Horst D. Deckert

Kostenpflichtige Schnelltests: Verursacherprinzip für Dummies

Schnelltest (Symbolbild:Shutterstock)

Unbekümmert und schamlos wird die Aufwiegelung und gegenseitige Verhetzung der Einwohner dieses Landes durch eine scheidende (wenn womöglich auch noch lange Monate geschäftsführend weiterwirkende) Bundesregierung auf die Spitze getrieben – via 2G oder subtilere Formen der Diskriminierung. Neueste Stimmungsmache, gezielt abgestimmt aufs limbische System propagandaempänglicher und faschismusanfälliger braver Deutscher, liefert zum gefälligen Alltagsgebrauch konzipierte Scheinargumente für fortschreitende Anfeindungen – getreu dem Slogan „geht ins Ohr, bleibt im Kopf„. Neuestes Beispiel ist die These, die seit Montag kostenpflichtigen Schnelltests seien nicht mehr als recht und billig, weil durch sie endlich das „Verursacherprinzip“ angewandt werde: Es sei ja nur konsequent, dass der, der sich stur stelle, für die „Folgen seiner Entscheidung“ geradestehen müsse, um der Gemeinschaft „nicht länger zur Last zu fallen„.

Diese nur vordergründig überzeugende Logik erweist sich bei näherer Hinterfragung nicht nur als brandgefährliche Abkehr vom Solidarprinzip. Sie schrammt auch unappetitlich nahe am NS-Ausgrenzungwahn „unwerten Lebens„, „nutzloser Esser“ und „schädlicher Erbkranker“ vorbei, der damals die gesamtgesellschaftlich zu tragenden Versorgungskosten für diesen „Ballast“ zur Zumutung für alle rechtschaffenen, gesunden und somit lebenswerten und rechtsfähigen Elemente des „Volkskörpers“ erklärte. Natürlich wird heute im Ergebnis ein anderes Ziel verfolgt, gewiss bestehen Unterschiede in der ethischen Abgründigkeit des verfolgten Zwecks; doch die angewandte massenpsychologische Methodik ist beunruhigend ähnlich – und sie bedeutet einen Dammbruch, was die künftig beliebig ausweitbare Sanktionierung unerwünschten, sozialschädlichen „Fehlverhaltens“ anlangt. Von hier bis zum chinesischen Social Scoring ist es nämlich nur noch ein Katzensprung.

Nicht mehr weit bis zum chinesischen Social Scoring

Viel ist gesagt und geschrieben worden über die Unsinnigkeit kostenloser Schnelltests: Gesundheitspolitisch, weil sie Infizierte tendenziell von Tests abhalten und damit die Überwachung und Kontrollieren des Infektionsgeschehens (die doch angeblich unverzichtbarstes Pandemiemonitoring darstellt) vereitelt; rechtstaatlich, weil der Staat die Bürger für die Kosten der von ihm selbst auferlegten Beschränkungen und Maßnahmen – gerade bei anlasslosen Tests symptomloser Gesunder – freizuhalten hat. Und ordnungspolitisch-praktisch, weil durch die als Strafzahlung empfundene Kostenpflicht immer mehr Betroffene zu gefälschten Testnachweisen oder gar Fake-Impfzertifikaten greifen werden. Kurzum – die Selbstzahlpflicht der Tests ist ein rundum kontraproduktiver Schuss nach hinten.

Noch im Juli hatte der überführte Lügner und falsche Prophet, der SPD-Pseudo-„Experte“ Karl Lauterbach, wörtlich erklärt: „Kostenpflichtige Corona-Tests für Ungeimpfte sind grundfalsch.“ Auch seine Begründung ließ damals aufhorchen: „Das wäre der erste Schritt zu einer Impfpflicht durch die Hintertür, die es auf keinen Fall geben darf.“ Vorgestern, zur Einführung der Kostenpflicht von 15 oder gar 20 Euro pro Tests, begrüßte Lauterbach die neue Regelung ausdrücklich und fordert eine weitere Erhöhung des Drucks auf Ungeimpfte. Ein weiteres Beispiel, mit welcher unfassbaren Dreistigkeit in dieser Pandemie nicht mehr ernstzunehmende politische Schwindler und Unruhestifter die Bevölkerung hinters Licht führen und verunsichern. Was soll man dieser Witzfigur, die allen Ernstes als Gesundheitsminister gehandelt wird, noch abkaufen? Was die „Halbwertszeit“ und Absurdität früherer Aussagen betrifft, steht Lauterbach dem amtierenden Minister jedenfalls in nichts nach; ebenfalls im Juli wussten Spahn und seine geballte virologische Intelligenz ja auch schon, wie die Inzidenzen im Oktober – also jetzt – liegen werden:

