Horst D. Deckert

UNTERNEHMER-BERATER, SERIENUNTERNEHMER BZW. MEHRFACHGRÜNDER Parteilos und damit völlig unabhängig von irgendwelchen Parteien, Organisationen, Verbänden, etc. Seit 1971 im Dienst von Inhabern, Geschäftsführern, Unternehmern. 1971: Gründung einer Werbeagentur mit dem Schwerpunkt Marketing für Kleinbetriebe im Alter von 19 Jahren. Seit 1977 Firmengründer in Europa, USA und Südamerika. Fragen?
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Die russischen U-Boote sind wieder da

Zeit Online 2022 im NATO-Beitrittsrausch: Die russischen U-Boote stehen/standen mal wieder vor Schweden. Dumm nur, dass sich das Ganze bereits spätestens 2016 ganz offiziell als Luftnummer entpuppt hatte und Schweden selbst zugeben musste, keine russischen U-Boote gefunden zu haben.

Ob Zeit Online überhaupt auffällt, dass sie mit diesem Artikel zugeben, dass die U-Boot-Propaganda, die gefälschte Realität, eine erfolgreiche psychologische Aktion gegen die schwedische Bevölkerung war? Sie schreiben ja selbst „Eine Ursache für das mulmige Gefühl, das manche Schwedinnen und Schweden haben, wenn sie an Russland denken, liegt irgendwo im Meer zwischen den Stockholmer Schären.“ und dann geht es wieder mit den U-Booten los. Diese waren aber damals nicht vorhanden. Nur haben die Medien bedauerlicherweise größtenteils „vergessen“, ihre Konsumenten darüber zu informieren.

Es besteht natürlich die geringe Chance, dass weiter hinten im Zeit-Artikel, hinter der Bezahlschranke, darauf eingegangen wird, dass an der Sache nichts dran war. Aber ich zahle sicher kein Geld ausgerechnet an Zeit Online, um diese vage „Hoffnung“ zu überprüfen. Hier einige Artikel aus 2015/2016 zu den angeblichen U-Boot-Vorfällen vor Stockholm.


28.7.2015 – Tagesschau setzte Falschbild zu den angeblichen U-Booten vor Schweden ein

Bestenfalls hat die ARD bei ihrer aktuellen Ukraine-Russland-Propaganda völlig den Überblick verloren, schlimmstenfalls ist es ihr mittlerweile völlig egal, mit welchen Falschbildern und Bildfälschungen angebliche russische Militäraktivitäten belegt werden (sollen), um die Zuschauer und Leser in akute Kriegsbereitschaft zu versetzen. In einem aktuellen Fall (28.7.2015) hat die Tagesschau ein Bild eines angeblichen U-Bootes vor Schweden eingesetzt, bei dem das schwedische Militär bereits am 14.4.2015 zugegeben musste, dass es sich hierbei nicht um ein U-Boot, sondern um eine normales 10,5 Meter langes Glasfaserboot handelte.

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In dem heutigen Artikel „U-Boot-Fund vor Schweden. Versunken vor fast 100 Jahren?“ schrieb die Tagesschau zum Abschluß: „Kein Zusammenhang zum Fall aus dem Oktober. Peter Linberg vom Ocean X Team sagte ‚Expressen“‚, man glaube nicht, dass der Fund etwas mit der Suche der schwedischen Marine vergangenen Oktober nach einem U-Boot zu tun habe. Nach tagelanger Jagd mussten die Streitkräfte damals aufgeben. Es wurde nie geklärt, zu welcher Nation ein angeblich gesichtetes Unterwasserfahrzeug gehörte.“. Verlinkt wurde hierbei auf den Tagesschau-Artikel „Untersuchungen zu Unterwasserfahrzeug. Schweden sicher: Es war ein U-Boot„.

Dieser verlinkte Tagesschau-Artikel – vom 14.11.2014 – ist mit einem „Beweisfoto“ (DEM berühmten Beweisfoto zur damaligen U-Boot-Jagd) garniert. Dort heißt es: „Die schwedische Regierung hat nach eigenen Angaben Beweise dafür, dass ein ausländisches U-Boot im Oktober unerlaubt in die Stockholmer Schären eingedrungen ist. ‚Es steht ganz klar fest, dass eine fremde Macht schwedisches Hoheitsgebiet unter Wasser verletzt hat‘, sagte der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Sverker Göranson. […] Schweden hatte nach Hinweisen aus der Bevölkerung eine Woche lang nach einem U-Boot gefahndet. Schwedische Medien hatten gemutmaßt, dass es sich um ein russisches Fahrzeug handelte. Die Russen hatten das dementiert.“.

Am 14.4.2015 mussten die schwedischen Behörden eingestehen, dass es sich bei dem mutmaßlichen U-Boot auf dem Foto nicht um ein U-Boot handelte, sondern um eine normales kleines Boot. In dem Artikel „Militär: Mysteriöses Foto zeigt doch kein U- Boot“ berichtete die österreichische KronenZeitung: „Auf dem Foto ‚ist kein U- Boot zu sehen‘, sagte der schwedische Militärsprecher Jesper Tengroth am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Demnach handelte es sich um ein weißes 10,5 Meter langes Glasfaserboot. […] Dennoch bestehen Schwedens Streitkräfte weiterhin darauf, dass zwischen dem 17. und dem 24. Oktober 2014 ein mysteriöses Gefährt in den Gewässern vor Stockholm unterwegs war. […] Während und nach der erfolglosen Jagd wurden in Schwedens Medien Stimmen laut, welche die Fähigkeit zur Selbstverteidigung des Landes nach Jahren der Budgetkürzungen für das Militär infrage stellten. Im März verkündete die Regierung, sie werde die Verteidigungsausgaben um rund 665 Millionen Euro erhöhen. Der Großteil des Geldes solle in Kapazitäten zum Aufspüren feindlicher U- Boote fließen.“. Realistisch betrachtet: Es gab nie ein U-Boot, also konnte das Militär keins finden, also bekommt es jetzt mehr Geld …

