Am 11. August 2025 äußerte sich der US-amerikanische Ökonom und Kolumnist Paul Craig Roberts in einer Diskussion mit seinem Gesprächspartner Nemo über die potenziellen Gefahren eines bevorstehenden Treffens zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Roberts zeigt sich skeptisch gegenüber den Erwartungen an dieses Treffen und warnt vor einer möglichen Eskalation der Spannungen zwischen den beiden Staaten. Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Punkte seiner Analyse zusammen.
Trumps Fehleinschätzung der russischen Position
Roberts kritisiert, dass Trump die russische Position offenbar nicht versteht. Trump spricht wiederholt von einem möglichen „Landtausch“ als Lösung für den Konflikt in der Ukraine, bei dem Russland und die Ukraine Gebiete austauschen könnten, um den Krieg zu beenden. Diese Vorstellung hält Roberts für naiv und realitätsfern. Putin hat mehrfach klargestellt, dass es ihm nicht nur um die Beendigung des aktuellen Konflikts geht, sondern um die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursachen – insbesondere die Sicherheitsbedenken Russlands. Dazu gehört die Präsenz von NATO-Truppen und US-Raketen an den russischen Grenzen, die in Moskau als Bedrohung wahrgenommen werden.
Roberts verweist auf die historische Parallele zur Kubakrise, als die USA empört auf sowjetische Raketen in Kuba reagierten, die nur 90 Meilen von der US-Küste entfernt waren. Heute jedoch, so Roberts, haben die USA und die NATO Raketen in Polen, Rumänien und anderen Ländern direkt an Russlands Grenzen stationiert, ohne dass dies in Washington als Problem angesehen wird. Diese Missachtung der russischen Sicherheitsinteressen sei der Kern des Problems, das Trump jedoch ignoriere.
Mangelnde Vorbereitung und unrealistische Erwartungen
Ein zentraler Kritikpunkt von Roberts ist die fehlende Vorbereitung für das Treffen. Normalerweise werden solche hochrangigen Verhandlungen durch intensive Vorarbeiten auf Arbeitsebene vorbereitet, bei denen beide Seiten ihre Positionen klären und mögliche Kompromisse ausloten. In diesem Fall jedoch scheint Trump keine klare Vorstellung von Putins Position zu haben, während russische Vertreter wie Dmitri Medwedew und andere Kommentatoren bereits optimistische Erwartungen an das Treffen äußern. Roberts hält diese Erwartungen für gefährlich und unrealistisch, da sie die Komplexität des Konflikts unterschätzen.
Er befürchtet, dass das Treffen scheitern könnte, was zu einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und Russland führen würde. Für Putin könnte ein Scheitern innenpolitische Konsequenzen haben, da russische Nationalisten und die Armee ein Nachgeben bei den eroberten Gebieten als Verrat ansehen könnten. Gleichzeitig steht Trump unter Druck, seine Wahlversprechen einzulösen, den Konflikt schnell zu beenden, was durch die mangelnde Vorbereitung und seine unklare Strategie erschwert wird.
Die Rolle der US-Hegemonie und des militärisch-industriellen Komplexes
Roberts weist darauf hin, dass die US-Doktrin der globalen Hegemonie ein zentrales Hindernis für eine Einigung darstellt. Die USA haben laut Roberts den Ukraine-Konflikt angeheizt, um Russland zu destabilisieren. Ein abruptes Ende des Konflikts würde Fragen nach dem Verzicht auf diese hegemoniale Politik aufwerfen, was weder Trump noch andere US-Politiker bisher angesprochen haben. Zudem betont Roberts die Rolle des militärisch-industriellen Komplexes in den USA, der von Waffenverkäufen an Europa profitiert. Ein Friedensabkommen könnte diese Profite gefährden, was ein weiteres Hindernis für eine Einigung darstellt.
Druck auf Putin und die BRICS-Staaten
Roberts sieht Putin in einer schwierigen Lage. Einerseits will er den BRICS-Staaten wie Indien und Brasilien zeigen, dass Russland bereit ist, zu verhandeln, um Sanktionen und weitere Konflikte mit dem Westen zu vermeiden. Andererseits muss er innenpolitisch Stärke demonstrieren, um die Unterstützung der russischen Nationalisten und der Armee nicht zu verlieren. Ein „Landtausch“ oder ein Kompromiss, der als Schwäche ausgelegt werden könnte, würde Putin innenpolitisch schaden.
Zudem kritisiert Roberts die US-Politik gegenüber den BRICS-Staaten, insbesondere die Drohungen mit Sanktionen gegen Länder wie Indien, die russisches Öl kaufen. Diese Politik schaffe unnötige Feindschaften und schwäche das Vertrauen in die USA als Verhandlungspartner.
Fazit: Ein riskantes Unterfangen
Paul Craig Roberts sieht in dem geplanten Treffen zwischen Trump und Putin ein hochriskantes Unterfangen, das durch mangelnde Vorbereitung, unterschiedliche Erwartungen und tiefgreifende geopolitische Spannungen belastet ist. Er befürchtet, dass ein Scheitern des Treffens die Beziehungen zwischen den USA und Russland weiter verschlechtern könnte, während ein Kompromiss für beide Seiten innenpolitische Risiken birgt. Roberts bleibt skeptisch und hofft, dass er mit seiner pessimistischen Einschätzung falsch liegt, betont aber, dass die Geschichte zeigt, wie oft schlecht vorbereitete Friedensverhandlungen scheitern.
Das Treffen, so Roberts, ist ein „kindisches“ Unterfangen, das die Komplexität des Konflikts und die zugrunde liegenden Machtinteressen ignoriert. Ob es zu einem historischen Durchbruch oder zu einer weiteren Eskalation kommt, bleibt abzuwarten.

