Es ist so weit: Die erste Wohnungsgenossenschaft schrÀnkt die Warmwasserversorgung ein. Wenn dieses Beispiel Schule macht, könnten bald sehr viele deutsche Mieter von Rationierungen betroffen sein. Auch ein Absenken der Heizungstemperatur steht bereits zur Debatte.
Der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde (Landkreis Osterzgebirge-SĂ€chsische Schweiz) hat beschlossen, die Warmwasserzufuhr einzuschrĂ€nken â wegen drastisch gestiegener Energiepreise. Die Verordnung trat am Freitag (1. Juli) in Kraft und betrifft rund die HĂ€lfte der 600 Wohnungen der Genossenschaft, die mit Gas beheizt werden. FĂŒr die betroffenen Mieter bedeutet das, dass warmes Wasser nun nur noch zu den Hauptnutzungszeiten morgens, mittags und abends verfĂŒgbar ist. Nachts und in Zwischenzeiten ist das Wasser kĂŒhler â angeblich zumindest nicht ganz kalt, da es im Kessel lĂ€ngere Zeit warm bleibt.
Aus einem Aushang des Vermieters, der auf Facebook gepostet wurde, geht hervor, dass warmes Wasser zwischen 8 und 11 Uhr und von 13 bis 17 Uhr eingeschrĂ€nkt wird, am Wochenende von 13 bis 16 Uhr, auĂerdem zwischen 21 Uhr und 4 Uhr morgens. Auch wird die Heizung bis September nicht mehr angeschaltet.
Falk KĂŒhn-Meisegeier, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft, erklĂ€rte im GesprĂ€ch mit MDR SACHSEN: âEs geht nicht darum, die Mieter zu gĂ€ngeln, sondern sich auf das einzustellen, was wir im nĂ€chsten Jahr vielleicht sonst nicht mehr bezahlen können. Wir wollen, dass Mieter gut durch diese Krise kommen. Das Leben ist so schon teuer genug.â
FĂŒr die Genossenschaft, die beim örtlichen Energieversorger in Vorkasse gehen muss, betrug die Vorauszahlung fĂŒr das Jahr 2021 noch 100.000 Euro, fĂŒr 2022 wird nun mit dem Vierfachen â 400.000 Euro â gerechnet. Laut Genossenschaft Ă€uĂerten die Mieter angeblich VerstĂ€ndnis fĂŒr die EinsparungsmaĂnahme, deren Effekt monatlich ĂŒber die ZĂ€hler abgeschĂ€tzt werden soll.
Scharfe Kritik vom Mieterbund
Der Mieterbund in Sachsen sieht das anders. Florian Bau, Sprecher des sĂ€chsischen Landesverbandes des Deutschen Mieterbundes, hĂ€lt das Vorgehen der Dippoldiswalder Wohnungsgenossenschaft fĂŒr rechtswidrig und erklĂ€rt auf Nachfrage: âFĂŒr das Vorgehen gibt es bisher keine Rechtsgrundlage. Nach geltendem Mietrecht wird eine 24-Stunden-Versorgung mit Warmwasser fĂŒr eine mangelfreie Wohnung vorausgesetzt.â Das stundenweise Aussetzen der Versorgung stellt damit einen Mangel dar und Mieter hĂ€tten Anspruch darauf, dass dieser beseitigt wird.
Abgesehen von der EinschrĂ€nkung der Warmwasserversorgung ist auch ein Absenken der Heizungstemperatur als Möglichkeit zum Energiesparen im GesprĂ€ch. So könnten Vermieter tagsĂŒber nur noch die gesetzlich vorgeschriebene Mindesttemperatur von 20 Grad zur VerfĂŒgung stellen und diese vielleicht noch auf 18 Grad senken. Eine entsprechende Ăberlegung stammt beispielsweise von Frank Emrich, Direktor des Verbands ThĂŒringer Wohnungswirtschaft (VTW). Der VTW bewirtschaftet rund 264.000 Wohnungen im Freistaat ThĂŒringen.
Auch wenn die Mieter der Dippoldiswalder Wohngenossenschaft die Warmwasserrationierung angeblich akzeptiert haben sollen, stellt sich doch die Frage, ob es nicht andere weniger einschneidende Möglichkeiten zur Energieeinsparung gegeben hĂ€tte. Woher stammt in Deutschland die groĂe Lust an ZwangsmaĂnahmen?
Ja, es lĂ€uft fĂŒr die GrĂŒnen. Nach der Zerstörung der Energiesicherheit â die Steilvorlage dafĂŒr wurde schon von der Merkel-Regierung geliefert â und der immensen Verteuerung in allen Bereichen, besonders aber im Energiebereich, können sie nun den nĂ€chsten Punkt, Energierationierungen fĂŒr die BĂŒrger, abhaken. Aber eigentlich ist ja Russlands PrĂ€sident Putin an allem schuld, oder etwa doch nicht?