Der Tagesschau freilich ist es offenbar völlig egal, mit welchen Falschbildern (und Falschnachrichten) sie die Hysterie um mögliche Angriffe Russlands auf den Westen beziehungsweise den Rest Europas weiter anheizt. Da wird auf höchst zweifelhafte Berichte verwiesen – mit Bildmaterial , welches sich längst als Fälschung ähnlich den Bildern vom Ungeheuer von Loch Ness herausstellte. Vielleicht war es der ARD egal, vielleicht ist sie so sehr in ihrer eigenen Propaganda gefangen, dass ihr das gar nicht bewusst war – Schließlich hat die ARD das genannte Propagandafalschbild mit dem vermeintlichen U-Boot nie enttarnt. Die U-Boot-Berichterstattung wurde in der ARD schlicht nie nachträglich klargestellt und das zeigt nur umso mehr, dass es sich auch hierbei um schnöde Propaganda handelt.


16.6.2016 – Schweden gibt bekannt: Es gab kein russisches U-Boot vor Stockholm

In einem Artikel vom Samstag, 11. Juni 2016, berichtet sverigesradio (Radio Schweden), dass die schwedische Regierung beziehungsweise der schwedische Verteidigungsminister Peter Hultqvist mittgeteilt habe, dass das 2014 von Schweden an der Küste Schwedens vermutete russische U-Boot eben kein russisches, sondern ein schwedisches U-Boot war. In einem weiteren Artikel (Interview) bei sverigesradio sagt der Verteidigungsminister sogar, dass diese Information schon seit 2015 vorliegt, aber geheimgehalten wurde. Konkret bezog sich der Verteidigungsminister dabei auf ein Signal, dass ursprünglich von den Schweden beziehungsweise internationalen Medien, Politikern und Militärs einem ausländischen, mutmaßlich russischen U-Boot zugeordnet wurde und gleichzeitig als definitiver wie auch als „letzter vorhandener Beweis“ für die Existenz des angeblichen russischen U-Bootes vor Schwedens Küsten galt. Damit gibt es kein „Beweisstück“ oder Indiz mehr für ein fremdes, ausländisches, feindliches, unbekanntes und/oder russisches U-Boot vor Schwedens Küsten in den Jahren 2014 und 2015. Genau dies räumte der schwedische Verteidigungsminister ebenfalls ein.

Ein berühmtes angebliches Foto eines russischen U-Bootes vor Stockholm, welches auch durch die deutsche Presse ging, stellte sich schon vor längerem als falsch heraus. Es zeigte lediglich ein normales Boot, kein U-Boot. Das schwedische Militär teilte dies bereits vor über einem Jahr – im April 2015 – der Weltöffentlichkeit mit. Diese Information fand in den deutschen Medien allerdings eigentlich gar keine Beachtung. Tagesschau, BILD und andere benutzten das unscharfe Falschbild mit dem gut zehn Meter langen Glasfaserboot später sogar immer noch zum „Beweis“ eines russischen U-Bootes vor Schweden. Nun, mit den neuen Ausführungen der schwedischen Regierung hinsichtlich des angeblichen ominösen Signals, hat sich auch der letzte Strohhalm für die Story vom russischen U-Boot als Luftnummer erwiesen. Bereits seit den 80er Jahren wurden immer wieder angebliche ausländische sowjetische U-Boote vor Schwedens Küsten gemeldet. Jedes Mal stellte sich das als nicht nachweisbar beziehungsweise falsch heraus. In den skandinavischen Nachbarländern existieren schon seit Jahren Witze à la „Die Schweden sehen wieder Mal U-Boote“.

Bereits am 14.4.2015 mussten die schwedischen Behörden eingestehen, dass es sich bei dem mutmaßlichen U-Boot auf dem Foto nicht um ein U-Boot handelte, sondern um eine normales kleines Boot. In dem Artikel “Militär: Mysteriöses Foto zeigt doch kein U- Boot” berichtete die österreichische KronenZeitung: “Auf dem Foto ‘ist kein U- Boot zu sehen’, sagte der schwedische Militärsprecher Jesper Tengroth am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Demnach handelte es sich um ein weißes 10,5 Meter langes Glasfaserboot. […] Dennoch bestehen Schwedens Streitkräfte weiterhin darauf, dass zwischen dem 17. und dem 24. Oktober 2014 ein mysteriöses Gefährt in den Gewässern vor Stockholm unterwegs war. […] Während und nach der erfolglosen Jagd wurden in Schwedens Medien Stimmen laut, welche die Fähigkeit zur Selbstverteidigung des Landes nach Jahren der Budgetkürzungen für das Militär infrage stellten. Im März verkündete die Regierung, sie werde die Verteidigungsausgaben um rund 665 Millionen Euro erhöhen. Der Großteil des Geldes solle in Kapazitäten zum Aufspüren feindlicher U-Boote fließen.”. Realistisch betrachtet: Es gab nie ein U-Boot, also konnte das Militär keins finden, also bekommt es jetzt mehr Geld …

