Horst D. Deckert

Kategorie: Nachrichten

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„Ein einzigartiges Stipendienprogramm Kubas für den Globalen Süden“

„Ein einzigartiges Stipendienprogramm Kubas für den Globalen Süden“

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Kuba bildete über Jahrzehnte auf eigene Kosten Tausende von „internationalen Schülern“ aus Afrika, Asien und Lateinamerika als Techniker und Fach-Spezialisten in Bereichen wie Agronomie, Veterinärmedizin und Buchführung aus. Das Besondere (und auch Erfolgreiche) an dem Ansatz war unter anderem der Fokus des Stipendienprogramms auf die Mittel- und Sekundarstufe und nicht wie sonst oft üblich auf Hochschulbildung. Ein Interview mit der kubanischen Bildungsforscherin Dayana Murgia, die derzeit an der Humboldt-Universität Berlin zu diesem Thema forscht. Von Tobias Kriele.

Sie promovieren derzeit an der Humboldt-Universität in Berlin. Können Sie uns etwas über Ihren persönlichen und akademischen Hintergrund erzählen? Was ist das Thema Ihrer Arbeit?

Seit zehn Jahren arbeite ich als Forscherin am kubanischen Geschichtsinstitut Instituto de Historia de Cuba (IHC) in Havanna, habe aber ursprünglich Erziehungswissenschaften studiert. An die Humboldt-Universität zu Berlin kam ich über ein DAAD-Stipendium und bin im Begriff, hier meine Doktorarbeit fertigzustellen. Mein Thema ist die Entwicklung eines in der transnationalen Bildungsgeschichte recht ungewöhnlichen Stipendienprogramms für Kinder, Jugendliche und junge Menschen aus rund 40 Staaten und Organisationen in Afrika, dem Nahen Osten, Asien und Lateinamerika, das zwischen 1977 und 2012 auf der kubanischen Insel der Jugend existierte.

Welchen Beitrag hat Kuba mit diesem Programm für die afrikanischen Länder geleistet?

Das Programm beinhaltete im Wesentlichen Stipendien für komplette Ausbildungszyklen auf allen Bildungsebenen, von der Grundschule bis zur Sekundarstufe, von der Sekundarstufe bis zur technischen Oberschule oder bis zur Universität. Das bedeutet, dass Kuba Tausende von „internationalen Schülern“ aus der so genannten Dritten Welt, heute ein Teil des globalen Südens, als Techniker und Spezialisten in Bereichen wie Agronomie, Veterinärmedizin, Wirtschaftslehre oder Buchführung ausbildete. Diese wurden in ihren „Nationalstaaten“, zum Beispiel nach der Erlangung der formalen Unabhängigkeit, dringend benötigt. Die Stipendien wurden weltweit auf der Grundlage von Regierungsabkommen vergeben und von Kuba finanziert, ohne Einmischung eines dritten Staates oder einer Organisation und ohne finanzielle Belastung der Teilnehmenden. Wir haben es also definitiv mit einer selbstlosen Initiative zu tun, die Kubas internationalistische Solidaritätsmotivation in seiner militärischen und zivilen Hilfe für Afrika unterstreicht.

Inwiefern war dieses Programm mit seinen besonderen Merkmalen im internationalen Kontext einzigartig?

Wesentlich und ganz einzigartig ist der Fokus des Stipendienprogramms auf der Isla de la Juventud auf die Mittel- oder Sekundarstufe. Bisher herrschte in der Welt die Tendenz vor, Stipendien für die Hochschulbildung zu gewähren, sowohl im Westen als auch in den sozialistischen Ländern. Dies ist eine sehr wichtige Besonderheit, denn in jedem Land ist die Sekundarschule eine Schulstufe, welche Entwicklungsziele stark beeinflusst, in der aber die Schulabbrecherquote in Afrika und anderen Regionen der so genannten Dritten Welt sehr hoch ist.

Mit welchen Erwartungen sind die afrikanischen Schüler gekommen, mit welchen Erfahrungen sind sie zurück gegangen?

Die Statistiken über die Zahl der internationalen Studenten in diesem Programm variieren zwar von Autor zu Autor, doch halte ich bei meinen Recherchen eine Zahl von etwa 23.000 Absolventen für am wahrscheinlichsten.

Als ich insgesamt 109 befragte Absolventen aus 14 Ländern danach fragte, mit welcher ursprünglichen Erwartung sie auf die Isla kamen, antworteten 92,6 Prozent der Befragten: „Ich wollte zurückkehren und beim Wiederaufbau bzw. bei der Entwicklung meines Landes helfen“. Das führe ich auf ein kollektives Streben nach einer gerechteren und nach sozialistischen Prinzipien entwickelten Gesellschaft zurück, welches man damals bei verschiedenen afrikanischen Führungspersönlichkeiten feststellen konnte. In der Regel fanden diese ihren Rückhalt in den am stärksten benachteiligten Sektoren, wie Bauern und Arbeiter, die auf der Insel der Jugend gut vertreten waren und den Antrieb hatten, das dramatische koloniale Erbe zu ändern.

Zweifellos ist diese Zeit, die sie auf der Insel verbracht haben, eines der Markenzeichen für den späteren Werdegang vieler Absolventen. Sie sprechen von einer Ausbildung, die nicht nur eine sehr starke Gruppenidentität geschaffen hat, sondern auch einen Sinn für Patriotismus, Pflichtbewusstsein, eine proaktive Anpassung an schwierige Arbeitsumgebungen, die Bereitschaft, überall dort zu arbeiten, wo es notwendig ist, und einen kollegialen Umgang, unabhängig von der Arbeitshierarchie.

Oftmals verwischte die traditionelle pädagogische Abgrenzung zwischen Lehrern und Schülern und erleichterte den Schülern die Anpassung an das neue Leben und die neue Kultur. Vor allem aber begünstigte sie den Erfolg im Studium. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Absolventen nicht nur bemühen, als Gruppe auf die Insel der Jugend zurückzukehren, sondern auch den Kontakt zu ihren kubanischen „Eltern“ aufrechtzuerhalten und sie in ihre Heimatländer einzuladen.

