Hunger als Waffe: Die letzten Reporter in Gaza stehen vor dem Tod – und die Welt schweigt
Am 21. Juli 2025 veröffentlichte die Journalisten-Gewerkschaft der AFP einen Hilferuf, der einem politischen Erdbeben gleichkommen müsste – würde man ihn nicht wie so vieles aus Gaza mit erschütternder Gleichgültigkeit übergehen: Die letzten Reporter der Agentur im Gazastreifen stehen unmittelbar vor dem Hungertod. Nicht aufgrund eines Unfalls, eines Bombenangriffs oder gezielter Gewalt – sondern schlicht, weil ihnen das Überleben systematisch unmöglich gemacht wird. Die freie Presse stirbt, und mit ihr die Wahrheit. Und die internationale Gemeinschaft sieht zu.
„Ich habe nicht mehr die Kraft zu arbeiten“
Bashar, einer der verbliebenen AFP-Fotografen in Gaza, schrieb:
„Ich habe nicht mehr die Kraft, für die Medien zu arbeiten. Mein Körper ist mager, und ich kann nicht mehr arbeiten.“
Bashar ist 30 Jahre alt, seit 2010 im Dienst der Nachrichtenagentur, seit 2024 Hauptfotograf in Gaza. Heute lebt er mit seiner Familie in den Trümmern seines zerstörten Hauses, ohne Möbel, ohne Wasser, ohne Nahrung – mit einer Ohnmacht seines Bruders am Sonntagmorgen, „wegen Hunger“. Die Realität der Gazajournalisten ist keine Metapher. Sie ist physische Auslöschung.
Wenn Hunger zur Kriegsstrategie wird
Der AFP-Bericht macht deutlich: Gaza ist zu einem Ort geworden, an dem nicht nur Zivilisten, sondern gezielt auch die letzten dokumentierenden Stimmen zum Schweigen gebracht werden – durch Aushungern, durch die Verweigerung von Treibstoff, Wasser, Lebensmitteln. Es ist ein Angriff auf die Wahrheit – und das mit System.
Wer kontrolliert, wer überlebt, kontrolliert auch, was berichtet wird. Die Reporter vor Ort sind die letzten, die unabhängig und ungeschönt über das berichten könnten, was in Gaza geschieht. Dass sie jetzt sterben, ist keine Nebensache – es ist ein Symptom einer Welt, die journalistische Integrität geopfert hat.
„Ich weiß nicht, ob ich lebend zurückkehre“
Ahlam, eine weitere Reporterin, berichtet, dass sie jeden Einsatz mit dem Bewusstsein beginnt, vielleicht nicht zurückzukehren. Nicht wegen fehlender Schutzausrüstung, sondern weil die Versorgungslage so katastrophal ist, dass selbst einfache Bewegungen lebensgefährlich sind. Sie hat kein Wasser, keine Nahrung, keinen Transport. Die Fahrzeuge der AFP stehen still – kein Benzin, kein Schutz, keine Chance.
Macron, hilf mir, aus dieser Hölle herauszukommen
In einem besonders erschütternden Moment schrieb Bashar am 21. Juli:
„Ich wünschte, Präsident Macron würde mir helfen, aus dieser Hölle herauszukommen.“
Nicht „helfen, zu berichten“. Nicht „helfen, zu dokumentieren“. Sondern: überleben. Es ist ein Satz, der alles sagt über die moralische Bankrotterklärung der internationalen Ordnung.
Und was macht der Westen?
Schweigen. Verharmlosen. Wegsehen. Während die USA mit Präsident Trump über Waffendeals reden und Europa die Sprache der „Verhältnismäßigkeit“ pflegt, sterben Menschen – darunter auch Journalisten – den Hungertod vor laufender Kamera, ohne dass jemand hinschaut.
Die AFP schreibt:
„Wir erinnern uns an verwundete Kollegen, an Gefangene, an Tote in Kriegsgebieten. Aber noch nie haben wir erlebt, dass einer unserer Mitarbeiter an Hunger stirbt.“
Die Presse stirbt zuerst – dann stirbt die Demokratie
Was in Gaza passiert, ist ein Angriff auf die Grundlagen jeder freien Gesellschaft: Pressefreiheit, Menschlichkeit, Wahrheit. Wenn die letzten Stimmen vor Ort zum Schweigen gebracht werden – nicht durch Kugeln, sondern durch kalkulierte Vernachlässigung –, dann stirbt nicht nur der Journalismus. Dann stirbt auch das moralische Fundament der Weltordnung, die vorgibt, auf Menschenrechten zu basieren.
Und es bleibt die Frage: Was ist die internationale Gemeinschaft noch wert, wenn sie nicht einmal mehr Journalisten schützt?