In den deutschsprachigen westeuropäischen Medien findet sich leider kein Artikel zu der nunmehr fünf Tage alten sensationellen Wende im Fall der angeblichen russischen U-Boote vor Schweden, mit der die schwedischen Streitkräfte oder besser die schwedische Regierung nun ihre Haltung aufgaben, dass zwischen dem 17. und dem 24. Oktober 2014 ein russisches Unterwassergefährt in den Gewässern vor Stockholm unterwegs war. RT deutsch berichtete am 13. Juni 2016 in dem Artikel „Schwedischer Verteidigungsminister: Russisches U-Boot war in Wirklichkeit ein ’schwedisches Objekt‘„: „Ein Sonarsignal, das das schwedische Militär im Jahre 2014 für einen ‚definitiven Beweis‘ für die Präsenz eines russischen U-Boots vor Stockholm hielt, wurde nun als ’schwedisches Objekt‘ identifiziert, so der Verteidigungsminister des Landes, Peter Hultqvist. Peter Hultqvist sagte im Sveriges Radio, dass er nicht auf die Einzelheiten über die Herkunft des Signals eingehen werde. Jedoch kann er bekanntgeben, dass sich die Einschätzung über die Herkunft des Signals nun geändert hat. Somit handelt es sich doch nicht um ein ausländisches, vermutlich russisches U-Boot. Vielmehr ist es ein ’schwedisches Objekt‘.“. Da gerade RT deutsch unter Beobachtung einiger deutscher Medien und Journalisten steht, hätte man spätestens nach diesem RT-Artikel entsprechende Meldungen deutscher Medien erwarten können (aber eigentlich schon viel früher, zumindest über die Nachrichtenagenturen).

Radio Schweden erwähnt auch noch ein weiteres verdächtiges und als russisch eingestuftes U-Boot, das bei einer Marineübung am Leuchtturm Vindbåden im Frühjahr 2015 beobachtet wurde. Auch dieses U-Boot sei aber kein russisches, sondern ein deutsches U-Boot gewesen. Auch diese Analyse der schwedischen Militärs wurde jetzt erst durch die Angaben des Verteidigungsministers bekannt. Damit lösen sich die Fälle angeblicher Sichtungen russischer oder anderer unerwünschter ausländischer U-Boote in Schweden in den Jahren 2014 und 2015 in Luft auf. Das angebliche Beweisbild zeigte nur ein normales Boot, ein Arbeitsboot. Die angeblichen Sonarsignale von russischen U-Booten stellten sich nach schwedischen Angaben als Geräusche eines deutschen und eines schwedischen U-Bootes heraus. Die Militärs beziehungsweise die schwedische Regierung gaben das selbst bekannt, wenn auch teilweise mit monatelanger Verzögerung.

Schweden ist mittlerweile so gut wie in der NATO. Und das schwedische Militär hat nun mehr Mittel erhalten – aufgrund der „U-Boot-Vorfälle“. Und der schwedische Verteidigungsminister versucht, sein monatelanges Schweigen damit zu rechtfertigen, dass eine Aufdeckung der Wahrheit peinlich für das schwedisches Militär sei und ja außerdem das schwedische Militär für diese U-Boot-Meldungen verantwortlich sei und er nicht in dessen Aufgabenbereich eingreifen oder vertrauliche Informationen preisgeben wollte.

Dass die deutschen Medien überhaupt nicht darüber berichten, ist angesichts der U-Boot-Hysterie im Jahre 2014 mit den sich überschlagenden Meldungen zu diesen angeblichen Russenubooten in schwedischen Schären ein Skandal, passt aber zur aktuellen politischen Großwetterlage.

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UPDATES vom 17.6.2016: Mehr auch hier:

Nachdenkseiten (“Die Klagen darüber, die NachDenkSeiten würden die Medien zu hart kritisieren, erweisen sich immer mehr als Lachnummern. Jetzt sichtbar am Märchen über russische U-Boote und Schweden.”):  “Dirk Pohlmann, Drehbuchautor und Filmregisseur, vielen bekannt von seiner ARTE-Dokumentation „Täuschung – Die Methode Reagan“ weist jetzt darauf hin, dass die schwedische Regierung zugegeben hat, dass es sich bei U-Booten in schwedischen Gewässern, die von Schweden und vom Westen Russland untergeschoben worden waren, um ein schwedisches und vermutlich um ein deutsches U-Boot handelte. Die deutschen Medien schweigen. Sie sind offensichtlich am Gängelband der westlichen Militärs, machen Kriegstreiberei mit und verschweigen die Wahrheit. Dirk Pohlmann hat einen kurzen Beitrag für die NachDenkSeiten geschrieben und verweist auf zwei einschlägige Interviews.”.

KenFM.de („Missing Link: Ola Tunander zu angeblich russischen U-Booten vor Schwedens Küste„): „Vor wenigen Tagen nun hat der schwedische Verteidigungsminister im öffentlich-rechtlichen Radio zugegeben, dass ihm seit September 2015 bekannt ist, dass sich beide angeblich sicheren Sichtungen von russischen U-Booten als Fehler herausgestellt haben. […] Nach Monaten von Anschuldigungen gegen das Russland Putins schweigt die deutsche Presse – ausnahmslos. Die deutschen Medien haben die dubiosen Anschuldigen nicht kritisch hinterfragt, jetzt verschweigen sie auch noch die Tatsachen. […] In einer jetzt anlaufenden Kette von Telefon- und Videointerviews werden wir die Wahrheit der Ereignisse in Schweden ans Licht bringen. Wir arbeiten, so schnell wir können. Als Auftakt ein Telefoninterview, dass Dirk Pohlmann für KenFM mit Prof. Dr. Ola Tunander geführt hat, Forschungsprofessor am norwegischen Friedensforschungsinstitut PRIO. Ola Tunander, der früher auch an amerikanischen Militärakademien unterrichtete, ist ein Spezialist für Marinestrategie und der weltweite beste Experte für das Thema der schwedischen U-Boot-Zwischenfälle. Er war ziviler U-Boot-Experte der 3. schwedischen Untersuchungskommission, die von der Regierung und dem Verteidigungsminister eingesetzt wurde und bearbeitet das Thema seit mehr als 20 Jahren.“.