Eine persönliche Frage: Welche Beziehung haben Sie als junge Kubanerin zum afrikanischen Kontinent?

Es ist eine von Wertschätzung geprägte Beziehung. Die afrikanische Präsenz, vor allem die der versklavten Menschen, ist einer der Einflüsse, die das kubanische Volk zu einer einzigen genetischen Familie gemacht haben. Weniger bekannt ist der afrikanische Beitrag im Kampf gegen den spanischen Kolonialismus und später gegen den amerikanischen Neokolonialismus. Ich vermute, dass ich mich aufgrund dieser beiden Komponenten – Tradition und Widerstand – mehr mit dieser Region verbunden fühle als mit anderen.

Das Interview erschien zuerst in der Zeitschrift der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba Cuba Libre 1/2023.

Titelbild: Teilnehmer des internationalen Stipendienprogramms auf der „Insel der Jugend“ in den 1970er Jahren

Unternehmer Quirin Graf Adelmann: „Wir haben aktuell die eintönigste, ideenloseste Kulturlandschaft aller Zeiten“

Unternehmer Quirin Graf Adelmann: „Wir haben aktuell die eintönigste, ideenloseste Kulturlandschaft aller Zeiten“

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Die Kulturbranche befindet sich in einem desolaten Zustand. Ihr Gefüge ist in den letzten drei Jahren ins Wanken geraten. Wegen der Corona-Maßnahmen und der damit einhergehenden Berufsverbote gerieten nicht wenige Akteure in eine finanzielle wie existenzielle Krise. Die hohe Inflation und steigende Energiepreise dürften die Probleme weiter verschärfen. Das Vertrauen in staatliche Institutionen ist verloren gegangen. Die Bürokratie wächst kontinuierlich und hemmt sowohl Künstler als auch Einrichtungen, neue Projekte zu entwickeln. Ebenfalls einschränkend wirkt die grassierende Cancel Culture. Wer im Kulturbetrieb überleben will, muss die Worte genau abwägen und den herrschenden Narrativen folgen. Es bedarf einer grundlegenden Veränderung. Zu diesem Schluss kommt der Unternehmer Quirin Graf Adelmann, der in Deutschlands Hauptstadt in verschiedenen Kulturbereichen aktiv ist und die Entwicklungen der letzten Jahre hautnah mitverfolgt hat. Im Interview mit Eugen Zentner spricht er über die gegenwärtigen Herausforderungen, benennt die Missstände und erklärt, warum so viele Künstler und Kultureinrichtungen während der Corona-Zeit die harten Maßnahmen kritiklos hinnahmen.

Herr Graf Adelmann, Sie sind ein sehr engagierter Unternehmer, der unter anderem im Kulturbetrieb aktiv ist. Als Leiter des DDR-Museums Berlin, Eigentümer des Musikhauses Arttraktiv, Mitglied des ORWOhauses, Gründer von ravetheplanet und jahrelanger Betreuer des Privatclubs Berlin haben Sie einen Einblick in die Kultur-Szene der Hauptstadt. In welcher Verfassung befindet sie sich heute im Vergleich zur Zeit vor Corona?

Private Kultureinrichtungen sind vor allem verunsichert. Kreative Menschen aller Kunst- und Kulturbereiche brauchen wirtschaftliche und regulatorische Verlässlichkeit und wollen in Ruhe gelassen werden. Alles ist vollständig verloren gegangen. Hautnah mussten engagierte Kreative und Veranstalter erfahren, dass sie jederzeit geschlossen werden können und die Polizei einmarschiert, um Events zu kontrollieren und/oder zu schließen. Neue Ideen und eingegangene Risiken müssen mindestens zwei Jahre überleben, um im Falle einer Zwangsschließung Entschädigungen zu erhalten.

Darüber hinaus sind viele nicht mehr gewillt, in ihre Flächen und Ausrüstung zu investieren, weil Mietverträge kurzfristig sind und Genehmigungen verschärft wurden. Nicht zu vergessen ist, dass viele Kräfte im Hintergrund Veranstaltungen, Ausstellungen und Konzepte ermöglichen, die allesamt in der Corona-Zeit nicht entschädigt wurden und ihren beruflichen Schwerpunkt weg von Kunst und Kultur hin zu sicheren Arbeitsplätzen wie dem Öffentlichen Dienst oder ins Ausland verlagert haben. Diese schlechten materiellen und immateriellen Zustände werden wir über viele Jahre hinweg spüren.

Der Zufluss des üblichen Kunst-Nachwuchses ist ebenfalls in diesen Verbotsjahren gestoppt worden. Der Staat hingegen hat kreative Köpfe völlig vereinnahmt. Dort sind schier grenzenlos Gelder ausgegeben worden. Schauen wir uns beispielsweise die Jahresgehälter der Führungskräfte staatlicher Kultureinrichtungen im hohen sechsstelligen Bereich an, die Anzahl der Mitarbeitenden von staatlichen Kulturstätten oder Mittelverteileinrichtungen oder die Ausgaben für Raum und Konzepte an. In diesem Wettbewerb zwischen freier Kunst und staatlicher Geldüberschüttung widerstehen oft insbesondere Menschen nicht, die jung sind oder die existenziell unter Druck stehen.

Sie haben gerade von „Kräften im Hintergrund“ gesprochen. Können Sie das bitte ein wenig konkretisieren? Wer sind diese Kräfte im Hintergrund?

Damit sind all diejenigen gemeint, die Kabel verlegen, Licht anschalten, Messebauer, Tontechniker oder Einzelbooker – also Menschen, die selbstständig waren oder nur in der Saison rund um die Uhr im riesigen Kulturbereich gearbeitet haben und nun 2021 ihre Tätigkeiten im und für den Kulturbereich, den sie geliebt haben, aufgegeben haben. 2019 haben noch knapp drei Millionen Veranstaltungen mit 400 Millionen Teilnehmern stattgefunden. Wie sollen Menschen diesen Branchen zukünftig vertrauen? Umgekehrt haben staatliche Einrichtungen die Zahl der Mitarbeitenden teilweise verzehnfacht und bestimmen mehr und mehr die freie Szene. Die Kulturraum Berlin GmbH beispielsweise, eine Senats-Gesellschaft, vergibt die Räume und bewertet Bewerbungen und ist somit nichts anderes als verlängerter Arm der politischen Linienführung.

