Horst D. Deckert

Meine Kunden kommen fast alle aus Deutschland, obwohl ich mich schon vor 48 Jahren auf eine lange Abenteuerreise begeben habe.

So hat alles angefangen:

Am 1.8.1966 begann ich meine Ausbildung, 1969 mein berufsbegleitendes Studium im Öffentlichen Recht und Steuerrecht.

Seit dem 1.8.1971 bin ich selbständig und als Spezialist für vermeintlich unlösbare Probleme von Unternehmern tätig.

Im Oktober 1977 bin ich nach Griechenland umgezogen und habe von dort aus mit einer Reiseschreibmaschine und einem Bakelit-Telefon gearbeitet. Alle paar Monate fuhr oder flog ich zu meinen Mandanten nach Deutschland. Griechenland interessierte sich damals nicht für Steuern.

Bis 2008 habe ich mit Unterbrechungen die meiste Zeit in Griechenland verbracht. Von 1995 bis 2000 hatte ich meinen steuerlichen Wohnsitz in Belgien und seit 2001 in Paraguay.

Von 2000 bis 2011 hatte ich einen weiteren steuerfreien Wohnsitz auf Mallorca. Seit 2011 lebe ich das ganze Jahr über nur noch in Paraguay.

Mein eigenes Haus habe ich erst mit 62 Jahren gebaut, als ich es bar bezahlen konnte. Hätte ich es früher gebaut, wäre das nur mit einer Bankfinanzierung möglich gewesen. Dann wäre ich an einen Ort gebunden gewesen und hätte mich einschränken müssen. Das wollte ich nicht.

Mein Leben lang habe ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. Seit 2014 war ich nicht mehr in Europa. Viele meiner Kunden kommen nach Paraguay, um sich von mir unter vier Augen beraten zu lassen, etwa 200 Investoren und Unternehmer pro Jahr.

Mit den meisten Kunden funktioniert das aber auch wunderbar online oder per Telefon.

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Kategorie: Nachrichten

Kategorie: Nachrichten

Kein langes Diskutieren: Wenn Migranten in Berlin auf Klima-Kleber treffen…

Autofahrer haben in Berlin zur Selbsthilfe gegriffen und eine Straßenblockade von Klima-Klebern der „Letzten Generation“ beendet. Auf einem Video (siehe unten), das die unter OK-Verdacht stehende Öko-Sekte selbst auf Twitter veröffentlichte, sind aufgebrachte Männer und eine Frau zu sehen, welche die Klimakleber wenig zimperlich von der Fahrbahn zerren.

Augenscheinlich und wegen des Akzents handelte es sich um Personen mit Migrationshintergrund. Sie packten die Extremisten unter den Armen bzw. an den Westen und entfernten sie resolut von der Kreuzung. Offenbar geschockt über den scharfen Tonfall und die Entschlossenheit der Autofahrer, darunter ein Paketbote des DPD, lassen sich die Extremisten an den Straßenrand schleppen.

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Gerald Markel: Politik muss zum Umlenken gezwungen werden – letztes Mittel: Generalstreik!

Gerald Markel: Politik muss zum Umlenken gezwungen werden – letztes Mittel: Generalstreik!

Wie können die gebeutelten Bürger die Politik zu einer Kurskorrektur bewegen? Dieser Frage ging Unternehmer und Polit-Blogger Gerald Markel jüngst auf den Grund. Während weite Teile der Bevölkerung durch suizidale Sanktionen und Öko-Fanatismus zunehmend an den Rand des Ruins getrieben werden, machen Regierende nichts anderes als leere Versprechungen. So geht es nicht weiter, ist Markel sicher: Für ihn ist ein Generalstreik als letztes demokratisches Mittel nun kein Tabu mehr.

Ein Gastkommentar von Gerald Markel

Generalstreik – ein Tabu? 

Ich bin Unternehmer. Seit 33 Jahren. Ich bin nicht dumm. Ich will nicht provozieren, ich will nicht auffallen um jeden Preis. Ich weiss ganz genau, wie sehr es unserer Volkswirtschaft schaden würde, wie weitgehend die Auswirkungen wären, wie sehr diese ultimative Maßnahme des Protests unsere ohnehin schon extrem belastete Volkswirtschaft weiter in die Krise stürzen würde.

Und trotzdem bleibe ich dabei – ich sehe keinen anderen demokratischen Ausweg mehr, um die Regierungen in Österreich und Deutschland zur Umkehr zu zwingen. Und ja – sie müssen umkehren. Die Mischung aus einem religiösen Wahn einer Endzeitreligion und den völlig hirnrissigen selbstschädigenden Sanktionen gegen Russland hat unsere Gesellschaft an den Rand des Armageddon gebracht. 

Es ist eigentlich ganz simpel. Die Menschen und die Unternehmen können nicht mehr. Sie schaffen das nicht. Das System schafft das nicht. Es ist nicht in der Lage, das zu schaffen, weil seine Grundlage zerstört wurde.

Europas Erfolg und Sicherheit beruhten auf billiger Energie

Europa hat seine Nachkriegswirtschaft auf mehreren Säulen aufgebaut. Wir haben uns entschieden bzw. dafür gekämpft, dass die Unternehmen gerecht hohe Löhne bezahlen. Wir haben uns entschieden, ein dichtes Netz an sozialer Absicherung zu schaffen, dass aus hohen Beiträgen von Dienstnehmern und Dienstgebern ermöglicht wird. Wir haben uns entschieden, bei der Produktion von Waren und Dienstleistungen auch unsere Umwelt zu schonen und geben unseren Unternehmen hohe Standards vor. Und trotzdem sind Europas Produkte bis jetzt zu einem am Weltmarkt konkurrenzfähigen Preis produziert worden. Weil wir billige Energie zur Verfügung hatten.

Europa hat eine hohe soziale Sicherheit. Die Menschen müssen nicht hungern, sie müssen nicht frieren, sie verfügen jederzeit über Strom und fühlen sich nicht dazu gezwungen, um Ihre Existenz mit Gewalt kämpfen zu müssen. Einer der Gründe, warum dies für wirklich alle Schichten der Bevölkerung zutrifft – weil wir billige und jederzeit verfügbare Energie hatten.

Politiker opfern die Bürger einer Ökoreligion und einem Stellvertreterkrieg

Und das ist jetzt vorbei. Weil eine kleine fanatische Minderheit mit Hilfe der Massenmedien eine hysterische Ökoreligion eingeführt hat.
Weil diese Fanatiker in ihrer unendlichen Hybris der absurden Idee anhängen, dass 450 Millionen Europäer die Erde mit 7 Milliarden Menschen vor einer maßlos übertriebenen Gefahr eines Wandels der klimatischen Verhältnisse retten zu können. 
Weil diese Fanatiker eigentlich über keinerlei Sachverstand, aber dafür umso mehr religiösen Furor verfügen. 
Weil man in Deutschland auf die völlig verrückte Idee kam, gleichzeitig auf sämtliche Energieformen zu verzichten, die eine beständige und sichere Grundlastversorgung erzeugen können. 
Weil sich Europa von den Amerikanern in einen Stellvertreterkrieg hetzen hat lassen, der – und dies hat Ex-Kanzlerin Merkel in seltener Offenheit jüngst im Interview bestätigt – vom Westen über acht Jahre vorbereitet wurde.
Weil sich europäische Politiker – aus welchen Gründen auch immer – von den USA in selbstmörderische Sanktionen gegen den größten Rohstofflieferanten Europas hetzen haben lassen. Sanktionen, die eine katastrophale Spirale an Preissteigerungen in Gang gesetzt haben, die ein Ausmaß an Energiekosten ergeben, die sich die Menschen einfach nicht mehr leisten können! 

Sie können nicht mehr. Und die Politik ist ganz offensichtlich nicht bereit, die notwendigen Schritte zu setzen, um den Menschen nachhaltig zu helfen.

Seit Monaten erheben wissende Menschen die Forderung, die schwachsinnige Merit Order sofort aufzuheben, um die Preise zu senken. Seit Monaten warnen wissende Menschen davor, aus allen fossilen Energien in wahnwitzig engen Fristen auszusteigen. Seit Februar warnen wissende Menschen davor, dass die seit Jahrzehnten zuverlässig gelieferten und günstigen russischen Rohstoffe nicht ersetzt werden können, ohne massivste Auswirkungen auf die heimischen Volkswirtschaften auszulösen. Seit Jahren schlagen wissende Menschen vor, dass Europa wieder beginnt, selbst seine vorhandenen Bodenschätze zu schürfen.

Wir können diese Katastrophe nicht hinnehmen

Es werden Placebos und Almosen verteilt, es wird geredet und geredet, angekündigt und versprochen, es werden Fantasien und Hirngespinste verkündet und es werden die Dogmen einer neuen Religion gepredigt, einer Ersatzreligion einer dekadenten Schicht an selbsternannten “besseren Menschen”, die von den Nöten und Sorgen einfacher Menschen keine Ahnung haben und auch kein Interesse daran haben, es zu erfahren. 

Aber es reicht nicht. Es kann nicht reichen. Die Menschen verlieren ihren Wohlstand. Der Wohlstand – von zwei Generationen aufgebaut – wird in wenigen Monaten vernichtet, Millionen Menschen rutschen in die Armut und der soziale Frieden wird nachhaltig zerstört werden, wenn das so weitergeht. 

Wir können diese Katastrophe nicht sehenden Auges hinnehmen. Wir können nicht auf die nächsten Wahlen warten, nicht darauf warten, bis eine neue Regierung die Scherben der Gesellschaft aufräumt, denn es sind unsere Scherben, unser Wohlstand und unser Land, das da draufgeht.

Ich weiß, es gibt sowohl in Deutschland als auch in Österreich noch genügend Menschen mit Verstand und Weitblick, mit Empathie und Mitgefühl, die sehen, wie katastrophal tief wir schon in der Schei*e stehen. Es sind genügend Fachleute in den Gewerkschaften und den Wirtschaftsverbänden, die das Sterben der heimischen Volkswirtschaften kommen sehen. Es gibt noch genug Menschen mit Empathie und Verstand, die sich völlig darüber klar sind, dass wir diesen Wahnsinn den Menschen nicht mehr zumuten können, dass viel zu viele  Menschen nicht mehr können.

Letzter Ausweg: Generalstreik!

Und weil ich null Anzeichen dafür sehe, dass es irgendwelche Einsicht oder Pläne zur Korrektur dieses Kurses gibt, sehe ich nur mehr einen Ausweg. Die Gewerkschaften und die Arbeitgeber müssen sich mit der verbliebenen vernünftigen Zivilgesellschaft zusammenschließen und den Regierungen klar machen: Wenn ihr den Kurs nicht sofort und radikal zum Vorteil der Menschen ändert, dann wird das Land lahmgelegt. Bis ihr zu Verstand kommt.

Also – obwohl ich weiß, was es bedeutet: Ich sehe keinen Ausweg mehr als einen Generalstreik der Bevölkerung. 

Wir lesen uns. 
GM 

P.S.: Im Übrigen bin ich der festen Überzeugung, dass allein die ernsthafte Ankündigung die Regierungen zum Einknicken bringen würde. Wenn ich mir die Performance dieser Regierungen ansehe, bin ich mir ganz ganz sicher…

Trump 2024: Eine riesige Chance für uns in Europa! | Ein Kommentar von Maximilian Krah (AfD)

Die Biden-Administration hat abgewirtschaftet. Die Bereitschaft von Donald Trump, an zweites Mal als Präsidentschaftskandidat der Republikaner anzutreten, ist ein Lichtblick. Auch für uns Europäer.

Der AfD-Europaabgeordnete Maximilian Krah im Gespräch mit dem DeutschlandKURIER-Chefredakteur David Bendels, zur Zeit in den USA.

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Dokumentation zur Aufklärungsarbeit der NachDenkSeiten in Sachen Demographie und Rente

Dokumentation zur Aufklärungsarbeit der NachDenkSeiten in Sachen Demographie und Rente

Heute haben die NachDenkSeiten diesen interessanten Beitrag Gute geölte Drehtür. Wie die Finanzlobby die Allgemeinheit um ihr Verdientes und Erspartes erleichtert. über den Einfluss der Finanzwirtschaft, also der Banken, der Versicherungen und der Finanzdienstleister, auf politische Entscheidungen, speziell jenen zur Altersvorsorge, aufmerksam gemacht. Dabei ist auf eine neuere Studie aufmerksam gemacht worden. Aufmerksame Leser der NachDenkSeiten und insbesondere jene, die schon von Anfang an dabei sind, wissen, dass wir von Beginn an auf die besonders massiven Manipulationen in diesem für die Lobby lukrativen Bereich des politischen Geschehens aufmerksam gemacht haben. Der Blick zurück ist interessant. Albrecht Müller.

Ich habe mithilfe der Suchfunktion zu den Begriffen Riester, Maschmeyer und demographischer Wandel im großen Arsenal der NachDenkSeiten gestöbert und unter anderem die im Folgenden dokumentierten Beiträge gefunden.

Schon in der Zeit vor Gründung der NachDenkSeiten, konkret seit dem Bundestagswahlkampf 1998, habe ich zu diesem Thema Analysen veröffentlicht, unter anderem im „Kritischen Tagebuch“ des WDR. Im Bundestagswahlkampf 1998 lief eine Kampagne mit großen Anzeigen der Finanzwirtschaft – schon damals mit der falschen Behauptung, der demographische Wandel verlange eine Änderung des Systems der Altersvorsorge, konkret eine Teilprivatisierung. Diese Interessen haben sich dann ab 2000 und konkret mit der Einführung der Riester-Rente, der Rürup-Rente und mit der Entgeltumwandlung zugunsten der betrieblichen Altersvorsorge durchgesetzt.

Die folgende Dokumentation enthält – obwohl schon sehr umfangreich – bei weitem nicht alle Beiträge. Die dokumentierten NDS-Beiträge zeigen übrigens auch, wie geschichtsvergessen debattiert und entschieden wird.

Die Zusammenstellung dokumentiert übrigens auch den großen Beitrag, den die NachDenkSeiten zur sogenannten Volksbildung leisten. Die Dokumentation zeigt damit auch, wie erstaunlich fern der Wirklichkeit die Einschätzung der Finanzbehörden ist, die NachDenkSeiten seien nicht gemeinnützig, weil sie keinen Beitrag zur „Volksbildung“ leisten würden.

Kurzdokumentation zur Thematisierung des Themas Demographie und Altersvorsorge auf der Nachdenkseiten seit Beginn am 30. November 2003

07. Januar 2004 um 16:19

Die Agitation zum sogenannten demographischen Problem geht weiter

In dieser Woche erschien der SPIEGEL mit dem Titel “Der letzte Deutsche – Auf dem Weg zur Greisen-Republik”. Damit ist wieder einmal Niveau und Methode von BILD erreicht. Das ist nichts Neues. Am 17.5.2001 erschien bei SPIEGEL ONLINE: “Raum ohne Volk”. – Die übertreibende Irreführung der Republik scheint jedenfalls näher als ihre Vergreisung.


15. März 2005 um 18:01

Die FAZ(!) mit einem aufklärerischen Beitrag zur Demographie

Heute kann ich die FAZ loben. Das tut gut. Und ich kann einen Physiker loben – das tue ich üblicherweise, weil ich unter diesen fast nur kluge Leute kenne. Unter dem Titel A-H-O-V-X erschien heute (Seite 10) ein Beitrag von Prof. Dr. Ruprecht Jaenicke. Der Physiker aus Mainz fragt, ob es sinnvoll sei, die Bevölkerung wieder zum Wachstum durch Geburten anzuregen. Und er bestätigt die selbstverständliche Richtigkeit des Mackenroth-Theorems. Leser der „Reformlüge“ finden verwandte Informationen. Der Beitrag ist auch eine Art Blattschuss für FAZ-Mitherausgeber Schirrmacher.


12. September 2005 um 15:31

Walter Riester täte gut daran, Asche auf sein Haupt zu streuen

Statt dessen wirbt er mit einem Aufruf an Arbeitnehmer und Gewerkschafter für eine Politik, an der er persönlich als Sozialminister schon gescheitert ist. Siehe unten. Mit seinem Namen ist der staatlich geförderte Einstieg in die Privatvorsorge, der Umstieg vom Umlageverfahren in das Kapitaldeckungsverfahren verbunden. Die „Riester-Rente“ ist bisher ein grandioser Misserfolg. Sie ist trotz staatlicher Förderung von circa 6,7 Milliarden € pro Jahr von nur gut 10% der Arbeitnehmer angenommen worden. Walter Riester hat zudem den Weg bereitet, die Arbeitgeber aus der finanziellen Beteiligung an der Altersvorsorge zu entlassen. Er hat das Bett für die Privatisierung der Altersvorsorge bereitet, in dem sich eine von der CDU/CSU geführte Bundesregierung so richtig suhlen kann.


23. November 2006 um 9:00

Bertelsmann-Symposium mit IWF: “Demographischer Wandel führt zum Staatsbankrott”

Krake Bertelsmann – diesmal mit dem Internationalem Währungsfond, mit Staatssekretär Mirow BMF, MP Milbradt und Prof. Sinn. Die Vernetzung und der Zugriff auf öffentliche Einrichtungen und Kompetenzen geht hemmungslos weiter. Auch die hemmungslose Agitation geht weiter. Denn: Mit mindestens dem gleichen Recht könnte man sagen: Die so schlecht gemachte deutsche Vereinigung führt zum Staatsbankrott. Siehe dazu Grafik als Anhang 1 und den Link zu einem Artikel über das Wahnsinnsstück der Verschleuderung der Ostdeutschen Banken an die Westdeutschen Banken als Anhang 2. Albrecht Müller.


21. Juli 2006 um 10:14

Walter Riester kann einem nur noch Leid tun: Jetzt wird er auch noch in die Propagandakampagne der BILD-Zeitung für die private Altersvorsorge eingespannt.

Einer unserer Leser schickt uns seine Anmerkung zu einem Beitrag des BILD-Kolumnisten Hugo Müller-Vogg über die Riester-Rente, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.


03. Dezember 2006 um 11:32

Phoenix zum demographischen Wandel mit Kurt Biedenkopf und Albrecht Müller

Mittwoch, 06. Dezember 2006.
Um 21.00 Uhr ist die PHOENIX Runde live im Internet unter www.phoenix.de zu sehen. Im PHOENIX-Fernsehen wird sie um 22.15 Uhr ausgestrahlt. Weitere Studiogäste Miriam Gruß (FDP) und Richard Meng (Frankfurter Rundschau).
Die Moderation hat Gaby Dietzen.


05. Januar 2007 um 16:28

Die Demagogie in Sachen Demographie geht auch im neuen Jahr weiter.

Zwei Beispiele: Das Statistische Bundesamt kam heute mit einer Pressemitteilung: „2006: Bevölkerungsrückgang hält an.“ Und der Deutschlandfunk fragte:

Deutschland vor dem Alterskollaps?
Den demographischen Wandel gestalten
Herausforderungen für 2007”

Quelle 1: Deutschlandfunk – Programmtipp
Quelle 2: Deutschlandfunk – Sendung als Podcast

Die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes enthält nur die halbe Wahrheit. Die Sendung des Deutschlandfunks war einseitig besetzt. Albrecht Müller.


15. Januar 2007 um 14:15

Demagogie pur beim Abbau des Vertrauens in die gesetzliche Rente: der ZDF-Programmschwerpunkt Demographie

Das ist der Favorit für unsere Rubrik Manipulation des Monats. Bitte weitersagen. Bitte nutzen, um die Glaubwürdigkeit des ZDF infrage zu stellen.
Mit einer Presseerklärung vom 12.1. weist das ZDF darauf hin, dass in dieser Woche nicht nur die ZDF-Doku-Fiction „2030 – Aufstand der Alten“ gesendet wird, sondern in einer Reihe anderer Sendungen das Thema demographischer Wandel behandelt wird. Der Text ist auch angehängt.
Schon im zweiten Satz dieser Pressemitteilung wird glatt die Unwahrheit verbreitet. Ob und vor allem wie die Rentensysteme und die gesundheitliche Versorgung finanzierbar sind, hängt nämlich von politischen Entscheidungen und vor allem von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Am allerwenigsten von der demographischen Entwicklung. Dass sie finanzierbar sind, wenn politisch dafür gesorgt wird, dass die Arbeitslosigkeit abgebaut wird und sozialversicherungspflichtige Arbeitsverträge wieder vermehrt werden, wenn die Erwerbsquote verbessert wird und die Produktivität der arbeitenden Menschen wie bisher steigt, ist eindeutig nachweisbar. Und dennoch erscheint die in der Presseerklärung formulierte Unwahrheit wie der rote Faden der ZDF-Produktionen. Die Redaktion und die Produzenten von „2030 – Aufstand der Alten“ haben mit der gewohnt einseitigen Auswahl so genannter Experten dafür gesorgt, dass bei ihnen keine Zweifel aufkommen. Das können Sie in einer Pressedokumentation [PDF – 540 KB] erkennen, die diesen Tagebucheintrag angefügt ist. Albrecht Müller.


24. Januar 2007 um 14:05

Vom Steuerzahler subventionierte Riesterrente – dennoch nur 1,75% Rendite? Wer hat eigene Erfahrungen?

„Hallo nachdenkseiten ! Wollte euch mal kurz eine email meiner Kollegin zukommen lassen, die sehr interessant ist. Ich hatte ihr letzte Woche den link von euch weitergeleitet, der zeigte, dass die Regierung seit neuestem Kurse zur privaten Altersvorsorge anbietet. Daraufhin schrieb sie mir heute folgendes zurück:


19. Juni 2007 um 15:24

Was kostet uns künftig die Riester-Rente und die Rürup-Rente?

Die Bundesregierung weiß es nicht. Sie will es vermutlich nicht wissen, weil sie ungestört die Interessen der Finanzindustrie bedienen will. Machen Sie selbst einen Test. Bitten Sie Ihren CDU/CSU- oder SPD-Abgeordneten um eine Auskunft über eine realistische Finanzplanung zu diesen beiden vom Steuerzahler subventionierten Privatvorsorgen. Wenn Sie eine einigermaßen umfassende Auskunft erhalten, dann lassen Sie uns das bitte wissen. Albrecht Müller.


