In einem kürzlich geführten Interview mit Jesse Day auf Commodity Culture lieferte Edward Dowd, ehemaliger Portfoliomanager bei BlackRock und Gründungspartner von Finance Technologies, eine düstere Analyse der aktuellen Marktlage. Mit seiner Erfahrung in der Verwaltung eines 14 Milliarden Dollar schweren Wachstumsaktienportfolios und seiner Expertise in der Finanzwelt warnt Dowd, dass die Märkte in einer gefährlichen Blase stecken, deren Platzen unausweichlich sei. In diesem ausführlichen Artikel fassen wir seine Einschätzungen zusammen und beleuchten die potenziellen Risiken für Investoren, die globale Wirtschaft und die geopolitischen Entwicklungen.
Eine Blase am Rande des Platzens
Dowd beginnt mit einer klaren Warnung: Die breiten Märkte befinden sich in einer Blase, die durch extreme Bewertungen gekennzeichnet ist. Nach einer kurzfristigen Korrektur im Zuge der Ankündigung von Trumps Zöllen erholten sich Indizes wie der NASDAQ und der S&P 500 und erreichten neue Allzeithochs. Dennoch bleibt Dowd skeptisch. Er verweist auf den Buffett-Indikator und andere fundamentale Indikatoren, die darauf hindeuten, dass die Märkte massiv überbewertet sind. Laut einer von Finance Technologies veröffentlichten Analyse liegen die Bewertungen auf historischen Höchstständen, was für die nächsten zehn Jahre magere Renditen für Indexanleger prognostiziert.
Die aktuelle Rallye wird von einer Handvoll großer Technologieaktien getrieben, während der Durchschnitt der Aktien – etwa im Transport- oder Wohnungsbau – weit hinterherhinkt. „38 % des Wertes des S&P 500 entfallen auf nur zehn Aktien“, betont Dowd. Dies erinnere an die Phase vor der Finanzkrise 2007/08, als der Markt trotz beginnender Subprime-Probleme neue Höchststände erreichte, bevor er schließlich einbrach. Dowd spricht von einer „eskalatorartigen Aufwärtsbewegung und einem Fahrstuhl nach unten“, wenn die Märkte realisieren, dass die Bewertungen nicht haltbar sind.
Ein weiteres Warnsignal ist die Reaktion des Anleihenmarktes. Die Renditen der 30-jährigen Staatsanleihen haben kürzlich ein Hoch erreicht, während die Preise ein Tief markierten. Dowd erwartet, dass die Zinsen in naher Zukunft sinken werden, da die Wirtschaftsdaten – insbesondere im Wohnungsbau – schwächer werden. Der Immobiliensektor, der etwa 20-25 % der Konsumausgaben und damit einen erheblichen Teil des US-BIP ausmacht, steht vor einer Rezession. „Wir erwarten keine systemische Krise, aber eine tiefe Rezession mit einem Risk-off-Handel“, sagt Dowd. Die Federal Reserve (Fed) werde gezwungen sein, die Zinsen zu senken, um die Abwärtsspirale abzufedern.
Die Rolle der Schuldenmärkte
Ein zentraler Punkt in Dowds Analyse ist die Rolle der Schuldenmärkte. Die Kreditspreads zwischen Unternehmensanleihen, Hochzinsanleihen und Staatsanleihen sind derzeit extrem eng, was auf eine gefährliche Selbstzufriedenheit der Märkte hindeutet. „Die Spreads haben nirgendwo mehr Spielraum, außer nach oben“, warnt Dowd. Dies deutet auf eine bevorstehende Korrektur hin, da Kreditprobleme, insbesondere im gewerblichen Immobiliensektor, nicht länger vertuscht werden können. Die Banken praktizieren derzeit „Extend and Pretend“, indem sie problematische Kredite verlängern, anstatt sie abzuschreiben. Doch dies werde nicht von Dauer sein.
Im Gegensatz zur Krise 2023, als die Fed die Banken vor den Folgen von Duration-Risiken (z. B. bei der Silicon Valley Bank) schützte, werde sie diesmal nicht einschreiten, um Kreditverluste abzufedern. Dowd verweist zudem auf die ungewöhnliche Intervention der Fed während der Corona-Pandemie, als sie erstmals Unternehmensanleihen kaufte, um die Märkte zu stützen. „Das ist ein künstlicher Markt“, sagt er. Wenn die Blase platzt, werde es schnell gehen und viele Anleger unvorbereitet treffen.
