsstandards entwickelt. Dieses Wissen soll dann durch dezentrale Bildungsprogramme verbreitet werden.

Um den negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen von Energieverbrauch, Treibhausgasen, Materialverbrauch, Konsum, digitaler Kluft, Verstößen und „Fehlinformationen“ zu begegnen, werden unter anderem Plattformen zur Berichterstattung und zum Vergleich der Treibhausgasemissionen von Unternehmen sowie die Einführung digitaler Produktpässe vorgeschlagen, mit dem Ziel, den gesamten Lebenszyklus eines Produkts verfolgen zu können. Letzteres ist Teil der Kreislaufwirtschaft und wird irgendwann auch auf uns Menschen angewendet werden. Es ist ein neues Ökosystem im Entstehen, in dem alles miteinander verbunden werden soll, um den Grad der Nachhaltigkeit zu messen. Ein Weltgehirn, das alles und jeden analysiert und im Blick behält.

Unter den Beispielen, wie Probleme mit falschen Informationen behandelt werden sollten, wird das „Climate Science Center“ von Facebook hervorgehoben. Die Klimafrage ist der Eckpfeiler der Agenda. Seit dem Pariser Abkommen 2015 gilt die Wissenschaft als feststehend und es werden keine weiteren Debatten oder Nuancen in diesem Bereich geduldet.

Die Verbreitung von Fehlinformationen über Themen der planetarischen Nachhaltigkeit wie Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt oder Umweltverschmutzung kann kollektives Handeln und das Vertrauen in Institutionen untergraben sowie die Polarisierung und das Misstrauen zwischen zerstrittenen Gruppen verstärken [6].

Stattdessen müssen „falsche Informationen“ im Internet korrigiert und den Besuchern stattdessen die „verifizierten“ Klimainformationen der Vereinten Nationen zur Verfügung gestellt werden.

Der dritte Bereich betrifft die Entwicklung von digitalen Innovationen, die die ökologische und soziale Nachhaltigkeit fördern. Dazu gehören „digitale Zwillinge“ und der Aufbau einer digitalen Kopie der Erde, die zur Überwachung und Vorhersage der Wechselwirkung zwischen Naturphänomenen und menschlichen Aktivitäten genutzt werden soll. Eine Art digitale Kristallkugel.

Digitale Zwillinge in Kombination mit künstlicher Intelligenz sind in der Lage, Risiken und Bedrohungen für wichtige Schutzgebiete (Natur- oder Kulturgebiete im Rahmen globaler Schutzmaßnahmen), Ökosystemleistungen oder gefährdete Arten automatisch zu überwachen … [7]

Das EU-Projekt „Destination Earth“, das mit dem „Green Deal“ und der digitalen Strategie der EU verknüpft ist, zielt darauf ab, bis 2030 ein vollständiges digitales Abbild der Erde zu entwickeln [8].

DestinE wird das Potenzial der digitalen Modellierung des Erdsystems freisetzen. Es wird sich zunächst auf die Auswirkungen des Klimawandels, der Wasser- und Meeresumwelt, der Polargebiete, der Kryosphäre, der biologischen Vielfalt oder extremer Wetterereignisse sowie auf mögliche Anpassungs- und Eindämmungsstrategien konzentrieren.

Dies ähnelt sehr den geokybernetischen Visionen, die der päpstliche Berater und ehemalige Leiter des Potsdam-Instituts für Klimaforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber, Ende der 1990er Jahre vorschlug [9].

Derzeit gibt es 267 mit CODES verbundene Initiativen, die an der Umsetzung arbeiten.

Eine der in CODES enthaltenen Initiativen ist die „Green Digital Finance Alliances“ und das Projekt der „Finance for Biodiversity Initiatives (F4B)“, „Every Action Counts Coalition“.

Digitale Tools können die Verbraucher in die Lage versetzen, nachhaltige Konsumentscheidungen zu treffen und einzufordern und Rückmeldungen über ihr Verhalten zu erhalten [10].

Auf ihrer Website schreiben sie, dass zwei Drittel der Kohlendioxidemissionen auf den menschlichen Konsum zurückzuführen wären und dass sie „Technologie und Partnerschaften kreativ nutzen werden, um bis zum Jahr 2025 das grüne Bewusstsein und das grüne Handeln von 1 Milliarde grüner digitaler Champions weltweit zu steigern“. Die Bürgerinnen und Bürger, die laut der „Green Digital Finance Alliance“ einen sofortigen Wandel wollen, sollen durch ein Bewertungssystem ermutigt werden, klimafreundliche Entscheidungen zu treffen. Jeder Kauf wird registriert und nach dem Klimanutzen bewertet [11]. Auf diese Weise sollen die notwendigen Verhaltensänderungen erreicht werden.