Das angesprochene Telefoninterview mit Prof. Tunander als Video bei Youtube:

UPDATE vom 17.06.2016: Ein schwedischer Experte hakt per Twitter bei der Bundeswehr nach – Antwort hat er keine bekommen:

Das Radio sagt, dass einer Ihrer U-Boote schwedischem Territorium im 2015 verstoßen haben. Wahr? @bundeswehrInfo https://t.co/ljnQ7fKRJa

— Johan Wiktorin (@forsvarsakerhet) 12. Juni 2016


17.6.2016 – Schwedischer Experte fragt Bundeswehr: War das „russische U-Boot 2015“ in Wirklichkeit deutsch?

Der Schwede Johan Wiktorin, Fellow Royal Academy of War Sciences, fragt per Twitter bei der Bundeswehr an, was es mit den Angaben des schwedischen Verteidigungsministers auf sich habe, dass ein deutsches U-Boot statt eines russischen 2015 vor Schweden entdeckt worden sei. Das Ganze steht damit im Zusammenhang: „Schweden gibt bekannt: Es gab kein russisches U-Boot vor Stockholm“ (Es geht auch noch und insbesondere um eine weitere angebliche Sichtung eines russischen U-Bootes vor schwedischen Küsten):

In einem Artikel vom Samstag, 11. Juni 2016, berichtet sverigesradio (Radio Schweden), dass die schwedische Regierung beziehungsweise der schwedische Verteidigungsminister Peter Hultqvist mittgeteilt habe, dass das 2014 von Schweden an der Küste Schwedens vermutete russische U-Boot eben kein russisches, sondern ein schwedisches U-Boot war. In einem weiteren Artikel (Interview) bei sverigesradio sagt der Verteidigungsminister sogar, dass diese Information schon seit 2015 vorliegt, aber geheimgehalten wurde. Konkret bezog sich der Verteidigungsminister dabei auf ein Signal, dass ursprünglich von den Schweden beziehungsweise internationalen Medien, Politikern und Militärs einem ausländischen, mutmaßlich russischen U-Boot zugeordnet wurde und gleichzeitig als definitiver wie auch als “letzter vorhandener Beweis” für die Existenz des angeblichen russischen U-Bootes vor Schwedens Küsten galt. Damit gibt es kein “Beweisstück” oder Indiz mehr für ein fremdes, ausländisches, feindliches, unbekanntes und/oder russisches U-Boot vor Schwedens Küsten in den Jahren 2014 und 2015. Genau dies räumte der schwedische Verteidigungsminister ebenfalls ein.“.


19.6.2016 – Nachrichtensperre in Deutschland

Vor acht Tagen – am 11. Juni 2016 – verkündete der schwedische Verteidigungsminister in Radio Schweden, dass es keine russischen U-Boote vor Schweden gegeben hatte. Bei den angeblich georteten U-Boot-Signalen 2014 und 2015 soll es sich um ein schwedisches Signal und ein deutsches Signal gehandelt haben. Das vermeintliche Bild eines russischen U-Bootes, welches 2014 und auch noch 2015 durch die Medien ging, wurde schon im April 2015 vom schwedischen Militär als normales kleines Schiff entlarvt. Die sensationelle Meldung vom 11. Juni 2016 wurde nicht nur in den deutschen Medien bisher komplett verschwiegen. Es herrscht quasi eine vollständige, „freiwillige“ Nachrichtensperre in den Medien der NATO-Länder. Das ist äußerst gruselig. Seit zwei Jahren machen die deutschen Medien einen riesigen Aufstand wegen angeblicher russischer U-Boote vor Schweden und dann verkündet die schwedische Regierung öffentlich, dass das alles ein „Fehlalarm“ war (viele würden eher sagen „Propaganda“), und das wird dann komplett verschwiegen.

Zwei Tage vor dem Eingeständnis der schwedischen Regierung – die laut Verteidigungsminister schon seit 2015 wußte, dass die vermeintlichen feindlichen U-Boote vor Schweden keine russischen waren – hatten die deutschen Medien noch vollmundig über russische U-Boote berichtet. Beispielsweise WELT ONLINE in dem propagandistischen Artikel „Russische U-Boote fordern die Nato im Atlantik heraus“ von Daniel-Dylan Böhmer vom 9. Juni 2016. Dort heißt es unter anderem: „Am 9. Juni erklären die schwedischen Streitkräfte, sie hätten Ende April ein Seemanöver eingestellt, weil unterseeische Aktivitäten einer unbekannten Macht beobachtet worden seien. Im Oktober 2015 und im Juni 2014 hatte die schwedische Marine russische U-Boote in ihren Gewässern geortet. […] Die häufigeren Übergriffe russischer Einheiten hingen auch damit zusammen, dass auf dem zahlreicheren neuen Gerät auch mehr geübt werden müsse, meint Giles. ‚Aber die Russen wollen auch einschüchtern.‘ Finnland und Schweden denken über Nato-Beitritt nach. Ein Ziel sei es, die neutralen skandinavischen Staaten Finnland und Schweden von einem Beitritt zur Nato abzuhalten. ‚Aber das geht letztlich nach hinten los‘, meint Giles. ‚Gerade wegen der vielen Luft- und Seevorfälle hat Schweden jetzt aufgerüstet und erwägt wie Finnland, sich dem westlichen Bündnis anzuschließen.’“.