Die Kultur zählt zu den Branchen, die am meisten unter der Corona-Politik litt. Veranstaltungen waren lange Zeit verboten. Später durften sie nur unter strengen Hygieneauflagen stattfinden. Viele Einrichtungen und Künstler dürften diese Zeit finanziell nicht überlebt haben. Welche Beobachtungen haben Sie gemacht?

Alle Veranstalter, Inhaber von Clubs oder Museen haben zwischen 2020 und 2022 trotz teilweiser absurder Regelungen wirtschaftlich eher profitiert. Den Musikern, Tänzern und Schauspielern hat es die Füße weggehauen. Denn sie alle konnten und durften nicht auftreten. Wir reden hier nicht allein von Einkommen, sondern von Lebensentfaltung und Kommunikationseinschränkungen. Ich kenne sehr viele, die einfach zurück in ihre Heimat gekehrt sind, und einige, die heute nicht mehr musizieren oder schauspielern. Umgekehrt werden nun die Veranstalter und Kunsthäuser die Folgen merken. Zum einen, weil die Auswahl und der qualitative Austausch an Kunst und Kultur und neuen Ideen gemindert sind. Zum anderen, weil die großen Veranstaltungskonzerne nun ihre Touren in kurzer Zeit nachholen. Damit werden die Spielorte weniger divers und kleinere Auftritte unmöglich, weil das Publikum die Stätten nicht in dieser Nachholfrequenz besuchen wird. Der daraus resultierende inhaltliche und wirtschaftliche Schaden kommt erst noch.

Trotz dieses immensen Schadens hielt sich die Kultur-Szene mit Kritik an den Maßnahmen eher zurück. Waren wirklich die meisten mit ihnen einverstanden?

Diese Beobachtung war erschreckend. Berufsverbote wurden zunächst mit dem Versprechen der finanziellen Entschädigung gepaart. In den ersten Monaten hatten die meisten nachvollziehbarerweise Verständnis für die Maßnahmen (März bis Mai 2020). Wir dürfen dann nicht vergessen, dass die ersten Zahlungen auch an Einzelkünstler erfolgten. Wiederum damit gepaart waren die Versprechen der Politik, dass wir nur noch bis zur Impfmittelverfügbarkeit (August 2020) durchhalten müssten. Dann nur bis Weihnachten, dann bis Ostern des Folgejahres, dann bis zu den Sommerferien.

Die völlig irren General-Lockdowns haben allein im letzten Zeitraum sieben Monate gedauert. Clubs durften gar nicht öffnen. Den Menschen ist das eigenverantwortliche Leben verboten worden und sie haben sich das gefallen lassen. Spätestens ab Spätsommer 2020 waren die meisten Veranstalter, Künstler und Schauspieler nicht mehr einverstanden. Sie hatten aber kein Sprachrohr mehr. Die Führungskräfte der Spielorte wurden weiter bezahlt fürs Nichtstun und haben sich in Chat-Gruppen für die Regierungen positioniert.

Jede Kritik wurde hier im Keim erstickt. Politische Opposition: Fehlanzeige. Die Politik zusammen mit den Medien, die die Infektionskurven stündlich über alle Ticker haben laufen lassen, und die Kommissionen der staatlichen Geld- und Preisverteilungsinstitutionen haben so dafür gesorgt, dass Widerworte – auch noch so vernünftig – nur noch im Privaten geäußert wurden. Dies war deshalb so erstaunlich, weil zur gleichen Zeit die Anzahl tausender eingeleiteter Strafverfahren gegen Einzelkünstler wegen der ausgezahlten Soforthilfen 2020 ab November 2020 den offenen Zweiflern den Rest gegeben haben. Viele haben sich gefragt, ob sie nicht doch selbst falsch liegen.

Woran liegt es dann, dass die Veranstalter, Clubs, Theaterhäuser und Museen die Maßnahmen mittrugen und so still blieben?

Anfang 2021 gab es pauschal 75 Prozent des Umsatzes aus November 2019 für die Veranstalter. Gleichzeitig saßen die Leute zu Hause und konnten den kompletten Kontrast zum üblichen Rhythmus sehen, der abends und an Wochenenden stattfindet. Die eigenen Kinder betreuen, Haustiere anschaffen und einfach nichts tun zu müssen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, ist sehr komfortabel. Hierin jeweils angetrieben in der Hoffnung, dass in zwei Monaten alles wieder vorbei ist bei ständiger Beobachtung eines Fehltritts durch das gesamte Kulturumfeld, hat die Leute mundtot gemacht.

Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass die meisten Theaterhäuser und Museen staatliche oder staatlich finanzierte Häuser sind. Da geht es nicht um zeigbare Kunst. Das Humboldt Forum hatte einfach auch dann geschlossen, als Verbote weggefallen sind. Das Pergamonmuseum renoviert nun vier Jahre lang und das Deutsche Historische Museum will jetzt zehn Jahre an einem neuen Ausstellungsinhalt tüfteln. Was ist denn 2020 bis 2022 passiert? Warum sollten diese Häuser laut werden? Viele private Initiativen wiederum mieten Flächen beim Land Berlin oder dem Bund. Die regelmäßig auslaufenden Mietverträge werden nicht durch eigene Meinungsäußerung gefährdet. Da bleiben die Häuser lieber still, übergeben die Verantwortung des Sagens an andere oder hoffen darauf, dass jemand anderes gekreuzigt wird, und lassen sich dann bei einem Glas Wein am Sportplatz über den Irrsinn aus, ohne sichtbar zu sein.

Mit der Energiepolitik und den gestiegenen Strom- und Gaspreisen dürften sich die finanziellen Probleme vergrößert haben. Wie schaffen es die Institutionen, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten?