Ein Beispiel dafür ist die schwedische „Doconomy“:

… Finanzdienstleister wie GDFA-Mitglied Mastercard in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Fintech-Finanztechnologieunternehmen Doconomy ermöglichen es ihren Nutzern, kohlenstoffärmere Produkte zu kaufen, indem sie den Käufern einen personalisierten Carbon Footprint Tracker und Einblicke in ihre Kaufentscheidungen bieten. [12]

Die Gründer der „Green Digital Finance Alliance“ sind das „UNEP“ und die „ANT Group“, die das chinesische Sozialkreditsystem entwickelt hat. Letztere ist im Vorstand durch Jason Pau, den Vorsitzenden der „Jack Ma Foundation“, vertreten, während der CEO der „ANT Group“, Eric Jing, im Beirat sitzt.[13] Jing ist nicht nur Vorstandsmitglied der „Young Global Leaders“ des WEF, sondern gehört auch der Task Force der Vereinten Nationen für die digitale Finanzierung der Ziele für nachhaltige Entwicklung an. [14] (Siehe meine Artikel „Digitale Identifizierung“ und „Young Global Leaders“ des Weltwirtschaftsforums).

Die „Finance for Biodiversity Initiative“ wiederum wird von der Schweizer MAVA-Stiftung unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden des Pharmariesen Roche, André Hoffman, gegründet und finanziert, der auch Vorstandsmitglied des Weltwirtschaftsforums und Mitglied des Zentrums für die vierte industrielle Revolution ist. [15] Als leitender Berater des britischen Elite-Thinktanks „Royal Institute of International Affairs“ steht er der globalen Macht so nahe, wie es nur geht. [17] Wie üblich sind der Geist und die Lösungen des WEF eng mit der UN-Agenda verwoben.

Der Milliardär Hoffman, der das Familienvermögen während der Pandemie um 38 Milliarden Dollar steigerte, bezeichnet sich selbst als Umweltschützer und war in den Jahren 2007-2017 stellvertretender Vorsitzender des WWF. Er ist außerdem Mitglied des „Club of Rome“, Vorstandsmitglied des „Global Footprint Network“ (das berechnet, wann der „Earth Overshoot Day“ stattfindet) und erhielt in diesem Jahr den „David Rockefeller Bridging Leadership Award“ von Davids Tochter Peggy Dulany für seine Führungsrolle in den Bereichen nachhaltiges Wirtschaften und Klimawandel [16]. In seiner Dankesrede, in der er über die Notwendigkeit eines neuen Systems der Rechenschaftspflicht spricht, endet er mit einer Geschichte, die eine alte elitäre Sichtweise auf die Menschheit offenbart:

Der Planet Erde macht Urlaub, der Planet Erde hat genug, der Planet Erde reist hinaus in den Kosmos. Er kreuzt einen anderen Planeten. Der andere Planet sagt: „Hey, wie geht’s? Und der Planet Erde antwortet: ‚Ich habe einen schlimmen Fall von Homo Sapiens.‘ (André Hoffman)

Mit dem Global Footprint Networks-Rechner können Sie Ihren „globalen Fußabdruck“ berechnen, indem Sie auf hier klicken

Zur „Finance for Biodiversity Initiative“ gehört auch die Organisation „Bankers Without Boundaries“, deren Name auf fast schon komische Weise beschreibt, worum es hier geht. Finanzparasiten und Raubtiere, die keine Grenzen respektieren und die die Sorge der einfachen Menschen um Umwelt und Gesundheit sowie eine vorgetäuschte Sorge um Menschenrechte, Frauen und Minderheitengruppen als Druckmittel benutzen, um ihre technokratische Diktatur durchzusetzen. [18]

Wir können auch absolut sicher sein, dass die Banker und Milliardäre nicht in ein Sozialkreditsystem einbezogen werden, in dem ihr eigener Klima-Fußabdruck analysiert und für die Überschreitung der planetarischen Grenzwerte bestraft wird. Es wäre natürlich verheerend für ihren privilegierten Lebensstil, wenn sie für ihr eigenes Handeln zur Rechenschaft gezogen würden. Stattdessen verleihen sie sich gegenseitig Auszeichnungen für ihre „humanitären Taten“ und „Umweltbemühungen“, während sie sich als Götter aufspielen, um den umweltverschmutzenden Mob in Schach zu halten. In diesem Zusammenhang passt ein altes Bibelzitat:

Hütet euch vor falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind.

Im nächsten Artikel werde ich die Verpflichtung Nummer acht – Upgrade der Vereinten Nationen – näher beleuchten.

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