Seit dem 11. Juni 2016, seit die schwedische Regierung in Schwedens öffentlich-rechtlichem Radio verkündete, dass die U-Boot-Jagd auf russische U-Boote vor Schweden ohne jede Grundlage war, herrscht eisernes Schweigen in den deutschen Medien. Auch jeglicher Hinweis an die deutschen Medien wird ignoriert oder abgeblockt. Eines der vermeintlichen russischen U-Boote soll laut schwedischer Regierung ein deutsches gewesen sein. Auch das ist offenbar kein Grund für deutsche Medien, zu berichten. Das ist ein ungeheurer Medienskandal.

In den letzten zwei jahren gab es hunderte Artikel mit dem Slogan „russische U-Boote vor Schweden!“. Und jetzt, da sogar die verbündete schwedische Regierung (die ja gerade in Schweden mit NATO und Finnland das Marinemanöver BALTOPS zum See- und Küstenkrieg an und in der Ostsee abhalten läßt) das Vorhandensein diese russischen U-Boote dementiert, wird diese sensationelle Wende einfach komplett ignoriert. Und zwei Tage zuvor gab es in den deutschen Medien noch Russische-U-Boote-Propaganda! Das alles kann man noch nicht einmal mehr als einfache Lügen der Medien bezeichnen, dass ist einfach nur noch ein völlig kaputter geopolitischer „Journalismus“ als bedingungsloser Meinungsdienstleister der Mächtigen. Wahr ist nicht, was erwiesene Tatsache ist, sondern was die Medien bereit sind, als wahr zu berichten. Das ist ein Horrorszenario. Das ist eine Katastrophe.


9.7.2016 – U-Boot-Skandal in der Bundespressekonferenz

Am 11. Juni 2016 gab der schwedische Verteidigungsminister in einem Interview mit Radio Schweden bekannt, dass tatsächliche oder angebliche U-Boote vor Schwedens Küsten keine Unterseeboote aus Russland gewesen seien, sondern dass in einem Fall ein schwedisches und in einem späteren Fall ein deutsches U-Boot für ein Signal verantwortlich gewesen sei, welches einen Fehlalarm auslöste. Das in der Presse kursierende angebliche U-Boot-Bild aus Schweden hatte sich schon vor über einem Jahr als Falschbild entpuppt: Es zeigt nur ein normales Boot, ein kleines Schiffchen von zehn Metern Länge. Die monatelange, bis vor Kurzem – tatsächlich bis einen Tag vor den Enthüllungen der schwedischen Regierung (!) – anhaltende U-Boot-Hysterie über angebliche russische U-Boote vor Schweden auch in deutschen Medien („Schweden gibt bekannt: Es gab kein russisches U-Boot vor Stockholm„) – ohnehin unter schwerem Propagandaverdacht – löste sich damit vollständig in Luft auf, was allerdings von den deutschen Medien nun großflächig ignoriert wird („Medien halten eisern an Propagandalüge fest„).

Nun hat ein schwedischer Journalist – Herr Daniel Alling vom schwedischen Rundfunk, Korrespondent in Berlin – bei der Bundespressekonferenz nachgefragt, was es denn mit diesem angeblichen und möglicherweise deutschen (und eben nicht russischem) U-Boot vor Schwedens Küsten auf sich hat. Die Vertreter der Bundesregierung gaben sich unwissend. Obwohl das Ganze natürlich ein riesen Thema ist und obwohl es ja schon einige Anfragen von schwedischen Medien, Politikern etc. an die Bundesregierung und die Bundeswehr dazu gab. Auch ein deutscher Journalist – Dirk Pohlmann – hatte dazu entsprechend schon das Verteidigungsministerium angefragt. Dort stritt man aber ab, dass das U-Boot ein deutsches gewesen sei. Die deutsche Botschaft in Schweden stritt auch ab, dass ein deutsches Unterseeboot an Schwedens Küsten aktiv war („Deutsche Botschaft: Schwedische Regierung sagt Unwahrheit über deutsche ‚russische‘ U-Boote vor Schweden„) – Man bezog sich dabei auf Angaben der deutschen Marine.

Video bei Youtube von „Jung & naiv: „Deutsches U-Boot vor Schweden? – Komplette Bundespressekonferenz vom 8. Juli 2016“ (Bei Klick auf diesen Link startet das Video direkt an der entsprechenden Stelle zu den U-Booten vor Schweden).

Telepolis – Autor Markus Kompa – schreibt zu der Sache in dem Artikel „Medienfront hält U-Boot unter der Wasseroberfläche„: „Nachdem die U-Boote sich also noch immer auf Irrfahrt im deutschen Blätterwald befinden, befragte nun gestern in der Bundespressekonferenz ein schwedischer Journalist den Sprecher der Hardthöhe, was ein deutsches U-Boot in den schwedischen Schären zu suchen habe. Die Empörung in politischen Kreisen in Stockholm sei groß. Dem Sprecher allerdings war dieser Sachverhalt, der in alternativen Medien schon lange kursiert, angeblich nicht einmal bekannt. Auch die Nachfrage des unabhängigen Journalisten Tilo Jung, ob ein vom Sprecher als deutsches bezeichnetes U-Boot immer zur deutschen Marine gehöre, vermochte der Sprecher nicht zu beantworten.“.