Schwäche des US-Dollars
Ein weiteres Thema ist die Schwäche des US-Dollars, der im Jahr 2025 bisher etwa 11 % gegenüber dem DXY-Index verloren hat. Dowd sieht hier mehrere Faktoren am Werk. Die Trump-Regierung verfolge eine Politik des schwachen Dollars, um die Exporte zu fördern. Gleichzeitig deutet die technische Analyse auf einen möglichen Wendepunkt hin. Der Dollar befindet sich seit der Finanzkrise 2008 in einem langfristigen Aufwärtstrend, doch ein Bruch unter das vorherige Zyklustief von 89,10 könnte den Beginn eines bärischen Trends signalisieren. Dowd erwartet, dass der Dollar in den nächsten ein bis zwei Monaten ein technisches Tief erreichen könnte, bleibt aber vorsichtig: „Es ist eine heikle Zeit für den Dollar.“
Die Schwäche des Dollars hat weitreichende Implikationen für die globale Wirtschaft, insbesondere für Länder, die stark von Dollar-denominierten Schulden abhängig sind. Ein schwächerer Dollar könnte jedoch auch die Attraktivität von Rohstoffen wie Gold erhöhen, was uns zum nächsten Punkt führt.
Gold als sicherer Hafen
Dowd betont die zunehmende Bedeutung von Gold, das durch die Basel-III-Regulierung wieder als Tier-1-Kapital bei Banken gilt. „Gold ist wieder Geld“, sagt er. Im Gegensatz zu Papiergold (z. B. ETFs wie GLD oder Gold-Futures) ermöglicht physisches Gold den Banken, Kredite zu vergeben, was seine Rolle im Finanzsystem stärkt. Dieser Wandel ist bereits im Gange, da Banken weltweit ihre Goldreserven aufstocken. Dowd empfiehlt, physisches Gold als langfristige Absicherung zu halten, da es in einem möglichen zukünftigen Währungssystem – etwa einer Neuauflage von Bretton Woods – eine zentrale Rolle spielen könnte.
Silber hingegen sieht Dowd als spekulativere Anlage. Trotz des gestreckten Gold-Silber-Verhältnisses und der Argumente von Silber-Enthusiasten bleibt er vorsichtig. „Silber ist kein Tier-1-Kapital. Ich bleibe bei der sicheren Option und kaufe, was die Banken kaufen“, sagt er.
Die Immobilienkrise und ihre Folgen
Ein zentraler Aspekt von Dowds Analyse ist der bevorstehende Abschwung im US-Immobiliensektor, insbesondere im Bereich Mehrfamilienhäuser (multifamily housing). In einem kürzlich veröffentlichten Bericht von Finance Technologies, betitelt „The Multifamily Housing Debacle“, beschreibt Dowd die frühen Anzeichen einer Krise. Anders als in der Finanzkrise 2007/08, die von Einfamilienhäusern ausgelöst wurde, ist diesmal der Boom bei Mehrfamilienhäusern ein Haupttreiber. Dieser Boom wurde durch die massive Zuwanderung in den USA gestützt, die durch staatliche Unterstützung finanziert wurde. Mit der geplanten Abschiebung von Migranten und einer schwindenden Nachfrage nach Wohnraum erwartet Dowd einen Einbruch der Immobilienpreise und eine Verlangsamung der Wirtschaft.
Die Immobilienkrise wird durch mehrere Faktoren verschärft: Steigende Hypothekenzinsen machen Wohnraum für viele unerschwinglich, und die Bauaktivitäten gehen zurück, da der Bestand an unverkauften Immobilien wächst. „Die Käufer können sich die monatlichen Raten nicht mehr leisten“, sagt Dowd. Da Wohnen etwa 45 % des US-Verbraucherpreisindex (CPI) ausmacht, wird ein Rückgang der Immobilienpreise die Inflation senken, was die Fed unter Druck setzen könnte, die Zinsen schneller als erwartet zu senken.
