Großbritannien liefert derzeit ein Lehrstück darüber, wie man ein funktionierendes Stromsystem systematisch gegen die Wand fährt. Windstrom aus Schottland wird abgeregelt, weil es nicht genügend Leitungen nach England gibt. Doch bezahlt werden die Betreiber trotzdem.
Während Politiker und Medien die Windkraft weiter als Heilsbringer feiern, zeigen neue Zahlen aus Großbritannien das tatsächliche Ausmaß der Verschwendung. Im Jahr 2025 wurden rund 10 Terawattstunden Windstrom schlicht entsorgt – genug, um alle Haushalte Londons ein ganzes Jahr lang zu versorgen. Bezahlt haben das nicht etwa die Betreiber, sondern die Stromkunden: 1,4 Milliarden Pfund an sogenannten Abregelungskosten.
Der Grund dafür ist simpel. Der Strom wird dort erzeugt, wo ihn niemand braucht, und das Netz ist nicht in der Lage, ihn dorthin zu transportieren, wo er gebraucht würde. Besonders betroffen ist Schottland, wo Windparks bei starkem Wind reihenweise abgeschaltet werden müssen. Allein im Norden Schottlands wurden 8,8 TWh Windstrom abgeregelt. Gleichzeitig müssen Gaskraftwerke einspringen, um die Versorgung stabil zu halten. Das sind doppelte Kosten ohne Nutzen.
Dieses System produziert absurde Effekte: Windparks werden dafür bezahlt, keinen Strom zu liefern, während konventionelle Kraftwerke teuer hochgefahren werden, um genau diese Lücken zu schließen. Je mehr Wind- und Solarkraftwerke ans Netz angeschlossen werden, desto häufiger muss man diesen auch abregeln.
Offiziell soll das Problem mit massiven Netzausgaben gelöst werden. Die britische Regulierungsbehörde Ofgem hat Investitionen von bis zu 90 Milliarden Pfund für neue Leitungen und Umspannwerke genehmigt. Niemand wird 90 Milliarden Pfund ausgeben, um weniger als eine Milliarde pro Jahr an Abregelungskosten zu sparen. Diese Investitionen dienen allein dazu, das Netz für das politisch verordnete “Net Zero”-Ziel aufzurüsten – nicht, um schottische Windparks effizient anzubinden.
Der entscheidende Punkt wird dabei konsequent ignoriert. Selbst mit einem massiv ausgebauten Netz wird es in wenigen Jahren regelmäßig Tage geben, an denen mehr Strom erzeugt wird, als das Land überhaupt verbrauchen kann. Keine zusätzliche Leitung kann dieses Grundproblem lösen. Das hat auch der britische Netzbetreiber NESO bereits 2024 analysiert, als er Ed Milibands Clean-Power-Plan prüfte. Das Ergebnis war verheerend: Jährlich würden rund 83 TWh erneuerbarer Strom im Überschuss anfallen.
Davon sollen laut Planung 61 TWh ins Ausland verkauft werden – zu Verlustpreisen. NESO rechnet optimistisch mit Erlösen von 40 Pfund pro Megawattstunde, während die Erzeugung im Schnitt 79 Pfund kostet. Gleichzeitig müsste Großbritannien bei Importen während der Dunkelflauten rund 89 Pfund pro Megawattstunde zahlen. Die Hoffnung, Überschüsse exportieren zu können, ist jedoch illusorisch, da ganz Europa bei Starkwind ebenfalls im Strom ertrinkt.
Falls diese Exporte nicht gelingen, lägen die jährlichen Abregelungskosten bei etwa 6,6 Milliarden Pfund – wohlgemerkt nach heutigen Preisannahmen, die angesichts der jüngsten Förderauktionen bereits überholt sind. Die Prognosen gehen davon aus, dass Großbritannien künftig rund 245 TWh Windstrom pro Jahr erzeugen wird. Etwa ein Drittel davon müsste schlicht abgeregelt – und trotzdem bezahlt – werden.