Auch das trifft ja nur die Privaten und Kleinen. Die Betriebs- und Nebenkosten angemieteter Flächen werden erst zur Jahresmitte 2023 für 2022 und für 2023 erst 2024 abgerechnet. Wer noch an die Unterstützungsanträge gewöhnt ist und weniger als 2€/qm vorausgezahlt hat, wird die heutigen 6€/qm erst später merken. Die Nachzahlungen kommen also erst noch. Gleichzeitig dürfte dann wieder die staatliche Gelddruckmaschine anlaufen, die spätere Generationen zurückzahlen müssen und die Kultureinrichtungen in eine neue Abhängigkeit schubst. Im Wettbewerb des Wahnsinns mietet der Bund in Berlin aktuell dennoch Büroflächen zu Mietpreisen von 50€/qm an. Was soll denn da Kunst und Kultur entgegensetzen? Im Kern aber heißt es in Zukunft, dass die Gesamtkosten deutlich gestiegen sind und nicht-kommerzielle Vorhaben ohne staatliche Unterstützung jedenfalls hierzulande kaum noch möglich sind.

Sie haben einen Einblick in verschiedene Bereiche der Berliner Kultur-Szene. Welche Missstände lassen sich jeweils feststellen? Mit welchen Schwierigkeiten sind beispielsweise die Museen konfrontiert, mit welchen die Clubs und die Konzertveranstalter? Wo liegt jeweils der Schwerpunkt?

Sichtbar ist das beispielsweise bei der Deutschen Bahn. Dort sitzen die Leute noch heute im Homeoffice und freuen sich über das Nichtstun bei gleichzeitigem Abfall der messbaren Leistung. Noch nie war die Deutsche Bahn trotz der meisten Mitarbeitenden aller Zeiten und der kürzesten Strecken aller Zeiten so unpünktlich und unzuverlässig. Kunst und Kultur sind kein riesiger Klotz wie die Deutsche Bahn, aber die Auswirkungen sind vergleichbar. Jemanden zu finden mit Spaß am Beruf im Club und der Bereitschaft, diesen Beruf auch länger auszuüben, ist im Vergleich zu den Jahren vor 2019 fast völlig abhandengekommen. Die Menschen halten nicht mehr so viel aus oder wollen es nicht mehr.

Die Schwerpunkte haben sich verlagert. Das Vertrauen in Selbstverantwortung in einem immer größer werdenden Wohlfahrtsstaat und einer Weg-Click-Gesellschaft ist praktisch verschwunden. Umgekehrt müssen die vielen wirklich Begeisterten und Kreativen weder kommunikativ noch geografisch in Europa bleiben. Die Welt ist für alle offen. Jeder und Jede kann sich das eigene Umfeld selbst aussuchen. Das erkennen wir auch an anderen Parametern wie bei der Planung der Menschen für die Zukunft.

In Deutschland grassiert schon seit Jahren die Cancel-Culture und breitet sich auch in der Kulturbranche aus. Welche Tendenzen nehmen Sie wahr? Ist die Kunst immer noch frei?

Wenn wir Berlin als Stadt der Freiheit vermarkten, dann nehmen wir doch Berlin als Exempel: Es gibt hier zahlreiche Senats-GmbHs, die Kultur fördern sollen. So werden beispielsweise Räume verschenkt, wenn die Künstler bewerbend darlegen, was sie inhaltlich tun. Entspricht dies nicht der politischen Vorstellung des Senats, gibt es keinen Raum. Diese Räume werden weiterhin nur für zwei Jahre vergeben. Ich würde das als Wohlverhaltensüberprüfungs-Begrenzung von Staat zu Kultur sehen. Viele Veranstaltungen werden von diesen Senats-GmbHs mit Mitteln aller Steuerzahler initiiert und Preise verteilt und Fördermittel vergeben – alles politisch gesteuert.

Kunst und Kultur müssten aber frei und grenztestend sein dürfen. Haben Sie beispielsweise einmal die Anzahl an Comedians gezählt, die nicht mehr auftreten dürfen, weil sie Witze über Transgender-Personen gemacht haben? Der zwanghafte Drang, bestimmte sexuelle oder sozial geprägte Menschen ausdrücklich zu bevorzugen und nicht mehr objektiv nach Ideenreichtum, Kreativitätstiefe oder inhaltlicher Außergewöhnlichkeit Raum für alle Künstler gleichermaßen zu öffnen, führt dazu, dass wir nur noch Kultur ansehen, die uns bekannt ist. Dies ist gepaart mit nahezu gleichlautenden Medien, insbesondere der öffentlich-rechtlichen Medien. Wir haben aktuell die eintönigste, ideenloseste Kulturlandschaft aller Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg. Nehmen wir Bertolt Brecht: Er hat mit seinen Theaterstücken ständig Grenzen getestet. Für die einen war er ein bolschewistischer Propagandist, der die Gesellschaft kommunistisch unterwandern wollte, und für die anderen ein Messias. Heute hätte er in Berlin keine Chance auf Spielzeiten.

Laute Minderheiten haben nicht über eine Mehrheit zu bestimmen. Vivienne Westwood hat sich über Jahrzehnte hinweg gegen die gleichmachende Mehrheit gewehrt. Heute bestimmen zahlenmäßig unbedeutende Minderheiten und stülpen den Mehrheiten Zwangsmeinungen auf. Das ist ein gruseliger Trend, weil er zu Totalitarismus führt und eben nicht zu Diversität und Offenheit. Außerdem führt das dazu, dass sich Mehrheiten plötzlich auch gegen vernünftige Veränderungen wehren, was man kürzlich bei der Abstimmung zur Klimaneutralität in Berlin gesehen hat.

Viele Menschen sind derzeit unzufrieden mit der Politik und der gesellschaftlichen Entwicklung. Sie nehmen autoritäre Tendenzen wahr sowie Zensur, eine eintönige Kultur und eine tendenziöse Berichterstattung. Nicht wenige sehen Parallelen zur DDR. Würden Sie da mitgehen als jemand, der sich mit der Geschichte des einstigen SED-Staates gut auskennt? Lassen sich die heutigen Zustände wirklich mit den damaligen vergleichen?

