Horst D. Deckert

Arabische Medien sehen den Sieg der Taliban als Risiko für ein Wiederaufleben des radikalen Islamismus in der Welt

Die arabischen Medien sind sich weitgehend einig, dass der Sieg der Taliban ein Wiederaufleben des radikalen Islamismus provozieren wird. Viele sind darüber besorgt, manche begrüßen es.

 

„Es ist der Islamische Staat, der vom Triumph der Taliban profitieren wird“, warnt die saudische Tageszeitung Arab News in einem Artikel der Analystin Baria Alamuddin. Es ist eine „bösartige Peitsche zur Wiederbelebung des radikalen Islamismus“, beklagt auch der Leitartikler Mashari Al-Thaydi in der britisch-saudischen Zeitung Asharq Al-Awsat. „Die Gefahr besteht nicht nur darin, dass [die Taliban] Al-Qaida oder anderen Organisationen dieser Art Unterschlupf gewähren werden. Die Gefahr besteht vor allem darin, dass in Afghanistan eine sunnitische Version des Khomeini-Regimes entsteht. Der Taliban-Präsident will ein ‚Befehlshaber der Gläubigen‘ sein, so wie der iranische Oberste Führer“.

Die Iran-Besessenheit der saudischen Medien zeigt sich auch auf der Titelseite der saudischen Zeitung Okaz, auf der in roten Lettern steht, dass „der Iran den Taliban den Fall von Herat erleichtert hat“.

„Und es gibt immer wieder Berichte, dass Hunderte von arabischen Kämpfern aus Syrien und dem Irak nach Afghanistan kommen, um sich der Partei anzuschließen“, warnt ein Leitartikel in derselben Zeitung. Neben der Befürchtung, dass Afghanistan in einen Bürgerkrieg abgleitet, besteht auch die Angst, dass das Land erneut zu einem Bollwerk des Extremismus und zu einem Zufluchtsort für dschihadistische Bewegungen wird“, so die Zeitung weiter. Die Kräfte, die die USA dort ersetzen können, sind Russland, China, Pakistan und natürlich der Iran. Der Iran hat natürlich Differenzen mit den Taliban, aber er behandelt sie nach der Formel ‚der Feind meines Feindes ist mein Freund‘.“

„Eine Lektion für die Menschen“

„Der extremistische Diskurs ist nicht verschwunden, und die Welt wird keinen Frieden und keine Stabilität erleben“, beklagt der Leitartikel von Al-Riyadh, einer weiteren saudischen Tageszeitung. Es scheint, dass die Welt die Lehren aus der Vergangenheit nicht gezogen hat.

Der Hauptverantwortliche für diese Entwicklung ist allerdings Joe Biden. Er weiß, dass die Ankunft der Taliban in Kabul bedeutet, dass der Extremismus an die Macht kommt“, schreibt das ägyptische Blatt Al-Masry Al-Youm.

Quelle: Courrier International


Ähnliche Nachrichten