In einer Welt, die von geopolitischen Spannungen und einem Mangel an rationaler Diplomatie geprägt ist, zeichnet der Journalist Pepe Escobar in einem einstündigen Gespräch mit Nema ein alarmierendes Bild der aktuellen globalen Lage. Das Gespräch, geführt am 4. August 2025, beleuchtet die eskalierenden Konflikte zwischen den USA unter Präsident Donald Trump, den BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China), dem Iran und Europa. Escobar analysiert nicht nur die politischen Fehltritte der USA, sondern auch die tieferliegenden strukturellen Probleme, die die Welt an den Rand eines globalen Chaos führen könnten. Nachfolgend ein ausführlicher Bericht, der die zentralen Punkte des Gesprächs umfassend darstellt.
1. Trumps Außenpolitik: Chaos, Desinformation und Macho-Gehabe
Escobar beginnt mit einer scharfen Kritik an der Außenpolitik von Präsident Donald Trump. Er beschreibt Trump als einen „lächerlichen Präsidenten“, der grundlegende Zahlen nicht überprüft und von seinen Beratern mit Fehlinformationen gefüttert wird. Ein Beispiel ist Trumps Behauptung, dass seit Januar 2025 812.000 russische Soldaten und 8.000 ukrainische Soldaten im Ukraine-Konflikt getötet wurden – Zahlen, die laut Escobar keinerlei Bezug zur Realität haben. „Das ist, was passiert, wenn ein Präsident nicht in der Lage ist, grundlegende Fakten zu prüfen“, sagt er. Diese Fehlinformationen werden durch Trumps impulsive Reaktionen auf Äußerungen wie die des russischen Politikers Dmitri Medwedew verschärft, der die USA an die russische Nukleardoktrin erinnerte. Als Antwort entsandte Trump Atom-U-Boote in die Nähe russischer Gewässer, was Escobar als „Macho-Gehabe“ bezeichnet, das von keiner strategischen Tiefe begleitet wird.
Die Konsequenz dieser Politik ist eine vollständige Erosion der Diplomatie. Escobar betont, dass die USA unter Trump nicht nur die Verhandlungen mit Russland und dem Iran sabotiert haben, sondern auch die globale Ordnung destabilisieren. „Diplomatie ist tot“, sagt er und verweist auf die Unfähigkeit der USA, ernsthafte Gespräche mit geopolitischen Rivalen zu führen. Stattdessen setzt Trump auf Konfrontation, was die Spannungen mit den BRICS-Staaten und dem Iran verschärft.
2. Brasilien als Zielscheibe: Der Krieg gegen die BRICS
Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die US-Politik gegenüber Brasilien, das Escobar als das „schwächste Glied“ der BRICS-Staaten betrachtet. Präsident Lula da Silva hat in einer kürzlichen Rede die Bedeutung von Diplomatie und nationaler Souveränität betont, während er auf den Putsch von 2016 und die Destabilisierungsversuche gegen seine Regierung hinwies. Besonders brisant war Lulas Erwähnung der Entdollarisierung – ein Thema, das für Trump ein „rotes Tuch“ ist. „Das allein reicht, um Trump in den Wahnsinn zu treiben“, sagt Escobar. Die USA sehen Brasilien als strategisches Ziel, um die BRICS-Allianz zu schwächen, und planen, massiven Druck auf die brasilianische Wirtschaft und Diplomatie auszuüben.
Doch Escobar betont, dass die USA die Komplexität der brasilianischen Politik unterschätzen. Im Gegensatz zu Argentinien, wo Präsident Javier Milei eine pro-amerikanische Politik verfolgt, ist Brasilien nicht so leicht zu kontrollieren. Selbst ein pro-amerikanischer Präsident wie Jair Bolsonaro könnte Brasilien nicht in eine argentinische Situation führen, da die politischen und gesellschaftlichen Strukturen dies verhindern. Lula und seine Regierung bereiten sich auf die kommenden Angriffe vor, indem sie ihre Beziehungen zum globalen Süden, insbesondere zu China, Russland und Indien, ausbauen. Ein Beispiel ist die Öffnung des chinesischen Marktes für 180 brasilianische Kaffeeproduzenten, was zeigt, dass Brasilien alternative Handelspartner findet.
3. Russland und der Iran: Bereit für die Konfrontation
Russland steht laut Escobar vor einer „ewigen“ Konfrontation mit Europa und den USA. Die russische Regierung hat erkannt, dass es keine Aussicht auf Frieden mit dem Westen gibt, insbesondere mit der von Brüssel dominierten EU. Escobar verweist auf die Serienproduktion von Hyperschallwaffen wie dem Zircon und die Drohung mit der „Dead Hand“-Doktrin, die eine automatische nukleare Vergeltung im Falle eines Angriffs vorsieht. Russland bereitet sich zudem auf neue Provokationen vor, insbesondere von Großbritannien, das laut russischem Geheimdienst (SVR) False-Flag-Operationen gegen die russische „Schattenflotte“ plant, die Öl weltweit verkauft.