Ich habe mich mit vielen Zeitzeugen aus der ehemaligen DDR ausgetauscht, die sowohl in der DDR als auch später in der Bundesrepublik Kunst und Kultur gestaltet haben. Natürlich mussten sich in der DDR Bands wie City („Am Fenster“) oder Nina Hagen („Du hast den Farbfilm vergessen“) subtil ausdrücken und unliebsame Jugendkulturen wie Punks im Untergrund bewegen. Solchen Systemkritikern und Verwandten wurde der berufliche Aufstieg trotz Talent und Können abgeschnitten. Und wo stehen wir heute? Künstlern wird der Auftritt verwehrt, weil sie russischer Nationalität sind. Wer sich kritisch über die Corona-Politik geäußert hat, verliert Führungsverantwortung. Unliebsame Ausstellungen von privaten Sammlern und Vermögenden werden politisch boykottiert. Die Julia Stoschek Collection ist nur ein Bespiel.

Schauen wir uns die teuren Inszenierungen im Humboldt Forum an. Hier wird pedantisch darauf geachtet, dass den Besuchern pädagogisch erklärt wird, wieso Kunst, die aus Afrika stammt, grundsätzlich geraubt wurde. Auseinandersetzungen, Nuancen und Sichtweisen der damaligen Zeit oder Anderer darzustellen, wird verboten. Berlin will außerdem für Millionen von Euro ein Leitsystem an allen Hotspots der Stadt für Berliner und Besucher aufstellen, die ausdrücklich Menschen nur hin zu nicht-kommerziellen, staatlichen Kultureinrichtungen führen sollen. Private Kulturstätten sollen ausdrücklich vergessen werden. Wir lassen zu, dass mit unseren Ressourcen eine neue Kulturreligion erschaffen wird, die auf eine Elite des neu definierten Gutmenschen ausgerichtet wird und nichts neben sich zulässt. Das ist schlimm.

Was muss sich Ihrer Meinung nach im Kulturbetrieb ändern? Wo müsste man beginnen?

Politik und Kultur müssen unbedingt inhaltlich getrennt werden. Der Staat muss sich aus Kunst und Kultur heraushalten. Er muss selbstverständlich dafür sorgen, dass Infrastruktur geschaffen oder ermöglicht wird und Raum für Musiker, bildende Künstler oder Schauspieler zur Verfügung steht. Aber die inhaltliche Einmischung und auch die Führung müssen voneinander getrennt sein. Das ist der erste wichtige Aspekt. Umgekehrt müssen auch alle Kulturstättenbetreiber auf sich selbst schauen: Wofür sind wir angetreten und was macht uns aus?

In Berlin gibt es keine freien Safe Places oder offene Club-Kultur mehr. In Wirklichkeit sind auch Clubs zugangsbegrenzend und lassen Menschen stundenlang vor der Tür warten, um sie dann abzuweisen. Ehrlichkeit und Selbstkritik auch seitens der Kulturträger wäre ein guter Anfang, um immer wieder neue Ideen anzunehmen und kritisch alle Aspekte des Menschen zuzulassen und erst dann zu beurteilen. Würde ich bei meinen Kulturaktivitäten nur nach meiner eigenen politischen Einstellung, meinem Geschmack und nach dem Maßstab meiner Fähigkeiten gehen, wären wir schon lange langweilig oder tot.

Titelbild: Michael O’Keene/shutterstock.com

Zur Person: Quirin Graf Adelmann ist Unternehmer und Publizist. Zu seinen Aktivitätsfeldern gehören unter anderem Sozialer Wohnungsbau, Gastronomie, Sport, Musik, Start-ups, Mobilität und Kultur. Aufgrund dieses breiten Engagements hat er in den letzten Jahrzehnten vielseitige persönliche Erfahrungen mit zahlreichen Herausforderungen innerhalb von Teams, Behörden, Banken und politischen Rahmenbedingungen gemacht. Verarbeitet hat sie Adelmann in dem Buch „Schwach. Langsam. Ideenlos“, das 2022 im Eulenspiegel-Verlag erschienen ist.

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von Rüdiger Stobbe auf Mediagnose.de

Nehmen Sie einmal an, …

… der globale Mitteltemperaturanstieg sei seit der Industrialisierung allein durch anthropogene CO2 – Einträge bedingt.

Sollten wir dann nicht schnellstmöglich handeln?

Herr Dr. Dengler gibt Entwarnung. Auch bei fast gleichbleibenden Emissionen wird das Pariser Klimaziel von 1,5° erreicht. Diesen Zusammenhang verdeutlicht Herr Dr. Dengler anhand eines

sehr anschaulichen Konto – Gleichnisses.

Er zeigt, dass bei fast gleichbleibenden Emissionen das Maximum der CO2 – Konzentration bei ca. 470ppm liegt und folglich keine klimatische

Apokalypse befördern kann.

Herr Dr. Dengler ist promovierter und habilitierter Physiker. Insbesondere seine Habilitationsschrift „Grundlagen optimaler Modellbildung“ befähigt ihn, Klimamodelle zu analysieren und zu bewerten.

Quelle

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Der wegweisende Artikel von Dr. Joachim Dengler:

Wir können weiterleben – ohne Sorgen wegen CO2

 Sie glauben das nicht? Wo uns doch täglich Medien und Politik einhämmern, dass es gar keine Emissionen mehr geben darf, um das berühmte Netto-Null zu erreichen?

Es hilft weiter, erst einmal Artikel 4 des Pariser Klimaabkommens zu lesen:

Zum Erreichen des in Artikel 2 genannten langfristigen Temperaturziels (… indem der Anstieg der durchschnittlichen Erdtemperatur deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau gehalten wird und Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, …) sind die Vertragsparteien bestrebt, so bald wie möglich den weltweiten Scheitelpunkt der Emissionen von Treibhausgasen zu erreichen, […] um in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ein Gleichgewicht zwischen den anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen aus Quellen und dem Abbau solcher Gase durch Senken auf der Grundlage der Gerechtigkeit und im Rahmen der nachhaltigen Entwicklung und der Bemühungen zur Beseitigung der Armut herzustellen.“

Im Klartext bedeutet Netto-Null, dass die Quellen von CO2-Emissionen mit den CO2-Absorptions-Senken im Gleichgewicht sein müssen. Es heißt eben nicht, dass die Emissionen Null sein müssen, es heißt lediglich, dass es gleich viele Absorptionen wie Emissionen gibt.