(Screenshot:Twitter)

Das sind die Politiker, die die zur Aufrechterhaltung der „Inzidenzen“ unerlässlichen Tests den Bürgern nun aufs Auge bzw. den bereits geschröpften Geldbeutel drücken. (Hinweis am Rande: In Österreich werden nun schon Meinungsforscher wegen angeblich falscher Wahlprognosen im türkisenen ÖVP-Kurz-„Korruptions-„Skandal in Haft genommen. Im Gegensatz dazu können in Deutschland Regierungsmitglieder anscheinend falsche Inzidenzprognosen ungestraft verbreiten – mit denen Angst geschürt und vor allem Grundrechte eingeschränkt werden.)

Mit der Kostenpflichtigkeit von Schnelltests gerät der soziale Friede immer massiver ins Wanken – nicht nur, weil es jetzt zum ersten echten Bruch von Freundschaften, zu geplatzten Abendgesellschaften und Zerwürfnissen mit Konfliktpotential beim Einlass in 2G-Locations kommen dürfte, wenn jene dort auf Einlass hoffen auch ohne Test, den sie sich fortan nicht mehr leisten können oder wollen. Sondern auch, weil der identische Nachweis eines negativen Ergebnisses selbstverständlich auch durch einen privaten, in Gegenwart des Einlassenden durchführbaren Schnelltests für 99 Cent erbracht werden könnte. Genau das aber wird nicht akzeptiert:

(Screenshot:Twitter)

Parallel zur Verfemung der „Tester“, jener Vertreter der Kategorie des „dritten G“, das zunehmend für unerwünscht erklärt wird (ob die Tests nun selbst oder vom Staat bezahlt sind), werden auch schleichend all die Orte gesellschaftlichen Zusammentreffens unter argwöhnischen Generalverdacht gestellt, wo vor Corona intensiver Austausch stattfand. Vor allem die Kneipen; als Superspreader-Orte dialogisiert, sind sie im Pandemieregime einer (damals auf System- bzw. Täterseite diktatursozialisierten) Kanzlerin zu suspekten, da unkontrollierbaren Refugien des niederschwelligen Austauschs und Treffpunkt von Stammtischdissidenten geworden. Hier mit Kontakterfassung, Zugangsbeschränkungen, Maskenritualen und demnächst am besten flächendeckenden 2G-Regeln einen möglichst „unbedenklichen“ Publikumsverkehr herbeizuregulieren, ist inoffizielles Hauptziel des Corona-Staates. Schon deswegen darf es einen Freedom-Day so schnell nicht nicht geben.

Die Kneipe war seit jeher ein Ort der Kritik und der Zusammenkunft. Seit Corona aber gelten ihre Gäste als Hygiene-Rüpel, abgehängte Kleinbürger und prospektive AfD-Wähler. Etwas Wertvolles wird mit der Kneipe verschwinden, wenn der neue Tugendterror ihr den Garaus macht„, schreibt Magnus Klaue in der „Welt“ unter der Überschrift „Die Kneipe unter Verdacht“. Zum Sittengemälde einer verrückten Impfdemokratur passt nun auch, dass kerngesunde Menschen gerade der jüngeren Generation, die sich einer für sie entbehrlichen Experimentalimpfung verweigern, nicht einmal mehr ein Bier mit Freunden trinken dürfen, bevor sie ihre virologische Unbedenklichkeit durch eine teuren Antigentest-Momentaufnahme im nächsten Testzentrum schikanös nachgewiesen haben.

Einen positiven Effekt indes hat der willkürliche, an Staatsterror grenzende Gängelungswahn der kostenpflichtigen Tests: Wenn es nicht zu der oben genannten mutmaßlichen Explosion gefälschter Testergebnisse kommt, dann müsste der Inzidenzwert entweder in Kürze abstürzen – oder es wird schlagartig klar, dass die Geimpfen die eigentlichen Infektionsherde und und „Gefährder“ sind. Der Mythos der „Pandemie der Ungeimpften“ dürfte damit schneller entzaubert werden, als den Testfaschisten lieb sein kann.

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