Bis heute müssen grönländische Eltern bei Verdacht auf Kindswohlgefährdung einen psychologischen Test machen, um zu “beweisen”, dass sie als Eltern überhaupt “geeignet” sind. Ein diskriminierender Test nach dänischen Standards, der die Inuit abwertet. Nun wird dieser Test abgeschafft.
Während die Welt vor allem auf den Disput zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union um Grönland blickt, kämpfen die Inuit dort weiterhin mit diskriminierenden Vorschriften und Regeln. So müssen sie sich bei Verdacht auf mögliche Kindswohlgefährdung immer noch standardisierten psychologischen “Eltern-Kompetenz-Untersuchungen” (auf Dänisch forældrekompetenceundersøgelse, kurz FKU) unterwerfen.
Doch diese Tests sind sowohl kulturell als auch sprachlich nicht für die Inuit geeignet. Viele Grönländer sprechen Dänisch nicht als Muttersprache und die kulturellen Eigenheiten der Inuit unterscheiden sich in vielen Belangen von jenen der Dänen. Dadurch erzielen sie bei den Tests systematisch schlechtere Ergebnisse, was zu Fehlurteilen über ihre elterliche Kompetenz führen kann. Das führt unter anderem dazu, dass grönländischen Familien häufiger das Sorgerecht entzogen wird als jenen in Dänemark.
Die Regierungen in Kopenhagen und Nuuk haben vereinbart, dass die Tests künftig in Fällen mit grönländischen Eltern nicht mehr angewendet werden sollen. Der Grund: Sie gelten als diskriminierend, weil sie kulturelle Unterschiede nicht ausreichend berücksichtigen und zu falschen Rückschlüssen über die Erziehungsfähigkeit geführt haben können.
Stattdessen sollen künftig spezialisierte Einheiten mit Kenntnissen der grönländischen Sprache und Kultur bei der Bewertung von Kindeswohlfällen hinzugezogen werden. Zudem sollen frühere Fälle überprüft werden. Nun will man ein entsprechendes Gesetz verabschieden, welches dann bis zum 1. Mai 2026 in Kraft treten soll.
Angesichts der seit Jahrhunderten praktizierten Ungleichbehandlung der Inuit in Grönland durch die dänischen Behörden ist es auch verständlich, warum die Insel die staatliche Unabhängigkeit anstrebt.

