Von amazer31 – Journalistin bei TrialSite News
Medicare- und Medicaid-Betrug scheinen mittlerweile ebenso fester Bestandteil des US-Gesundheitssystems zu sein wie der jährliche Hausarztbesuch. Wie der US-Gesundheitsminister kürzlich in einem Interview betonte, wolle man Medicaid nicht kürzen, sondern Verschwendung beseitigen: „Wir kürzen Medicaid nicht – wir kürzen die Verschwendung. Jährlich werden zwischen 30 und 50 Milliarden Dollar an Betrug festgestellt. Mit DOGE können wir das aufdecken und beenden“, sagte er – eine Anspielung auf eine neue Initiative des Ministeriums zur Effizienzsteigerung in der Verwaltung.
Laut TrialSite News sind rund 75 Millionen US-Bürger auf Medicaid angewiesen – ein staatlich finanziertes Gesundheitsprogramm für einkommensschwache Erwachsene und Kinder. Trotz seiner Bedeutung für Bedürftige steht das Programm wegen Betrugs und Missbrauchs immer wieder in der Kritik. Die hohen Medikamentenpreise in den USA machen Medicaid zwar unverzichtbar, öffnen aber auch skrupellosen Ärzten Tür und Tor für kriminelle Machenschaften – wie der aktuelle Fall aus einem Vorort von Chicago zeigt.
Unnötige Krebsbehandlungen: Ärztin verurteilt
Dr. Mona Ghosh, eine Gynäkologin aus Hoffman Estates, Illinois, wurde nun des medizinischen Betrugs schuldig gesprochen. Sie hatte gesunden Patientinnen fälschlich erklärt, sie bräuchten aggressive Krebsbehandlungen – obwohl keinerlei Erkrankung vorlag. Für ihre Taten wurde sie zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Zusätzlich muss sie 1,5 Millionen Dollar an verschiedene Krankenkassen zurückzahlen.
„Sie hat das Leben dieser Frauen dauerhaft verändert – das kann man nicht ungeschehen machen. Zehn Jahre sind dafür eine viel zu geringe Strafe“, sagte Socorro Urbano, eine der Betroffenen. Bundesrichter Franklin Valderrama verurteilte Ghosh mit den Worten: „Sie haben das Vertrauen Ihrer Patientinnen missbraucht, um Ihren luxuriösen Lebensstil zu finanzieren. Sie haben irreparablen Schaden angerichtet.“
Zwischen 2018 und 2022 reichte Ghosh Hunderte betrügerische Abrechnungen bei Medicare, TRICARE und anderen Versicherungen ein. Ihre Angestellten wurden ebenfalls angewiesen, manipulierte Unterlagen zu erstellen. So wurden falsche Diagnosen dokumentiert, um unnötige Behandlungen zu rechtfertigen.
„Wenn Ärzte betrügerische Anträge bei Bundesgesundheitsprogrammen einreichen, werden Steuergelder von denen abgezogen, die sie wirklich benötigen“, erklärte US-Staatsanwalt Andrew S. Boutros. „Dr. Ghoshs Betrug war besonders niederträchtig – sie gefährdete aktiv die Gesundheit ihrer Patientinnen. Einige Eingriffe beeinträchtigten sogar dauerhaft die Fruchtbarkeit junger Frauen. Wir zollen den Opfern Respekt, die den Mut hatten, sich ihr zu stellen. Unser Amt wird nicht ruhen, bis alle Täter zur Rechenschaft gezogen und die öffentlichen Mittel geschützt sind.“
Eingriffe ohne medizinische Grundlage – unter Sedierung
Dr. Ghosh war Eigentümerin der Praxis Progressive Women’s Healthcare. Viele Frauen kamen zu ihr für Routineuntersuchungen wie PAP-Tests oder Gebärmutterhalskrebs-Screenings. Die Ärztin diagnostizierte dann „abnormale Befunde“, obwohl diese in Wahrheit völlig unauffällig waren. Unter dem Vorwand, eine Biopsie sei nötig, sedierte sie ihre Patientinnen – um dann invasive und völlig unnötige Eingriffe durchzuführen.
In mehreren dokumentierten Fällen führte Ghosh Behandlungen durch, die gezielt die Fruchtbarkeit beeinträchtigten – trotz des ausdrücklichen Wunsches der Patientinnen, Kinder zu bekommen. Ihre Motive waren rein finanziell.
Ghosh bekannte sich schuldig. Neben der Haftstrafe und der Rückzahlung an die Krankenkassen verliert sie auch ihre ärztliche Zulassung. Darüber hinaus muss sie jedem ihrer Opfer genau 605,02 Dollar Entschädigung zahlen – der Richter konnte jedoch nur die Verfahrenskosten als Schadenersatz geltend machen.
Betrug im System – Reform überfällig
Medicare und Medicaid sind grundsätzlich lebenswichtige Programme, insbesondere für einkommensschwache oder chronisch kranke Menschen. Doch ihre Struktur bietet auch Schlupflöcher für betrügerische Ärzte, Patienten und Konzerne.
Der Fall Ghosh ist nur ein besonders krasser von vielen – und verdeutlicht, wie dringend das US-Gesundheitssystem eine tiefgreifende Reform braucht. Doch wie genau soll diese aussehen?

