America stands with Greenland“ – Wenn Propaganda Geschichte fälscht
Ein neuer Propagandaclip, den Donald Trump auf seinem X-Konto verbreitet hat, erreicht Millionen – und erzählt eine absurde, gefährliche Geschichte:
Ein von den Nazis 1943 versenktes US-Schiff mit Soldaten und Geistlichen wird in ein mythisch aufgeladenes Symbol umgedeutet – nicht etwa für Opfer oder Verteidigung, sondern als „Blutschwur“, der den USA bis heute territoriale Legitimität über Grönland verleihe.
Direkt zum Video.
Die Erzählung:
„Nicht durch Verträge oder Handel, sondern durch Blut und Tapferkeit“ sei eine unzerbrechliche Verbindung zwischen Amerika und Grönland entstanden.
Das Video erinnert visuell und sprachlich an Militärwerbung, spielt mit Pathos, Heldentod und geopolitischer Angst – Russland und China werden als neue Bedrohung ins Spiel gebracht. Die USA, so die Botschaft, müssten nun wieder gemeinsam mit Grönland aufstehen – gegen „russische Aggression“ und „chinesische Expansion“.
Was wirklich geschieht:
Das Video instrumentalisiert gefallene Soldaten und Geistliche des Zweiten Weltkriegs, um ein narratives Fundament für moderne Expansionsträume und geopolitische Einflussnahme zu legen.
Es tut so, als sei territoriale Annäherung an Grönland keine politische Entscheidung, sondern eine Art „Schicksal“, eine historische Pflicht. Die Phrase „America stands with Greenland“ wird zur orwellschen Formel – aus Souveränität wird Partnerschaft, aus militärischer Präsenz wird Schutz.
Die Absurdität gipfelt in der Idee, dass der Tod von Soldaten im Zweiten Weltkrieg die USA legitimiere, heute geopolitisch in Grönland zu agieren – ausgerechnet gegen Staaten, die damals mit den USA gegen den Faschismus kämpften.
Wer wird hier eigentlich beleidigt?
- Die amerikanische Bevölkerung, der man zutraut, diese krude Erzählung nicht zu hinterfragen.
- Die gefallenen Soldaten, deren Opfer zur Legitimierung moderner Hegemonie missbraucht wird.
- Und Grönland selbst, das in dieser Geschichte nicht als souveräne Nation, sondern als geopolitischer Vorposten dargestellt wird.
Fazit:
Dieses Video ist keine Hommage – es ist ein Musterbeispiel propagandistischer Geschichtsverzerrung. Es verpackt imperiale Interessen in heldenhafte Nostalgie und suggeriert, dass moralische Ansprüche dort entstehen, wo Blut geflossen ist. Eine gefährliche Logik, die aus der Vergangenheit nichts gelernt hat.