06. Juli 2007 um 10:53

Wg. Riester: Die mit 22 mal mindestens 7000 € erkaufte Zerstörung der sozialen Rentenversicherung.

Hatten Sie Zweifel an unserer oft geäußerten Behauptung, die Riester-Rente sei ein Geschenk an die Finanzindustrie? Oder dachten Sie, wir seien Verschwörungstheoretiker? Dann bitte werfen Sie einen Blick auf die vom Deutschen Bundestag veröffentlichte Nebentätigkeitsliste: „Riester, Walter , SPD Bundesminister a. D.“ zum Beispiel. Das ist selbst für mich ein Schock. 22 mal mind. 7000 €, 7 mal mindestens 3500 € und 3 mal mindestens 1000 €, macht zusammen mindestens (!) 181.500 Euro – in einem Jahr.


22. August 2007 um 9:10

Staat zahlt 2,1 Milliarden Subventionen für die private „Riester-Rente“

Hinzu kommen noch Steuermindereinnahmen durch die Möglichkeit von Steuerersparnissen für den Aufbau der Riester-Rente von derzeit jährlich maximal 1.575 Euro. Mit Riesensummen subventionieren also die Steuerzahler damit gleichzeitig auch das Zusatzgeschäft der Versicherungswirtschaft. Sozialminister Müntefering feiert die Abschlusszahlen für die Riester-Rente als Riesenerfolg. Dabei sind es gerade mal ein Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die einen solchen Vertrag abgeschlossen haben – nämlich 9 von 27 Millionen. Dieses Drittel gehört jedoch gewiss nicht gerade zu denjenigen Erwerbstätigen, die das größte Armutsrisiko im Alter tragen. Wolfgang Lieb.

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21. September 2007 um 8:44

Die Folge einer Schock-Strategie: z.B. die Riester-Rente und ungesicherte Arbeitsverhältnisse.

Der Hinweis 13 in den Hinweisen des Tages vom 20.9. wurde von einigen unsrer Leser als grundsätzliche Kritik am Buch von Naomi Klein empfunden. Das ist ziemlich falsch verstanden. Die Anmerkung Strassburgs war eine kleine Kritik an der Buchbesprechung von Kathrin Röggla, im Kern der (überzogene) Hinweis darauf, dass in den USA auch noch nicht alles privatisiert ist und dass bei uns in Europa die „Krisenproduktionsmaschine“ schon lange arbeitet, auch ohne laute Katastrophen. Diesen Hinweis kann man als Kritik an Naomi Kleins Buch werten. Ich will das nicht tun. Denn hier bei uns werden zwar keine spektakulären Katastrophen produziert, aber es werden zumindest sehr viele persönliche Katastrophen durch Zerstörung wichtiger Einrichtungen und sozialer Errungenschaften produziert. Albrecht Müller.


26. November 2007 um 17:09

Das Letzte, diesmal von Prof. Lauterbach: “Die Riester-Rente sollte zur Pflicht werden”

In einem Interview mit dem Wiesbadener Kurier bezeichnete der SPD-Sozialexperte Karl Lauterbach die Debatte um eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters als absurd. Diese Ansicht teile ich. Genauso absurd ist jedoch Lauterbachs Vorstellung, die erkennbare Versorgungslücke vieler Menschen dadurch zu schließen, dass sie zur Riester-Rente verpflichtet werden. Das ist ein in vieler Hinsicht noch absurderer Vorschlag als die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Albrecht Müller.


18. Dezember 2007 um 9:44

Immer wieder Walter – Oder: Brauchen Sie noch Material zum Beleg der politischen Korruptheit der Meinungsmacher? Hier ist es, von Raffelhüschen bis Riester.

Einer unserer so exzellenten Lieferanten von Informationen schickt uns letzte Nacht Hinweise zum Thema Altersvorsorge. Zum Beispiel darauf, wie die Kinder schon in der Schule auf die private Altersvorsorge hingetrimmt werden und wie das Ausnehmen des „Staates“ zur attraktiven Tat empfohlen wird; nicht die Sache selbst spricht für sich, sondern der Umstand, dass man den Steuerzahler melken kann.


11. Januar 2008 um 14:07

Langsam fliegt der Riester-Renten-Schwindel auf

Gestern berichtete „Monitor“ davon, dass Geringverdiener vermutlich von einer Riester-Rente wenig haben werden, wenn sie im Alter die Grundsicherung in Anspruch nehmen müssen. Nähere Informationen hier und hier. In „Zeit online“ erschien gleichzeitig ein Bericht über eine Studie des Berliner Finanzwissenschaftlers Giacomo Corneo, wonach „höhere Riester-Förderquoten bei den Niedrigeinkommensbeziehern … weder den Anteil der sparenden Haushalte in dieser Gruppe noch ihre Sparquote erhöhen. Somit scheint die Riester-Förderung für erhebliche Mitnahmeeffekte anfällig zu sein.“ Soweit wörtlich aus der Studie selbst, die Sie als PDF Datei hier abrufen [364 KB] können. Über die späten Erkenntnisse dieser Studie und den Bericht bei „Zeit online“ kann ich nur mit Verachtung schreiben. Denn das konnte man alles vorher wissen. Albrecht Müller.


10. März 2008 um 14:11

Riestern lohnt sich nicht!!“ Überprüfen Sie Ihre eigenen Verträge, falls Sie welche haben.

Seit langem schon informieren die NachDenkSeiten darüber, warum mit der Privatisierung der Altersvorsorge aus volkswirtschaftlicher Sicht ein falscher und gefährlicher Weg beschritten worden ist (z.B. hier, mit vielen Links auf weiterführende Artikel). Auch auf das grundsätzliche Risiko für den Einzelnen, aufgrund der überhöhten Renditeversprechen von den Versicherungsunternehmen im Alter erheblich weniger als erhofft zu erhalten, haben wir bereits mehrfach hingewiesen.

Inzwischen erreichen uns immer mehr Hinweise auf kritische Kunden, die sich der Mühe unterzogen haben, die Angebote der Versicherungsunternehmen genau durchzurechnen. Gerhard Krug aus Görwihl etwa kommt auf seiner Website nach einem Vergleich mehrerer Angebote für eine Riester-Rente mit der Anlage in Bundes- und Industrieanleihen zu einem eindeutigen Ergebnis: „Riestern lohnt sich nicht!!“. Albrecht Müller.


21. April 2008 um 9:02

Es gibt sie noch – die kritische Presse. Hier zur Riester-Rente

Die Nürnberger Nachrichten haben am vergangenen Samstag auf Seite 2 unter dem Titel „»Riestern« lohnt – auch für Walter Riester – Früherer SPD-Arbeitsminister verdient mit Vorträgen bei der Versicherungswirtschaft“ eine bemerkenswerte Reportage zu einem Auftritt Walter Riesters bei Vermögensberatern in Mittelfranken abgedruckt. Darin wird die Verfilzung Walter Riesters beschrieben und unter anderem darauf hingewiesen, dass wir in den NachDenkSeiten die hohen Honorare Riesters für seine Reden einen „Judaslohn“ genannt haben. Inzwischen sind es übrigens nicht mehr 181.000 €, wie bei uns im letzten Jahr gemeldet, sondern nach Zählung des Redakteurs der Nürnberger Nachrichten 274.000 €.
Zu meiner Kritik an dieser politischen Korruption hat sich Riester auf Abgeordnetenwatch zu Wort gemeldet. Albrecht Müller.


25. April 2008 um 9:30

Neue Rubrik: Riester-Rürup-Täuschung. Prüfen Sie selbst nach.

Von den über 10 Millionen Riester- und den vielen Rürup-Verträgen wird vermutlich ein beachtlicher Anteil nicht zum Vorteil der Vertragschließenden gewesen sein. Viele täuschen sich über die Vorteile. Viele kennen die Kosten nicht. Viele kennen die Nachteile und Risiken nicht. Das bestätigen auch immer wieder Berichte unserer Leserinnen und Leser über ihre Erfahrungen mit Riester- und Rürup-Verträgen. Einige stellen eigene Berechnungen an und machen diese uns zugänglich. Wir haben uns deshalb entschlossen, eine eigene Rubrik mit solchen Berechnungen und Hinweisen aufzumachen. Hier ist die neue Rubrik.

Sie dient Ihrer Orientierung in eigener Sache. Sie dient selbstverständlich darüber hinaus auch der gesellschaftspolitischen Meinungsbildung. Gesamtgesellschaftlich und volkswirtschaftlich betrachtet ist die Privatvorsorge ohnehin ein mieses Geschäft. Wir legen alle drauf. Die Förderung wird von uns allen bezahlt. In Berlin gibt es nun einmal keinen Goldesel. – Aber auch aus der Sicht des Einzelnen ist das Urteil keinesfalls klar. Wir wollen ein bisschen mehr Klarheit schaffen.

Wenn Ihnen diese Informationen helfen, dann sprechen Sie darüber unbedingt auch mit anderen aus Ihrem Bekannten-, Freundes- und Familienkreis.


09. Mai 2008 um 9:59

Professor Sinn für Riester-Pflicht. Wie ist es möglich, dass ein solcher Blödsinn Eingang und Verbreitung in unseren Medien findet?

Am 8.5. erschien in den „Ruhr Nachrichten“ die Forderung von Professur Sinn nach Verpflichtung zur Riester-Rente. Die sie nicht nutzen seien Trittbrettfahrer. Diese Meldung wurde in mehreren Medien verbreitet, u. a. in ZDF heute, bei ntv, im Focus und in der Welt. Links siehe unten. – Sinns Forderung ist in mehrerer Hinsicht bodenlos. Die Riester-Rente ist eine Privatvorsorge. Diese wurde uns mit dem hehren Anspruch, die Eigenverantwortung wahrzunehmen, verkauft. Jetzt soll Eigenverantwortung zur Pflicht gemacht werden. Absurd. – Auch die Beschimpfung jener, die keinen Riester-Vertrag abgeschlossen haben, als Trittbrettfahrer ist wirklich, verzeihen Sie, bescheuert. Albrecht Müller.


13. Mai 2008 um 10:00

Fall Riester-Honorare: Fortschritte bei der Aufklärung, wenn auch im Schneckentempo

An Pfingsten steht in meiner Sonntagszeitung, immerhin auf der zweiten Seite, Walter Riester habe in den ersten 29 Monaten dieser Legislaturperiode durch Vorträge zur Werbung für die nach ihm benannte Riester-Rente 284.000 € verdient. Das sind knapp 10.000 € pro Monat und damit mehr als die Abgeordnetendiät. 35 mal hat Riester nach der Aufstellung der veröffentlichungspflichtigen Nebenverdienste Honorare der Stufe 3 erhalten. Das sind mindestens 7.000 €. Ein solch hohes Honorar bekommt der Abgeordnete Walter Riester nicht für Vorträge und Beratungen pro Abend. Das ist der Lohn für die Zerstörung des Vertrauens in die gesetzliche Rente. In der NachDenkSeiten konnten Sie darüber schon am 6.7.2007 lesen: „Wg. Riester: Die mit 22 mal mindestens 7000 € erkaufte Zerstörung der sozialen Rentenversicherung.“Jetzt ist diese wichtige Information auch in der normalen Presse angekommen.


20. Mai 2008 um 16:29

Blüm antwortet Riester“

Weil wir offen darüber schreiben, dass der ehemalige Arbeits- und Sozialminister Walter Riester die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente willentlich reduziert hat, dass er damit den privaten Rentenversicherern ein lukratives Geschäftsfeld eröffnet hat und selbst daran verdient, werde ich zum Beispiel von Spitzenkräften der baden-württembergischen SPD heftig kritisiert. Zu Unrecht, wie ich finde, denn ich habe nichts anderes geschrieben als die traurige Wahrheit.

Walter Riester selbst schlägt um sich und redet sich raus. Unter anderem mit einem Positionspapier, das er am 22.04.2008 auf seiner Webseite veröffentlicht hat: “Die Wirkungen der Rentenreform 2001 im Vergleich zum Rentenrecht vor der Reform.“ Norbert Blüm hat diesen Text für die NachDenkSeiten analysiert. Wir veröffentlichen ihn in der Rubrik andere interessante Beiträge. Noch lieber hätte ich die kritische Analyse eines führenden Sozialdemokraten veröffentlicht. Warum schweigen sie zur politischen Korruption mit dem Namen Riester-Rente? Albrecht Müller.


02. Juni 2008 um 17:18

Wie kann man nur so dreist die Wahrheit verdrehen – Beispiel Walter Riester

Am 20.5. 2008 hatten wir eine Antwort von Norbert Blüm auf ein Positionspapier von Walter Riester ins Netz gestellt. Darauf wiederum hat Riester in einem 7-seitigen Schreiben an Blüm geantwortet. Die vorletzte Seite betrifft auch die NachDenkSeiten und mich. Dort heißt es bei Riester an Blüm: „Als Plattform hast Du die so genannte Internetplattform ‚Nachdenkseiten’ des Herrn Müller genutzt. Hoffentlich ist Dir wenigstens aufgefallen, dass Albrecht Müller seinen Lesern mein Positionspapier zuvor nicht zur Information gab, sondern offensichtlich in der Hoffnung, Du könntest es zerlegen, lediglich Deine Argumentation dagegen veröffentlichte. Dies ist schon eine besondere Art von Transparenz, die dieser Herr seinen Leserinnen und Lesern bietet.“

Wenn Sie bei uns den oben verlinkten Beitrag vom 20.5. aufrufen, dann finden Sie folgenden Text und selbstverständlich einen Link zum Positionspapier von Riester: ‚Walter Riester selbst schlägt um sich und redet sich raus. Unter anderem mit einem Positionspapier, das er am 22.04.2008 auf seiner Webseite veröffentlicht hat: “Die Wirkungen der Rentenreform 2001 im Vergleich zum Rentenrecht vor der Reform.“’ Albrecht Müller.


11.6.2008

Walter Riester möchte seine Antwort auf Norbert Blüm in den NachDenkSeiten veröffentlicht haben.

11. Juni 2008 um 9:07
Ein Artikel von: Albrecht Müller

Wir hatten am 20.5.2008 eine Antwort von Norbert Blüm auf ein Positionspapier von Walter Riester ins Netz gestellt Wie wir am 2.6. schon berichtet hatten, hat der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Soziales Walter Riester auf die Analyse seines Vorgängers geantwortet. Er hat gleichzeitig heftige Vorwürfe gegen mich und die NachDenkSeiten erhoben – unter anderem den absurden Vorwurf, wir würden sein Positionspapier nicht veröffentlicht haben. Albrecht Müller.

Wir hatten einen Link auf die Internetseite von Herrn Riester gesetzt. In einem Telefongespräch habe ich versucht, ihm zu erklären, dass ein solcher Link wie eine Veröffentlichung wirkt. Obwohl Walter Riester in seinem Brief an Norbert Blüm vorschlägt, die Debatte zu beenden, fordert er in einem nicht gerade freundlichen Begleitschreiben an mich die Veröffentlichung seines Briefes. Das ist zwar nicht unser Job, aber wenn es dem Frieden und der Aufklärung dient, warum nicht. Wir wollen Riesters Text [PDF – 31 KB] unseren Lesern in der Tat nicht vorenthalten. Genauso wenig wie die Mail an mich [PDF – 14 KB]. (Sie stammt auch vom 28.5.) Machen Sie sich bitte selbst ein Bild.


11. Juni 2008 um 9:20

Würden Riester-Rentner nach den Kosten fragen, würden sie sich wundern. Und nicht unterschreiben.

Am 3.6.2008 erreichte uns die Mail eines Lesers, der den schwer lesbaren Gebührenteil seines Vertragsangebots durchgeprüft hat und keinen Riester-Vertrag abschließt. Zur Sicherheit hat er mit einer unabhängigen Finanzberaterin auch noch ein Beratungsgespräch geführt. Seinen Bericht über seine Berechnungen und über das Beratungsgespräch finden Sie im folgenden. – Für uns als Steuerzahler noch besonders interessant: Unser NachDenkSeiten-Leser hat auch ausgerechnet, wie viel Geld für Gebühren an die Versicherungswirtschaft fließt, wenn man von der gemeldeten Zahl von 11 Millionen Verträgen ausgeht: Rund 3 Milliarden jährlich und rund 77 Milliarden € insgesamt. Die 3 Milliarden entsprechen ungefähr dem, was wir als Steuerzahler für die Förderung bezahlen. Raus aus den Taschen der Steuerzahler, rein in die Taschen der Finanzwirtschaft. Albrecht Müller.


01. Juli 2008 um 21:34

Die Bild-Kampagne zu Gunsten der Privatvorsorge geht weiter. Diesmal mit Riester gegen Blüm und Müller.

Heute erschien in der Bild-Zeitung ein Kommentar von Müller-Vogg – gestrickt in der üblichen Manier. Darin werden Norbert Blüm und auch ich angegriffen. Ich hätte Riester in Flugblättern der Linkspartei mit Dreck beworfen. Damit Sie sich selbst ein Bild machen können, füge ich als Anhang das Interview bei, auf das sich Riester und jetzt die Bild-Zeitung beziehen.


05. August 2008 um 9:40

Material für Ihre Aufklärungsarbeit zur Riester- und Rürup-Rente – vor allem die Bunte vom 10.7.2008

Wir haben schon mehrmals darauf hingewiesen, dass die Riester- und die Rürup-Rente volkswirtschaftlich betrachtet und teilweise auch aus der einzelwirtschaftlichen Sicht potentieller Nutzer dieser Förderung durch uns Steuerzahler höchst zweifelhaft sind. Siehe dazu auch im Anhang A. und B.. Die Förderung ist vor allem ein Geschenk an die Finanzwirtschaft – an die Versicherungsgesellschaften, an die Banken und die Finanzdienstleister. Diese feiern die staatliche Förderung mit Recht und sie feiern zugleich die Urheber dieses Missbrauchs unsere Steuergelder: Gerhard Schröder und Ministerpräsident Wulff als Vertreter der Union, Bert Rürup und Walter Riester. Auf ein besonders interessantes Dokument zum Beleg dieser Beobachtung haben wir schon aufmerksam gemacht. Siehe Hinweis Nr. 10 vom 14.7. auf die 20-Jahr-Feier des Finanzdienstleisters AWD des Schröder Freundes Maschmeyer in Hannover. Weil die in der „Bunten“ vom 10.7. 2008 wiedergegebenen Fotos eine wirkliche Aufklärungsleistung sind, mit der auch unsere Leser bei ihrer Argumentation gut arbeiten können, dokumentieren wir im Folgenden diese Seiten, versehen mit kleinen Informationen und Kommentaren. Albrecht Müller


07. November 2008 um 8:15

Wehe, Sie wollen oder müssen Ihren Riester-Rentenvertrag abbrechen …

„Die Summe aller Beiträge beläuft sich auf stolze 1293 €. Lediglich 38% bekomme ich ausgezahlt – das sind 493,91€ – und 62% behält die Bank für sich“, berichtet uns einer unserer Leser über seine Erfahrungen mit einer Riester-Rentenversicherung. Hier der Bericht seiner praktischen Erfahrung.


11. November 2008 um 10:43

Wie sich eine gesamte Bundestagsfraktion in Sachen Riester-Rente anschmieren lässt – beachtlich

Am 16. Oktober 2008 schickte der frühere Bundesarbeitsminister Walter Riester eine Mail [PDF – 92 KB] an seine Kolleginnen und Kollegen von der SPD-Bundestagsfraktion. Der Betreff: „Sicherheit von Riester-geförderten Altersvorsorgeprodukten“. Schon der erste Absatz zur Sache (der zweite Absatz der Mail) enthält zentrale Irreführungen. Riester behauptet, der „Anleger“(er meint den „Anbieter“ von Finanzprodukten) müsse zum Zeitpunkt der Auszahlung alle eingezahlten Beiträge und staatliche Zulagen garantieren und bei mit einer Versicherung abgeschlossenen Verträgen noch zusätzlich 2,25 % Garantiezins. Diese Einlassungen Riesters sind irreführend und es ist erstaunlich, dass sich meine frühere Fraktion kollektiv so in die Irre führen lässt. Weil der Abgeordnete Riester bei mir jedoch rot sieht, habe ich Dritte um eine Stellungnahme gebeten und gebe unseren Lesern außerdem den Hinweis auf eine Sendung des ZDF von gestern Abend. Albrecht Müller.