Klimawissenschaft befasst sich in der Regel mit der Frage „Wie viel CO2 verbleibt in der Atmosphäre?“, angesichts der anthropogenen Emissionen und der begrenzten Fähigkeit der Ozeane und der Biosphäre, die überschüssige CO2-Konzentration aufzunehmen. Die Analyse der einzelnen Mechanismen hat zusammen mit der mittlerweile falschen Annahme exponentiell wachsender Emissionen zu Schlussfolgerungen der Art geführt, dass ein bestimmter zunehmender Anteil der anthropogenen Emissionen für alle Zeiten in der Atmosphäre verbleibt.

Zu einer anderen Schlussfolgerung kommt man, wenn man die logisch gleichwertige Frage stellt: „Wieviel CO2 verbleibt nicht in der Atmosphäre?“. Diese Frage, diese Art der Betrachtung verändert alles.  Die Menge CO2, die nicht in der Atmosphäre verbleibt, kann anhand der direkten Messungen von Emissionen und Konzentrationsänderungen berechnet werden, ohne dass wir die Absorptionsmechanismen im Einzelnen untersuchen müssen. Für CO2 gilt die Massenbilanzgleichung, die besagt, dass nichts verloren geht:

Konzentrationsänderung = Emissionen – Absorptionen

Dass bereits heute mehr als die Hälfte der menschengemachten Emissionen von den Ozeanen und der Photosynthese der Pflanzen und in der Folge auch von Tieren wieder absorbiert werden, ist allgemein bekannt und unstrittig, aber viele Menschen, auch Wissenschaftler befürchten, dass ein immer größer werdender Rest dauerhaft in der Atmosphäre verbleibt.

Das trifft so nicht zu:

In dieser wissenschaftlichen Publikation und in einem leichter verständlichen Blogbeitrag wird mit den Messdaten der letzten 70 Jahre nachgewiesen, dass jedes Jahr etwa 2% der über 280 ppm hinausgehenden CO2-Konzentration von den Ozeanen und den Pflanzen der Atmosphäre wieder entzogen werden.

Diese 280 ppm ergeben sich aus dem Gleichgewicht aus natürlichen Emissionen und Absorptionen ohne anthropogene Emissionen.

Die Meßdaten, insbesondere die der CO2-Konzentration, sind seit den 50er Jahren sehr genau. Mit den Messwerten von 1950-2000 konnten die tatsächlichen CO2-Konzentrationen von 2000-2020 exakt vorhergesagt werden, wie wir rückblickend sehen können.  Die Qualität der Vorhersage ist ganz hervorragend.

Um zu verstehen, wie der Mechanismus der Emission (Quelle) und der Absorption (Senke) funktioniert, schauen wir uns einen Vergleich aus der Welt eines Geldkontos an.

Der Vergleich mit einem Geldkonto

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Konto mit einem Kontostand von 413 € zu Beginn des Jahres 2020. In dieses Konto werden jedes Jahr 4,50 € einbezahlt. Die anfallende Steuer: Es gibt einen Freibetrag von 280 €.  Der Rest des Guthabens auf dem Konto wird am Jahresende mit 2% besteuert.

Wie entwickelt sich der Kontostand? Am Ende des Jahres 2020 sind 417,50 € auf dem Konto, davon werden 0,02*(417,50-280) = 2,75 abgeführt, es verbleiben also 414,75 €

Tabelle_Beispiel_geldkonto_17-04-2023_08

Der Kontostand wächst zwar an, doch auch die Abzüge erhöhen sich jedes Jahr. Bei einem Kontostand von 505 € am Jahresende werden die einbezahlten 4,50 € wieder komplett abgeführt. Das heißt, beim Kontostand 505 € wäre in unserem Beispiel die Netto-Null Situation erreicht. Weiter kann das Konto bei jährlichen 4 ,50 € Einzahlungen nicht mehr anwachsen.   Aber es dauert ziemlich lange, bis dieser Zustand erreicht ist: Nach 60 Jahren wäre man erst bei 474,98 €.

Das Zukunftsszenario

Der Geldkonto-Vergleich beschreibt den CO2-Haushalt der Atmosphäre. Der Kontostand entspricht der Konzentration des CO2 in der Atmosphäre, zu Beginn des Jahres 2020 waren das etwa 413 ppm („parts per million“ = Anteile CO2 pro 1 Million Luftmoleküle). Die ´Einzahlungen` entsprechen den jährlichen weltweiten CO2-Emissionen, also dem, was insgesamt an CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen wird.  Das sind aktuell etwa 4,5 ppm CO2 pro Jahr weltweit, was etwa 36 Milliarden Tonnen CO2 entspricht.

Die Internationale Energieagentur hat in ihrer weltweiten Statistik seit 1850 geschätzt, wieviel CO2 in Zukunft ausgestoßen werden wird. Dabei gibt es ein Szenario, es ist faktisch das Worst-Case-Szenario, bei dem angenommen wird, dass die aktuell geltenden Gesetze und Regelungen in allen Ländern der Erde unverändert weiter bestehen bleiben. Stated-Policies-Szenario meint frei übersetzt das „Szenario der bereits ergriffenen Maßnahmen“. Es beinhaltet aktuell existierende emissionssenkende Gesetze und Verfahrensweisen, aber eben keine weiteren künftigen Maßnahmen zur Emissions-Senkung.

Quelle & Komplette Studie

Das Stated-Policies-Szenario zeigt, dass die weltweiten Emissionen über die nächsten 10 Jahre etwa gleichbleiben, und dann ganz leicht mit etwa 0,3% pro Jahr sinken. Das bedeutet, dass es weltweit im Jahre 2100 wieder genauso viele Emissionen geben wird wie im Jahre 2005. Das kann bei einzelnen Ländern dazu führen, dass die Emissionen stärker sinken, dagegen in Entwicklungsländern aufgrund des Nachholbedarfs die CO2-Emissionen noch steigen. Aber es wird nirgendwo dramatische Auswirkungen geben, die den Wohlstand in Frage stellen.

