Pepe Escobar
Der von Zirkusdirektor Trump als „Tag der Befreiung“ ausgerufene Zolltaumel (TTT) wird global – sowohl im Norden als auch im Süden – eher als „Tag des Schlachthofs“ verstanden.
Dieses faktisch unkontrollierte wirtschaftliche Zerstörungsmanöver beginnt mit der verzerrten Annahme, es sei eine gute Idee, einen Zollkrieg gegen China zu führen – so klug wie der Versuch, ein paar Billionen Dollar an neuen Zöllen zu erheben in der Hoffnung, der Rest der Welt würde trotzdem motiviert bleiben, dem Hegemon seine Waren zu verkaufen, während diese Zölle angeblich zur Reindustrialisierung der USA führen sollen.
Die tragikomische Maske eines selbst ernannten Manegemeisters des Turbokapitalismus wirkt dabei ebenso erbärmlich wie das kläffende Getue europäischer Chihuahuas, die nun ihre „Rache“ durch Wiederbewaffnung suchen – finanziert durch das Enteignen der Ersparnisse ahnungsloser Bürger.
Der unverzichtbare Michael Hudson hat das Grundproblem treffend benannt. Leicht angepasst: „Sanktionen und Drohungen sind das Einzige, was den Vereinigten Staaten noch bleibt. Sie haben anderen Ländern nichts mehr zu bieten, was Win-Win wäre – und Trump hat unmissverständlich klargemacht, dass Amerika bei jedem internationalen Deal, ob im Finanz- oder Handelsbereich, der alleinige Gewinner sein muss. Wenn Amerika also sagt: ‚Bei jedem Deal verliere ich nicht, sondern du – und ich gewinne‘, dann ist das keine Kunst des Verhandelns, sondern schlicht mafiöse Erpressung.“
Hudson bringt Trumps Logik auf den Punkt: „Wenn man wirtschaftlich wenig zu bieten hat, kann man nur noch anbieten, anderen Ländern keinen Schaden zuzufügen.“ Doch mit TTT bietet Trump jetzt aktiv Schaden an. Und der Rest der Welt wird zweifellos in Gegenmaßnahmen investieren, um sich von dieser Form der „Diplomatie“ zu emanzipieren.
Ein Handelskrieg gegen Asien
TTT zielt auf alle – doch besonders auf die EU (laut Zirkusdirektor: „born to hurt us“ – historisch falsch, denn die EU wurde 1957 auf amerikanische Initiative gegründet, um Europa zu kontrollieren). Die EU exportiert jährlich rund 503 Milliarden Euro in die USA und importiert im Gegenzug 347 Milliarden – ein Defizit, das Trump nicht müde wird zu geißeln.
Die angekündigte „Vergeltung“ ist vorprogrammiert, etwa durch die giftige Brüsseler Medusa von der Leyen – Sponsorin der europäischen Rüstungsindustrie –, die bereits scharf reagiert hat.
Vor allem aber ist TTT ein Handelskrieg gegen Asien. Die Liste der einseitig erhobenen „gegenseitigen“ Zölle spricht Bände: China (34%), Vietnam (46%), Indien (26%), Indonesien (32%), Kambodscha (49%), Malaysia (24%), Südkorea (25%), Thailand (36%), das erdbebengeschädigte Myanmar (44%), Taiwan (32%) und Japan (24%).
Schon vor TTT wurde Historisches erreicht: Trump vereinigte China, Japan und Südkorea zu einem gemeinsamen, koordinierten Gegenschlag. Japan und Südkorea werden Rohstoffe für Halbleiter aus China importieren, China wiederum Chips aus Japan und Südkorea kaufen. Die „Zusammenarbeit in der Lieferkette“ dieser drei Staaten – bisher eher widerwillig – wird durch TTT gefestigt.
Was Trump wirklich will, ist ein eiserner, einseitig anwendbarer Zollmechanismus, der unter jedem Vorwand (Währungsmanipulation, Mehrwertsteuer, „Sicherheitsinteressen“ etc.) beliebige Zölle ermöglicht – völlig losgelöst vom internationalen Recht. De facto wird Trump die Welthandelsorganisation (WTO) zu Grabe tragen.
Selbst zollpflichtige Pinguine auf der Heard-Insel wissen, dass TTT zu steigender Inflation in den USA, zu massiven Belastungen für deren ausgelagerte Industrie – und vor allem zur völligen Zerstörung der amerikanischen Glaubwürdigkeit als verlässlicher Handelspartner führen wird. Der globale Süden hat das längst erkannt: Die USA gelten als „nicht abkommensfähig“.
Ein FIRE-Rentier-Imperium – basierend auf Finanzialisierung, Versicherungen und Immobilien –, das seine Industrie ausgelagert hat und heute von überschuldeten Hedgefonds, Wall-Street-Derivaten und Silicon-Valley-Überwachung gefressen wird, schlägt nun wild um sich.
Das ist nichts anderes als poetische Gerechtigkeit: Burning Down the House – von innen.
Die aufstrebende, souveräne Mehrheit der Welt sollte sich darüber freuen. Und jetzt den Hochgeschwindigkeitszug zur Entdollarisierung besteigen.