08. Dezember 2008 um 19:40

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) wirbt mit Hilfe Ihrer Beiträge für Privatvorsorge – und auch noch für Rürup, Riester und Steinbrück

Wir werden auf die aktuelle Ausgabe Nr. 4 der regelmäßigen Publikation „Zukunft jetzt“ der Deutschen Rentenversicherung aufmerksam gemacht. Darin wirbt die DRV mit den Köpfen von Rürup, Riester und Steinbrück für die private Altersvorsorge.
Die DRV zieht die Beiträge für die gesetzliche Rente ein und zahlt die Renten aus. Sie müsste eigentlich die Hüterin der Interessen der Beitragszahler und der Sozialrentner sein. Aber, darauf haben wir gelegentlich schon hingewiesen, sie missbraucht die Rentenversicherungsbeiträge der gesetzlich verpflichteten Beitragszahler zur Werbung für die Konkurrenz. Albrecht Müller


07. Dezember 2009 um 9:49

Die totale Manipulation ist möglich – Musterbeispiel Demographie und Altersvorsorge

Für heute, Montag den 7. Dezember, hat die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) zu einer Tagung zur Altersvorsorge nach Berlin eingeladen. (Siehe Anlage A.) Schon das Thema „Vor Sorge ums Alter – Was tun gegen die Rentenlücke?“ enthält eine irreführende Tendenz. Die Rentenlücke wird als Gott gegeben dargestellt, von der „Absenkung des Versorgungsniveaus“ ist die Rede. Das Tagungsarrangement läuft auf Werbung für Privatvorsorge hinaus. – Mit einem Feuerwerk von Propaganda und diese stützenden politischen Entscheidungen ist es gelungen, zumindest den jungen Leuten einzubläuen, dass es die gesetzliche Rente mit dem Umlageverfahren nicht mehr bringt. Allerdings hat die auch von den NachDenkSeiten angefachte kritische Diskussion zur Riester- und Rürup-Rente kombiniert mit der Finanzkrise dafür gesorgt, dass die Zweifel in die Privatvorsorge wachsen. Deshalb wird von Seiten der Befürworter zurzeit ein maßloses Gegenfeuer entfacht. In diesen Kontext gehört die Tagung. Im Folgenden werden einige zusammenfassende Anmerkungen zum Gesamtkomplex gemacht. Albrecht Müller


20. August 2010 um 14:46

Finanztest: Staatlich verordnete Verkaufsunterstützung für die Riester-Rente

In der September-Ausgabe 2010 kommt ein frischgebackener Riester-Rentner zu Wort, der als Gewinnrente sage und schreibe 0,38 Euro mehr, also 0,6 % mehr als die Garantierente erhält. Folgerichtig urteilt Finanztest: „Von mickriger Rente kann Finanztest-Leser … ein Lied singen … Über eine derart geringe Überschussbeteiligung kann (man) nur noch lachen“. Leider wird den meisten Riester-Rentnern das Lachen vergehen, wenn sich ihre heutige Gutgläubigkeit rächt. Von Edmund Hagmann


10. Januar 2011 um 15:53

Leidet die junge Generation unter dem demographischen Wandel oder unter vielen anderen politischen Fehlentscheidungen?

Die öffentlich-rechtlich betriebene Volksverdummung in Sachen Demographie geht weiter. Morgen, am 11. Januar um 20:15 Uhr, also zur besten Sendezeit, läuft im ZDF der Film „2030 – Aufstand der Jungen“ Im Ankündigungstext (siehe Anlage) ist von „Verlierern der Gesellschaft“ die Rede, die „die immer schwerer wiegende Last, die ihnen der demographische Wandel aufgebürdet hat, nicht mehr schultern können“. Sie seien Opfer eines Staates, der keine ausreichende Vorsorge getroffen habe. Die hohen Kosten für Renten-, Alters und Gesundheitsversorgung nehme den Jungen die Luft zum Atmen. – Das sind Glaubenssätze, die vermutlich viele Menschen und darunter auch solche, die sich für besonders intelligent halten, glauben. Albrecht Müller.


17. Januar 2011 um 17:15

Walter Riester verleugnet seine Spezis – und schwindelt dabei auch noch.

Heute hat Riester der Ostfriesenzeitung ein Interview [PDF – 1.1 MB] gegeben. Überschrift: ‚Maschmeyer kenne ich erst seit drei Jahren’. Das stimmt nachweislich nicht. Es gibt Dokumente, die die Nähe von Riester und Maschmeyer belegen. Zum Beispiel eine Anzeige in der Super Illu und dann eine Bilderserie in der Bunten mit einer großen Feier in Hannover. Im August 2007 hat Riester den Herrn Maschmeyer schon gut gekannt. Da hat er schon zugelassen, dass Maschmeyer segnend seine Hand auf den Händedruck von Rürup und Riester legt. Albrecht Müller.


01. September 2011 um 17:05

Privatvorsorge kostet uns einiges mehr als die Zulagen zu Riester-Rente

In einem Beitrag für den Panoramablog „Willkommen in der Bananenrepublik Deutschland“ hatte ich auf einen Artikel in der Leipziger Volkszeitung hingewiesen. Dort war beschrieben, dass die öffentliche Förderung von bisher 8,2 Milliarden als Zulage zu Riester-Rente zum größeren Teil von den Finanzdienstleistern, Versicherungskonzernen und Banken als Verwaltungskosten, Vertriebskosten und Provisionen kassiert wird und damit nicht mehr für die Altersvorsorge zur Verfügung steht. Es steht noch viel schlimmer um die „Bananenrepublik D.“, wenn man die öffentlichen Kosten für Rürup-Rente und Entgeltumwandlung einbezieht. Albrecht Müller.


19. Oktober 2011 um 15:41

Riester-PR in der ZEIT – kein guter Rat

Seit die Riester-Rente existiert, gibt es in den selbsternannten Qualitätszeitungen Artikel zur Riester-Rente, die selbst bei wohlwollender Betrachtung nicht von bezahlten PR-Artikeln zu unterscheiden sind. Mal kommen diese Artikel suggestiv daher und zitieren Gutachten und Studien von gekauften „Wissenschaftlern“, mal kommen sie gänzlich brachial daher. Ein Musterexemplar für brachiale PR stellt der Artikel „Der gute Rat“ von Marcus Rohwetter dar, der sowohl in der letzten Printausgabe der ZEIT als auch gestern auf ZEIT-Online erschienen ist. Von Jens Berger


08. November 2011 um 9:20

Nach dem Flop der Riester-Rente nun auch noch der „Pflege-Bahr“

Was im allgemeinen Erstaunen darüber, dass sich die schwarz-gelbe Koalition nach monatelangem Gezerre zusammengerauft hat, unterzugehen droht: Neben einer bisher nur versprochenen Leistungsverbesserungen für Demenzkranke und deren Angehörige durch eine Anhebung des Beitragssatzes um 0,1 Prozentpunkte auf 1,96 % des Bruttolohns (auf 2,3% für Kinderlose) hat die FDP bei der Pflegeversicherung den Einstieg in die kapitalgedeckte Vorsorge durchgesetzt: Den „Pflege-Bahr“, wie der Gesundheitsminister stolz verkündet. Die private Zusatzversicherung soll sich an der Riester-Rente orientieren und analog dazu auch steuerlich gefördert werden.
Die Klientel-Partei FDP hat „geliefert“. Die Versicherungswirtschaft reibt sich die Hände. Von Wolfgang Lieb.


30. Januar 2012 um 9:03

Zur Rolle der Gewerkschaften bei der Einführung der Riester-Rente

In einem Interview mit dem politischen Blog Wirtschaft und Gesellschaft ist der ver.di-Chef Frank Bsirske auf die Rolle des DGB und der Einzelgewerkschaften bei der Einführung der Riester-Rente eingegangen. Für die NachDenkSeiten war höchst bemerkenswert, aus gewerkschaftlichem Munde zu erfahren, dass sich die Spitze des DGB gegen den Widerstand der damaligen ÖTV und der IG Metall mit dem damaligen Sozialminister Walter Riester verständigt habe, dass die Stabilisierung der Beitragssätze für die gesetzliche Rente Priorität haben solle und dass die damalige Vize-Chefin des DGB Ursula Engelen-Kefer mit Walter Riester damals ein dementsprechendes Papier paraphiert hätte. Es habe darüber hinaus eine Verständigung gegeben, dass Ausfälle auf der Leistungsseite der gesetzlichen Rente durch eine steuerbezuschusste Teilprivatisierung (eben die Riester-Rente) kompensiert werden sollten.
Ursula-Engelen Kefer hat ihre damalige Rolle und Haltung in einem Brief an Frank Bsirske richtig gestellt. Wir dokumentieren ihren Brief und fügen noch einige Zeitungsberichte über die damalige Kontroverse an.
Unter anderem wegen ihres Widerstandes gegen die Rentenreformen wurde Engelen-Kefer damals von Kanzler Schröder mit dem Schimpfwort „Engelen-Keifer“ gemobbt.


02. Februar 2012 um 17:26

Gewerkschaftlicher Widerstand gegen die Riester-Rente?

Zurück zum Anfang dieses Jahrtausends – etwa 2001: Gab es “damals” einen gewerkschaftlichen Widerstand gegen die Riester-Rente?
Ein paar skeptische Gedanken zu einer möglichen Legendenbildung. Von Volker Bahl


03. Februar 2012 um 17:04

Nachtrag zur Rolle und zum Versagen der Gewerkschaften bei Einführung der Riester-Rente und anderem

In den NachDenkSeiten konnten Sie in den letzten Tagen Texte zu einer Kontroverse über die Rolle der Gewerkschaften bei der Einführung der Riester-Rente finden. Der Verdi Vorsitzende Bsirske hatte sich kritisch geäußert. Ursula Engelen-Kefer hat darauf geantwortet und ihren Widerstand gegen die Befürworter im DGB und bei einzelnen Gewerkschaften beschrieben. Volker Bahl sieht ein schwerwiegendes Demokratie-Defizit bei der Austragung von politischen Kontroversen über ein so grundlegendes Thema wie die Rentenreform. – Bei der Lektüre dieser Kontroverse fällt mir auf, dass nahe liegende Defizite nicht beschrieben werden: Die Gewerkschaften haben die Bedeutung der Meinungsmache und die Dominanz ihrer Gegenseite nicht gesehen und haben es versäumt, den Aufbau von Gegenöffentlichkeit zu organisieren oder wenigstens dabei mitzuwirken. Nicht nur bei der Riester-Rente, auch beim Thema Agenda 2010, bei der Konjunkturpolitik, bei der Kampagne zu den Lohnnebenkosten, zu den Steuer-Abzügen und damit gegen öffentliche Leistungen. Nicht einmal bei der Kampagne gegen den angeblichen Gewerkschaftsstaat sind sie aufgewacht. Albrecht Müller.


10. September 2012 um 8:58

Das Gerede über Demographie und Kapitaldeckung ist ein klassischer Fall von Brainwashing – Auszug aus einem alten und aktuellen Text

Bei der Vorbereitung für einen NDS-Text zur laufenden Debatte um die Altersarmut und die Strategie der dahinter steckenden Interessen habe ich mich eines eigenen früheren Textes erinnert. Es handelt sich um ein Kapitel eines 1997 im Aufbau-Verlag erschienenen Taschenbuchs. Die Aussagen zum Generationenvertrag, zur Illusion über den Vorteil der Kapitaldeckung, zur damals anlaufenden Propaganda und den dahinter steckenden Interessen, zu den einfachen Lösungsmöglichkeiten usw. sind immer noch aktuell. Der Blick auf heute aus damaliger Sicht scheint mir auch für NDS-Leser/innen interessant, vielleicht auch amüsant. Deshalb die Wiedergabe dieses früheren Textes. Albrecht Müller.


09. April 2014 um 15:22

Norbert Blüm: Alles Pfusch – Die Riester-Rente ist der falsch eingeknöpfte Knopf.

Der frühere Arbeits- und Sozialminister (CDU) äußert sich für die NachDenkSeiten zu den ins Gespräch gebrachten Reparaturversuchen an der Riester-Rente. Albrecht Müller.


11. April 2016 um 15:52

Neoliberalismus ist Mist, die Riester-Rente wird scheitern – das wusste Horst Seehofer auch schon vor zwölf Jahren und wacht erst jetzt auf? Schade.

Der CSU-Vorsitzende und Bayerische Ministerpräsident Seehofer hat am Wochenende hart über den Neoliberalismus geurteilt und eine Korrektur der Rentenpolitik verlangt. (Siehe hier im Hinweis Nr. 6) Die Riester-Rente sei gescheitert. Das Rentenniveau müsse wieder angehoben werden, um die weite Kreise betreffende Altersarmut zu vermeiden. Für mich ist das wie ein Déjà-vu. Der CSU-Abgeordnete Seehofer hat am 30. August 2004 freundlicherweise (zusammen mit Wibke Bruhns) mein Buch „Die Reformlüge. 40 Denkfehler …“ vorgestellt und dabei betont, dass er praktisch mit allem übereinstimme, was in dieser Kritik des Neoliberalismus, der Agenda 2010 und insbesondere der privaten Altersvorsorge (wie Riester-Rente) zu lesen ist. Warum dieses Bekenntnis Horst Seehofers dann in den entscheidenden Jahren von 2004 bis heute keine Folgen für die praktische Politik hatte, ist nicht zu begreifen. Wie glaubwürdig ist seine Kurskorrektur heute? Albrecht Müller.

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11. April 2016 um 15:52

Neoliberalismus ist Mist, die Riester-Rente wird scheitern – das wusste Horst Seehofer auch schon vor zwölf Jahren und wacht erst jetzt auf? Schade.

Der CSU-Vorsitzende und Bayerische Ministerpräsident Seehofer hat am Wochenende hart über den Neoliberalismus geurteilt und eine Korrektur der Rentenpolitik verlangt. (Siehe hier im Hinweis Nr. 6) Die Riester-Rente sei gescheitert. Das Rentenniveau müsse wieder angehoben werden, um die weite Kreise betreffende Altersarmut zu vermeiden. Für mich ist das wie ein Déjà-vu. Der CSU-Abgeordnete Seehofer hat am 30. August 2004 freundlicherweise (zusammen mit Wibke Bruhns) mein Buch „Die Reformlüge. 40 Denkfehler …“ vorgestellt und dabei betont, dass er praktisch mit allem übereinstimme, was in dieser Kritik des Neoliberalismus, der Agenda 2010 und insbesondere der privaten Altersvorsorge (wie Riester-Rente) zu lesen ist. Warum dieses Bekenntnis Horst Seehofers dann in den entscheidenden Jahren von 2004 bis heute keine Folgen für die praktische Politik hatte, ist nicht zu begreifen. Wie glaubwürdig ist seine Kurskorrektur heute? Albrecht Müller.


25. April 2016 um 15:25

Angriff ist die beste Verteidigung, glaubt der frühere Sozialminister und Namensgeber der Riester-Rente

Walter Riester „rechnet mit den Kritikern der Riester-Rente ab“, berichtet der Berliner Tagesspiegel. Diese Tonlage ist schon bewundernswert – für einen Mann, dessen privates Interesse an der Privatvorsorge offen zutage liegt. Unter seiner Regie wurden die Leistungsfähigkeit der Gesetzlichen Rente beschädigt und parallel dazu die Modelle der Finanzwirtschaft mit unserem Steuergeld subventioniert. Frechheit siegt und die Vergesslichkeit hilft dabei. Vielleicht sollte Herr Riester der Öffentlichkeit einmal erläutern, was dieses Foto bedeutet:


15. Dezember 2009 um 21:02

Maschmeyer und Rürup gründen eine Beratungs-AG für Alters- und Gesundheitsvorsorge

Sie „stürzen sich ins Abenteuer“ meldet das Handelsblatt. Und weiter: „Der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer und der Ex-Wirtschaftsweise Bert Rürup wollen es noch einmal wissen: Sie gründen eine Beratung für Alters- und Gesundheitsvorsorge. Beide wollen sich damit einen Traum erfüllen – und haben einen prominenten Politiker als weiteren Partner im Visier.“ Dieser heißt Walter Riester. Albrecht Müller


17. August 2007 um 14:21

Noch ein paar Nachträge zu Walter Riester, Bert Rürup und Carsten Maschmeyer:

Das folgende schickt uns ein Leser der NachDenkSeiten aus Berlin. Albrecht Müller.


07. Januar 2011 um 10:19

ARD-exclusiv „Der Drückerkönig und die Politik“ – zu Maschmeyer und seinen Helfern in Politik und Wissenschaft

Am Mittwoch, den 12.01.11 von 21:45 – 22:15 bringt die ARD eine Dokumentation – incl. Interview mit AM. Hier die Einführung zur Ankündigung: „Dass ausgerechnet der Gründer des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, ein enger Freund der Spitzen unserer Gesellschaft ist, macht seine Opfer fassungslos. Ein Film über Freund- bzw. Seilschaften – und mögliche Interessenskonflikte.“
Albrecht Müller.


11. Januar 2011 um 17:03

80 Seiten-Schriftsatz gegen ein ARD- Aufklärungsstück zu Maschmeyer, Riester, Rürup & Co.

Die NachDenkSeiten hatten berichtet, dass am 12. Januar um 21:45 Uhr das Fernsehenstück „ARD-exclusiv“ „Der Drückerkönig und die Politik“ läuft. Es geht um Maschmeyers Verkaufsmethoden und seine Helfer in Politik und Wissenschaft. Mit verarbeitet ist auch ein Interview mit mir. Gegen diesen späten aber immerhin begonnenen Versuch, über die Machenschaften um die Privatvorsorge aufzuklären, interveniert jetzt der Anwalt von Maschmeyer. Davon berichtet die Süddeutschen Zeitung Lesenswert, siehe auch die kleine Dokumentation in der Anlage.
Helfen Sie mit, diese massive juristische Intervention dafür zu nutzen, dass möglichst viele Menschen das Aufklärungsstück sehen. Nutzen Sie bitte Ihre E-Mail Verteiler zur Weiterleitung unserer Information. Albrecht Müller.

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21. Januar 2011 um 9:54

Maschmeyer: Die Unschuld vom Maschsee“ lief bei Panorama in der ARD

Gestern hatten wir einen falschen Hinweis gegeben. Pardon. Die Fortsetzung zu Maschmeyers Machenschaften lief nicht nur im Regionalprogramm des NDR sondern bei der ARD. Sehenswert. Nebenbei: Das gilt auch für Bookmark auf 3sat mit einer Besprechung des NachDenkSeiten-Buches „Nachdenken über Deutschland“. Diese Sendung läuft am Samstag um 19:50 Uhr bei 3sat. Es wäre freundlich, Sie könnten Interessenten auf beides hinweisen. Albrecht Müller.


20. Januar 2011 um 13:16

Heute sendet der NDR “Carsten Maschmeyer – die Unschuld vom Maschsee”

Den Trailer sehen Sie hier. Dort werden Maschmeyers Aussagen in der BILD-Zeitung unter die Lupe genommen. Gegen die Sendung der ARD vom 12. Januar “Der Drückkönig und die Politik” hat Maschmeyer juristisch interveniert. Mit allen nur denkbaren Methoden. Es geht dabei um die Schluss-Sequenz, den Versuch von Redakteur Christoph Lütgert, Maschmeyer zu interviewen. Ersatzweise können Sie sich die Sendung hier anschauen. Albrecht Müller.


10. Februar 2011 um 13:12

Nachtrag zu Maschmeyer und seiner PR. Die „Zeit“ jedenfalls hat Maschmeyer aus eigenem Antrieb interviewt.

In einem Beitrag über die PR Strategie des von Maschmeyer engagierten Schmidt-Deguelle (WMP) war ein Interview mit Maschmeyer in der „Zeit“ als Konsequenz der Tätigkeit der PR Agentur gesehen worden. Die Redakteurin der „Zeit“ verweist darauf, dass es diesen Zusammenhang nicht gibt. Das Interview war nicht auf Initiative des PR Beraters, sondern auf Eigeninitiative der „Zeit“ zustande gekommen. Diese Information geben wir gerne an unsere Leser weiter. Albrecht Müller.


16. Februar 2011 um 14:04

Weitere Informationen zu Maschmeyer, AWD, Panorama, PR, etc.


10. März 2011 um 16:14

Was wusste Christian Wulff, heute Bundespräsident, von den Drückermethoden seines Freundes Maschmeyer? Fragen Sie ihn!

Was ein kalter Winter für Deutschland bedeutet – von Fritz Vahrenholt

Was ein kalter Winter für Deutschland bedeutet – von Fritz Vahrenholt

Die energiepolitisch spannendste Frage der nächsten Monate ist die nach der Stärke des Winters. Der Deutsche Wetterdienst beruhigte die Bundesregierung und die deutsche Öffentlichkeit im November:

„Die Winterprognose des Deutschen Wetterdienstes ist für alle Energieverbraucher eine gute Nachricht. Wir erwarten einen vergleichsweise milden Winter. Sollte das Modell recht behalten, können wir dadurch Heizenergie einsparen.“

Das hört sich mittlerweile wie regierungsamtliches Pfeifen im Walde an. Denn die neusten mittelfristigen Wettervorhersagen des europäischen ECMWF (Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage) sagen bis zum 4. Advent eine starke Abkühlung voraus. (Siehe unten die Prognose für den 4. Advent, Quelle: Kachelmannwetter.com)



Quelle: kachelmannwetter.com/ECMWF

Die Grafiken zeigen, daß sich die kalte Wetterlage von Polen bis Nordfrankreich erstreckt. Frankreichs Stromverbrauch, der zu einem bedeutenden Teil zum Heizen eingesetzt wird, hat in Ermangelung ausreichender Kernenergiekapazität großen Einfluß auf die Stromversorgung und die Strompreise in Deutschland.

Wer sich weiter täglich informieren will, sei auf die Seite Wo bleibt die globale Erwärmung verwiesen.

Auch global zeigen die Indizes keine Erwärmung an.

Die Abweichung der globalen Temperatur vom 30-jährigen Mittel der satellitengestützten Messungen der University of Alabama (UAH) ist im November 2022  gegenüber dem Oktober von 0,32 Grad auf 0,17 Grad Celsius gesunken. (siehe erste Grafik oben). Die durchschnittliche Temperatursteigerung pro Jahrzehnt beträgt seit 1979 nach wie vor 0,13 Grad Celsius – kein Hinweis auf eine besorgniserregende oder gar katastrophale Entwicklung.

Ganz im Gegenteil: Die Meereisausdehnung der Arktis hat seit 2016 wieder zugenommen. Seit 2016 gehen die Temperaturen weltweit leicht zurück.