Mit den Zahlen der Internationalen Energie Agentur konnte dieser Sachverhalt ermittelt werden: Die CO2-Konzentration beträgt im Jahre 2080 etwa 475 ppm. Sie wird darüber hinaus nicht mehr ansteigen.

Was bedeutet das für das globale Klima?

Wir wollen uns hier nicht auf die möglicherweise berechtigte Diskussion einlassen, ob ein Spurengas CO2 überhaupt einen Einfluss auf die globale Mitteltemperatur und in der Folge auf das globale Klima hat. Unbestritten ist, dass sich seit dem Beginn der Industrialisierung (1850) die CO2-Konzentration von 280 auf 413 ppm, also um 133 ppm angewachsen ist. Die Temperatur hat sich im Mittel seit 1850 um 1° C erhöht.

Wir akzeptieren die weit verbreitete Auffassung, dass der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 1° C seit dem Beginn der Industrialisierung (vor 1850) ausschließlich der Steigerung der CO2-Konzentration geschuldet ist.

Die künftige Erhöhung der CO2-Konzentration liegt bei 475 – 413 = 62 ppm.  Das ist knapp die Hälfte des bisherigen Anstiegs von 133 ppm. Damit geht konsequenterweise einher, dass bis zum Jahr 2080 auch die Temperatur allenfalls um 0,5° C ansteigt, also insgesamt um 1,5° C seit Beginn der Industrialisierung im Jahr 1850.  Damit wäre die die Hauptforderung (siehe oben) des Pariser Klimaabkommens aus dem Jahr 2015 erfüllt.  Es wird vor allem auch dem Aspekt der Herstellung von Gerechtigkeit […] im Rahmen der nachhaltigen Entwicklung und der Bemühungen zur Beseitigung der Armut“ Rechnung getragen. Damit wird auch nicht-westlichen Ländern die Möglichkeit eröffnet, an einer den Wohlstand erweiternden Entwicklung teilzuhaben.

Die gute Nachricht

Mit den heutigen CO2 -Emissionen und deren vom iea.org prognostizierten Senkung von 3 Prozent pro Jahrzehnt ab dem Jahr 2030 wegen der bereits beschlossenen Klimaschutz-Maßnahmen wird das Pariser Klimaziel von 1,5° C erfüllt.  Weitere Maßnahmen, insbesondere solche, die Wohlstand einschränken und kostenintensiv sind, müssen nicht ergriffen werden.

© Dr. Joachim Dengler 2023, nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr und Haftung

Nach Baerbock-Anzeige: Acht Monate Haft auf Bewährung für den „Love Priest“

Der deutsche YouTuber Tim Kellner alias „Love Priest“ erreicht mit seinem „Love Channel“ fast eine halbe Million Menschen. In seinen scharfzüngigen und sarkastischen Videos dokumentiert er schonungslos den politischen und gesellschaftlichen Verfall Deutschlands. Nach einer Strafanzeige von Außenministerin Annalena Baerbock („Grüne“) flatterte Kellner nun ein Strafbefehl ins Haus, der eine Rekordstrafe vorsieht: Acht Monate Haft auf Bewährung plus Geldstrafe – und das wegen eines haarsträubenden Tatvorwurfs. Da hört die Liebe dann doch auf: Kellner will durch „alle Instanzen“ gehen, kündigte der YouTuber im Gespräch mit dem österreichischen Online-TV-Sender AUF1 an.

https://gegenstimme.tv/w/kKLDXmmHAD3kfSqWwGgWej

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Ukraine und die Nazis – warum ein neues Nürnberg nötig ist

Ukraine und die Nazis – warum ein neues Nürnberg nötig ist

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Am 17. April veröffentlichte der ukrainische Oppositionspolitiker Viktor Medwedtschuk einen Artikel mit dem Titel „Ukrainischer Nationalsozialismus oder warum ein neues Nürnberg nötig ist“, in dem er erklärte, dass nur ein Prozess „nach dem Vorbild des Internationalen Militärtribunals von Nürnberg“ die Wiedergeburt des Nationalsozialismus in anderen Ländern verhindern und die Menschheit vor einer nuklearen Apokalypse bewahren […]

USA: Gesetzentwurf soll medizinische Transgender-Eingriffe an Minderjährigen ohne elterliche Zustimmung erlauben

Ein Gesetzentwurf des Bundesstaates Washington, der Eltern unter bestimmten Umständen das Recht nimmt, in die medizinische Versorgung ihrer Kinder einzugreifen, passierte am Mittwoch das Repräsentantenhaus und machte damit den Weg frei für die Unterzeichnung durch Gov. Jay Inslee.

Kinder sollen künftig über Geschlechtsoperationen selbst entscheiden 

„Die Gesetzesvorlage 5599 des Senats, die sich auf die Unterstützung von Jugendlichen bezieht, erlaubt es Heimen für entlaufene Jugendliche, Jugendliche ohne elterliche Erlaubnis aufzunehmen“. Darüber hinaus müssen die Heime die Eltern nicht darüber informieren, wo sich ihre Kinder aufhalten oder ob sie medizinisch betreut werden, „wenn es einen zwingenden Grund gibt, dies nicht zu tun, wozu auch gehört, dass ein Jugendlicher geschützte Gesundheitsdienste in Anspruch nimmt.“

Zu den „geschützten Gesundheitsdiensten“ gehöre auch die „geschlechtsbestätigende Behandlung“, die für Minderjährige willkürlich alles umfasse, was von einem Arzt zur Behandlung von Dysphorie verschrieben werde, heißt es in dem Gesetzentwurf.

„Eine geschlechtsbestätigende Behandlung kann Zweigeschlechtlichen, Transgender, nicht-binären und anderen geschlechtsspezifischen Personen verschrieben werden“, heißt es in dem Gesetzentwurf.

Staat entscheidet über Kinder – nicht mehr die Eltern

Für Minderjährige umfasst die „bestätigende Behandlung“ in der Regel Pubertätsblocker, übergeschlechtliche Hormone und Operationen. Es war unklar, welche Leistungen im Rahmen des Gesetzentwurfs genehmigt werden würden.

