Von MEINRAD MÜLLER | Der Yukon zieht in breiten, silbernen Bahnen durch die Landschaft. Sein Rauschen bricht die Stille. Am Ufer sitzen zwei Angler, warm eingepackt gegen den Wind. Die Ruten im Wasser, die Blicke in die reißende Strömung.
Vor ihnen liegt ein Kiesbett. Glatte Steine, vom Fluss über Jahrtausende geschliffen. Sie liegen rund und sanft in der Hand. Kantige Steine gibt es hier nicht mehr, sie hielten dem Wasser nicht stand, wurden mit der Zeit abgeschliffen. Und diese runden Steine bleiben länger erhalten als die kantigen jemals kantig waren.
An manchen Stellen ist auch die Politik rau und kantig. Sie wird abgeschliffen, manchmal durch Verstand, manchmal durch Diplomatie, und manchmal mit Blut. Die beiden Männer am Fluss wissen das. Sie haben die Wahl, welchen Weg sie gehen. Sie sind alt, viel Lebenszeit bleibt ihnen nicht mehr.
Angeln nach Frieden
Sie reden über Angeln. Über Köder, über die Frage, wann und wo die Großen anbeißen. Der eine erzählt von der Kraft der Strömung, der andere vom Geduldsspiel des Wartens. Zwischen den Worten liegen lange Pausen. Der Wind fährt durch ihre Jacken, das donnernde Rauschen des Yukons trägt ihre Sätze fort.
Hinter ihnen, inmitten von Fichten und Hügeln, stehen Blockhütten. Dort brennt ein Feuer, ihre Berater trinken russischen Tee, aufgebrüht mit dem klaren Wasser Alaskas. Draußen aber sind nur der Fluss, der Wind und das Zucken in den Angelruten.
Am Freitag angeln diese beiden alten Männer in Alaska nach Frieden. Donald Trump und Wladimir Putin. Doch unter der Oberfläche fließt ein anderes Gespräch. Eines, das größer ist als alle Lachse, die je im Yukon schwammen.
Ein Tag, der in die Geschichte eingeht
Alaska hat seine eigene Geschichte. Einst gehörte es zum russischen Zarenreich. Am 30. März 1867 kauften die Vereinigten Staaten Alaska von Russland für 7,2 Millionen US-Dollar, was etwa zwei Cent pro Acre entsprach. Russland, vertreten durch Zar Alexander II. und seinen Gesandten Eduard de Stoeckl, und die USA, vertreten durch Außenminister William H. Seward unter Präsident Andrew Johnson. Der Kaufpreis entspricht in heutiger Kaufkraft etwa 140 bis 150 Millionen US-Dollar (Stand 2025), je nach Inflationsberechnung. Diese historische Verbindung prägt den Ort des Gipfels.
Und wie man bei klarem Wetter von der Bretagne aus die Felsen Englands sehen kann, so kann man hier von Alaska aus Russland erkennen. Nur 85 Kilometer Luftlinie, nahe genug für einen großen Handschlag, wenn beide Seiten es wollen.
Ob dieser Tag in die Geschichte eingeht, weiß niemand. Vielleicht bleibt nur das Bild zweier Männer am Yukon, die in der Dämmerung ihre Ruten einholen. Vielleicht aber beginnt hier, auf diesem symbolischen Kiesbett, der lange Weg zu einem Frieden, der alle Kanten abschleift. So wie das Wasser es seit Jahrtausenden tut.
Meinrad Müller (71), Unternehmer im Ruhestand, kommentiert mit einem zwinkernden Auge Themen der Innen-, Wirtschafts- und Außenpolitik für diverse Blogs in Deutschland. Der gebürtige Bayer greift vor allem Themen auf, die in der Mainstreampresse nicht erwähnt werden. Seine humorvollen und satirischen Taschenbücher sind auf Amazon zu finden. Müllers bisherige Beiträge auf PI-NEWS gibt es hier, seinen Ratgeber für Hobbyautoren hier.
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