Wie lange reicht das gespeicherte Gas ?
„Die Verfügbarkeit von Energie für die elektrische Stromerzeugung ist für diesen Winter gesichert“,
sagte Robert Habeck auf einer Pressekonferenz in Süd-Afrika zur Sicherheit der Stromversorgung in Deutschland. Doch wenn man analysiert, woher der Strom in diesen Tagen in Deutschland kommt, ist das alles andere als beruhigend. Im folgenden Diagramm sehen wir die Stromerzeugung seit dem 1.12. Die Solarenergie liefert praktisch kaum etwas, Windenergie leidet unter einer anhaltenden Flaute. Am 10.12. um 15 Uhr wurden 60 Gigawatt Strom verbraucht. Solar (hellgelb) lieferte 0,7 GW, Wind onshore (hellgrün) 1 GW, offshore (graugrün) 1,6 GW, Erdgas (hellbraun) 16 GW, Steinkohle (dunkelbraun) 12 GW und Braunkohle (mittelbraun) 14,6 GW. Selbst die im Streckbetrieb befindliche Kernenergie (rot) lieferte mit 3,8 GW mehr als Solar und Windenergie zusammen.
Wie soll in solchen Situationen Deutschland versorgt werden, wenn im Jahre 2024 die hinzugeschalteten Stein-und Braunkohlekraftwerke vom Netz genommen worden sind und die Kernkraftwerke schon im April 2023 abgeschaltet worden sind? Man schaue sich in der Grafik den hellbraunen Bereich von Strom aus Erdgas an, der teuersten Stromerzeugung mit der knappsten Energie, die wir haben.  Wenn allerdings teures Fracking-Gas die dunkelbraunen und mittelbraunen Flächen von Braun- und Steinkohle sowie die roten Flächen von Kernenergie zusätzlich ersetzen soll, dann wissen wir heute schon, daß die Strompreise weiter durch die Decke gehen werden. Das würde die Ampelkoalition nicht überleben.
Schon ein mittelmäßig kalter Winter stellt die Regierung vor kaum lösbare Probleme. Schon jetzt leeren sich die Speicher mit einer Rate von 0,5 % pro Tag. Jeder kann sich ausrechnen, wie lange Speicher, die zu 94 % (am 10.12.2022) gefüllt sind und nach Vorgabe der Bundesregierung im Februar noch 40 % Speicherstand haben sollen, bei anhaltender Kälte reichen werden. Es kann gerade mit Glück gutgehen. Doch was passiert im nächsten Winter? Wie kann der Bundeskanzler in Anbetracht dieser Sachlage die Förderung von Gas aus Schiefergestein rundherum ablehnen?
In dieser Aussage sind drei Fehler: Es lohnt sich wirtschaftlich, denn es wäre 1. deutlich preiswerter als US-Fracking-LNG-Gas, 2. es würde auch nur ein Jahr dauern, bis das erste Gas fließen kann ( was jetzt der Fall wäre, wenn die Bundesregierung verantwortungsvoll gehandelt hätte) und 3. der Gasbedarf wird mitnichten zurückgehen. Drei Fehler in einem Satz mit fatalen Folgen für den Standort Deutschland hört man nicht alle Tage von einem Bundeskanzler.

Nach der Gas- und Stromkrise nun auch noch eine Ölknappheit

Vor dem Ukraine-Krieg deckte russisches Öl 35 % des hierzulande benötigten Öls ab. Obwohl es bis heute kein europäisches Importverbot für Pipeline-Öl gibt, hatte Wirtschaftminister Habeck der EU zugesagt, ab 1. Januar kein Öl mehr über die Druschba-Pipeline, die die Standorte Schwedt und Leuna versorgt, zu beziehen. Die alternativen Belieferungen über Rostock oder Danzig werden nur einenTeil der Pipeline-Importe abdecken. Über den Preis schweigt die Politik.

Hinzu kommen nun die Boykottbeschlüsse der EU: Dem Öl- Lieferanten Rußland soll nur noch  60 $ pro Faß Öl gezahlt werden, obwohl der Weltmarktpreis deutlich höher ist. Putin hat schon erklärt, daß Rußland zu diesen Bedingungen nicht liefern wird. Nun gibt es zwei mögliche Folgen des EU-Beschlusses. Rußland hat sich bereits eine Schattenflotte von 100 Tankern zugelegt, um sein Öl in andere Regionen zu transportieren.Wenn es Rußland gelänge, sämtliches Öl bei anderen Marktteilnehmern wie Indien oder China unterzubringen, hätte das für alle Marktteilnehmer wenig Folgen- außer für Deutschland das bislang preiswertes Pipeline-Öl aus Rußland importierte. Sollte es allerdings Rußland nicht gelingen, das Öl vollständig unterzubringen, wäre zuwenig Öl auf dem Weltmarkt. Die OPEC+ hat bereits angekündigt, daß sie die Ölförderung nicht erhöhen wird. In diesem Fall würden die Ölpreise bei gleichbleibender Nachfrage weltweit steigen. Einen solchen Boykott würde man wohl eher als Knieschuß bezeichnen.

FTX und die kuriose Geschichte der Farmington State Bank

Seit dem Zusammenbruch von FTX steht eine kleine Bank im ländlichen Washington wegen der Rolle, die sie bei den betrügerischen Aktivitäten der Krypto-Börse gespielt haben könnte, stark unter Beobachtung. Ed Berger und Whitney Webb untersuchen die Geschichte der Bank und decken einige beunruhigende Verbindungen auf.

Ende November begann „Protos“ mit der Entmystifizierung der mysteriösen Verbindungen der bankrotten und von Betrug heimgesuchten Kryptowährungsbörse FTX zu „einer kleinen Bank im ländlichen Washington“, der „Farmington State Bank“. Angesichts der Tatsache, dass sie nur drei Angestellte hat und eine der kleinsten Banken in den gesamten Vereinigten Staaten ist, stellte „Protos“ fest, dass „die Tatsache, dass [diese Bank] irgendwie in den größten Kryptowährungsbetrug der Geschichte verwickelt ist, rätselhaft, beunruhigend und völlig fehl am Platz ist, um das Mindeste zu sagen“.

Während der „Protos“-Artikel etwas Licht auf die „Farmington State Bank“ und ihre jüngste Umwandlung in die „FBH Corp.“ und die „Moonstone Bank“ wirft, steckt mehr hinter der Geschichte. Obwohl es sich um eine kleine, ländliche Bank handelt, hat Farmington/Moonstone seit mindestens 1995 Verbindungen zu einigen der verdecktesten und kriminellsten Offshore-Finanznetzwerke der Neuzeit, mit Verbindungen zu geheimdienstlich organisierten Finanzbetrügern von beträchtlichem Bekanntheitsgrad. 

In dieser „Unlimited Hangout“-Untersuchung machen wir dort weiter, wo „Protos“ aufgehört hat, und beginnen, den Vorhang hinter dem „FTX“-Finanzlabyrinth zu lüften, um die Netzwerke hinter dem ausgeklügelten Krypto-Ponzi-Schema zusammenzusetzen. Dies ist eine kritische Arbeit, da das „FTX“-Insolvenzverfahren auf seltsame Art gesteuert wurde, um zu vermeiden, dass bekannt wird, wer außer Sam Bankman-Fried, dem in Ungnade gefallenen CEO und Gesicht von „FTX“, die Kontrolle über die Börse und ihre Tochtergesellschaften hatte. Das Netzwerk hinter Farmington/Moonstone, um das es in diesem Beitrag geht, ist der erste von vielen Fäden, die mit FTX verknüpft sind und die wir in den kommenden Wochen und Monaten hoffentlich weiterverfolgen werden.

Archie Chan findet Farmington

Farmington, eine verschlafene ländliche Stadt im Bundesstaat Washington, musste während der Großen Depression in den 1930er Jahren mit ansehen, wie sich seine einst vielversprechenden wirtschaftlichen Aussichten in Luft auflösten. Die Große Depression hatte auch die erste Version der „Farmington State Bank“, die 1887 gegründet worden war, in den Ruin getrieben, und im Mai 1929 wurde eine neue Bank mit demselben Namen gegründet. Vieles in der Geschichte der „Farmington State Bank“ ist kaum erwähnenswert. Im Jahr 1973 trat C. Wayne Wexler in die Bank ein, der über ein Jahrzehnt lang als Präsident der Bank fungierte. In den 1970er Jahren verfügte die Bank über Einlagen in Höhe von etwa 1,5 Millionen Dollar, die in den 1980er Jahren leicht auf etwa 3,5 Millionen Dollar anstiegen. 

Um 1995 erregte Farmington aus noch unbekannten Gründen die Aufmerksamkeit eines in Hongkong lebenden britischen Staatsbürgers namens Archie Chan. Laut einem Interview, das der damalige Präsident von Farmington, John Widman, im Jahr 2010 gab, kaufte Chan die Bank 1995, „als er nach einer gecharterten Bank in Washington suchte, die eine Plattform für das internationale Bankgeschäft werden könnte“. Obwohl dies nie geschah, lassen Chans Verbindungen darauf schließen, dass seine Interessen an der kleinen, ländlichen Bank vielfältig gewesen sein könnten.

Chan erwarb Farmington über eine auf den Britischen Jungferninseln (BVI) registrierte Holdinggesellschaft namens „Farmington Finance Corporation“. Der Anwalt, der ihm bei der Einrichtung der Unternehmensstruktur für die neue Farmington-Organisation half, war David K.Y. Tang, der unter anderem Mitglied des „Council on Foreign Relations“ (CFR) ist. Tang, dessen juristische und geschäftliche Laufbahn von Seattle über Hongkong bis nach Peking reicht, war auch Vorsitzender der Federal Reserve Bank of San Francisco – der Zentralbank, die die rechtliche Aufsicht über Farmington hat. Laut einer anderen „Protos“-Untersuchung hat dieselbe Komponente des Federal Reserve Systems „Anfang dieses Jahres die Aufsichtspflicht für [Farmington/Moonstone] übernommen, scheint aber die gewinnorientierten Auslandsinteressen von Moonstone übersehen zu haben“.

Obwohl die „Farmington State Bank“ weiterhin der BVI-Rechtsprechung unterliegt, geht aus den Jahresberichten hervor, dass die „Farmington Finance Corporation“ von Chan ihre Büros im „Jardine House“ in Hongkong unterhielt. Diese Immobilie ist im Besitz der „Jardine Matheson Holdings“. Diese Gesellschaft ist die Nachfolgerin von „Jardine Matheson & Co“, einer der größten Außenhandelsgesellschaften im Fernen Osten, die während eines Großteils des 19 Jahrhunderts maßgeblich an der Festigung des politischen und wirtschaftlichen Einflusses Großbritanniens in Hongkong beteiligt war. Das Unternehmen spielte auch eine Schlüsselrolle im Opiumhandel. Archie Chan hat behauptet, „Mitglied einer der ältesten und prominentesten Familien Hongkongs“ zu sein, was auf eine mögliche familiäre Verbindung zu den Machtnetzwerken des frühen kolonialen Hongkong hindeutet, in dem Jardine Matheson besonders prominent war. Später zog Chans „Farmington Finance Corporation“ nach St. George’s House, ebenfalls in Hongkong, um. 

Weitere Nachforschungen über Chan ergaben, dass er bis vor relativ kurzer Zeit Geschäftsführer von „Glorious Sun Enterprises“ war. „Glorious Sun Enterprises“ ist das Hauptunternehmen seiner Muttergesellschaft, der „Glorious Sun Group“. Letztere begann Mitte der 1960er Jahre als Textilunternehmen in Hongkong und expandierte in den 1980er Jahren in die Bereiche Finanzen, Immobilien und andere Unternehmungen. Heute verfügt sie über Immobilienbesitz in Hongkong, China, Singapur, Kanada und den Vereinigten Staaten. 

Chans Verbindung mit dem Glorious-Sun-Geschäftskomplex besteht schon seit langem. Nach Angaben der Börsenaufsichtsbehörde SEC wurde er im Februar 2005 zum Unternehmenssekretär von „Glorious Sun Enterprises Limited“ ernannt und trat im August desselben Jahres als Direktor in den Vorstand des Unternehmens ein. Zuvor war Chan jedoch über zwei Jahrzehnte lang als primärer „Unternehmensberater“ der Gruppe tätig, eine Position, in der er die verschiedenen Partnerschaften und Tochtergesellschaften verwalten musste, die die enorme Reichweite des jungen Imperiums ausmachten. In Dokumenten, die „Glorious Sun“ der SEC vorgelegt hat, heißt es, dass er in verschiedenen Joint Ventures, in denen „Glorious Sun“ 50% oder mehr der Unternehmensanteile kontrollierte, als Direktor fungierte. Mit anderen Worten: Chan war der Hauptgeschäftsführer von „Glorious Sun“, als er die „Farmington State Bank“ kaufte. 

„Glorious Sun Enterprises“ wird mehrheitlich von „Glorious Sun Holdings Limited“ gehalten, gefolgt von „Advancetex Holdings“. Weitere Anteilseigner sind Mitglieder der Familie Yeung, einige andere Führungskräfte und die in Texas ansässige „Dimensional Fund Advisors LP“. Sowohl „Glorious Sun Holdings Limited“ als auch „Advancetex“ waren unter der Adresse 263 Main Street in Road Town, der Hauptstadt der British Virgin Islands (BVI), eingetragen. Dies ist der Sitz von „CCS Trustees Limited“, einem Unternehmen, das sich um die rechtliche Registrierung von Unternehmen kümmert, die Holdinggesellschaften oder Tochtergesellschaften in Offshore-Steuerparadiesen wie den BVI gründen wollen. „CCS Trustees“ selbst scheint sich auf Geschäfte in Hongkong zu konzentrieren und unterhält sogar eine Tochtergesellschaft namens „Cayman-Hong Kong Corporate Services Ltd.“. Der Gründer von „CCS“, William Au-Yang, sitzt im Vorstand der „New Media Group“, einem in Hongkong ansässigen Telekommunikationsunternehmen.

Laut SEC-Angaben aus dem Jahr 2007 gehören die „Hongkong and Shanghai Banking Corporation“ (besser bekannt als HSBC) und die „Standard Chartered Bank“ zu den Hauptbankiers von „Glorious Sun“. HSBC und die „Standard Chartered Bank“ stehen seit jeher in enger Beziehung zu Jardine Matheson: Die beiden haben sich an Joint Ventures beteiligt, und Mitglieder der Familie, die Jardine Matheson kontrolliert, die Keswicks, haben häufig Führungspositionen bei HSBC inne. „Standard Chartered“ wiederum ist eng mit der Familie Inchape verbunden, die zur britischen Führungsschicht gehört und zahlreiche Konzerne in der weltweiten Schifffahrt und im verarbeitenden Gewerbe besitzt.

Wenn es um die Ausgabe von Aktien und andere Geschäftsangelegenheiten in den Vereinigten Staaten geht, hat „Glorious Sun“ die Dienste der „Bank of New York“ (jetzt BNY Mellon) in Anspruch genommen, einem Bankinstitut mit einer berüchtigten Geschichte der Beteiligung an Geldwäsche und Kapitalflucht im Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen. „Glorious Sun“ selbst hat eine starke Präsenz in New York City beibehalten, wo es ein aktiver Akteur in der Welt der Manhattan-Immobilien war. Zu ihren Aktivitäten in New York gehören Partnerschaften mit „Polylinks International“, einem Konsortium führender Familien aus Hongkong, das in großem Umfang in die Immobilienmärkte in New York, San Francisco, London und anderswo investiert hat. „Polylinks“ ist vor allem für sein Geschäft mit Donald Trump aus dem Jahr 1994 bekannt, an dem „Glorious Sun“ nicht beteiligt war. Als der künftige Präsident eine Reihe von Schulden hatte und nicht in der Lage war, seine Schulden für den Bau seines problembehafteten Projekts „Riverside South“ zu begleichen, sprang „Polylinks“ ein und übernahm praktisch die Kontrolle über das Projekt. Im Jahr 2005 wurden Teile von „Riverside South“ an die „Carlyle Group“ verkauft. 

Ein näherer Blick auf Glorious Sun

Der Vorsitzende von „Glorious Sun“ ist der Unternehmer und Milliardär Charles Yeung. Der aus der chinesischen Provinz Guangdong stammende Charles und sein Bruder Yeung Chun-fan gründeten „Glorious Sun“ in den 1960er Jahren als kleines Unternehmen. Heute besitzen die Brüder die Mehrheit an „Glorious Sun“ über die oben erwähnte, recht komplexe Struktur von Holdinggesellschaften. Sie sind maßgeblich an der „Glorious Sun Holdings“ und an der „Advancetex Holdings“ beteiligt, die größere Anteile an den verschiedenen Unternehmenseinheiten von „Glorious Sun“ hält. 

Der rasche Erfolg von „Glorious Sun“ verhalf den Yeung-Brüdern – insbesondere Charles – nicht nur zu wirtschaftlicher, sondern auch zu politischer Macht in Hongkong. Er gehörte dem Provisorischen Legislativrat an, einem Sondergremium, das während der Übergabe Hongkongs vom Vereinigten Königreich an die Volksrepublik China eingerichtet wurde. Dies verdeutlicht Charles Yeungs Position innerhalb des „wirtschaftsfreundlichen, pijingfreundlichen“ Flügels der herrschenden Klasse Hongkongs. Er war auch Mitglied des Think-Tanks „One Country, Two Systems Research Institute“ und der „Hong Kong Progressive Alliance“, einer von Unternehmen geführten politischen Partei, die Verbindungen zu liberalen Fraktionen in der Kommunistischen Partei Chinas unterhält. Yeung war auch in der „Democratic Alliance for Betterment and Progress of Hong Kong“ aktiv, die 2005 in der „Hong Kong Progressive Alliance“ aufging. 

Charles Yeung scheint auch in Macao, der ehemaligen portugiesischen Kolonie, die seit Ende der 1990er Jahre zu den Sonderverwaltungszonen Chinas gehört, präsent zu sein. Die Volkswirtschaften und Bankensysteme von Macau und Hongkong sind eng miteinander verflochten: Jahrzehntelang war die Stadt als eine der weltweit wichtigsten Zonen für den (damals illegalen) Goldhandel bekannt, der in hohem Maße von Banken aus Hongkong und ihren internationalen Partnern angekurbelt wurde – ein besonders bemerkenswertes Beispiel ist die HSBC. Zu den wichtigsten Goldschmuggelinstituten in Macau gehörte die „Seng Heng Bank“. Viele Jahre lang wurde „Seng Heng“ von einem kleinen Syndikat kontrolliert, zu dem Ho Yin, ein Goldschmuggler mit engen Verbindungen zur Kommunistischen Partei Chinas, und Cheng Yu-tung, der Gründer der Hongkonger „New World Development Company“, gehörten. „New World“ war später an dem „Polylinks“-Konsortium beteiligt, das die Kontrolle über das „Riverside South“-Immobilienprojekt von Donald Trump übernahm. 

In den frühen 1980er Jahren verkauften Ho Ying, Cheng Yu-tung und ihr Partner Lu Daohe „Seng Heng“ an den politischen Königsmacher von Arkansas und erfahrenen Kenner der Welt des internationalen Handels und der Geheimdienstoperationen, Jackson Stephens, sowie an seinen engen Freund und Bankpartner Mochtar Riady. Dieser Kauf fand kurioserweise im selben Jahr statt, in dem Stephens und Riady die Kontrolle über die „Worthen Bank“ in Arkansas übernahmen, ein Unternehmen, das eng mit der Anwaltskanzlei „Rose“ in Little Rock und dem aufstrebenden politischen Erfolg der Clintons verbunden war. Was „Seng Heng“ betrifft, so verkauften Stephens und Riady die Bank 1989 an „STDM“. Dieses vom Hongkong-Macao-Milliardär und Geschäftsmann Stanley Ho gegründete Unternehmen hatte ein Monopol auf die Glücksspielindustrie in Macao. Ho selbst wird immer wieder beschuldigt, mit Elementen des organisierten Verbrechens, die in der Unterwelt Macaus operieren, in Verbindung zu stehen. 

An dieser Stelle kommt Charles Yeung wieder ins Spiel. Als die STDM „Seng Heng“ vom Stephens-Riady-Konsortium erwarb, behielt sie 100% der Anteile und setzte ihre eigenen Direktoren und Führungskräfte in den Vorstand der Bank ein. Im Jahr 2007 wurde ein Großteil der Anteile an „Seng Heng“ an die „Industrial and Commercial Bank of China“ (ICBC) verkauft. Aufgrund der Zurückhaltung verschiedener Unternehmen gegenüber „Seng Heng“, die vor allem auf den Ruf der Bank als „Kasinobank“ zurückzuführen war, machte sich die „ICBC“ daran, das Image der Bank zu verbessern. Sie trennte sich von einer Handvoll der alten Direktoren – Figuren wie Stanley Ho blieben jedoch im Vorstand – und ersetzte sie durch Persönlichkeiten, die ein neues Unternehmensethos verkörperten. Charles Yeung war einer der von der ICBC neu ernannten Mitglieder. 

Cheung selbst war jedoch mit Vorwürfen der Verwicklung in Geldwäsche konfrontiert, insbesondere im Zusammenhang mit den Geschäften von „Glorious Sun“ auf den Philippinen. „Glorious Sun“ errichtete dort 1976 eine Produktionsstätte, die sich bis 1983 zum zweitgrößten Bekleidungsexporteur der Philippinen entwickelte. Diese Verlagerung, die Teil der Bemühungen von Glorious Sun war, seine Produktion auf der Suche nach niedrigeren Kosten aus Hongkong zu verlagern, fand zeitgleich mit einem Tauwetter in den Beziehungen zwischen China und den Philippinen statt. Während eines Großteils des Kalten Krieges war die Regierung des philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos strikt antikommunistisch eingestellt und unterhielt enge Beziehungen zum Rivalen der VR China, der Kuomintang (KMT) oder den nationalistischen Chinesen. Ebenso arbeitete Marcos eng mit der pro-KMT-„China-Lobby“ in den Vereinigten Staaten zusammen.

Laut Sterling und Peggy Seagrave lassen sich die Wurzeln des Tauwetters bis zu einer Vereinbarung zurückverfolgen, die im Rahmen der Nixon-Kissinger-Ouvertüren gegenüber China getroffen wurde, um die Devisenreserven in den chinesischen Banken durch die Infusion von Gold und anderen Metallen und Bargeld im Besitz der Familie Marcos zu stärken. Es gibt eine dokumentierte Spur, die zeigt, dass in den 1970er Jahren ein schrittweiser, aber stetiger Kapitalfluss in verschiedene Banken auf dem chinesischen Festland und in Hongkong erfolgte.