Der Iran hat laut Escobar endlich erkannt, dass ein Kompromiss mit den USA unmöglich ist. Nach wiederholten Angriffen durch die „zionistische Achse“ (Israel und die USA) hat der Iran einen neuen Obersten Verteidigungsrat gegründet, um seine Politik gegenüber möglichen Angriffen zu koordinieren. Escobar sieht eine Eskalation der Konflikte in der Region, insbesondere im Schwarzen Meer und in Bezug auf die Krim, als unvermeidlich an.
4. Indien und die BRICS: Unter Druck, aber widerstandsfähig
Indien, ein weiteres Gründungsmitglied der BRICS, steht ebenfalls unter Druck. Escobar deutet an, dass Indien nicht so entschlossen wie Brasilien gegen die US-Politik vorgeht, aber dennoch Teil des Krieges ist, den Trump gegen die BRICS führt. Die wachsende Annäherung der BRICS-Staaten untereinander – insbesondere durch Handelsabkommen in nationalen Währungen – ist eine direkte Reaktion auf die US-Aggression. Escobar betont, dass die USA durch ihre Politik die BRICS-Staaten ungewollt näher zusammenbringen, was die Entstehung einer multipolaren Weltordnung beschleunigt.
5. Europa und die Unterstützung Israels: Keine Änderung in Sicht
In Europa sieht Escobar keine Änderung der pro-israelischen Haltung. Länder wie Deutschland und Frankreich unterstützen die Politik Israels in Gaza uneingeschränkt, während die EU insgesamt die „Katastrophe in Gaza“ billigt. Die zionistischen Lobbys in Paris und Berlin seien mächtiger als je zuvor, und selbst Großbritannien – trotz Brexit – spielt eine zentrale Rolle in der Unterstützung Israels. Escobar kritisiert die Doppelmoral der europäischen Führung, die die humanitäre Krise in Gaza ignoriert, während sie gleichzeitig von einer Kriegsvorbereitung gegen Russland bis 2030 spricht.
6. Die Rolle von Epstein und die Kontrolle durch Eliten
Ein weiterer brisanter Punkt des Gesprächs ist die Erwähnung von Jeffrey Epstein und dessen Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten wie Trump, Bill Clinton, Bill Gates und Tony Blair. Escobar verweist auf die Aussagen eines ehemaligen israelischen Geheimdienstmitarbeiters, der behauptet, dass Epstein als Werkzeug des Mossad diente, um westliche Politiker zu erpressen. Diese Erpressung erkläre laut Escobar Trumps pro-israelische Politik und die mangelnde Bereitschaft, mit Russland oder dem Iran zu verhandeln. „Trump ist vollständig unter der Kontrolle der zionistischen Achse“, sagt er und verknüpft dies mit der anhaltenden Unterstützung für den Krieg in Gaza und die Angriffe auf den Iran.
7. Die kulturelle Dimension: Die „Yellowstone“-Mentalität
Escobar zieht eine interessante Parallele zur amerikanischen Mentalität, die er in der TV-Serie „Yellowstone“ und deren Prequels wie „1883“ widergespiegelt sieht. Diese Serie zeigt die „Dementia des Wilden Westens“ – eine Mentalität der Eroberung, der Vernichtung der indigenen Bevölkerung und der rücksichtslosen Durchsetzung von Macht. „Das ist immer noch die Mentalität der USA: Unser Weg oder der Highway“, sagt Escobar. Er sieht Trump als eine moderne Verkörperung dieses „Siedler-Mentalitäts“, die keine Kompromisse kennt und auf Konfrontation setzt.
8. Ein düsterer Ausblick: Kein Ausweg ohne Diplomatie
Escobar schließt mit einem düsteren Ausblick: Die Welt befindet sich in einem „teuflischen Kreis“ ohne Ausweg, da die USA unter Trump keine Bereitschaft zur Neuordnung der internationalen Beziehungen zeigen. Die BRICS-Staaten, angeführt von Russland und China, setzen hingegen auf eine neue, multipolare Ordnung, die Trump nicht akzeptieren wird. „Er will gewinnen, und die anderen sollen verlieren“, sagt Escobar. Die Hoffnung liegt in rationalen Akteuren wie Lula, Putin und Xi Jinping, die trotz der Widrigkeiten an Diplomatie festhalten.
Dennoch gibt es kleine Lichtblicke. In Regionen wie der Bretagne, wo Escobar sich aufhält, stoßen traditionelle Werte und Skepsis gegenüber Mainstream-Medien auf Offenheit für andere Kulturen. Doch die globale Lage bleibt angespannt. „Wir müssen weiterkämpfen“, sagt Escobar abschließend, „gegen all diese Absurditäten und Schrecken.“
Fazit
Das Gespräch mit Pepe Escobar zeigt eine Welt am Rande eines geopolitischen Abgrunds. Trumps impulsive und desinformierte Politik, die Unterstützung Europas für Israel, die Angriffe auf die BRICS-Staaten und die Eskalation der Konflikte mit Russland und dem Iran zeichnen ein düsteres Bild. Doch die Stärke der BRICS-Allianz und die Entschlossenheit von Ländern wie Brasilien bieten einen Hoffnungsschimmer für eine multipolare Weltordnung. Die Frage bleibt: Kann Diplomatie wiederbelebt werden, bevor es zu spät ist?

