In einem aufschlussreichen Interview mit der investigativen Journalistin Whitney Webb, das sich mit den Verflechtungen zwischen Jeffrey Epstein, Donald Trump und möglichen internationalen Machtstrukturen befasst, werden brisante Details über die Verbindungen zu Epstein und deren politische Implikationen enthüllt. Dieser Artikel fasst die wesentlichen Punkte des Gesprächs zusammen und beleuchtet die komplexen Netzwerke, die Epstein, Trump und andere einflussreiche Akteure miteinander verbinden, sowie die möglichen Verbindungen zu Israel und organisiertem Verbrechen.
Der Epstein-Skandal: Ein ungelöstes Rätsel
Jeffrey Epstein, der berüchtigte Finanzier und verurteilte Sexualstraftäter, steht im Zentrum eines der größten Skandale der jüngeren Geschichte. Seine Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten, darunter Politiker, Geschäftsleute und Prominente, sowie sein mysteriöser Tod im Gefängnis im Jahr 2019 werfen bis heute Fragen auf. Besonders brisant ist die Tatsache, dass viele dieser Verbindungen, insbesondere die zu Donald Trump, nie umfassend untersucht wurden. Whitney Webb hebt hervor, wie erstaunlich es ist, dass eine Schlüsselfigur wie Leslie Wexner, Epsteins langjähriger Förderer und Geschäftspartner, niemals ernsthaft ins Visier der Ermittlungen geraten ist. „Dass Leslie Wexner für seine Rolle im Epstein-Skandal nie untersucht wurde, ist absolut verrückt“, betont Webb.
Epsteins Netzwerk war nicht nur ein kriminelles Unterfangen, sondern wird von Webb als Teil eines größeren, transnationalen Machtgefüges beschrieben, das Verbindungen zu organisiertem Verbrechen, Geheimdiensten und politischen Eliten aufweist. Diese Struktur wird als „räuberisch“ und „bösartig“ charakterisiert, da sie laut Webb nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder ausbeutet und schwerwiegende Verbrechen wie Vergewaltigung und Menschenhandel ermöglicht.
Trumps widersprüchliche Haltung zum Epstein-Fall
Ein zentraler Punkt des Interviews ist die Reaktion von Donald Trump und seiner Administration auf den Epstein-Skandal, insbesondere im Kontext der Wahlkampagne 2024. Während des Wahlkampfs gab es wiederholt Versprechen von Trump und seinen Verbündeten, darunter J.D. Vance und Mitglieder seiner Familie, die Epstein-Dokumente zu veröffentlichen, sollte Trump gewählt werden. Diese Aussagen wurden auch von hochrangigen FBI-Beamten wie dem aktuellen Direktor Christopher Wray unterstützt. Doch nach der Wahl und Trumps erneuter Amtsübernahme kam es zu einem plötzlichen Rückzieher.
Webb beschreibt, wie Trump den Epstein-Skandal als „Hoax“ (Täuschung) abtat, der von den Demokraten erfunden worden sei. Diese Aussage sorgte für Empörung unter einem großen Teil seiner Basis, die den Fall als zentral ansieht und Antworten fordert. „Trump scheint nicht zu verstehen, wie wichtig dieser Fall für einen großen Teil seiner Unterstützer ist“, erklärt Webb. Sie verweist auf eine Reihe von Ablenkungsmanövern, die nach dieser Kontroverse ins Leben gerufen wurden, darunter die Veröffentlichung von Dokumenten zum Mord an Martin Luther King Jr., Enthüllungen von Tulsi Gabbard über die Russland-Affäre und sogar manipulierte Videos, die Barack Obama in Handschellen zeigen. Diese Aktionen scheinen darauf abzuzielen, die Aufmerksamkeit von Epstein wegzulenken.
