Während die Öffentlichkeit noch von neuen Funktionen, Sicherheitsversprechen und Komfort durch digitale Ausweissysteme spricht, vollzieht sich hinter den Kulissen eine stille Revolution – oder besser: eine technokratische Machtergreifung. Der Bericht von BiometricUpdate.com mit dem Titel „Biometrics providers and credentials level up with new capabilities“ liefert dafür den alarmierenden Fahrplan.
Die neue Weltordnung der biometrischen Identitäten
Was auf den ersten Blick wie ein technischer Fortschrittsbericht wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Blaupause für die total digitale Erfassung und Kategorisierung der Menschheit. Von der Altersverifikation über elektronische Visa bis hin zur Real-ID und digitalen Wallets – der Mensch wird in immer präzisere Datensätze zerlegt, sortiert, geprüft, gespeichert und künftig in Echtzeit kontrolliert.
Dabei versichern alle Beteiligten – von Regierungen über Technologiekonzerne bis hin zu Sicherheitsanbietern – dass natürlich keine persönlichen Daten verkauft oder gegen den Willen der Nutzer gespeichert würden. Doch spätestens seit COVID-19 wissen wir: Alles, was digital erfasst wird, kann auch gegen den Einzelnen verwendet werden. Sei es zur Durchsetzung von Lockdowns, zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit oder zur Sperrung des Zugangs zu Bankkonten und öffentlichen Dienstleistungen.
Der Mythos vom „freiwilligen Zugang“
Die neuen biometrischen Systeme – von Yoti über Signicat bis zu Paravision – bieten vordergründig Lösungen für praktische Probleme: Altersnachweis ohne Ausweis, eVisa statt Papier, Online-Banking ohne PIN. Doch der Preis ist hoch: permanente Authentifizierung, Gesichtserkennung bei jedem Zugang, digitale Spurensicherung über Landesgrenzen hinweg.
Und das alles nicht lokal auf dem Gerät, sondern über Server, Cloud-Dienste und zwischengeschaltete Dienstleister, die oft in rechtlichen Grauzonen agieren – oder mit Regierungen kooperieren, wie sich in der Pandemie eindrucksvoll zeigte.
Wer kontrolliert die Kontrolleure?
Der Markt für digitale Identitäten und biometrische Authentifizierung wird laut der britischen Analysefirma Goode Intelligence bis 2030 auf über 20 Milliarden US-Dollar anwachsen. Die Anbieter sprechen vom „Schlüssel zur digitalen Welt“, doch dieser Schlüssel kann jederzeit auch umgedreht werden: Der Zugang kann gesperrt, das Profil verändert, die Bewegung eingeschränkt werden – ohne physischen Widerstand.
In autoritären Staaten ist diese Realität bereits eingetreten. In liberalen Demokratien wird sie vorbereitet – schrittweise, mit Wohlfühlkampagnen, „freiwilligen“ Wallets und verlockenden Komfortfunktionen.
Von COVID zur Kontrollinfrastruktur
Die Pandemie hat als historischer Katalysator gewirkt: Impfpass-Apps, QR-Codes, Geotracking – was damals unter dem Vorwand des Gesundheitsschutzes eingeführt wurde, dient heute als Fundament einer viel weitergehenden Überwachungsarchitektur.
Die biometrischen Anbieter, wie sie im Artikel genannt werden, arbeiten längst nicht mehr nur für Passbehörden. Sie integrieren sich in Soziale Netzwerke, Zahlungsdienste, Online-Identitäten und Lieferdienste. Die Verknüpfung von Gesundheitsdaten, Bewegungsmustern und Zahlungsverhalten ist keine Dystopie – sie ist im Aufbau.
Fazit: Die schöne neue biometrische Welt
Während BiometricUpdate die neuesten Entwicklungen mit technischer Faszination beschreibt, fehlt die wichtigste Frage: Wer schützt den Menschen vor dieser neuen Infrastruktur?
Denn wer alle Daten in Echtzeit auswertet, kann auch in Echtzeit entscheiden, wer dazugehören darf – und wer nicht.
Die totale digitale Identität ist keine neutrale Innovation. Sie ist ein Kontrollinstrument. Und in den Händen der Falschen wird sie zur Waffe gegen Freiheit, Privatsphäre und Selbstbestimmung.
Die Welt bereitet sich nicht auf die digitale Zukunft vor. Sie baut eine Festung der Kontrolle – mit biometrischem Schlüssel.

