Horst D. Deckert

Freie Bahn für Elon Musk: Neuralink darf in menschliche Gehirne implantiert werden

Elon Musk kann niemand wirklich einordnen. Einerseits zeigt sich der Multimilliarden schwere Computer-Nerd als Kämpfer für die weltweite Meinungsfreiheit, wie man an Twitter sieht. Andererseits treibt er Transhumanismus-Projekte voran wie kein anderer. Neuralink kann man freilich für das absolut Gute einsetzen, und beispielsweise Gelähmten wieder volle Kontrolle über ihren Körper geben. Andererseits wäre auch das absolut Böse möglich – und eine existente Technologie wird zwangsläufig auch missbraucht werden.

Das Unternehmen Neuralink hat die Zulassung für Versuche an freiwilligen menschlichen Probanden erhalten. Das System ermöglicht die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine durch ins Gehirn implantierte Elektroden. Kritiker sehen darin einen der größten Schritte in Richtung des Transhumanismus.

Die Ziele von Elon Musk mögen hingegen prinzipiell gut, edel, rein – und naiv sein. Natürlich könnte man mit so einem System unermesslich viel Gutes tun. Total Gelähmte könnten wieder kommunizieren oder ihren gesamten Körper wieder steuern. Stumme könnten sprechen lernen, ja vielleicht sogar Blinde wieder sehen. Gesunde Menschen können Ihr Gehirn mit dem Internet verbinden und schnell zu Informationen kommen. Möglicherweise kann man in naher Zukunft die Rechen- und Denkleistung des Gehirns steigern. Die Möglichkeiten erscheinen unendlich.

Doch was man im Guten einsetzen kann, ist auch im Bösen möglich. Die Armeen und Geheimdienste der ganzen Welt warten auf so ein System, um Cybersoldaten zu schaffen. Mit der Kraft von Gedanken könnten Kampfanzüge, Roboter, Flugzeuge und Panzer gesteuert werden. Vielleicht wäre es auch möglich, die geheimsten Gedanken eines Menschen mit so einem System zu extrahieren. Die CIA unterhält viele Folterlabors in der ganzen Welt, wo man solche Möglichkeiten sehr schätzen würde.

Neuralink wurde im Jahr 2016 von Elon Musk (…) sowie von Dongjin Seo, Max Hodak, Paul Merolla, Philip Sabes, Tim Gardner, Tim Hanson und Vanessa Tolosa gegründet

Das kurzfristige Ziel von Neuralink ist es, schwere Erkrankungen des Gehirns sowie des zentralen Nervensystems besser behandeln zu können. Langfristige Ziele umfassen unter anderem die technische Erweiterung des menschlichen Körpers („Human Enhancement“), um bei den Fortschritten in der Entwicklung von künstlicher Intelligenz mitzuhalten bzw. „potenziell gefährliche Verwendungen von künstlicher Intelligenz bekämpfen zu können.“

Wikipedia, abgerufen am 27.5.2023

Elon Musk beschrieb die Grundidee von Neuralink im Jahr 2017 wie folgt:

Wenn ein Wissenschaftler darüber nachdenkt, die grundlegende Natur des Lebens zu verändern – Viren zu erzeugen, Gene zu verändern – malt dies ein Schreckgespenst an die Wand, das viele Biologen als ziemlich besorgniserregend empfinden, während die Neurowissenschaftler, die ich kenne, wenn sie über Chips im Gehirn nachdenken, es ihnen nicht so fremd zu sein scheint, weil wir bereits Chips im Gehirn haben. Wir haben eine tiefe Hirnstimulation, um die Symptome der Parkinson-Krankheit zu lindern, wir haben frühe Versuche mit Chips, um das Sehvermögen wiederherzustellen, wir haben das Cochlea-Implantat – für uns scheint es also keine große Anstrengung zu sein, Geräte in ein Gehirn zu stecken, um Informationen auszulesen und Informationen wieder einzulesen.

Neuralink basiert auf invasiven Neuroprothesen, also Sonden die direkt ins Gehirn implantiert werden. Die Überwindung verschiedener degenerativer Nervenkrankheiten oder Rückenmarksschäden ist aber nur ein erster Schritt. Musk hat öffentlich darüber philosophiert, konsensbasierte Telepathie verwirklichen zu wollen. Übertragen aus der Sprach der Nerds und Science Fiction Leser: Er möchte, dass Menschen nur mit der Kraft ihrer Gedanken miteinander kommunizieren können, wenn sie das wollen.

Diese Strategie zeigt aber auch, wie naiv der Visionär in Wahrheit ist. Denn genau solche Systeme würden Kampfgruppen im Militär entscheidende Vorteile bringen. Und natürlich würde jedes Militär der Welt so ein System einsetzen, wenn es irgendwie in die Finger zu bekommen ist.

Dass nun also Menschenversuche mit dem System starten, ist genauso faszinierend wie auch bedenklich.

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