Besonders auffällig ist die Veröffentlichung eines Überwachungsvideos aus Epsteins Zelle, das angeblich beweisen soll, dass es keine Unregelmäßigkeiten gab. Doch die Metadaten des Videos zeigen, dass eine Minute fehlt und das Video bearbeitet wurde. Zudem zeigt es nicht die Tür zu Epsteins Zelle, sondern andere Zellen, was Zweifel an seiner Authentizität verstärkt. „Es ist bizarr, wie schlecht das gehandhabt wurde“, kommentiert Webb. Sie spekuliert, dass die Administration entweder die Bedeutung des Themas unterschätzt oder nie die Absicht hatte, die Dokumente freizugeben.
Die Rolle von Alfredo Rodriguez und das „Schwarze Buch“
Ein zentrales Element in Webbs Analyse ist das sogenannte „Schwarze Buch“, eine von Epsteins Mitarbeitern zusammengestellte Kontaktliste, die in der Gerichtsverhandlung gegen Ghislaine Maxwell als Beweismittel verwendet wurde. Dieses Buch, das von Epsteins ehemaligem Butler Alfredo Rodriguez an die Öffentlichkeit gebracht wurde, enthält Namen von Personen, die mit Epstein in Verbindung standen. Rodriguez markierte bestimmte Namen, darunter Donald Trump, Leslie Wexner, Alan Dershowitz und Flavio Briatore, als mutmaßliche Mitwisser oder Komplizen in Epsteins Menschenhandelsaktivitäten.
Rodriguez versuchte, das Buch an einen Anwalt der Opfer zu verkaufen, wurde jedoch vom FBI in einer verdeckten Operation festgenommen und landete im Gefängnis. Er starb 2015 unter ungeklärten Umständen im Gefängnis – im selben Jahr, in dem Trump seine Kandidatur für das Präsidium ankündigte. „Es ist praktisch, dass niemand Rodriguez heute befragen kann, warum er Trumps Namen markierte“, bemerkt Webb. Sie weist darauf hin, dass Epstein selbst während dieser Zeit als FBI-Informant tätig war, was weitere Fragen über die Motive hinter Rodriguez’ Verhaftung und Tod aufwirft.
Flavio Briatore: Ein enger Freund Trumps mit Epstein-Verbindungen
Webb widmet einen Teil ihrer Recherche Flavio Briatore, einem italienischen Geschäftsmann und langjährigem Freund Trumps. Briatore, bekannt aus der Formel 1 und für seine Beziehungen zu Prominenten wie Naomi Campbell und Heidi Klum, taucht im „Schwarzen Buch“ als markierter Name auf. „Die Verbindungen zwischen Briatore und Epstein wurden nie ernsthaft von den Mainstream-Medien untersucht“, kritisiert Webb. Sie verweist auf ein Video, in dem Trump und Briatore gemeinsam in der italienischen Version von The Apprentice auftreten und ihre langjährige Freundschaft betonen.
Die Tatsache, dass Briatore, ein enger Vertrauter Trumps, in Epsteins Netzwerk auftaucht, wirft die Frage auf, ob Trump selbst oder seine engen Verbündeten in den Skandal verwickelt sind. Webb spekuliert, dass Trump möglicherweise versucht, Freunde wie Briatore zu schützen, indem er den Epstein-Fall herunterspielt.
Die Israel-Verbindung: Erpressung oder gemeinsame Interessen?
Ein weiterer kontroverser Aspekt des Interviews ist die Spekulation über eine mögliche Verbindung zwischen dem Epstein-Skandal und der bedingungslosen Unterstützung der USA für Israel. Webb argumentiert, dass die unerschütterliche Loyalität der USA zu Israel, unabhängig von den politischen Kosten, möglicherweise auf Erpressung oder gemeinsame Interessen innerhalb einer transnationalen Machtstruktur zurückzuführen ist. „Es ist schwer zu sagen, ob es sich um Erpressung handelt oder ob die gleichen Akteure, die hinter Epstein stehen, auch hinter Trump stehen“, erklärt sie.