Den kompletten Text der Bundespressekonferenz und damit auch die entsprechenden Passagen zu den pseudo-russischen U-Booten vor Schweden kann man auch bei „Jung & naiv“ nachlesen (und anschauen): „Bundesregierung für Desinteressierte: BPK vom 8. Juli 2016„. Hier der Auszug mit den U-Boot-Fragen (staatlicher schwedischer Rundfunk durch Herrn Alling und dann auch Tilo Jung von „Jung und naiv“, unabhängiger Journalist), die vom Auswärtigen Amt (Sprecher Herr Dr. Schäfer) und vom Verteidigungsministerium (Sprecher Herr Flosdorff) beantwortet wurden:

FRAGE ALLING: Es wurde in schwedischen Medien heute enthüllt, dass ein deutsches U-Boot im April 2015 schwedische Gewässer außerhalb Stockholms verletzt hat. Die Position war Vindbåden in den südlichen Schären von Stockholm. Gab es ein deutsches U-Boot in der Ostsee, das 2015 in schwedischen Gewässern war? Was hat ein deutsches U-Boot in den Stockholmer Schären zu suchen?

DR. SCHÄFER: Das weiß ich nicht. Haben die da Aale gesucht oder gefangen? Was macht man da? Herr Flosdorff?

FLOSDORFF: Die Meldung ist mir nicht bekannt. Ich kann sie hier nicht verifizieren. Ich muss einfach nachfragen. Ich weiß es nicht. Die schwedischen Medien haben auf jeden Fall nicht im Verteidigungsministerium nachgefragt, um das zu verifizieren. Insofern weiß ich nicht, woher die Information stammt.

ZUSATZ ALLING: Vom schwedischen Verteidigungsministerium.

FLOSDORFF: Ich kann Ihnen dazu nichts sagen. Das ist mir nicht bekannt. Das liefere ich aber gerne nach. Ich werde nachfragen und es dann der gesamten Bundespressekonferenz nachliefern.

ZUSATZFRAGE ALLING: Haben Sie bzw. Deutschland diesbezüglich Kontakt mit Schweden gehabt?

FLOSDORFF: Das ist mir nicht bekannt. Das Thema ist mir gar nicht bekannt. Ich habe davon noch nie gehört, werde aber gerne nachfragen, ob das auf irgendeiner Ebene besprochen worden ist.

FRAGE JUNG: Herr Flosdorff, Ihr Ministerium hatte sich gegenüber schwedischen Medien schon dazu geäußert und gesagt, dass sich im Januar 2015 kein U-Boot der Deutschen Marine in schwedischen Hoheitsgewässern befand. Darum habe ich jetzt einmal ein paar Detailfragen dazu: Wenn es ein deutsches U-Boot gibt, dann gehört es immer zur Deutschen Marine, richtig?

FLOSDORFF: Ich weiß nicht, welche Stelle sich da geäußert hat. Diese

ZURUF JUNG: Ihr Ministerium!

FLOSDORFF: Ich weiß es nicht. Wenn es mein Ministerium ist, kann es sein, dass das in irgendeinem Jahr gewesen ist. Mir ist der Fall nicht bekannt. Ich kenne die Äußerung nicht. Ich kenne die Antwort nicht. Ich kann Ihnen deswegen hier keine Details dazu nennen; es tut mir leid.

ZUSATZ JUNG: Aber dann können wir ja Fragen stellen, deren Antworten Sie nachreichen können.

FLOSDORFF: Ja, das hatte ich ja gerade eben angeboten.

ZUSATZFRAGE JUNG: Darum die Frage: Wenn Sie von einem deutschen U-Boot sprechen, gehört das dann immer zur Deutschen Marine?

Meine zweite Frage wäre noch, ob sich ein deutsches U-Boot in anderen Monaten im Jahr 2015 und im Jahr 2014 in schwedischen Hoheitsgewässern befand. Darauf möchte ich auch eine Antwort haben.

FLOSDORFF: Ich weiß nicht, ob es deutsche U-Boote außerhalb der Marine gibt. Ich nehme an, wenn wir dazu Stellung nehmen, dann betrifft das U-Boote, die zur Deutschen Marine gehören.

DR. SCHÄFER: Ansonsten sind die Beziehungen zu Schweden aber wirklich ausgezeichnet!

ZURUF ALLING: Man kann immer lachen, aber das ist eine ernsthafte Frage, und die Empörung in politischen Kreisen in Stockholm ist groß; es tut mir leid.

DR. SCHÄFER: Wir lachen überhaupt nicht über Ihre Frage, ganz im Gegenteil. Ich finde die Vorstellung trotzdem amüsant, wenn Sie mir das erlauben. Es tut mir leid; nehmen Sie es nicht persönlich.