„Glorious Sun“ wurde beschuldigt, am Schmuggel von philippinischem Vermögen ins Ausland beteiligt gewesen zu sein, das von der Marcos-Familie durch eine komplizierte Reihe von Transaktionen und Aufträgen zwischen den Philippinen und Hongkong entwendet wurde. In einer beim Obersten Gerichtshof der Philippinen eingereichten Klage wurde Yeung und anderen Führungskräften von „Glorious Sun“ vorgeworfen, dass sie „als Frontsoldaten oder Attrappen, Kumpane oder anderweitig willige Werkzeuge der Eheleute Ferdinand und Imelda Marcos … bei der illegalen Anhäufung von Devisen fungierten“. Sie taten dies angeblich, indem sie „Stoffe von nur einem Lieferanten … zu Preisen einführten, die viel höher waren als die, die von anderen Nutzern ähnlicher Materialien gezahlt wurden“. Aus anderen Dokumenten zu diesem Fall geht hervor, dass auch Archie Chan als Beteiligter an dem System identifiziert wurde. 

Am Ende wurde „Glorious Sun“ vom Vorwurf der Beteiligung am „Dollar Salting“ (d. h. der Verlagerung von Kapital aus dem Land heraus ohne die Genehmigung der philippinischen Zentralbank) freigesprochen – allerdings unter besonderen Umständen. In anderen Akten ist vermerkt, dass „das Gericht feststellte, dass die für diese Anschuldigung [gegen Glorious Sun] relevanten Beweise unzulässig waren, da es sich lediglich um Fotokopien handelte“.

Die Tatsache, dass „Glorious Sun“ und Archie Chan Verbindungen zur Marcos-Familie und ihren finanziellen Machenschaften haben, ist insofern von Bedeutung, als andere Schlüsselfiguren, die diese Machenschaften ermöglichten, sich mit dem Jeffrey Epstein-Ghislaine Maxwell-Netzwerk überschneiden, das in „One Nation Under Blackmail“ untersucht wurde. Einer der Hauptkomplizen der Marcos-Familie war kein Geringerer als der Waffenhändler und Geheimdienstmitarbeiter Adnan Khashoggi. Eine Schlüsselrolle bei Khashoggis undurchsichtigen Finanzen in den 1980er Jahren spielte Jeffrey Epstein, der – für einen nicht näher bezeichneten Zeitraum – von Khashoggi angeheuert wurde, um entweder große Summen „geplünderten“ Geldes zu finden oder zu verstecken (Epstein half Khashoggi wahrscheinlich bei beidem). Ein weiterer hochrangiger „Finanzberater“ von Imelda Marcos war der Schauspieler George Hamilton, der in den frühen 1990er Jahren ein Vertrauter und Urlaubsbegleiter von Ghislaine Maxwell war, bis sie sich kurz nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1991 öffentlich mit Jeffrey Epstein verbündete.

„Glorious Sun“ könnte über „Mast Industries“, ein in Hongkong ansässiges Export-Import-Unternehmen, das sich auf Textilwaren aus ganz Asien spezialisiert hat, weitere Verbindungen zu diesem Netzwerk haben. In den frühen 1970er Jahren schloss Leslie Wexner mit „Mast“ einen Vertrag über die Lieferung von Stoffen für sein Flaggschiff „The Limited“. Gegen Ende des Jahrzehnts kaufte Wexner „Mast“ auf und machte es zu einer wichtigen Tochtergesellschaft seines Firmenimperiums. 

Auch wenn es derzeit keine Beweise dafür gibt, dass „Glorious Sun“ die Dienste von „Mast Industries“ in Anspruch genommen hat (was angesichts des Status als eines der größten Bekleidungsunternehmen Hongkongs auch nicht verwunderlich wäre), gibt es dennoch Verbindungen zwischen den beiden Unternehmen. In den späten 1970er Jahren gründete „Mast Industries“ ein Joint Venture namens „Sinotex“ mit der „Crystal Group Limited“, einem weiteren Bekleidungshersteller mit Sitz in Hongkong. Ein Blick auf die Verbindungen des Gründers der „Crystal Group“, Kenneth Lo, zeigt, dass er sich in vielen der gleichen Kreise bewegt wie Charles Yeung von „Glorious Sun“ (beide sind beispielsweise ehrenamtliche stellvertretende Vorsitzende der „Hang Seng University of Hong Kong“). Der Leiter der Abteilung für Unterwäsche der „Crystal Group“ ist Lo Wing Sing Eddie, der zuvor als Geschäftsführer der wichtigsten Tochtergesellschaft von „Glorious Sun“, „Jeanwest“, tätig war. 

Neben „Glorious Sun“ und der Familie Yeung hat Archie Chan noch eine weitere Verbindung, die erwähnenswert ist. Im Jahr 2009 wurde Chan zum Ritter des Königlichen Ordens des Königreichs Polen ernannt. Sein Sponsor war Paul Kan Man-Lok, ein auf Technologie spezialisierter Geschäftsmann aus Hongkong, der zuvor „von Königin Elisabeth und zahlreichen Staatsoberhäuptern für seine humanitären Dienste geehrt wurde“. Paul Kan ist der Gründer und Vorsitzende von „Champion Technology Holdings“. Wie „Glorious Sun“ und Chans „Farmington Finance Corporation“ hat „Champion Technology“ von Holdinggesellschaften Gebrauch gemacht, die in Road Town auf den BVI gegründet wurden. 

Kans „Champion Technology“ unterhält seit langem Beziehungen zur Volksbefreiungsarmee (PLA), der wichtigsten militärischen Organisation der Volksrepublik China. Die PLA ist ein aktiver Akteur in der chinesischen und der Hongkonger Geschäftswelt, der sowohl offen als auch verdeckt am Erwerb und der Entwicklung von Spitzentechnologie beteiligt ist. Wie in einem „Forbes“-Artikel aus dem Jahr 1997 berichtet wird, fand sich Kan in den späten 1980er Jahren als Partner der PLA wieder, als er hoffte, in China eine Abteilung von „Champion Technology“ zu gründen, die sich mit Funkruftechnologie befassen sollte. „Die Bürokraten im Ministerium für Post und Telekommunikation zögerten“, heißt es in dem Artikel, „aber Unternehmen, die dem Militär gehören, ergriffen die Chance … Kan … hat jetzt Funkruf-Franchises in Dutzenden von Städten in ganz China, hauptsächlich durch Partnerschaften, die von lokalen Einheiten der PLA kontrolliert werden.“ 

Besitzwechsel

Wie „Protos“ letzte Woche feststellte, soll Archie Chan von 1995 bis vor kurzem im Wesentlichen nichts mit der „Farmington State Bank“ zu tun gehabt haben. Seine Verbindungen deuten jedoch darauf hin, dass er möglicherweise mehr mit der Bank oder zumindest mit seiner „Farmington Finance Corporation“ zu tun hatte, als es den Anschein hat. Im Jahr 2020 verkaufte Chan die Bank an die „FBH Corporation“, die 2019 gegründet wurde und deren Vorsitzender Jean Chalopin ist, ein „erfahrener Unternehmer“, der in den 1980er und 1990er Jahren eine wichtige Rolle im Kinderfernsehen spielte und später der größte Anteilseigner der „Deltec Bank and Trust“ und deren Vorsitzender wurde. Es ist nicht bekannt, ob Chalopin Chan vor dem Verkauf kannte und wie oder warum Chalopin sich für die kleine Bank mit Sitz in Washington interessierte.

Kurz nach dem Verkauf von „Farmington“ an Chalopins „FBH Corp.“ wurde Chalopin Mitglied des Vorstands von „Farmington“. Die „Deltec Bank and Trust“, bei der Chalopin den Vorsitz innehat, wurde von „Protos“ als „eine der wichtigsten Banken sowohl für Alameda Research [FTX‘ Handelszweig, der eine zentrale Rolle bei dem Zusammenbruch spielte] als auch für Tether“ bezeichnet. Wie der Enthüllungsjournalist Nicola Borzi feststellte, gibt es bei „Deltec“ Verbindungen zu dem Netzwerk, das in den 1980er Jahren hinter der extremen Korruption und dem Insiderhandel von Kidder Peabody und Drexel Burnham Lambert stand (dessen Verbindungen zum Schattenbankwesen und zu Jeffrey Epstein in „One Nation Under Blackmail“ detailliert beschrieben werden), sowie zu Geheimdienstleuten wie Armand Hammer. Auf die Verbindungen zwischen „FTX“ und der „Deltec Bank“ wird in Kürze näher eingegangen.

Chan verkaufte „Farmington“ an ein in Baltimore ansässiges Unternehmen namens „GUVJEC Investment Corporation“, dessen Präsident Chalopin ist. „GUVJEC“ wurde jedoch ursprünglich von Robin Trehan gegründet, einem selbsternannten Bank- und Fintech-Berater, dessen Schwerpunkt darauf liegt, „die Blockchain-Technologie durch die Integration der Fintech-Branche und des traditionellen Bankwesens der breiten Masse zugänglich zu machen.“ Laut LinkedIn ist er seit Jahrzehnten Partner von „Credit Capital Funding“ mit Sitz in Chicago. Trehan ist jedoch Senior Vice President von „Deltec International“, der Muttergesellschaft von „Deltec Bank and Trust“. Seltsamerweise gibt Trehan dies in seinem LinkedIn-Profil nicht an. 

Trehan und Chalopin sind laut SEC-Anmeldungen vom Februar dieses Jahres als leitende Angestellte der „FBH Corp.“ aufgeführt. Als Direktoren von „FBH“ sind Noah Perlman und Gary Rever (in den Unterlagen als A. Gary Rever bezeichnet) aufgeführt. Perlman war zum Zeitpunkt der Gründung von „FBH Corp.“ Chief Compliance Officer der Krypto-Börse „Gemini“. Er ist jetzt Chief Operating Officer von „Gemini“, eine Position, die er seit 2020 innehat. Insbesondere die Implosion von „FTX“ verursachte einige Probleme für „Gemini“, das die Abhebungen aus seinem „Gemini Earn“-Programm aufgrund der Auswirkungen der „FTX“-Pleite vorübergehend stoppte. Die „FTX“-Implosion hatte den Hauptkreditgeber des „Gemini“-Programms, „Genesis“, betroffen. Frühere Berichte legen nahe, dass Perlman an der Entscheidung von „Gemini“ im Jahr 2021 beteiligt war, mit „Genesis“ zusammenzuarbeiten. Wie Trehan schließt auch Perlman jede Erwähnung seiner Rolle bei „Moonstone“ in seinem LinkedIn-Profil aus.

Kurz nach dem Kauf durch die von Chalopin geführte „FBH Corp.“ stellte Farmington „auf den Handel mit Kryptowährungen und internationalen Zahlungen um“, stieß jedoch auf Probleme beim Geldtransfer. Das Unternehmen löste diese Probleme, indem es die Genehmigung der Federal Reserve beantragte und im Juni 2021 Teil des Federal Reserve System wurde.

Im März dieses Jahres ließ die „Farmington State Bank“ den Namen „Moonstone Bank“ markenrechtlich schützen und nahm diesen Namen drei Tage später an. Vier Tage später, am 7. März, investierte der Handelsarm von „FTX“, „Alameda Research“, 11.5 Millionen Dollar in „FBH Corp.“/“Moonstone Bank“. Damals erklärte Chalopin zu dieser Investition: „Die Investition von Alameda Research in die FBH Corp und die Moonstone Bank ist ein Zeichen dafür, dass eines der innovativsten Finanzunternehmen der Welt den Wert dessen anerkennt, was wir anstreben. Dies ist ein neuer Schritt auf dem Weg zur Zukunft des Bankwesens“. Der Chief Digital Officer von „Moonstone“, Janvier Chalopin, Sohn von Jean Chalopin, erklärte gegenüber „Protos“, dass es sich bei der Investition um eine „Anschubfinanzierung … zur Umsetzung unseres neuen Plans, eine technologieorientierte Bank zu sein“, handelt. 

Am selben Tag, an dem diese bedeutende Investition angekündigt wurde, wurde Ronald Oliveira als Chief Executive Officer von „Moonstone“ eingesetzt, bis er „Moonstone“ im August aus noch unklaren Gründen verließ. Ein Teil der Verwirrung bezieht sich auf eine Unstimmigkeit zwischen den Behauptungen von „Moonstone“-Führungskräften über den Grund für Oliveiras Weggang (dass er „eine Jobchance bekommen habe, die er nicht ablehnen konnte“) und dem, was Oliveira öffentlich über seine Arbeit seit seinem Weggang von der Bank geschrieben hat (dass er jetzt als selbständiger Berater tätig ist). 

Bevor er zu „Moonstone“ kam, war Oliveira der US-CEO von „Revolut“, „einem globalen Fintech-Unternehmen mit Hauptsitz in Großbritannien.“ In der Pressemitteilung, in der sowohl die Investition als auch Oliveiras neue Rolle bei „Moonstone erörtert wird, heißt es, dass Oliveira „den offiziellen Markteintritt von Revolut in den USA eingefädelt hat“. „Revolut“ wurde 2015 von „NJF Capital“ gegründet, um eine „führende digitale alternative Bank“ zu werden. „NJF Capital“ wurde von Nicole Junkermann gegründet und wird von ihr geleitet, einem ehemaligen Model und engen Vertrauten des Sexhändlers und Finanzkriminellen Jeffrey Epstein. Junkermann war angeblich an wichtigen Aspekten seiner Sex-Erpressungsaktivitäten beteiligt, einschließlich der sexuellen Erpressung von zwei amtierenden US-Senatoren in den frühen 2000er Jahren, und spielte später eine Schlüsselrolle in nachrichtendienstlich orientierten Firmen, die Epstein finanziert hatte, wie „Carbyne 911“. Es ist nicht bekannt, ob die „Alameda“-Investition in „Moonstone“ die Entscheidung, Oliveira einzustellen, beeinflusst hat oder umgekehrt, obwohl beides nicht ausgeschlossen werden kann. 

Dies liegt zum Teil daran, dass der umstrittene Stablecoin „Tether“ auch bei einer anderen von Chalopin geleiteten Bank, der „Deltec Bank and Trust“, untergebracht ist. In einer kürzlich von „Revolver News“ durchgeführten Untersuchung wurde detailliert dargelegt, dass „Tether“ Anzeichen dafür aufweist, dass es sich um ein Ponzi-Schema handelt, nicht unähnlich „FTX“. In der Untersuchung wurde auch festgestellt, dass der Mitbegründer des Stablecoins, Brock Pierce, Verbindungen zu Jeffrey Epstein hat. Pierce, ein ehemaliger Kinderdarsteller in Disney-Filmen, war zuvor Mitbegründer und leitender Angestellter bei „Digital Entertainment Network“ (DEN), wo er und andere leitende Angestellte der sexuellen Nötigung beschuldigt wurden. Das Verfahren gegen Pierce wurde eingestellt, nachdem Pierce eine beträchtliche Summe an einen der Anwälte des Klägers gezahlt hatte. Sein Mitangeklagter Marc Collins-Rector, der andere Mitbegründer von „DEN“, wurde jedoch strafrechtlich angeklagt. Als Collins-Rector 2002 von Interpol verhaftet wurde, fand man in der spanischen Villa, die er mit Pierce teilte, Gewehre, Macheten und Kinderpornografie. „DEN“ produzierte während seines kurzen Bestehens ein Programm, das als eine „schwule pädophile Version von Silver Spoons“ beschrieben wurde.

Was „Tether“ selbst betrifft, so glaubt nicht jeder, dass es sich um ein Schneeballsystem handelt, wie der oben erwähnte Bericht von „Revolver News“ nahelegt. So sagte Marty Bent, ein bekannter Bitcoiner, der „TFTC.io“ betreibt, gegenüber „Unlimited Hangout“, dass „Tether“ in der Lage war, nach dem Preisverfall der Kryptowährungen „TerraUSD/Luna“ im vergangenen Mai schnell 10 Milliarden Dollar an Abhebungen zu verarbeiten. Dies würde darauf hindeuten, dass „Tether“ tatsächlich die Reserven bei der „Deltec Bank and Trust hat“, die es zu haben behauptet. Bent deutete an, dass „Tether“ kein Ponzi-Schema, sondern „extrem risikoreich“ und der Gnade der US-Regulierungsbehörden und anderer Finanzbehörden ausgeliefert sei. Inzwischen wurde berichtet, dass gegen Sam Bankman-Fried von „FTX“ wegen der möglichen Rolle von „FTX“, „Alameda Research“ und der bereits erwähnten „Genesis Trading“ bei der Manipulation der „TerraUSD/Luna“-Preise zu Beginn dieses Jahres ermittelt wird, die zum Absturz ihres Wertes im Mai führte.

Darüber hinaus wurde, wie „Dirty Bubble Media“ feststellte, Tethers früherer Bankpartner vor dem von Chalopin geführten Deltec, „Crypto Capital“, bei der Geldwäsche für Drogenkartelle erwischt (etwas, bei dem die bereits erwähnte „HSBC“ ebenfalls in großem Umfang erwischt wurde). Darüber hinaus stellte „Dirty Bubble Media“ fest, dass die Führung von „Tether“ auch hohe Geldstrafen für Lügen über den Zustand ihrer Reserven, die angeblich von „Deltec“ gehalten werden, gezahlt hat. Darüber hinaus waren der CFO und der CEO von „Tether“ „in eines der größten Mehrwertsteuerhinterziehungsprogramme in der europäischen Geschichte“ verwickelt. 

Wie bereits erwähnt, war „Alameda Research“ auch maßgeblich an Chalopins „Deltec Bank and Trust“ beteiligt, ebenso wie andere Unternehmen, die mit dem „FTX“-Netz und Sam Bankman-Fried verbunden sind. Diese Verbindungen zwischen dem FTX-Netz und Deltec bestanden bereits zum Zeitpunkt der geheimnisvollen Investition von „Alameda“ in „FBH Corp/Moonstone Bank“. Aus Dokumenten, die von John Ray, dem nach dem Konkurs von „FTX“ neu ernannten CEO, vorgelegt wurden, geht hervor, dass „FTX“ und verbundene Unternehmen/Tochtergesellschaften insgesamt 17 Konten bei Deltec hatten. Die meisten dieser Konten gehörten zu „Alameda Research“ und „West Realm Shires Services“, die beide letztlich von Sam Bankman-Fried kontrolliert wurden. Diese 17 Konten wurden Berichten zufolge in einer Vielzahl von Währungen geführt, darunter US-Dollar, Euro, Schweizer Franken, kanadische und australische Dollar sowie das britische Pfund Sterling. In den letzten Wochen kursierten Gerüchte, dass „FTX“ aufgrund seiner Verbindungen zu Deltec in der Lage war, „Ansbacher“, eine andere auf den Bahamas ansässige Bank, zu Beginn dieses Jahres zu übernehmen. Deltec hat diese Behauptungen jedoch vehement zurückgewiesen. „Deltec“ hat es insbesondere auch abgelehnt, sich zu Einzelheiten seiner Beziehungen zu Unternehmen zu äußern, die von Sam Bankman-Fried kontrolliert werden oder mit „FTX“ in Verbindung stehen. Die Verbindung zwischen „Deltec“ und „Tether“ und die Verbindung zwischen „Deltec“ und „FTX/Alameda“ scheinen auf ein Muster für das von Chalopin geführte „Deltec“ hinzudeuten. Diese Verbindungen lassen auch darauf schließen, warum Chalopin versuchen würde, die „Farmington/Moonstone Bank“ von jemandem wie Archie Chan zu erwerben.

Unabhängig von der wahren Geschichte hinter der Umwandlung von „Farmington“ in „Moonstone“ und der Entscheidung von „Alameda“, kurz darauf in die Bank zu investieren, stieg die Höhe der von der Bank gehaltenen Einlagen nach diesen Entwicklungen erheblich an. Wie „Protos“ feststellte, meldete die Bank im dritten Quartal 2022 Einlagen in Höhe von 84 Mio. USD, nachdem sie jahrzehntelang ständig Einlagen in Höhe von 10 Mio. USD ausgewiesen hatte. 71 Millionen Dollar dieser Einlagen stammten von nur vier neuen Konten.

Der „Protos“-Bericht kommt zu folgendem Schluss: 

Niemand ist in der Lage festzustellen, wofür die 11,5 Millionen Dollar Investition von Alameda Research verwendet wurde, niemand kann erklären, warum eine kleine, ländliche Bank im Südosten des Staates Washington von Alameda benutzt wurde, um Millionen von Dollar zu bewegen, und niemand kann die Verbindungen zwischen Farmington, Deltec, FTX/Alameda und Tether vollständig erklären. Ganz zu schweigen davon, dass nach wie vor unklar ist, wie ein auf den Bahamas ansässiges Unternehmen wie FTX, gegen das laufende Ermittlungen der obersten Finanzaufsichtsbehörden laufen, eine Beteiligung an einer staatlich zugelassenen Bank erwerben konnte.

Diese Punkte wurden auch von der „New York Times“ angesprochen, die Camden Fine, einen Berater der Bankbranche, mit den Worten zitierte: 

Die Tatsache, dass ein Offshore-Hedgefonds, der im Grunde eine Kryptofirma war, einen Anteil an einer winzigen Bank für ein Vielfaches des angegebenen Buchwerts kaufte, hätte bei der F.D.I.C., den staatlichen Aufsichtsbehörden und der Federal Reserve massive Alarmglocken schrillen lassen müssen … Es ist einfach erstaunlich, dass all dies genehmigt wurde.

