Ein geleaktes internes Dokument der ARD zeigt erneut auf, dass deren Journalisten bestimmte Sprachvorgaben im Kontext des Nahostkonflikts erhalten. Objektivität scheint dabei nicht immer im Vordergrund zu stehen.
Das interne 47-seitige „Glossar Berichterstattung Nahostkonflikt“ kategorisiert verschiedene Akteure, Terminologien und Symbole und bietet sogar eine Liste mit Experten an. Die meist aus anderen Mainstream-Medien und Quellen wie der „Amadeu Antonio Stiftung“ oder „Belltower News“ stammenden Erläuterungen legen nahe, dass eine spezifische Perspektive bevorzugt wird.
Besonders auffallend ist der zweite Abschnitt des Glossars, der Ausschnitte aus internen E-Mails präsentiert, die exakte Formulierungen vorschreiben. So wird empfohlen, Termini wie „Gewaltspirale“ und „Eskalation im Nahen Osten“ zu vermeiden und stattdessen spezifischere Beschreibungen zu nutzen:
„… nach unserem Austausch in der 10:30 heute noch einmal ein Blick auf die Formulierungen in der Nahost-Berichterstattung. Wie wir gestern schon geschrieben haben, müssen wir von Tag zu Tag schauen, ob und wie wir unter anderem das Wort ‚Krieg‘ verwenden. Heute gibt es diese Hinweise und Aufforderungen: Wir sprechen immer noch von ‚Angriff(en) aus Gaza auf Israel‘ oder ‚Terrorangriff(en) auf Israel‘. Man kann aber auch ‚Krieg gegen Israel‘ sagen. Was unbedingt vermieden werden muss, sind Worte wie ‚Gewaltspirale‘ – und auch ‚Eskalation im Nahen Osten‘ beschreibt die aktuelle Situation seit Samstag nur unzureichend. Die Situation ist komplexer. Bitte achten Sie auch darauf, wie wir das Wort ‚Angriff‘ verwenden: In dieser Situation sind es ‚Gegenangriffe Israels auf Gaza‘. Es ist verkürzt zu sagen oder zu schreiben ‚Angriffe auf Israel und Gaza’“.
Die Anweisungen werden noch konkreter, indem sie die Bezeichnung „Hamas-Kämpfer“ ablehnen und stattdessen die Verwendung des Begriffs „Terroristen“ festlegen:
„‚Hamas-Kämpfer‘ bitte vermeiden! Wie bereits von der Chefredaktion festgelegt, sollte nicht euphemistisch von Hamas-‚Kämpfern‘, sondern von Terroristen geschrieben und gesprochen werden. Als Synonyme bieten sich ‚militante Islamisten‘, ‚militante Palästinenser‘, ‚Terrormiliz‘ o.ä. an. Die antisemitische Hamas wird international weitgehend als terroristische Organisation eingestuft. Im Gegensatz zur israelischen Armee unterscheidet die Hamas bei ihren Aktionen auch nicht zwischen militärischen Zielen und Zivilisten. Erklärtes Ziel der Hamas ist vielmehr die ‚Vernichtung Israels‘. Dazu bedient sie sich terroristischer Mittel wie Attentaten, wahllosem Raketenbeschuss und ähnlichem. Gleiches gilt für die Mitglieder des ‚Islamischen Dschihad‘, die sich an den Angriffen der Hamas beteiligen“.
Die Journalisten werden zudem darauf hingewiesen, dass israelische Angriffe im Allgemeinen militärische Ziele der Hamas im Gazastreifen treffen, wobei zivile Opfer häufig auf die Taktik der Hamas zurückzuführen sind, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen:
„Wer greift was an? Die israelische Armee fliegt als Reaktion Angriffe im Gazastreifen. Ziele waren in der Vergangenheit immer militärische Einrichtungen der Hamas. Dabei sterben oft viele Zivilisten, die von der Hamas als menschliche Schutzschilde missbraucht werden. Dennoch müssen wir immer wieder deutlich machen, dass es sich in der Regel um Angriffe auf militärische Ziele handelt.“