Schweden ist mittlerweile so gut wie in der NATO. Und das schwedische Militär hat nun mehr Mittel erhalten – aufgrund der “russischen U-Boot-Vorfälle”. Und der schwedische Verteidigungsminister versuchte bei der endgültigen Bekanntgabe der Wahrheit, sein monatelanges Schweigen damit zu rechtfertigen, dass eine Aufdeckung der Wahrheit peinlich für das schwedisches Militär sei und ja außerdem das schwedische Militär für diese U-Boot-Meldungen verantwortlich sei und er nicht in dessen Aufgabenbereich eingreifen oder vertrauliche Informationen preisgeben wollte. Dass die deutschen Medien überhaupt nicht darüber berichten, ist angesichts der U-Boot-Hysterie in den Jahren 2014 und 2015 (und 2016, Stichwort „russische Aggression“) mit den sich überschlagenden Meldungen zu diesen angeblichen Russenubooten in schwedischen Schären ein Skandal. Das Verhalten der Bundesregierung in dem Fall ist ebenso mehr als blamabel. Das zeigte gerade wieder (aber nicht nur) die aktuelle Bundespressekonferenz. Den Journalisten vom schwedischen Rundfunk quasi noch auszulachen und zu veräppeln (siehe Video), während Schweden fleißig Militärübungen mit der NATO macht, die in engem Zusammenhang mit der U-Boot-Propaganda stehen, ist einfach eine Frechheit.

Mehr zu den U-Booten vor Schweden bei Blauer Bote


13.7.2016 – Dreiste Medien nutzen Fake-U-Boote weiter für Propaganda

Seit Oktober 2014 war die deutsche und europäische Presse im U-Boot-Fieber: Angeblich wurden vor Schweden russische U-Boote gesichtet. Mal wieder, denn diese Geschichten über angebliche russische oder sowjetische U-Boote an Schwedens Küsten gibt es regelmäßig seit den 1980er Jahren. Eine Art Big Foot oder Nessie des Kalten Krieges wurde aus Propagandagründen wiedewr aus der Mottenkiste geholt, so der Verdacht. Und tatsächlich: Ein schlechtes angebliches Foto des U-Bootes wurde vom schwedischen Militär selbst im April 2015 als Bild eines normalen Bootes enttarnt, das Boot wurde sogar gefunden. Den westeuropäischen Medien war das egal: Die U-Boot-Hysterie – der Russenalarm – ging weiter, schließlich gab es angeblich ja noch Signale russischer U-Boote. Am 11. Juni 2016 hörte die U-Boot-Propaganda der westlichen Presse dann schlagartig auf: Die schwedische Regierung gab an diesem Tag im schwedischen Rundfunk eher beiläufig bekannt, dass es – nun auch ganz offiziell – kein russisches U-Boot vor Schweden gegeben hatte und vermeintliche Signale zu einem schwedischen U-Boot gehörten. Bei einer weiteren angeblichen Ortung eines U-Bootes aus Russland im Jahre 2015 soll es sich laut schwedischer Regierung um ein deutsches Boot gehandelt haben (Was Deutschland bisher abstreitet oder nicht zu wissen vorgibt).

In den deutschen Medien, wie auch in der Presse des befreundeten europäischen Auslandes, herrscht zu dem Thema „angebliche russische U-Boote vor Schweden“ seit dem 11. Juni eine Art Nachrichtensperre: Man weigert sich als geschlossene Medienfront und offenbar gezielt, die Bevölkerung in Kenntnis zu setzen, dass es diese angebliche russische Bedrohung in der Ostsee durch Unterseeboote nicht gab. Besonders dreiste deutsche (und österreichische) Medien haben vor einigen Tagen anläßlich des NATO-Gipfels in Polen sogar einen Weg gefunden, die pseudorussischen U-Boote vor Schwedens Küsten – falls es sie überhaupt wirklich gegeben hat – weiterhin für Propaganda gegen Russland einzusetzen, ohne den Fall auch nur annähernd aufzuklären und journalistisch korrekt und verständlich darzustellen.

taz

Die taz schreibt in dem Artikel „Nato-Gipfel in Warschau. Abschreckung und Dialog„:

„Das Militärbündnis will Einheit zeigen, scheitert aber daran beim Umgang mit Russland. Die skandinavischen Länder fühlen sich bedroht. […] In Schweden sorgten Gerüchte über ein russisches U-Boot vor der Küste und über Manöver mit angeblich Zehntausenden russischen Soldaten, die die Besetzung von Ostseeinseln übten, zu einer Anhebung des seit Jahren zurückgefahrenen Militärhaushalts. Erstmals seit Jahren gibt es laut einer Umfrage vom Mai in Schweden eine Mehrheit für den Nato-Beitritt. Auf dem Gipfel muss nun abgewogen werden, wie den Partnerländern Finnland, Schweden, Georgien, Moldawien und der Ukraine am besten geholfen werden kann. Eine Fehlentscheidung könnte für jedes dieser Länder folgenreiche Auswirkungen bis hin zum Krieg haben.“

Im gesamten Artikel findet keine Aufklärung des „russischen“ U-Boot-Falles statt. Natürlich auch nirgendwo anders in der taz. Am lauten Russen-U-Boot-Alarm war die taz freilich beteiligt. Und jetzt wird das U-Boot immer noch eingesetzt, obwohl die schwedische Regierung das doch öffentlich vor vier Wochen dementiert hat.