Moonstone und die „Brücke“ zu den CBDCs

Nur wenige Wochen vor der Implosion von „FTX“, Ende Oktober, ging die „Moonstone Bank“ eine Partnerschaft mit einem wenig bekannten Unternehmen namens „Fluent Finance“ ein, um „die Einführung von Kryptowährungen durch die Ausgabe von US+ Stablecoin zu beschleunigen“. Diese Partnerschaft soll es „Fluent und der Moonstone Bank ermöglichen, das traditionelle Finanzsystem mit der aufstrebenden Web-3-Wirtschaft zu verbinden.“ 

„Fluent Finance“ hat drei Mitbegründer: Bradley Allgood, Oliver Gale und Jaime Plata. Obwohl Allgood oft als das Gesicht des Unternehmens dargestellt wird, sind es Gale und Plata, die die meiste Aufmerksamkeit verdienen. Oliver Gale ist der selbsternannte „Erfinder“ der Zentralbank-Digitalwährung (CBDC), denn er war der Vordenker des „Eastern Caribbean Digital Dollar“. Berichten zufolge verließ Gale das Programm aufgrund des „ideologischen Wandels“ hin zu einem „Permissioned Blockchain“-Modell, das den Zentralbanken eine nie dagewesene Kontrolle über das von ihnen gedruckte Geld ermöglicht. Heute jedoch ist Gale trotz seiner Befürwortung des Datenschutzes „nicht gänzlich gegen CBDCs, vorausgesetzt, sie laufen auf einer Infrastruktur, die ihre Nutzer nicht gefährdet“. In Artikeln wurde Gales Einfluss auf wichtige CBDC-Papiere erwähnt, die von den mächtigsten Finanzinstituten und Zentralbanken der Welt unterstützt werden, wie z. B. die vom CBDC-Think Tank veröffentlichten Papiere. Jaime Plata hat als „strategischer Berater“ für die Zentralbank der Ostkaribik gearbeitet, wo er an Gales Digital-Dollar-Projekt mitwirkte, indem er der Bank half, „ihre Kernbankanwendung zu ersetzen, CBDCs und ein Echtzeit-Bruttoabrechnungssystem zu integrieren“.

Der US+ Stablecoin von „Fluent Finance“ soll „als technologische Brücke fungieren, die alte [z. B. bestehende] Bankensysteme mit dem digitalen Finanzwesen verbindet.“ Es wird offen damit geworben, dass er mit CBDCs kompatibel ist und über „eingebaute digitale Identitätsstandards“ verfügt. 

Es ist sicherlich interessant, dass zwei Bankunternehmen, die mit Jean Chalopin verbunden sind, „Deltec“ und „Moonstone“, beide enge Partnerschaften mit Dollar-basierten Stablecoins, „Tether“ und jetzt US+, haben. Wenn „Tether“ im Zuge des Zusammenbruchs von „FTX“ aufgelöst wird, wie einige glauben, scheint US+ das „vertrauenswürdige“ Gegenstück zu sein, das das „alte“ Finanzsystem in die CBDC-Ära treiben soll, in der die Zentralbanken die totale Kontrolle haben werden. Dies könnte jedoch ein Schachzug gewesen sein, der darauf abzielte, die ultimativen Ambitionen von Sam Bankman-Fried für „FTX“ zu erfüllen, nämlich „FTX“ zur „Alles-Börse“ und zur „Alles-App“ zu machen. Mit anderen Worten: „FTX“ wollte die wichtigste Kraft im Fintech-Bereich weltweit werden. 

Während solche Träume im Zuge der Implosion von „FTX“ zerplatzt sind, führten die Bemühungen der Börse, in jede Anlageklasse zu expandieren, unweigerlich zu einer Expansion durch ein labyrinthisches Netzwerk, das erst allmählich enträtselt wird. Wie diese Untersuchung jedoch zu zeigen versucht hat, zeigen die Verbindungen, die sich aus der Beziehung zur „Farmington State Bank“ ergeben, dass die korrupten Akteure und Einrichtungen in dieser Geschichte weit über Bankman-Fried und „FTX“ hinausgehen.

Dr. Peter McCullough: Die Covid-„Impfstoffe“ sind ein US-Militärprogramm

Im Jahr 2012 begann die DARPA, die Forschungsabteilung des US-Militärs, in genkodierte Impfstoffe zu investieren, um eine Pandemie innerhalb von 60 Tagen zu stoppen. „Das Militär kam auf die Idee mit den Boten-RNA-Impfstoffen, nicht Pfizer oder Moderna – und auch nicht in Warp-Geschwindigkeit“, erklärt Dr. McCullough. „Dies ist ein militärisches Programm.“

„Die Genehmigung für den Notfalleinsatz ist ein Mechanismus, um neue Technologien schnell ins Militär zu bringen. Es ist kein Mechanismus für die Öffentlichkeit. Die erste breite Anwendung für die Öffentlichkeit erfolgte im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie. Das ist der Grund, warum die FDA anscheinend keine Verantwortung dafür hat und nicht darauf reagieren kann – weil es sich um ein Militärprogramm handelt. Es hat einen militärischen Ursprung.“

Dr. Peter McCullough ist praktizierender Internist und Kardiologe und einer der prominentesten Kritiker der Covid-19-Reaktion. Er ist außerdem wissenschaftlicher Leiter von The Wellness Company.

Der obige Text ist ein Auszug aus einem Vortrag, den Dr. McCullough am 29. November 2022 auf einer Veranstaltung der Vaccine Safety Research Foundation („VSRF“) in Dallas hielt. Bei dieser Veranstaltung sprach auch der britische Kardiologe Dr. Aseem Malhotra.

Dr. Malhotra war ein früher Befürworter von Impfstoffen, der später durch den Tod seines Vaters, eines bekannten britischen Arztes, die Gefahren von Covid-Injektionen erkannte. Dr. Malhotra und Dr. McCullough kamen auf unterschiedlichen Wegen zu denselben Schlussfolgerungen. 

Anfang 2020, noch vor Abschluss der klinischen Versuche, stellte Dr. McCullough in einem in The Hill veröffentlichten Meinungsartikel mit dem Titel „The Great Gamble of the Covid-19 Vaccine Development“ die biologischen Grundlagen und die Sicherheit der mRNA-Technologie infrage.

Als er am 19. November 2020 im US-Senat direkt unter Eid zu seiner Reaktion auf die Pressemitteilung von Pfizer über die klinischen Studien befragt wurde, gab Dr. McCullough „keinen Kommentar“ ab. In den ersten Monaten der Impfkampagne war er zurückhaltend, doch als sich die Todesfälle kurz nach der Injektion häuften, konnte er im Spätwinter 2021 nicht mehr schweigen. 

Dr. Malhotra beschreibt in seinem Vortrag auf schmerzhafte Weise seinen Weg der emotionalen Verzweiflung, den Verlust seines Vaters und des letzten verbliebenen Familienmitglieds ersten Grades und seine unerbittliche Suche nach der Wahrheit, die in der Veröffentlichung von zwei Analysen gipfelte, die zu dem Schluss kamen, dass alle Covid-Injektionen weder sicher noch wirksam genug sind, um weiterhin verwendet zu werden.

  • Die Pandemie der Fehlinformationen über COVID-19 mRNA-Impfstoffe durch echte evidenzbasierte Medizin heilen – Teil 1, Journal of Insulin Resistance, Aseem Malhotra, 10. Juni 2022
  • Die Pandemie der Fehlinformationen über COVID-19-mRNA-Impfstoffe durch echte evidenzbasierte Medizin heilen – Teil 2, Journal of Insulin Resistance, Aseem Malhotra, 10. Juni 2022

Zusammen haben die beiden Kardiologen Hunderte von wissenschaftlichen Berichten und Stellungnahmen veröffentlicht und Tausende von Vorträgen und Reden gehalten. Beide haben berufliche Repressalien erlitten, weil sie die Wahrheit gesagt haben. „Wir liegen mit diesen Schlussfolgerungen nicht falsch“, sagte Dr. McCullough.

Sie können sich die vollständigen Präsentationen der VSRF-Veranstaltung in Dallas unten ansehen. Wenn Sie keinen Zugang zu Rumble haben, können Sie sie auch auf Odysee HIER ansehen.

Und täglich droht die Pandemie

Und täglich droht die Pandemie

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.Mit der Inszenierung der „Covid-19-Pandemie“ soll sich der Vorhang für das Pandemie-Theater eines ganzen Jahrzehnts geöffnet haben. Während SARS-CoV2 möglichst lautlos von der Bühne gezogen wird und „Covid-19“ bereits unauffällig aus der Liste der ansteckendsten Infektionskrankheiten gestrichen wurde, warten die neuen Erreger-Stars schon hinter den Kulissen. Wie „Covid-19“ gezeigt hat, braucht man dafür gar keine […]

Der Beitrag Und täglich droht die Pandemie erschien zuerst unter tkp.at.

Einer wissenschaftlichen Studie zufolge verursachte Großbritannien zwischen 1880 und 1920 etwa 165 Millionen Tote in Indien

British Empire Killed 165 Million Indians in 40 Years: How Colonialism Inspired Fascism

„Der Wirtschaftsanthropologe Jason Hickel und sein Co-Autor Dylan Sullivan veröffentlichten in der angesehenen Fachzeitschrift World Development einen Artikel mit dem Titel „Capitalism and extreme poverty: Eine globale Analyse der Reallöhne, der menschlichen Größe und der Sterblichkeit seit dem langen 16. Jahrhundert“.

In dem Bericht schätzten die Wissenschaftler, dass Indien zwischen 1880 und 1920 durch den britischen Kolonialismus 165 Millionen zusätzliche Todesfälle erlitt.“

Wie in einer Diktatur: Wer gegen die Regierung ist, soll Angst haben!

Der Vollblutjournalist Julian Reichelt hält Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) wegen ihrer ideologischen Amtsführung für „die gefährlichste Ministerin der ‚Ampel‘-Regierung“. Warum er Gefahren wie in einer Diktatur sieht, erläutert der Ex-„Bild“-Chef bei „Achtung, Reichelt“ auf YouTube.

Reichelt ist ein großer Fan der Country-Legende Johnny Cash. Der singt in einem seiner letzten Songs: „The hairs on your arm will stand up…“ Diese Regierung wird immer mehr zum Fürchten!

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Teil II: Sergej Lawrow auf Pressekonferenz: „… EU setzt koloniale Methoden ein!“

Fortsetzung von Teil I:

 

Sergej Lawrow zur Presse in Moskau – Fortsetzung von Teil I: 

„… warten bis die Zurechnungsfähigen wiederkommen!“

Frage: Können Sie sich zu den kontroversen Äußerungen des armenischen Premierministers Nikol Paschinjan zum armenisch-aserbaidschanischen Friedensvertrag und zu Berg-Karabach äußern? Zuvor machte er die Ansage, dass Arzach zu Armenien gehöre – keine Diskussion. Er rief dazu auf, die Bevölkerung von Karabach an den Verhandlungstisch zwischen der armenischen und der aserbaidschanischen Seite zu bringen. Nach dem Gipfeltreffen im Oktober in Prag sagte er, Eriwan und Baku könnten ein Abkommen schließen, ohne Berg-Karabach zu erwähnen. Am 31. Oktober, unmittelbar vor dem Gipfeltreffen in Sotschi, erklärte die armenische Regierung, sie unterstütze die russischen Vorschläge für einen Friedensvertrag, der nach ihrem Verständnis eine Verschiebung der Entscheidung über den Status von Berg-Karabach „auf einen späteren Zeitpunkt“ beinhalte. Nach dem Treffen in Sotschi wurden Forderungen an Moskau gestellt, die russischen Vorschläge zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Armenien und Aserbaidschan zu bekräftigen, als ob Russland einen Rückzieher gemacht hätte.

Sergej Lawrow: Sie haben die Abfolge der Ereignisse genau beschrieben. Wir haben 2012 Vorschläge gemacht; falls diese Vorschläge angenommen worden wären, hätte man dieses Problem ein für alle Mal lösen können. Damals entstand die Idee, eine Entscheidung über den Status von Karabach „auf später“ zu verschieben. Das Konzept war einfach: Die Armenier würden die fünf aserbaidschanischen Bezirke um Karabach aufgeben und die beiden Bezirke, die Armenien mit Karabach verbinden, behalten. Die Zukunft dieser beiden Bezirke (niemand bestritt, dass sie zu Aserbaidschan gehörten) sollte in Verbindung mit der Entscheidung über den Status von Karabach festgelegt werden. Dies war das erste Mal, dass die Idee, die Statusfrage „auf später“ (für die nächsten Generationen) zu verschieben, erwähnt wurde.

Im Herbst 2020 befand sich die Region im Krieg. Die Feindseligkeiten wurden in der Phase der Vorgespräche ausgesetzt. Es wurden trilaterale Erklärungen vorbereitet und drei trilaterale Gipfeltreffen abgehalten: zwei in Moskau und eines in Sotschi. Die Teilnehmer sprachen auch über die Notwendigkeit, einen politischen Prozess einzuleiten. Man war sich einig, dass der Status von Karabach „auf später“ verschoben werden könnte. Auf dieser Grundlage schlug Russland seine Version des Friedensvertrags vor, die den Parteien im Frühjahr übermittelt wurde. Und sie enthielt diese Klausel. Die aserbaidschanische Seite erklärte, sie sei bereit, fast alles zu unterstützen, aber die Statusfrage müsse weiter diskutiert werden.

Ende Oktober 2022 trafen wir uns in Sotschi. Wir wollten auf dieses Thema zurückkommen und herausfinden, ob unsere Partner bereit wären, auf der Grundlage eines Gentleman’s Agreement zu handeln – die anderen Fragen zu lösen, aber den Status von Karabach „auf später“ verschieben zu lassen. Präsident Ilham Aliyev und Premierminister Nikol Paschinjan brachten dasselbe Dokument aus Prag mit nach Sotschi, in dem sie erklärten, dass sie einen Friedensvertrag unterzeichnen wollten, der sich an der UN-Charta und der Alma-Ata-Erklärung von 1991 über die Gründung der GUS orientiere. In dieser Erklärung heißt es eindeutig, dass die Grenzen zwischen den neuen Staaten auf den Verwaltungsgrenzen zwischen den Republiken der ehemaligen Sowjetunion beruhen sollen, wobei die Autonome Region Berg-Karabach ausdrücklich Teil der Aserbaidschanischen SSR sei. Und jetzt, nach der Unterzeichnung dieses Abkommens, verlangen unsere armenischen Kollegen von uns, die russischen Vorschläge zum Status von Karabach zu bekräftigen. Das folgt definitiv einer anderen „Praxis“, nicht jedoch den Regeln klassischer Verhandlungen.

Frage: Papst Franziskus hat wiederholt Vermittlungsvorschläge gemacht und seine Bereitschaft bekundet, Friedensgespräche zwischen Moskau und Kiew zu vermitteln. Zugleich betont der Heilige Stuhl die Notwendigkeit langfristiger Lösungen und sinnvoller Zugeständnisse beider Seiten. Was bedeutet das für Sie, wenn es um Zugeständnisse geht? Welche Rolle könnten Italien, Frankreich und Deutschland in diesem Zusammenhang spielen? Oder hängt von diesen europäischen Ländern nichts mehr ab?

Sergej Lawrow: Papst Franziskus hat seine Dienste schon seit einiger Zeit öffentlich angeboten. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat in regelmäßigen Abständen ähnliche Erklärungen abgegeben. Sogar der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz sagte, er werde weiterhin mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sprechen. In den vergangenen zwei Wochen hat Emmanuel Macron wiederholt erklärt, er wolle mit Wladimir Putin sprechen. Das kam ziemlich unerwartet, da wir vor diesen Äußerungen keinerlei Signale über diplomatische Kanäle erhalten hatten. Die Franzosen haben die Angewohnheit, ihre Diplomatie extrem öffentlich zu machen. Wir haben erwartet, dass er anruft, falls er dies wirklich beabsichtige. Vor einigen Tagen wurde er von Reportern erneut danach gefragt, und er sagte, er werde nicht versuchen, Wladimir Putin zu kontaktieren, bevor er nach Washington gereist sei. Daraus schließen wir, dass der französische Präsident nicht nur über die Schwächung der europäischen Wettbewerbsverhältnisse sprechen wolle, sondern auch über die ukrainische Frage.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat wiederholt erklärt, dass er sowohl mit Wladimir Putin als auch mit Wolodymyr Selenskyj gesprochen hätte. Abgesehen vom Heiligen Stuhl habe ich von Italien als Land noch keine Initiativen gehört. Mein Kollege Antonio Tajani – wir haben uns noch nicht in seiner jetzigen Funktion als (italienischer) Außenminister getroffen – schlägt einige Ideen für Lösungen vor. Aber niemand schlägt etwas Konkretes vor.

Wir haben die Vorschläge der Ukraine am 29. März ausführlich diskutiert; wir haben sie akzeptiert, aber Kiew wurde untersagt, sie umzusetzen. Sie (USA) meinten, sie müssten Russland noch mehr erschöpfen bzw. noch mehr Waffen an Europa verkaufen, damit dieses seine eigenen Waffen an die Ukraine abgeben könne.

Papst Franziskus ruft zu Gesprächen auf, aber er hat kürzlich auch eine verwirrende, sehr unchristliche Aussage gemacht. Das Oberhaupt des Vatikans bezeichnete zwei ethnische Gruppen in der Russischen Föderation als „Kategorie“, die dazu neigten, bei Feindseligkeiten Gräueltaten zu begehen. Das russische Außenministerium, die Republik Burjatien und die Tschetschenische Republik reagierten darauf. Der Vatikan stellte fest, dass sich dies nicht wiederholen werde. Es handele sich um ein Missverständnis. Solche Dinge sind nicht hilfreich; sie stärken auch nicht den Einfluss des Heiligen Stuhls.

Sie haben nach möglichen Zugeständnissen gefragt. Als wir im Dezember 2021 unsere Vorschläge formulierten (einen Entwurf für ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten und ein Abkommen mit der NATO), sind wir diese beiden Dokumente in gutem Glauben angegangen. Wir haben keine Giftpillen“ in diesen Dokumenten platziert. Hätten wir das getan, hätte der erste Absatz verlangt, dass die NATO sich selbst aufzulösen und die Vereinigten Staaten ihre Truppen aus Europa abzuziehen hätten – angefangen mit den taktischen Atomwaffen, die derzeit in Italien, Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Türkei stationiert sind. Das wäre eine „Giftpille“ gewesen.

Wir haben versucht, fair zu bleiben. Wir haben versucht, eine Lösung zu finden, die auch den Amerikanern und der NATO gerecht würde. Wir haben versucht, die aktuelle Situation mit den Augen unserer westlichen Kollegen zu betrachten. So sind diese Dokumente zustande gekommen. Sie schienen faire Vorschläge zu enthalten und stützten sich auf wiederholte Zusicherungen. Insbesondere schlugen wir eine Rückkehr zur militärischen Konfiguration von 1997 vor, als die NATO im Rahmen der NATO-Russland-Grundakte vereinbart hatte, auf die Stationierung umfangreicher Kampftruppen im Hoheitsgebiet neuer Mitglieder zu verzichten.

In Istanbul schlugen die Ukrainer eine Einigungsoption vor. Wir akzeptierten sie und machten dabei einen angemessenen Anteil an Zugeständnissen. Es ging um die Situation „vor Ort“ in diesem speziellen Moment. Man könnte weiter darüber phantasieren, wer was vorzuschlagen hätte. Ich möchte betonen, dass unsere Vorschläge vom Dezember 2021 keine Giftpillen enthielten, die abgelehnt werden sollten. Unserer Ansicht nach boten sie einen Ausgleich der Interessen.

Frage: Wie Sie gerade in Ihren einleitenden Worten sagten, ist einer der Gründe für die Spezial Militär Operation in der Ukraine der Wunsch, die russischsprachige Bevölkerung zu schützen. Wie rechtfertigen Sie die Raketenangriffe auf die Zivilbevölkerung und Infrastruktur, die den Menschen den Zugang zu Wasser und Strom entzieht, auch im Gebiet von Cherson, das Russland als sein Territorium betrachtet?

Sergej Lawrow: Die Stadt Stalingrad war unser Territorium. Wir haben die Deutschen so sehr geschlagen, so dass sie von dort weggelaufen sind. Das russische Verteidigungsministerium und Militärexperten (aus Russland, den USA und anderen NATO-Ländern) weisen darauf hin, dass Russlands militärische Sonderoperation von Anfang an so durchgeführt wurde, dass die negativen Folgen für die Zivilbevölkerung und die angegriffene Infrastruktur möglichst geringgehalten würden. Es ist kein Geheimnis, dass die Infrastruktur das Kampfpotenzial der Streitkräfte der Ukraine und der nationalistischen Bataillone liefert. Die Angriffe werden mit hochpräzisen Waffen durchgeführt: Energieanlagen, von denen das Funktionieren der ukrainischen Streitkräfte abhängen, und die Lieferung einer riesigen Menge von Waffen, die der Westen in die Ukraine pumpt, um Russen zu töten, werden außer Gefecht gesetzt.

Der Westen möchte Russland auf dem Schlachtfeld besiegen

Kürzlich sagte einer der europäischen Politiker, dass es notwendig sei, Waffen zu liefern, die in der Lage sind, Objekte tief im russischen Hoheitsgebiet zu „erreichen“. Das können wir alle sehen. Wir sind nicht beeindruckt von dem Gerede, der Westen sei an einer friedlichen Lösung interessiert. Der Westen hat öffentlich verkündet, dass sie Russland nicht nur „auf dem Schlachtfeld“ besiegen, sondern als Akteur vernichten möchten. Einige halten sogar Sonderkonferenzen ab, auf denen darüber nachgedacht wird, in wie viele Teile unser Land aufgeteilt werden soll und wer welchen Teil davon kontrollieren würde.

Wir legen Energieanlagen lahm, die es ermöglichen, die Ukraine mit tödlichen Waffen zu versorgen, um Russen zu töten. Es ist nicht nötig zu sagen, dass die USA und die NATO in diesen Krieg verwickelt sind. Sie sind direkt beteiligt, nicht nur durch die Lieferung von Waffen, sondern auch durch die Ausbildung von Personal. Das militärische Personal wird im Vereinigten Königreich, in Deutschland, Italien und anderen Ländern ausgebildet. Darüber hinaus arbeiten Hunderte von westlichen Ausbildern (ihre Zahl steigt) direkt „vor Ort“ und zeigen dem ukrainischen Militär, wie man mit den gelieferten „Dingen“ umgeht. Erwähnenswert ist auch eine sehr große Zahl von Söldnern.

