Von MEINRAD MÜLLER | Die Sommerinterviews von ARD und ZDF zielen – zumindest was die AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla angeht – darauf ab, die Befragten unterzutauchen wie im Schwimmbad. Doch mitten in seinem Wahlkreis Görlitz zeigte sich Chrupalla am Sonntag im Interview mit ZDF-Moderator Wulf Schmiese kampfeslustig. Die AfD steht hier bei knapp 50 Prozent. Wie vom ÖRR gewohnt, schoss man mit Giftpfeilen. Doch bei Chrupalla prallten diese ab.
Die AfD will keine Waffen in Kriegsgebiete schicken. Das gilt für Gaza, das gilt für die Ukraine. Israel ist für Chrupalla ein Partner und ein Freund. Freunde darf man kritisieren. Chrupalla fordert die Freilassung der Geiseln und eine internationale Nahost-Konferenz. Daran sollen alle wichtigen Staaten der Region teilnehmen, um den Konflikt politisch zu lösen. Terrororganisationen wie die Hamas sind ausgeschlossen. Vertreter der Palästinenser, die zu Verhandlungen bereit sind, sollen dagegen einbezogen werden. Ziel ist ein politischer Weg zum Frieden.
Ukrainekrieg – Reden statt trommeln
Russland hat die Ukraine angegriffen. Chrupalla erinnert aber auch an die Vorgeschichte seit 2014. Die Minsk-Abkommen wurden gebrochen. Der achtjährige Bürgerkrieg im Donbass wird oft verschwiegen. Er fordert Gespräche mit Putin. Kein ständiges Kriegsgeschrei wie von Pistorius. Trump handle für die Interessen der USA. Chrupalla erwartet, dass die Amerikaner sich Rohstoffe sichern und Russland Gebiete erhält.
Die Wehrpflicht soll zurückkommen. Auch der Zivildienst. Deutschland muss sich verteidigen können. Kriegspolitik lehnt Chrupalla strikt ab. Russland ist für ihn kein Feind. Er sieht das Land als Teil Europas. Gute Beziehungen zu Moskau bringen Vorteile bei Energie und Handel.
Koalitionen – AfD setzt auf eigene Stärke
Söder will partout nicht mit der AfD regieren, wie er vor einer Woche in seinem Sommerinterview mit Schmiese verlauten ließ. Chrupalla lässt das kalt. Er traut seiner Partei zu, im Osten allein zu regieren. Die AfD gibt ihren Abgeordneten Verhaltensregeln. Beamte im öffentlichen Dienst bekommen Hinweise, wie sie verfassungskonform auftreten. Hintergrund ist die Erfahrung, dass Aussagen oft aus dem Zusammenhang gerissen und gegen Mitglieder verwendet werden.
In Sachsen-Anhalt strebt die AfD bei den Landtagswahlen im September 2026 ein Ergebnis von 40 Prozent an. Ohne die Partei wird es dann keine Regierung geben. Ob er selbst mal Ministerpräsident in Sachsen werden will, lässt Chrupalla offen. Erst kommt das Land. Dann die Partei. Dann die Person.
Wulf Schmiese versuchte beharrlich, Chrupalla in die Defensive zu drängen. Aber der AfD-Co-Vorsitzende blieb bei seinen Positionen und ging nicht baden, weder politisch noch rhetorisch.
Meinrad Müller (71), Unternehmer im Ruhestand, kommentiert mit einem zwinkernden Auge Themen der Innen-, Wirtschafts- und Außenpolitik für diverse Blogs in Deutschland. Der gebürtige Bayer greift vor allem Themen auf, die in der Mainstreampresse nicht erwähnt werden. Seine humorvollen und satirischen Taschenbücher sind auf Amazon zu finden. Müllers bisherige Beiträge auf PI-NEWS gibt es hier, seinen Ratgeber für Hobbyautoren hier.
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