Weser-Kurier

Der Weser-Kurier schreibt in dem Artikel „Auf dem Nato-Gipfel steht der Umgang mit Moskau auf der Tagesordnung. Dialog und Abschreckung„:

„Schweden und Finnland nehmen in diesem Jahr ebenso wie Georgien und die
Ukraine als Gäste am Nato-Gipfel teil. Auch die bislang neutralen Länder Skandinaviens fürchten inzwischen einen Übergriff Russlands und erwägen eine Vollmitgliedschaft in der Nato. […] In Schweden sorgten Manöver-Gerüchte über ein russischen U-Boot vor der Küste und angeblich Zehntausenden russischen Soldaten, die die Besetzung von Ostseeinseln übten, zu einer Anhebung des seit Jahren immer weiter zurückgefahrenen Militärhaushalts. Zum ersten Mal seit vielen Jahren stimmten in einer Umfrage vom Mai dieses Jahres mehr Schweden für den Nato-Beitritt als dagegen.“

Im gesamten Artikel findet keine Aufklärung des „russischen“ U-Boot-Falles statt. Natürlich auch nirgendwo anders im Weser-Kurier. Am lauten Russen-U-Boot-Alarm war der Weser-Kurier freilich beteiligt. Und jetzt wird das U-Boot immer noch eingesetzt, obwohl die schwedische Regierung das doch öffentlich vor vier Wochen dementiert hat.

In einem anderen Weser-Kurier-Artikel wird eine Nebelkerze gezündet: „Im wirtschaftlich starken und unabhängig von Russland stehenden Schweden wagt man sich etwas weiter hervor. Das Parlament hat mit breiter Mehrheit eine Aufrüstung seines lange Zeit zusammengekürzten Militärs beschlossen. Ein vermeintliches russisches U-Boot in den Gewässern vor Stockholm und Meldungen über ein Kriegsspiel, in dem 33 000 russische Soldaten mehrere Ostseeinseln besetzen, beunruhigten die Bürger zutiefst. Aktuelle Medienberichte, denen zufolge es sich bei dem U-Boot um ein verirrtes deutsches Schiff gehandelt haben könnte, ändern nichts am Grundgefühl.“

Nein, dieses angebliche U-Boot 2014, das war nicht das möglicherweise deutsche Unterseeboot. Das war viel später. Nach der oder mitten in der massiven Medienkampagne zu angeblichen russischen U-Booten vor Schweden. Was der Weser-Kurier schreibt, ist schlicht eine Falschmeldung – Sowohl hinsichtlich des U-Bootes („DAS Russen-U-Boot“) als auch der „Medienberichte“ (Danke für die Blumen …) darüber. DAS U-Boot, das war das schwedische. Das „deutsche“ war nur ein späterer Propagandabeifang mittlerer Güte.

DiePresse.com

„Die Presse“ aus Österreich schreibt in der Meldung „Die Neutralität der Skandinavier ist passé„:

„Schweden und Finnland rücken aus Angst vor Russland immer näher an die Nato. Die Schweden sind erstmals mehrheitlich für einen Beitritt. […] Im wirtschaftlich starken Schweden wagt man sich weiter hervor. Das Parlament hat mit breiter Mehrheit eine Aufstockung des zusammengestrichenen Militäretats aufgrund der neuen Sicherheitslage beschlossen. Ein vermeintliches russisches U-Boot in den Gewässern vor Stockholm und Meldungen über ein Kriegsspiel, in dem 33.000 russische Soldaten mehrere Ostseeinseln besetzen, beunruhigten die Bürger zutiefst. In Schweden waren laut einer Umfrage im Mai mit 38 Prozent erstmals mehr Schweden für einen Beitritt als dagegen (31 Prozent).“

Im gesamten Artikel findet keine Aufklärung des „russischen“ U-Boot-Falles statt. Natürlich auch nirgendwo anders bei Die Presse. Am lauten Russen-U-Boot-Alarm war Die Presse freilich beteiligt. Und jetzt wird das U-Boot immer noch eingesetzt, obwohl die schwedische Regierung das doch öffentlich vor vier Wochen dementiert hat.

Fassungslosigkeit

Viel mehr als die Meldungen aus den drei oben aufgeführten Medien findet man in den „etablierten Medien“ seit dem 11. Juni 2016 – dem Dementi der schwedischen Regierung – nicht zu den angeblichen und nicht-russischen U-Booten vor Schweden. Es gibt offenbar nicht eine einzige korrekte Meldung über die schwedischen U-Boot-Vorfälle seit dem Dementi durch das schwedische Verteidigungsministerium vor einem Monat in den etablierten deutschen und EU-Medien. Die meisten Medien verschweigen die Aufklärung einfach weiterhin. Die oben genannten Medien sind so dreist und nutzen die U-Boot-Sache weiterhin für Propaganda. Wer die genannten Artikel liest und nur den vorherigen Medienhype um eine russische U-Boot-Bedrohung kennt, der glaubt doch nach dem Lesen weiterhin daran.

Diese Artikel klären nichts auf. Sie sind so geschrieben, dass der diesen Medien vertrauende Leser weiter daran glaubt, was die Presse ihm seit zwei Jahren zur „U-Boot-Bedrohung“ auftischt, und als Feigenblatt steht da ein „vermeintlich“ oder „Gerüchte“. Das versteht natürlich niemand, der sich nicht intensiv mit der Sache beschäftigt hat, dass das eine Art Dementi der „russischen U-Boot-Bedrohung“ sein soll. Aber dieses „vermeintlich“, dieses „Gerüchte“ ist doch ungeheuer wichtig in seiner Bedeutung: Damit haben diese Medien sich nämlich enttarnt. Wer ein billiges Feigenblatt braucht, um sich notfalls wie ein erwischter Trickdieb herausreden zu können, der zeigt, dass er bescheid weiß und dass er weiß, dass er lügt und manipuliert. Die meisten anderen Medien haben es in den letzten Wochen dabei belassen, die Wahrheit wegzulassen und sich auch nicht durch Proteste von Lesern und Zuschauern dazu bewegen lassen, journalistisch tätig zu werden.


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