Nachrichtendienstliche Daten, einschließlich des gesamten zivilen Starlink-Satellitensystems, wurden genutzt, um Ziele für das ukrainische Militär zu identifizieren. Sie werden auch über andere Kanäle übermittelt. Die überwiegende Mehrheit der Ziele, welche die Nazis ukrainischer Bataillone und die Streitkräfte der Ukraine angreifen, wird von westlichen Kuratoren und ihren Regimestützen vorgegeben. Darüber müssen Sie offen schreiben: Es gibt genügend Fakten.

Wir verwenden hochpräzise Waffen zur Zerstörung von Infrastruktureinrichtungen, welch die militärischen Operationen der ukrainischen Streitkräfte begünstigen.

In den sozialen Netzwerken, wie Telegram und anderen finden Sie die Meinungen von Experten, die nicht in Worten, sondern anhand von Fakten die Unterschiede zwischen dieser Militäroperation und anderen aufzeigen, welche die Vereinigten Staaten in Jugoslawien, im Irak, in Afghanistan und die Franzosen in Libyen ausführten.

Ein Mitarbeiter des Zielerfassungszentrums der Kampagne gegen Jugoslawien im Jahr 1999 berichtete, wie anlässlich eines Treffens eine Woche nach Beginn der Aggression bekannt wurde, dass alle militärischen Ziele zerstört wären, wobei zwei vom jugoslawischen Militär genutzte Brücken übrig blieben. Doch, auch Sie wurden zerstört. Sie begannen sich zu fragen, was sie noch tun könnten. Es stellte sich heraus, dass es noch Dutzende weitere zivile Brücken gab, die nicht vom Militär genutzt wurden. Auch sie wurden bombardiert. Eine Brücke wurde zerstört, als ein Personenzug sie gerade überquerte: Es war kein „Kollateralschaden,“ aber einfach nur der Angriff auf ein ziviles Objekt. Als das Gebäude und der Turm des Fernsehzentrums in Belgrad bombardiert wurden, erklärte man, dass das Fernsehen Propaganda ausstrahle und die Moral der jugoslawischen Armee stütze.

Die Logik ist dieselbe wie heute in Frankreich, wo man auf Anordnung von Präsident Emmanuel Macron die Akkreditierung von Russia Today und Sputnik für eine Pressekonferenz im Elysee-Palast verweigert. Der französische Präsident hat persönlich gesagt, dass sie nicht zugelassen würden, weil es sich nicht um Massenmedien, sondern um Propagandamedien handle. Ich hoffe, dass der Westen die Hauptquartiere und Büros von Russia Today und Sputnik in Europa nicht angreifen wird, so wie er das Fernsehzentrum in Jugoslawien bombardiert hat.

Siehe Afghanistan: Ein Anschlag auf eine Menschenmenge. Anschliessend stellte sich heraus, dass 200 Menschen auf dem Weg zu einer Hochzeit waren. Russland ist nicht Vertragspartei des Römischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs. Die Amerikaner sind es auch nicht, aber sie „animieren“ diese Organisation auf jede erdenkliche Art und Weise, um Verfahren gegen diejenigen zu eröffnen, welche die Vereinigten Staaten für schlecht ansehen.

Vor ein paar Jahren beschloss der Internationale Strafgerichtshof plötzlich zu untersuchen, was die Amerikaner in Afghanistan anrichteten und wie sie sich dort verhielten. Es gab eine große Anzahl von Berichten, dass Australier, Briten und Amerikaner Kriegsverbrechen begangen hätten. Die australische Regierung wartet immer noch auf die Nachweise von den Beteiligten, um ihre Unschuld nachzuweisen.

Als der ICC (Internationale Strafgerichtshof in Den Haag) einst nur daran dachte, ein Verfahren zur Untersuchung von US-Kriegsverbrechen in Afghanistan einzuleiten, zögerte Washington nicht, Ankläger und Richter Sanktionen anzudrohen, während der ICC das Vorkommnis unter den Teppich wischte.

Wir sind bereit, darüber zu diskutieren, wie man Kampfhandlungen unter modernen Bedingungen führen sollte. Überlassen wir das den Profis. Wir werden nicht versuchen, unhaltbare Erklärungen abzugeben, nur um dem Publikum zu gefallen, indem wir nur eine Person für alles verantwortlich machen und darüber vergessen, dass es viel ernstere Situationen gibt, die alle ignorieren, einschließlich die Medien, welche in der Russischen Föderation arbeiten oder über die Geschehnisse in Russland berichten.

Der ukrainische Staatsstreich 2014 mit Hilfe westlicher Dienste

Im Jahr 2013 gab es Unruhen auf dem Maidan, und 2014 kam es trotz der unter Vermittlung der Europäischen Union erzielten Einigung zu einem Staatsstreich. Wir hatten gewarnt, dass die dann an die Macht kamen und sich zum Ziel setzten, die Russen von der Krim zu verjagen und die russische Sprache zu verbieten, eine echte Bedrohung darstellen, und zur Räson gebracht werden müssten. Niemand hat „einen Finger gerührt“. Dann kam der Krieg und die von der Europäischen Union garantierten Minsker Vereinbarungen wurden unterschrieben, doch wieder tat niemand etwas. Weder P. A. Poroschenko noch W. A. Selenskyj machte Anstalten sie zu implementieren. Sie sagten nur, dass sie vergeblich auf Atomwaffen verzichtet hätten, dass sie die Krim zurückhaben wollten und dass sie mit der Unterzeichnung der Minsker Abkommen Zeit gekauft hätten, um Waffen zu erhalten, um alles mit militärischer Gewalt zu lösen.

Wir appellierten an Berlin, Paris und Washington, um das Kiewer Regime, welches sie kontrollieren, zur Vernunft zu bringen und unverblümte Rassisten zu zwingen davon abzulassen. Es gab keine Reaktion. Wir haben über Jahre versucht ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Doch jetzt machen die Medien viel Lärm, als hätten sie nicht mitgekriegt, was in der Ukraine nach Abschluss der Minsker Vereinbarungen alles ablief, so als hätten sie alle unsere Aufrufe zur Besonnenheit niemals gehört.

Vergleichen Sie die heutige Hysterie, die Medien versuchen aufzuzwingen, mit jener zum Geschehen, als die Vereinigten Staaten den Irak bombardierten. Die Amerikaner hatten nicht jahrelang geklagt, dass englische oder Hollywood-Filme im Irak verboten wären: Sie griffen nur zu einem Reagenzglas und sagten, der Irak produziere biologische Waffen. Doch, sie bombardierten ein Land, das sie nicht bedrohte und nicht direkt an der Grenze zu den USA liegt, aber zehntausend Meilen entfernt. Sie taten es, weil sie glaubten es machen zu können. Es entspricht genau der Regel, nach der ihre Weltordnung errichtet ist. Im Fall von Russland ist es der Versuch, unsere legitimen Interessen nach internationalem Recht zu vertreten, doch nicht nach amerikanischen Vorstellungen.

Was machte Libyen falsch?

Was machte Libyen falsch? Seine Sünde war, dass einer der europäischen Führer oder einer der Nachbarn Gaddafi nicht mochte. Das Land lebte „glücklich und zufrieden“, genau wie der Irak. Bei aller Strenge unter ihren autokratischen Regimen war die wirtschaftliche und soziale Lage zu deren Zeit unvergleichbar besser. Es gab keine Millionen an Flüchtlingen aus dem Irak, Afghanistan oder Libyen nach Europa. Hatte damals jemand vergessen darüber nachzudenken? Als Kirkuk im Irak und Ar-Raqqa in Syrien dem Erdboden gleichgemacht wurden, blieben wochenlang Dutzende von Leichen liegen. Alle Überlebenden sind von dort nur weggelaufen.

Man gewinnt den Eindruck, dass die westliche Propaganda nur dann ihre Alarmglocken läuten lässt, wenn Menschen leiden, die dem Westen ihre Treue geschworen hatten. Der Westen benützt sie als Werkzeuge für seine geopolitischen und militärischen Ziele. In diesem Fall sind es die Ukrainer.

Der Westen hat im Irak, in Libyen, in Syrien oder in Afghanistan eine unermesslich höhere Zahl an Arabern bzw. Afghanen getötet. Ich kann mich nicht erinnern, dass man sich um die Zivilbevölkerungen dort grosse Sorgen gemacht hätte. Ist es so, dass es sich dort nur um Menschen der zweiten, dritten und vierten Klasse handle? Und die Ukrainer, die sich als Nachfahren der alten Römer betrachten, verdienen offenbar einen besonderen Schutz von westlichen Institutionen und Organisationen.

Ich bedauere und sorge mich um jedes Menschenleben, vor allem wenn es durch militärische Operationen und Schäden an der zivilen Infrastruktur verloren geht. Lassen Sie uns dieses Problem ehrlich und ohne Doppelmoral angehen.

Westliche Politikwissenschaftler und Spezialisten für Kriegsführung haben viele Informationen, Statistiken und Argumente zu ihrer Verfügung: Sie wissen, wo Kriegsführung rücksichtslos und ohne Zurückhaltung geführt wird und wo Streitkräfte versuchen, sich so weit wie möglich zurücknehmen, um Schäden an der Zivilbevölkerung und zivilen Infrastruktur so klein wie möglich zu halten.

Frage: Russland und die Vereinigten Staaten haben die wichtigsten Ziele der Rüstungsreduzierung im Rahmen von START‑3 im Jahr 2018 erreicht. Fünf Jahre sind vergangen – ist es da nicht an der Zeit für ehrgeizigere Schritte zur Reduzierung strategischer Offensivwaffen? Welche Schritte erwartet Russland in dieser Beziehung von den Vereinigten Staaten, wenn überhaupt?

Sergej Lawrow: Das ist keine Frage für mich. Es lag nicht an uns, dass es zu einer Verzögerung der Verhandlungen über mögliche neue Vereinbarungen im Bereich der Begrenzung strategischer Offensivwaffen – „post-START“ – gekommen ist. Verhandlungen haben stattgefunden. Die erste Runde fand im Juli statt, die zweite im September 2021. Die Positionen waren diametral entgegengesetzt. Die Amerikaner wollten unseren 2018 angekündigten neuen Waffentypen – vor allem fünf Hyperschallwaffensystemen – Vorrang einräumen. Wir haben das nicht völlig zurückgewiesen. Wir stimmten zu, dass zwei dieser fünf Systeme (Sarmat und Avangard) durchaus in den bestehenden START-3-Vertrag von 2010 integriert werden könnten. Andere Systeme fielen allerdings nicht unter die in diesem Dokument festgelegten Parameter. Wir haben unsere Bereitschaft bekundet, weitere mögliche Schritte zur Rüstungskontrolle unter Berücksichtigung unserer neuen Systeme zu besprechen, unter der Annahme, dass die russische Seite von den Amerikanern ebensolche Schritte in Annäherung an ihre Positionen erwartet.

Auf der Sitzung im September 2021 konnten sich die Verhandlungsführer darauf einigen, dass die weiteren Arbeiten im Rahmen von zwei Expertengruppen durchgeführt werden: Die eine soll ermitteln, welche Waffentypen strategischer Natur sind und zur Erreichung strategischer Ziele eingesetzt werden können. Dies ist für uns eine grundsätzliche Frage. Wir haben vorgeschlagen, dass wir die Definition des Gegenstandes eines zukünftigen Vertrages systematisch angehen und nicht unter dem Gesichtspunkt, etwas Neues darin aufzunehmen. Zunächst müssen wir analysieren, was wir und die USA an wirklich strategischem Material haben, sei es nuklear oder nicht nuklear. Das amerikanische System „Prompt Global Strike“ ist nicht nuklear, aber es ist noch effektiver bei der Erreichung militärischer Ziele. Man muss ein Gleichgewicht halten, wenn etwas Neues auftaucht. Wir sind übereingekommen, dass sich Experten zusammensetzen und ehrlich darüber nachdenken werden, um etwas auszuarbeiten und dem entspricht, was Wladimir Putin die „Sicherheitsgleichung“ nennt.

Westen versucht alles, um seine Kriegsbeteiligung auszubauen

Im Jahr 2021 hat uns COVID-19 nicht daran gehindert, zwei recht nützliche Treffen abzuhalten. Aber nach dem September zeigten die Amerikaner keine Lust mehr auf eine Fortsetzung. Das war lange vor dem Beginn der militärischen Sonderoperation. Es ist schwer zu beurteilen, was die Ursache dafür war. Entgegen allen Intentionen und Absichten ist die Verantwortung Russlands und die der Vereinigten Staaten als die beiden (zu diesem Zeitpunkt) größten Atommächte nicht verschwunden. Es gibt eine gemeinsame Erklärung der Präsidenten vom Juni 2021, dass ein Atomkrieg von niemandem gewonnen werden könne, sodass man ihn auch nicht entfesseln dürfe. Es gibt eine entsprechende ähnliche Erklärung der Führungen der fünf Atomwaffenstaaten. Ich habe wiederholt gesagt, dass wir bereit sind, noch weiter zu gehen, um zu sagen, dass es nicht nur unmöglich sein soll, einen Atomkrieg zu starten, sondern dass jeder Krieg zwischen Atommächten inakzeptabel wäre. Selbst wenn jemand versucht, ihn mit konventionellen Mitteln zu beginnen, besteht die enorme Gefahr, dass ein solcher Krieg sich zu einem Atomkrieg ausweitet. Daher beobachten wir mit Sorge die Rhetorik des Westens, die Russland beschuldigt, eine Art Provokation mit Massenvernichtungswaffen vorzubereiten. Gleichzeitig unternimmt der Westen selbst, einschließlich der drei Atommächte USA, Großbritannien und Frankreich, alles, um ihre nahezu direkte Beteiligung an dem Krieg, der mit den Händen von Ukrainern gegen Russland geführt wird, auszubauen. Das ist eine gefährliche Entwicklung.

Frage: Europäische Sicherheit bedeutet auch Energiesicherheit. In Europa gibt es jetzt eine Diskussion über die Preisobergrenze für russisches Öl. Die Position Russlands ist bekannt. Wenn wir davon ausgehen, dass der Preis hoch genug angesetzt würde (es gibt verschiedene Zahlen – 30, 60 Dollar pro Barrel). Was würde in dem Fall passieren, wenn der Preis auf dem Marktniveau läge? Wird sich Russland weigern, Energieressourcen an Länder zu liefern, die einem solchen Mechanismus folgen würden? Wie sehr spielt der Preis eine Rolle?

Sergej Lawrow: Unsere Position wurde vom russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Alexander Novak, der für den Energiesektor zuständig ist, dargelegt. Ich wiederhole: Wir werden kein Öl an die Länder liefern, die mit „Diktatoren gemeinsame Sache“ machten: Dass diejenigen, die jahrzehntelang die Freiheit des Marktes, fairen Wettbewerb, die Unzulässigkeit von Verletzungen des Privateigentums und Unschuldsvermutung verteidigten, nun dem Markt die Preise diktieren, ist eine interessante Entwicklung. Unter anderem sendet es eine starke langfristige Botschaft an alle Staaten, dass sie darüber nachdenken müssen, wie sie sich vom Westen und den aufgezwungenen Instrumenten seines Globalisierungssystems lösen könnten.

China wird zur (nächsten) Zielscheibe

Russland wird nicht mehr „erwünscht“. China wird zur Zielscheibe von Sanktionen und verboten, Waren zu verkaufen und kaufen, die den Amerikanern zum Wettbewerbsvorteil dienen. Jeder kann der Nächste sein. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Saat für einen langfristigen Prozess der Neuformatierung globaler Mechanismen jetzt gelegt wird. Wenn man bedenkt, welche Tricks die Europäische Union anwendet, gibt es kein Vertrauen, weder in den Dollar noch in den Euro, der ebenso droht für Betrügereien verwendet zu werden. Die Chefin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, versuchte, die Gesetze zu rechtfertigen, die erlassen werden müssten, um dem russischen Staat und seinen Bürgern ihr Geld zu stehlen. In der EU gibt es eine Tendenz, auf koloniale Methoden zurückzugreifen und auf Kosten anderer zu leben. Amerika lebt auf Kosten von Europa. So möchte auch Europa auf Kosten anderer leben. Sie suchen gerade nach einem Opfer und wollen es auf unsere Kosten tun.

Ich bin sicher, dass wir unser Prinzip nicht aufgeben werden. Es geht heute nicht darum, mehr Einnahmen für unser Öl zu generieren, sondern ein System aufzubauen, das unabhängig von diesen neokolonialen Methoden ist. Wir tun dies mit unseren BRICS-Kollegen (und mit einem Dutzend Ländern, die sich eng mit den BRICS-Staaten abstimmen), in der SCO (Shanghai Cooperation Organization), der EAEU (Eurasian Economic Union) und in den bilateralen Beziehungen mit China, Iran, Indien und anderen Ländern.

Es interessiert uns nicht, wo genau besagte „Preisobergrenze“ zu liegen kommt. Wir werden direkt mit unseren Partnern verhandeln. Sie werden sich nicht nach besagten „Vorgaben“ richten oder denjenigen Garantien abgeben, die diese „Vorgaben“ unrechtmäßig einführten. Wenn wir mit China, Indien, der Türkei und anderen Großabnehmern verhandeln, geht es immer auch um einen Interessenausgleich in Bezug auf Zeitpunkt, Menge und Preis. Dies sollte auf gegenseitiger Basis zwischen dem Erzeuger und dem Verbraucher entschieden werden und nicht von irgendeinem „Onkel“, der beschlossen hat, jemanden zu bestrafen.

Frage: In Ihren einleitenden Bemerkungen und Antworten auf Fragen sprachen Sie ausführlich über die Position Russlands zur europäischen Sicherheit. Wir haben schon vor einem Jahr davon gehört. Wie schätzen Sie als russischer Außenminister die Wahrscheinlichkeit eines Treffens zwischen den Präsidenten Wladimir Putin mit John Kerry oder Joe Biden im nächsten Jahr oder ein Treffen von Ihnen mit US-Außenminister Eric Blinken ein? Scheinen hochrangige Treffen in naher Zukunft überhaupt noch möglich?

Sergej Lawrow: Die heutigen Einschätzungen zum Stand der europäischen Sicherheit decken sich nahezu mit dem, was wir in den Jahren 2020 und 2021 gesagt haben. Dies unterstreicht nur die Konsistenz unserer Position, die Langfristigkeit der Euro-Sicherheitskrisen und die mangelnde Bereitschaft des Westens, unsere Worte aufzunehmen.

Es gilt der Grundsatz, dass, wenn die kollektive Sicherheit „nicht funktioniert“, sich jeder unabhängig um seine eigene Sicherheit zu kümmern hat. Die von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten Ukraine ausgehende Bedrohung für Russland ist real und existenziell. Erinnern Sie sich an den Landsmann unserer polnischen Nachbarn, Z. Brzezinski, der 1994 sagte, dass alles getan werden müsse, um die Ukraine von Russland zu trennen, denn Russland mit der Ukraine sei ein Imperium, und Russland ohne die Ukraine sei ein regionaler Akteur. Im Jahr 1994 hatten wir ausgezeichnete Beziehungen zu den Amerikanern. Aber auch damals wollte niemand, dass Russland unabhängig bzw. nicht einmal beschränkt unabhängig werde. So ist das alles angewachsen und hat sich angehäuft.

Ich habe das Beispiel des Irak genannt. Die USA wollten ihnen an einem Tag sagen, dass es im Irak Massenvernichtungswaffen gäbe, um am nächsten Morgen loszuschlagen und mit den Bombardierungen zu beginnen. Es stellte sich heraus, dass auch dort nichts zu finden war. Daraufhin sagte T. Blair, dass „sie einen Fehler gemacht haben“ – so etwas passiert kann jedem passieren. Hunderttausende von Menschen wurden begraben. Das Land lebte zuvor normal und hatte keine besonderen sozio-ökonomischen Probleme. Es wurde einfach zerstört. Jetzt wird das Land aus seinen Fragmenten wieder zusammengebaut, genau wie mit Libyen. Und das alles ist 10.000 Meilen entfernt von den USA, jenseits des Ozeans. Doch, sie können sich alles leisten. Gleichzeitig verkünden sie, dass es sich um ganz andere Dinge handele: Sie sagen, sie kämpften für Demokratie. Deshalb dürfen sie bis zu einer Million Menschen töten, was sie auch taten. Wo ist die Demokratie in Afghanistan? Im Irak? In Libyen? Der Terrorismus ist überall aufgeblüht. Und in Europa gibt es Millionen ansonsten vermeidbarer Flüchtlinge.

Im Fall der Ukraine sind wir nicht ohne Grund „aufgestanden“. Es ist nicht so, dass wir V. A. Selenskyj nicht mochten, weil er aufhörte, KVN (Club der Lustigen & Innovativen) zu spielen oder sein Studio Kvartal-95 zu betreiben. Darum sind wir nicht gegen die Ukraine „in den Krieg gezogen“. Das ist nicht der Fall. Wir haben sie schon seit Jahren gewarnt. Doch nichts ist passiert.

Wir wollen erst einmal verstehen, wer was zu bieten hat. Sie fragten nach den Kontakten zwischen Wladimir Putin mit John Kerry & Joe Biden. Wir haben schon oft gesagt (auch der russische Präsident), dass wir vor Kontakten niemals zurückschrecken. Als der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz kommen wollte, sagten wir, bitte sehr. Als der französische Präsident Emmanuel Macron kommen wollte – sagten wir, bitte sehr. Wollten Sie ein Telefonat führen? Jeder, der um ein Telefongespräch ansuchte, bekam diese Gelegenheit ohne zeitliche Begrenzung. Unser Präsident kommuniziert mit allen. Doch, wir durften bisher noch keine sinnvollen Ideen erfahren.

