Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht offenbar in deutlich schlechterer finanzieller Verfassung als bislang öffentlich eingeräumt. Während die Organisation noch in jüngster Vergangenheit mit einem Budget von über 4 Milliarden US-Dollar pro Jahr operierte, sollen ihr für den kommenden Zweijahreszeitraum 2026–2027 laut einer vertraulichen Präsentation für die Mitgliedstaaten nur noch rund 2,4 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stehen – oder sogar weniger.
Das entspricht einer dramatischen Finanzierungslücke von über 1,8 Milliarden Dollar, was rund 43 % des geplanten Budgets entspricht.
Wie die Plattform Devex berichtet, enthält die Kategorie der „gesicherten Finanzierung“ nur Summen, die teilweise auf der geplanten Erhöhung der Mitgliedsbeiträge beruhen – ein Schritt, der erst im Mai von der 78. Weltgesundheitsversammlung genehmigt werden müsste. Ob dies gelingt, ist angesichts wachsender globaler Kritik und geopolitischer Spannungen ungewiss.
Ein WHO-Beamter erklärte anonym:
„Alles zusammenzurechnen und zu sagen, dass wir so viel haben, nun ja – das haben wir nicht.“
Einbrechen zentraler Geldquellen
Zusätzliche Unsicherheit besteht durch die wackelnde Unterstützung von WHO-nahen Großakteuren wie Gavi – The Vaccine Alliance und dem Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria. Beide Organisationen befinden sich laut Bericht selbst in einer schwierigen Phase der Mittelbeschaffung.
Damit steht nicht nur das operative WHO-Budget zur Disposition – sondern die gesamte internationale Struktur zur Pandemievorsorge. Gerade diese sollte laut WHO massiv ausgebaut werden, um auf zukünftige „globale Gesundheitsnotfälle“ vorbereitet zu sein. Stattdessen schrumpfen nun die finanziellen Mittel in einem Ausmaß, das das institutionelle Überleben der Organisation infrage stellen könnte.
Analyse: Misstrauen der Geldgeber – oder Kurskorrektur?
Die kritische Ärztin und WHO-Kennerin Dr. Meryl Nass sieht in der Finanzlücke ein klares Signal:
„Dies ist der beste Beweis dafür, dass die Eigentümer und Geldgeber der WHO zunehmend daran zweifeln, dass die Organisation noch der geeignete Träger für eine globalisierte Gesundheitsgovernance ist.“
Einige Beobachter vermuten hinter dem Rückzug der Finanzierung einen Vertrauensverlust in die Fähigkeit der WHO, den geplanten Umbau des internationalen Gesundheitswesens zur zentralisierten Pandemieüberwachung und Impfsteuerung umzusetzen. Andere deuten es als Folge wachsender politischer Widerstände gegen WHO-Pläne wie den umstrittenen Pandemievertrag oder die geplante Stärkung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR).
Fazit:
Die WHO taumelt finanziell – und mit ihr ein zentraler Baustein der globalen Gesundheitsarchitektur. Ob die Organisation ihren globalen Anspruch auf Pandemielenkung und Impfstrategie künftig noch durchsetzen kann, steht zunehmend in den Sternen. Für die Kritik an globaler Gesundheitssteuerung öffnet sich damit ein völlig neues Fenster.