In ihrem Buch One Nation Under Blackmail beschreibt Webb, wie Epstein in ein Netzwerk eingebettet war, das aus organisiertem Verbrechen, US-Geheimdiensten und israelischen Interessen besteht. Sie führt die Ursprünge dieses Netzwerks auf die Zusammenarbeit zwischen der jüdisch-amerikanischen und italienischen Mafia sowie der CIA-Vorläuferorganisation während des Zweiten Weltkriegs zurück. Diese Netzwerke waren maßgeblich an der Gründung des Staates Israel 1948 beteiligt, insbesondere durch die Bewaffnung paramilitärischer Gruppen wie der Haganah.
Trump selbst wurde von Roy Cohn, einem Anwalt mit Verbindungen zur organisierten Kriminalität, stark beeinflusst. Cohn, der Verbindungen zur jüdisch-amerikanischen Mafia und zur Familie Bronfman hatte, führte Trump in ein System von „Gefallen“ ein, das als „Favor Bank“ bekannt ist. Dieses System, das auf gegenseitigen Gefälligkeiten basiert, prägt laut Webb die Funktionsweise der politischen Macht in den USA.
Die Rolle von Peter Thiel und Palantir
Ein weiterer Akteur, der im Interview erwähnt wird, ist Peter Thiel, der Technologieunternehmer und Mitbegründer von Palantir. Thiel war in den Jahren 2014 und 2015 regelmäßig mit Epstein in Kontakt und fungierte ebenfalls als FBI-Informant. Palantir, ein Unternehmen, das für seine Überwachungs- und Datensammeltechnologien bekannt ist, wird von Webb als Werkzeug beschrieben, das potenziell zur Erpressung von Personen genutzt werden kann. „Wenn sie etwas über dich wissen wollen, greifen sie einfach auf das zu, was Palantir über dich gesammelt hat“, sagt sie.
Thiels Einfluss erstreckt sich auch auf die Trump-Administration, etwa durch seine Unterstützung von J.D. Vance und die Ernennung von Figuren wie Jim O’Neal, einem Thiel-Vertrauten, in Schlüsselpositionen. Webb vermutet, dass solche Ernennungen oft als PR-Maßnahmen dienen, um den Eindruck von Reformen zu erwecken, während die tatsächliche Macht bei weniger sichtbaren Akteuren liegt.
Fazit: Ein Netz aus Macht, Geheimnissen und Vertuschung
Whitney Webbs Analyse zeichnet ein düsteres Bild von einem Netzwerk aus Macht, Korruption und Geheimdiensten, das weit über den Epstein-Skandal hinausgeht. Die Verbindungen zwischen Trump, Epstein und Figuren wie Flavio Briatore sowie die möglichen Verflechtungen mit Israel und organisiertem Verbrechen werfen Fragen auf, die von den Mainstream-Medien weitgehend ignoriert werden. Der mysteriöse Tod von Alfredo Rodriguez, die fehlenden Ermittlungen zu Schlüsselfiguren wie Leslie Wexner und die widersprüchlichen Aussagen der Trump-Administration verstärken die Zweifel an einer vollständigen Aufklärung.
Webb fordert die Öffentlichkeit auf, sich aus diesen „räuberischen Machtstrukturen“ zu befreien und die Wahrheit zu suchen. „Die Medien müssten jede vier Sätze, die ich sage, vier Wochen lang untersuchen“, betont sie. Doch die mangelnde Bereitschaft der Mainstream-Medien, diese Verbindungen gründlich zu beleuchten, und die Ablenkungsmanöver der politischen Akteure machen eine umfassende Aufklärung unwahrscheinlich.
Der Epstein-Fall bleibt ein Mahnmal für die dunklen Seiten der Macht und ein Aufruf, die Verflechtungen zwischen Politik, Geheimdiensten und Kriminalität nicht zu ignorieren. Wie Webb abschließend betont: „Es ist kompliziert, aber die Wahrheit ist es wert, gesucht zu werden.“