Soziale und geopolitische Implikationen
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen beleuchtet Dowd auch soziale und geopolitische Entwicklungen, die die Lage verschärfen könnten. In den USA leben 68 % der Bevölkerung von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck, und viele greifen auf „Buy now, pay later“-Kredite zurück, um Grundbedürfnisse zu decken – ein Phänomen, das an die Große Depression erinnert. Diese wirtschaftliche Not treibt die Menschen in die Arme extremer politischer Ideologien, wie etwa Sozialismus oder Kommunismus. Dowd verweist auf den New Yorker Bürgermeisterkandidaten Zoran Mamdani, der radikale sozialistische Maßnahmen wie die Enteignung von Eigentum vorschlägt. Solche Politiken könnten den Immobilienmarkt und die Wirtschaft in New York zum Einsturz bringen, da wohlhabende Bürger und Unternehmen in andere Bundesstaaten wie Florida abwandern würden.
In Europa sieht Dowd ähnliche Gefahren. In Deutschland empört er sich über die Verhaftung von 170 Bürgern wegen angeblicher Hassrede oder Beleidigungen von Politikern in sozialen Medien. „Wie lange braucht ein Land, um zu vergessen, dass es im Zweiten Weltkrieg gegen den Faschismus gekämpft hat? In Deutschland offenbar drei Jahre“, kommentiert er sarkastisch. Diese Zensurmaßnahmen seien ein klarer Angriff auf die Meinungsfreiheit und ein Zeichen für den Niedergang demokratischer Werte. Gleichzeitig beobachtet er eine zunehmende Militarisierung in Europa, die er als Ablenkung von wirtschaftlichen Problemen wie einer alternden Bevölkerung und unfundierten Rentenverpflichtungen sieht. „Wenn das Geld ausgeht, geht man in den Krieg“, sagt er.
Ölmärkte und geopolitische Spannungen
Die jüngsten Spannungen im Nahen Osten, insbesondere zwischen Israel und dem Iran, haben die Ölmärkte kurzzeitig in Aufruhr versetzt. Doch Dowd bleibt gelassen: „Die Ölmärkte sagen uns, dass der Iran den Persischen Golf nicht schließen wird.“ Der Ölpreis ist nach einem kurzen Anstieg wieder auf etwa 60 US-Dollar pro Barrel gefallen, weit entfernt von den befürchteten 100+ US-Dollar. Dennoch warnt Dowd, dass ein erneuter Anstieg über 80 US-Dollar ein ernsthaftes Problem darstellen könnte. Ein Ölschock in Kombination mit der Immobilienkrise könnte die Wahrscheinlichkeit einer systemischen Krise erhöhen.
Langfristig ist Dowd bärisch für den Ölpreis. In einer Rezession könnte die Nachfrage nach Öl einbrechen, und er sieht Preise von bis zu 30 US-Dollar pro Barrel als möglich, bevor die Fed mit quantitativer Lockerung und fiskalischen Maßnahmen reagiert.
Fazit: Vorbereitung auf die Krise
Edward Dowds Analyse zeichnet ein düsteres Bild der globalen Wirtschaft. Die überbewerteten Aktienmärkte, die Schwäche des US-Dollars, die drohende Immobilienkrise und die geopolitischen Spannungen deuten auf stürmische Zeiten hin. Für Anleger empfiehlt Dowd, sich auf fundamentale Analysen zu konzentrieren und physisches Gold als Absicherung zu halten. Gleichzeitig warnt er vor den Risiken spekulativer Anlagen wie Silber und betont die Notwendigkeit, sich auf einen möglichen wirtschaftlichen Abschwung vorzubereiten.
Seine Firma Finance Technologies bietet detaillierte Berichte und Beratungsdienste an, um Investoren durch die kommende Krise zu navigieren. Dowds Botschaft ist klar: Die finale Phase der Markt-Blase ist da, und es wird nicht schön. Wer sich nicht vorbereitet, riskiert, im Fahrstuhl nach unten mitgerissen zu werden.
Hinweis: Weitere Informationen zu den Analysen von Edward Dowd finden Sie auf der Website von Finance Technologies (financetechnologies.com). Für aktuelle Updates folgen Sie ihm auf X unter @Edward_Dowd.

