Von MEINRAD MÜLLER | Ein politischer Schlagabtausch war es nicht. Ein demokratischer Feldzug? Noch weniger. Das, was die ARD als „Wahlarena“ angekündigt hatte, wirkte eher wie ein inszeniertes Bühnenstück. Die Zuschauer? Handverlesen. So wie früher in der DDR. Damals nannte man es „vertrauenswürdige Genossen“. Hier hieß es „zufällig ausgewählte Bürger“. Doch wer genau hinhörte, erkannte die Muster: Fragen wie aus dem Parteiprogramm kopiert.
Und die Moderatoren Jessy Wellmer und Louis Klamroth? Die fielen weniger durch Zurückhaltung als durch Vorfestlegungen auf. Fragen wurden nicht gestellt, sondern inszeniert. Antworten wurden nicht eingefordert, sondern kommentiert. Zeit für Publikumsfragen, wie es im Vorfeld hieß? Fehlanzeige. Die Fragen kamen von „Bürgern“, die auffällig häufig in Nachwuchsorganisationen etablierter Parteien engagiert sind. Das war keine Arena. Das war eine Bühne.
Und mittendrin: Alice Weidel. Die Kanzlerkandidatin der AfD wirkte wie eine, die genau auf diesen Moment gewartet hat. Sie parierte die Angriffe mit der Ruhe eines Haudegens, antwortete präzise und scharf, ohne aus der Fassung zu geraten. Während die Moderatorin spitz nachfragte, lehnte sich Weidel entspannt zurück. Sie wusste: Hier sitzt keine zufällige Bürgerschaft. Hier sitzt das linke Jugendestablishment im Zuschauergewand.
Weidel, das wurde an diesem Abend deutlich, hat Rückenwind. Und der kommt nicht nur aus Deutschland. Donald Trump, J.D. Vance, Elon Musk – drei Namen, die Deutschland die Leviten lesen, doch Weidel bestärken. Der neue US-Vizepräsident Vance kritisierte erst kürzlich, Deutschland sei auf dem besten Weg, die Meinungsfreiheit zu verlieren. Brandmauern, so seine Worte, hätten in einer Demokratie nichts verloren.
Weidel läutete in der Arena diese Freiheitsglocke. Klar. Deutlich. Unbeirrt.
In den sozialen Medien wurde ihr Auftritt bereits kurz nach der Sendung diskutiert. Auf der Plattform X lobten viele Nutzer ihre Souveränität. „Die Einzige, die Klartext spricht“, schrieb jemand. „Mutig, wie sie sich dem orchestrierten Publikum stellt“, ein anderer.
Kritik gab es natürlich auch. Vor allem aus den Reihen jener Gruppen, die im Publikum saßen. Fridays for Future, die Grüne Jugend, SPD-nahe Nachwuchsorganisationen. Doch selbst einige politische Gegner mussten anerkennen: Diese Frau wird man nicht so leicht aus der Bahn werfen.
Am Tag nach der Sendung zog die Frankfurter Allgemeine Zeitung ein bemerkenswertes Fazit: „Die Normalisierung der AfD ist an diesem Abend nicht nur in vollem Gang – sondern abgeschlossen.“
Die Arena war also keine Arena, sie war ein Spiegel. Und in diesem war am Abend deutlich zu sehen, was in Deutschland gerade passiert: Die Kartellparteien kämpfen um ihr Überleben.
Meinrad Müller.
Meinrad Müller (71), Unternehmer im Ruhestand, kommentiert mit einem zwinkernden Auge Themen der Innen-, Wirtschafts- und Außenpolitik für diverse Blogs in Deutschland. Der gebürtige Bayer greift vor allem Themen auf, die in der Mainstreampresse nicht erwähnt werden. Seine humorvollen und satirischen Taschenbücher sind auf Amazon zu finden. Müllers bisherige Beiträge auf PI-NEWS gibt es hier, seinen Ratgeber für Hobbyautoren hier.