Anstatt die Eltern zu benachrichtigen, können sich die Heime an das Washingtoner Ministerium für Kinder, Jugendliche und Familien (DCYF) wenden.

Ein weiterer „zwingender Grund“, die Eltern nicht über den Aufenthalt von Kindern in einem Heim zu benachrichtigen, sind „Umstände, die darauf hindeuten, dass die Benachrichtigung der Eltern oder des Erziehungsberechtigten zu Missbrauch oder Vernachlässigung des Minderjährigen führen würde“.

Der Gesetzentwurf wurde von Gegnern als „Kindesmissbrauch“ kritisiert.

Kritiker warnen davor, dass die Obsorge von Kindern zunehmend dem Staat und nicht mehr den Eltern übertragen werde:

„Die Aufgabe der Eltern ist es, ihr Kind zu beschützen, dieses Gesetz entzieht den Eltern diese Fähigkeit… Das Geschlecht ist nur in Ihrer Vorstellung. Dieser Gesetzesentwurf legalisiert die Entführung von Kindern, erlaubt die Beherbergung von Minderjährigen und trennt uns von der Union.“


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Steuergeldverschwendung: Mit zusätzlichen 200 Millionen Euro in die Bildungssackgasse

Steuergeldverschwendung: Mit zusätzlichen 200 Millionen Euro in die Bildungssackgasse

Wie miserabel es um die Qualität des deutschen Bildungssystems bestellt ist, zeigt ein internationaler Vergleich, den das Münchner ifo-Institut anhand von Schulleistungsstudien wie PISA und TIMSS angestellt hat. Hier liegt Deutschland nur auf Platz 30 – noch hinter Russland. (Studienergebnisse am Ende der Seite) – Gastbeitrag von Meinrad Müller

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Genscher Rede vom Juni 1980 mit klarer Festlegung auf die Fortsetzung der sozialliberalen Koalition mit Kanzler Schmidt

Genscher Rede vom Juni 1980 mit klarer Festlegung auf die Fortsetzung der sozialliberalen Koalition mit Kanzler Schmidt

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Auf diese politisch interessante Rede – mit geringer Halbwertszeit –machte mich ein früherer Mitarbeiter des Bundeskanzleramtes aufmerksam, verbunden mit einer Anmerkung zum Thema. Ich zitiere E.H.: „Die verdienstvolle Serie der NDS ‚alter interessanter Dokumente‘ veranlasst mich, Genschers Parteitagsrede vom 6./7. Juni 1980 in Freiburg zur Aufnahme in diese Serie zu empfehlen.

Insbesondere in den Karten 12-17 legt sich Genscher so eindeutig und uneingeschränkt auf die Fortführung der sozialliberalen Koalition nach der Bundestagswahl vom 5. Oktober 1980 für die gesamte Legislaturperiode fest (in einer förmlichen Parteitagserklärung). Zentraler Satz und späterer Slogan auf FDP-Großplakaten im Wahlkampf 1980 ist: „Wer FDP wählt, garantiert, dass Helmut Schmidt Bundeskanzler bleibt, …, ohne wenn und ohne aber.“ (Kärtchen 16).

Diesen Satz haben wir Helmut Schmidt für seine letzte Bundeskanzler-Rede im Bundestag am 1.10.1982 ins Manuskript geschrieben und er hat ihn ja auch gesprochen im Deutschen Bundestag und Genscher direkt adressiert!! – Insoweit war der SPD-Slogan „Verrat in Bonn“ nach dem 1. Oktober 1982 zu Recht plakatiert.“

Zum historischen Hintergrund will ich noch etwas anmerken, was in den Nachdenkseiten mindestens schon einmal zur Sprache kam: Als die Sowjetunion im Dezember 1979 in Afghanistan militärisch intervenierte, erklärte der damalige CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß die Entspannungspolitik als gescheitert. Der Koalitionspartner des damaligen Bundeskanzler Schmidt, die FDP mit Hans-Dietrich Genscher war davon offensichtlich beeindruckt und kungelte im April 1980 schon mit dem Oppositionsführer Helmut Kohl (CDU). Daraufhin machte die nordrhein-westfälische SPD in Absprache mit der Parteiführung und dem Bundeskanzler Schmidt in Bonn die Friedenspolitik zum Hauptthema der Landtagswahl vom 11. Mai 1980. Eine der markantesten Anzeigen hatte die Überschrift „Nie wieder Krieg“. Darunter waren 49 Kriegerwitwen abgebildet – jeweils mit einer persönlichen Äußerung zu ihrer Lebenserfahrung.

Die Einführung dieser wichtigen bundespolitischen Thematik und damit zugleich das Wackeln der FDP in den NRW-Landtagswahlkampf hatte den erhofften Erfolg: Die SPD erreichte das Traumergebnis von48,4 %, die FDP flog aus dem Landtag.

Das hatte eine tiefe Wirkung auf die nach außen bekundete Strategie der FDP – so sichtbar in der heute dokumentierten Genscher-Rede vom Juni des gleichen Jahres. Die FDP hatte begriffen, dass eine Gefährdung der sozialliberalen Koalition und der Kanzlerschaft Helmut Schmidts für sie bei Wahlen gefährlich wird.

Eine kleine, persönlich erlebte Geschichte belegt die beschriebene Wirkung: Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte damals einen Redenschreiber, der Mitglied der FDP war. Er hieß Rolf Breitenstein und er war wie alle Redenschreiber bei der morgendlichen Lagebesprechung im Bundeskanzleramt mit dabei. Zwei Tage nach der NRW-Wahl vom 11. Mai meldete sich der Kollege Breitenstein mit folgender Anmerkung zu Wort: Gestern Abend habe das FDP-Parteipräsidium getagt und über das Ergebnis der NRW-Wahl und den Rauswurf der FDP aus dem NRW-Landtag gesprochen und beschlossen, dass sie wieder zur sozialliberalen Koalition im Bund stehen wollen.

Lange hielt dieser Schwur nicht.