Von RAINER K. KÄMPF | Am Donnerstagabend war Vera Lengsfeld Gast der Berliner Abgeordnetenhausfraktion der AfD (Video oben). Anlaß war das zweifelhafte zehnjährige Jubiläum der Erstürmung Deutschlands.
Das gemeinsame Feindbild Merkel als Scharnier zu sehen, greift zu kurz. Die Bürgerrechtlerin, einst selbst CDU-Mitglied, und die Alternative für Deutschland verbindet mehr als die Verurteilung der bedingungslosen Grenzöffnung.
Die Wurzel der Gemeinsamkeit findet man in der Geschichte, in der Verortung im Osten der heutigen Bundesrepublik. Bei Lengsfeld wird man das überlesen und wie selbstverständlich zur Kenntnis nehmen.
Aber wie jetzt? Wo finden wir den gemeinsamen Teil in der Geschichte bei der AfD? 2013 war doch die DDR nur noch Fußnote. Annektiert, gesellschaftlich eingeebnet, und die westdeutschen „Eliten“ wiegten sich im Glauben, sie hätten den Ossis jedes Quentchen Heimat und Stolz auf sich selbst unwiederbringlich ausgetrieben.
Vor einigen Tagen jährte sich ein anderes, vergessenes Ereignis: 35 Jahre seit der Unterzeichnung des „Vertrags über die Herstellung der deutschen Einheit“ zwischen der DDR und der BRD am 31. August 1990. Genau hier finden wir das Bindeglied zwischen den Bürgerrechtlern damals und der AfD heute.
Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, schrieb zu diesem Anlaß, daß die DDR besetzt wurde. Besetzt durch das Bonner System, das in der revolutionierenden DDR-Bevölkerung eine wachsende Gefahr sah. Und so versagten sie den „Brüdern und Schwestern“ im Osten das grundgesetzlich verbriefte Recht auf eine Verfassung und die freie Entscheidung nach Artikel 146.
Es ist nicht nur die tatsächliche Landnahme und die Vivisektion der ostdeutschen Wirtschaft, die Hunderttausende von Menschen ihrer Arbeit und ihrer Existenz beraubte. Es ist die Demütigung der Aufbruchstimmung in der damaligen Gesellschaft, der man die Möglichkeit und die Zukunft nahm, Deutschland im sich bietenden politischen Prozeß zu einem authentischen Nachkriegsdeutschland zu gestalten.
Der Autor erinnert sich sehr gern und mit etwas Wehmut an Persönlichkeiten, die im kleinen Finger mehr Kompetenz, Ehrgeiz und Mut hatten als manche hoch dotierte Systempolitiker heute. Mehr Anstand, Ehre und Nationalstolz sowieso.
Diese Menschen, diese möglich aufsteigende, neue und konkurrierende Elite, wurden im kalten Handstreich weggefegt. Stattdessen kamen Verweser der dritten Garnitur und deren Gefolge, um den jetzt freien Teil Deutschlands zu kolonisieren.
Genau an dieser Stelle verorten wir den Schnittpunkt und erkennen, warum die AfD Volkspartei des Ostens ist. Die Partei ist die letzte ehrliche Alternative, um 1989 fortzusetzen und letztlich doch noch zum Erfolg zu führen! Und Helmut Kohls Versprechen zu erfüllen. Diesmal jedoch in beiden Teilen der Republik.
PI-NEWS-Autor Rainer K. Kämpf hat Kriminalistik, Rechtswissenschaft und BWL studiert. Er war tätig in einer Anwaltskanzlei, Geschäftsführer einer GmbH, freier Gutachter und Sachverständiger. Politisch aktiv ist Kämpf seit 1986. Als Kommissar in spezieller Stellung im Berliner Polizeipräsidium hatte er Kontakte zum damaligen „Neuen Forum“ in den Anfängen. Er verzichtete darauf, seinem Diensteid zu folgen und folgte lieber seinem Gewissen. Bis 2019 war er Referent einer AfD-Landtagsabgeordneten in Brandenburg. Aus gesundheitlichen Gründen beendete er diese Tätigkeit und befindet sich seither im unruhigen Ruhestand.
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