Die amerikanischen Kollegen schlugen ein Treffen zwischen W. Burns (Chef CIA) und S. Naryshkin (Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes) vor. Wir waren einverstanden. Zudem hatten uns die Amerikaner selbst dutzende Mal versichert, dass dies ein absolut vertraulicher Kanal wäre. Wir sollten es nicht ankündigen, damit niemand etwas erfahren würde. Es müsse ein seriöser Kanal sein, immun gegenüber Propaganda-Informations-Intrigen von aussen. Wir waren einverstanden. Aber sobald sie in Ankara ankamen, „sickerte“ sofort etwas durch. Ich weiß nicht, woher: Aus dem Weißen Haus, aus dem Außenministerium? So war dann auch der Geschäftsträger der Vereinigten Staaten in Moskau, Elisabeth Rood, gezwungen zu sprechen und sagte, dass sie diesen vertraulichen Kanal aufrecht halten wollten. Sergey Naryhkin hatte sich auch zu melden, um zu erklären, welche Agenda besprochen wurde: nukleare Sicherheit, strategische Stabilität, über das Kiewer Regime und die Situation in der Ukraine im Allgemeinen.

Die Amerikaner und andere Länder sagen, dass sie nicht über die Ukraine ohne die Ukraine sprechen wollten. Erstens diskutiert die NATO über die Ukraine ohne die Ukraine, wenn immer ukrainische Delegierte nicht eingeladen wurden, und zweitens ist jedem sonnenklar, dass es heute unmöglich ist, über strategische Stabilität zu diskutieren, falls man alles ignorierte, was in der Ukraine passiert. Das Ziel besteht nicht darin, die ukrainische Demokratie zu retten, sondern Russland auf dem Schlachtfeld zu besiegen oder gar zu vernichten. Wie kann ein solches Ziel nicht wichtig für die strategische Stabilität sein? Wenn sie einen der wichtigsten Akteure auf dem Gebiet der strategischen Stabilität zerstören wollen. Gleichzeitig wird uns gesagt, dass die Ukraine mit den Ukrainern besprochen werden sollte, und zwar dann, wenn die Ukrainer es wollen. So werden in der Zwischenzeit Gespräche über Atomwaffen und strategische Stabilität besprochen? Das ist ein naiver Ansatz, um es gelinde auszudrücken.

Wenn es Vorschläge des US-Präsidenten und anderer Mitglieder der Administration geben sollte, gingen wir keinem Gespräch aus dem Weg. E. Blinken hat vor längerer Zeit einmal angerufen. Schon damals war er stets besorgt über die amerikanischen Staatsbürger, die hier verurteilt wären und im Gefängnis sässen. Obwohl er genau weiß, dass die Präsidenten im Juni 2021 in Genf vereinbart hatten, einen ganz eigenen Kanal dafür zu schaffen, einen Kanal zwischen den Sonderdiensten, um dieses Thema zu behandeln. Dies funktioniert und ich hoffe, dass einige Ergebnisse erzielt werden können. Wir hatten keine Kontakte mit E. Blinken zu allgemeinen politischen Fragen. Soweit ich weiß, findet in Washington eine „Arbeitsteilung“ statt. Die Einrichtung von Jack Sullivan will etwas tun. Das Außenministerium will etwas anderes tun. Wir gehen nicht auf die Verwicklungen ein, die es in der amerikanischen bürokratischen Maschinerie geben kann. Das müssen der Präsident und die betroffenen Verantwortlichen unter sich regeln.

Frage: Sie haben bereits das Treffen des Nordatlantikrats erwähnt, dass vorgestern in Rumänien zu Ende ging. Viele haben sich daran erinnert, dass US-Präsident George W. Bush damals in Bukarest erstmals Georgien und die Ukraine als Mitglieder des Nordatlantischen Bündnisses vorgeschlagen hat.

Ich möchte Sie bitten, sich nicht so sehr zu diesem Thema zu sprechen, aber zu der Erklärung von Außenminister Eric Blinken, der erklärte, dass die Infrastruktur der NATO in der Region vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee ausgebaut werden müsse. Was bedeutet das für Russland? Wie gedenkt Moskau darauf reagieren?

Sergej Lawrow: Was diese Erklärung betrifft, so wurde sie parallel zu der Erklärung von Präsident Stoltenberg abgegeben, der sagte, dass es für den Frieden in der Ukraine notwendig sei, das Kiewer Regime weiterhin mit Waffen voll zu pumpen. Ein schizophrener Ansatz: Wenn man Frieden will, bereitet man sich auf den Krieg vor. Nur hier bereiten Sie sich nicht auf den Krieg vor, doch weil Sie vorgeben den Frieden zu wollen, kämpfen Sie bis zum Ende – das ist die Logik.

  1. Blinkens Worte sind bezeichnend für die Frage, wer jetzt in der NATO „die Musik“ angibt. Die Idee der Drei-Meere (-Initiative) – ein Kordon gegen die Russische Föderation zu errichten (vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee) – kam ursprünglich von den Polen, wurde von den Balten aktiv unterstützt und mehrere Jahre lang als Konzept zur „Wiederbelebung“ polnischer Größe propagiert. Sie begannen, es schon vor der speziellen Militäroperation zu verfolgen, doch wurden im Anschluss nur noch aktiver. Die Tatsache, dass E. Blinken diese Logik nun aufgegriffen hat, ist sehr bezeichnend. Das bedeutet, dass die Amerikaner zur weiteren Entwicklung des Nordatlantikbündnisses auf Länder wie Polen und die baltischen Staaten setzen, welche russophobe und rassistische Positionen am stärksten vertreten. Und Länder wie Deutschland und Frankreich bleiben dabei auf der Strecke. Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass das vom französischen Präsidenten propagierte „Konzept der strategischen Autonomie“ eindeutig nicht mit den amerikanischen Überlegungen „im Einklang“ steht. Die Amerikaner sind der Meinung, dass es in der Europäischen Union keine „strategische Autonomie“ brauche. Sie wollen selbst entscheiden, wie die EU ihre Sicherheit nach amerikanischem Muster einzurichten hätte. Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel beklagte kürzlich in einem Interview, dass sie nach dem Gipfeltreffen mit Biden und Wladimir Putin im Juni 2021 in Genf den EU-Russland-Gipfel gemeinsam mit Emmanuel Macron abhalten wollte. Das wurde ihr untersagt. Wer kann Deutschland und Frankreich verbieten, sich unter normalen Umständen untereinander zu treffen? Es geschah über die Polen und Balten, die diesen Kordon, das Konzept der Drei-Meere (-Initiative), verfolgen. Dies ist ein sehr wichtiges Zeichen.

Übrigens, was den Einfluss der Europäischen Union angeht: Die EU garantierte im Februar 2014, dass es eine Einigung zwischen Viktor Janukowitsch und der Opposition geben würde. Sie haben das entsprechende Papier unterzeichnet. Es beginnt mit den Worten „Bildung einer Regierung nationalen Einvernehmens“ und dem „Abhalten vorgezogener Wahlen“. Der russische Präsident Wladimir Putin hat das schon oft erwähnt. Hätten sie, wie vereinbart, vorgezogene Wahlen abgehalten, hätte Viktor Janukowitsch sie niemals gewonnen. Dieselben Oppositionellen, die am nächsten Morgen den Staatsstreich durchführten, wären an die Macht gekommen. Ich weiß nicht, wohin sie gegangen wären. Sie hätten das von Deutschland, Frankreich und Polen garantierte Dokument erfüllt. Es hätte kein Krim-Referendum gegeben und keine der anderen Entwicklungen. Niemand würde sich gegen diese Leute aufgelehnt haben. Denn es bestand eine Vereinbarung zur Durchführung von Wahlen.

Aber dies wäre ohne einen amerikanischen „Beitrag“ niemals geschehen. Alles, worüber wir hier sprechen, geschah im Februar 2014. Der Maidan wurde beendet, eine Vereinbarung zur Beilegung des Konflikts wurde unterzeichnet, und die EU-Länder traten als Garanten auf. Drei Wochen zuvor hatte Nuland, die damals für den postsowjetischen Raum zuständig war, die Zusammensetzung der neuen ukrainischen Regierung mit dem US-Botschafter in der Ukraine telefonisch koordiniert, offenbar in der Erwartung, dass besagter Umsturz bald stattfinden würde. Sie nannte mehrere Namen, doch der US-Botschafter in der Ukraine teilte ihr mit, dass die Europäische Union keinen einzigen der Kandidaten wirklich mochte. Sie werden sich erinnern, was sie sagte bzw. mit der Europäischen Union zu tun sei. Ein Wort mit vier Buchstaben.

Dieselbe Einstellung hat sich seither in der EU so durchgesetzt: Zuerst interessierten sie sich nicht für ihre Garantien zu den Vereinbarungen zwischen W. F. Janukowitsch und der Opposition, die unter die Räder kamen. Dann war es ihnen egal, ob die Europäische Union, vertreten durch Deutschland und Frankreich, die Minsker Vereinbarungen realisierten, die einen direkten Dialog zwischen Kiew, Donezk und Lugansk zur Gewährung eines Sonderstatus für diese Gebiete und die Beibehaltung der russischen Sprache garantierten. 2019 luden die Franzosen und Deutschen den neuen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erneut nach Paris ein. Es war ein Treffen im Normandie-Format. Erneut hat W. A. Selenskyj zugesagt, dass er mit Donezk und Lugansk über deren Sonderstatus verhandeln und diesen dauerhaft festmachen wollte. Aber er hat dazu wieder nichts unternommen. Die Europäische Union ist für ihre Vermittlungsbemühungen einmal mehr geohrfeigt worden.

Im Jahr 2018 sagte die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Frau Mogherini, dass, wenn die EU in der Region (gemeint war der Balkan) sei, es keinen Platz für andere gäbe. Sie sagen, dass die Russen auf dem Balkan nichts zu suchen hätten und dass die Kontakte der Russen mit Serbien und anderen Balkanländern vollständig zu unterbleiben hätten.

Im Jahr 2013 vermittelte die Europäische Union zwischen Belgrad und Pristina (Hauptstadt vom Kosovo). Die Regierungschefs von Serbien und Pristina wurden nach Brüssel geladen. Dort unterzeichneten sie ein Dokument zur Gründung einer Gemeinschaft der serbischen Gemeinden im Kosovo. Tatsache ist, dass es im Kosovo viele serbische Enklaven gibt. Neben dem nördlichen Teil dieser Region, in dem hauptsächlich Serben leben, gibt es auch eine Reihe von Enklaven im übrigen Gebiet. Sie werden von der albanischen Mehrheit schwer diskriminiert und schikaniert, sowohl in Bezug auf ihre Sprache, Unterricht in serbischer Sprache, Medienvielfalt wie auch Ausübung religiöser Riten der serbisch-orthodoxen Kirche. Alle Seiten kamen überein, eine Gemeinschaft serbischer Gemeinden im Kosovo zuzulassen. Doch bislang möchte niemand etwas tun. Um genau zu sein: Die Europäische Union hat bereits verstanden, dass die Albaner in Pristina – sie haben dies öffentlich erklärt – diese Vereinbarung niemals erfüllen wollen. Die EU hat ihrer Ohnmacht völlig ergeben. Nun hat dies auf Frankreich und Deutschland „abgefärbt“ (entschuldigen Sie diese Beschreibung), die nunmehr eine neue „Initiative“ verfolgen. Sie sieht keinerlei Rechte für die Serben im Kosovo vor. Sie fordern lediglich, dass Belgrad, falls es die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennen wollte, die Tatsache akzeptieren müsste, dass der Kosovo trotz solcher einer Nichtanerkennung internationalen Organisationen beitreten würde, einschließlich der UNO, dem Europarat und mehr.

Dieses Dokument über die Gemeinschaft der serbischen Gemeinden im Kosovo erfuhr genau das Gleiche wie die Minsker Vereinbarungen. Nur im Fall des Kosovo ging es um die Rechte der Serben, und in den Minsker Vereinbarungen um die Rechte der Russen im Donbass. Und diese Rechte wurden in beiden Fällen gleichermaßen festgeschrieben: Auf die Muttersprache, Bildung, das Recht, eigene Strafverfolgungsstrukturen (lokale Polizei) zu schaffen, sowohl in den serbischen Regionen des Kosovo als auch in den Volksrepubliken Donezk und Luhansk, sowie das Wahlrecht bei der Ernennung von Richtern und Staatsanwälten. Dazu auch das Recht auf Erleichterung der Wirtschaftsbeziehungen mit den Nachbarregionen, für die Kosovo-Serben – mit Serbien, und für den Donbass – mit der Russischen Föderation. Das Gleiche, eins zu eins – hier wie dort.

Die Europäische Union zerstört sich selbst

Die Europäische Union hat ihre völlige Handlungsunfähigkeit unterschrieben. Diese Tendenzen zur Schwächung der EU werden einerseits von den Amerikanern in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht aktiv ausgenützt, und in politischer, geopolitischer und diplomatischer Hinsicht tut die Europäische Union von sich aus alles, um ihre Rolle weiter zu minimieren.

Frage: Die Situation in der Welt verschlechtert sich. Es zeigt sich, dass je mehr wir über Sicherheit reden, desto weiter entfernt sie sich von uns. Was stimmt Sie optimistisch? Worauf gründet sich Optimismus in dieser Situation? Glauben Sie, dass es möglich ist, den Frieden zu wahren und den schlimmsten Fall zu verhindern?

Sergej Lawrow: Wissen Sie, ich und alle meine engsten Mitarbeiter in unserem Ministerium sowie die Kollegen aus anderen Abteilungen und Gremien (die Präsidialverwaltung, der Regierungsapparat) sind es gewohnt, nicht über „Erfolg oder Misserfolg“ zu philosophieren. Alle die nicht handeln, erzielen auch keine Ergebnisse. Wann immer wir ein Problem sehen, bemühen wir uns, es zu lösen, und setzen unsere äusserste Kraft dafür ein. Ob es funktionieren könnte oder nicht – darüber würden später nachdenken, nachdem wir gesehen hatten, was wir erreichten. Das Ergebnis ist nicht immer zufriedenstellend. Aber in der Regel ist es so, dass man sich Mühe gibt und kreativ an die Sache herangeht, sich immer bemüht, nicht nur seine eigenen Ansätze zu verfolgen, sondern auch seinem Partner zuzuhören und zu verstehen, wie aufrichtig dieser Partner ist, wie sehr er einseitige Zugeständnisse erhalten will, oder ob er wirklich bereit ist, ehrlich zu sein, wie es in der UN-Charta steht und auf der Grundlage der Gleichheit unter souveränen Staaten, oder, wie es in den OSZE-Dokumenten steht, Kompromisse im Konsens zu suchen. Wenn Sie Ihren Partner verstehen (es gibt keinen Ersatz für eine persönliche Kommunikation, da man online nur schwer zu verstehen ist) und auch dieser einen Kompromiss anstrebt – dann ist das Ergebnis erreicht.

Ich werde Ihnen ein Beispiel geben. Als John Kerry Außenminister der Vereinigten Staaten war, haben wir mit Kerry mehr, öfter und länger gesprochen als mit jedem anderen unserer Partner, einschließlich unserer engsten Nachbarn. Wir haben uns mehr als 50 Mal im Jahr getroffen oder miteinander telefoniert. Kerry ist ein Mensch, der wirklich an Ergebnissen interessiert ist. Er ist bereit zu akzeptieren, dass die Ergebnisse nicht einseitig, pro-amerikanisch, sondern ausgewogen sind und uns hilft, Probleme gemeinsam zu lösen.

Diese Haltung spürte ich, als wir uns im April 2014 in Wien trafen, unmittelbar nach dem Referendum über die Unabhängigkeit der Krim und dem Anschluss an Russland. Mit dabei waren auch die Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, die Britin K. Ashton, und der amtierende Leiter des außenpolitischen Dienstes der Kiewer „Putschisten“ Andrij Deschtschyzja. Wir vier setzten uns zusammen und einigten uns auf ein Papier, das den Zusicherungen der ukrainischen Behörden vom April 2014 Rechnung trug und das Problem der Ukraine auf der Grundlage von Föderalisierung und Dezentralisierung zu lösen hatte. Dann wurde geschrieben, dass dieser Prozess unter Beteiligung aller Regionen und Oblaste der Ukraine eingeleitet werden soll. Mir schien, dass auch John Kerry diesen Ansatz befürwortete. Er war sich sehr wohl bewusst, dass ohne einen solchen breit angelegten Dialog der Versuch, die Konzepte und Werte des westlichen Teils des ukrainischen Volkes dem Rest aufzuzwingen (es war offensichtlich, dass dieser Coup von Westlern durchgeführt wurde), eine Katastrophe wäre. Leider geriet dieses Konzept dann in Vergessenheit. Offensichtlich gab es im US-Außenministerium noch einige andere „Kuratoren“, die in eine andere ukrainische Richtung dachten. Aber wir haben mit John Kerry positive Ergebnisse erzielt.

Im Jahr 2013 konnten wir im Namen von Barack Obama und Wladimir Putin in Rekordzeit eine Einigung über den Beitritt Syriens zur Chemiewaffenkonvention erzielen. Dadurch konnte der bevorstehende amerikanische Angriff auf Syrien verhindert werden.

Danach, 2015, hatten wir ein Treffen mit John Kerry und waren in einen Verhandlungsprozess über Syrien involviert, der zu einer Einigung führte, die damals völlig undenkbar war, und heute erst recht. Danach folgte die Stationierung unseres Militärs dorthin und die Amerikaner drangen in den Osten Syriens ein. Russische und amerikanische Militärangehörige verpflichteten sich, den Terrorismus gemeinsam zu bekämpfen. Wenn wir oder sie (die Russen und Amerikaner) das zu zerstörende Ziel bestimmten, würden wir es nur im Einvernehmen mit der anderen Seite zerstören. Das hiess, wir müssten unsere Angriffe mit den Amerikanern koordinieren, und die Amerikaner müssten ihre Angriffe mit uns koordinieren. In diesem Sinne waren die Streitkräfte der Arabischen Republik Syrien bereit, ihre Kampfflugzeuge nicht mehr einzusetzen. Das war alles abgesprochen. Nur hat John Kerry gesagt, er müsse sich noch eine Woche lang mit jemandem beraten. Diese Abmachung hat leider nicht gekappt.

Sie müssen die Verhandlungen nicht mit der Aufgabe beginnen, die Gegenüber zu zerdrücken, sondern mit dem Ziel, durch einen respektvollen Dialog ein Ergebnis zu erzielen.

Da Sie unsere Landsleute vertreten, möchte ich unsere Solidarität mit all jenen zum Ausdruck bringen, die auch im Ausland lebend weiterhin mit der Russischen Föderation und ihrer Heimat sich verbunden fühlen, die ihre Sprache schützen, ihre Kinder und Enkelkinder in ihrer eigenen Sprache erziehen und versuchen, die gegenseitige Durchdringung der Kulturen zu fördern. Die Diaspora ist immer ein Träger von Kultur. Und so wie die Deutschen und Italiener in Russland jahrhundertelang gelebt haben und weiter dort leben, so tragen die Russen heute im modernen Europa unsere Kultur und bereichern die Länder, in denen sie sich durch den Willen des Schicksals wiedergefunden haben.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich kürzlich zu dieser Situation geäußert. Man kann eine Kultur nicht abschaffen. Sie entzieht sich der Kontrolle irgendwelcher Borrells und anderer Bürokraten, die versuchen, russophobe Stimmungen zu schüren, die einfache Bevölkerung „aufzuhetzen“, Russen zu diskriminieren, bis hin zu Aushängen in Restaurants, um keine Russen zu bedienen oder auch nur ein Gespräch in russischer Sprache in irgendeiner osteuropäischen Stadt, was ggf. einen Vorfall auslösen könnte.

Wir verstehen den Druck, dem die Organisationen unserer Landsleute im Ausland ausgesetzt sind. In den Vereinigten Staaten werden sie von Vertretern des FBI aufgesucht und aufgefordert zu erklären, was sie tun und was diese „Organisationen russischer Landsleute“ wären, und vieles mehr, bis hin zu Versuchen der Strafverfolgung. Umso erfreulicher ist es, dass unsere Landsleute ihrer Entscheidung treu bleiben.

Wir arbeiten weiterhin über die Regierungskommission für die Angelegenheiten der Landsleute im Ausland. Im Jahr 2021 werden wir den nächsten VII. Weltkongress russischer Landsleute ausrichten, an dem auch der russische Präsident teilnehmen wird. In diesem Jahr wurde eine thematische Konferenz zu der Frage abgehalten, wie wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation unsere Landsleute nützen kann und wie sie die Zusammenarbeit in den Ländern, in denen sie leben, entwickeln können. An dieser Konferenz nehmen russischstämmige Geschäftsleute aus mehr als 80 Ländern teil.

Es werden regionale Veranstaltungen abgehalten. In diesem Jahr wurden sie für die Länder Europas, Afrikas, des Nahen Ostens, Amerikas, des Pazifiks und Asiens abgehalten. Vertreter von Landsleuten aus diesen Ländern kommen zusammen und halten ihre eigenen regionalen Veranstaltungen ab.

Auch in diesem Jahr fand ein wichtiges Ereignis statt – die internationale Konferenz „Konsolidierung von Frauenverbänden und ihre Rolle in modernen gesellschaftlichen Prozessen“. Dort wurde beschlossen, einen Weltverband der russischsprachigen Frauen zu gründen. Ich hoffe, dass die russischsprachigen Männer sie dabei in jeder erdenklichen Weise unterstützen werden.

Ich zweifle nicht daran, dass alle Bürger der westlichen Länder, in denen sich die russische Diaspora niedergelassen hat, sehr wohl wissen, wie positiv und bereit diese Gruppe von Menschen ist, sowohl in geschäftlichen Angelegenheiten als auch auf persönlichen Bereichen zusammenzuarbeiten.

Übersetzung aus dem Russischen: Unser Mitteleuropa

Hier geht es zu  Teil I


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