Horst D. Deckert

Leserbriefe zu „Lügen über Landwirtschaft“

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Florian Schwinn hinterfragt hier medial verbreitete Lügen über die Landwirtschaft. So habe der Schauspieler Sky Du Mont – sekundiert von seinem Kollegen Hannes Jaenicke – behauptet, Kälber würden getötet. Eine deutschlandweite Studie habe den „behaupteten Skandal der Entsorgung von Kälbern im Container“ jedoch nicht erkennen können. Die 3nach9-Redaktion habe einen Faktencheck vorgelegt. Faktenchecks würden die Behauptungen, die sie womöglich widerlegen, ohnehin nicht mehr aus der Welt bringen: „Schon gar nicht in unserer medialen Aufregungsgesellschaft“. Falsch sei auch die Annahme, Rinder seien per se klimaschädlich, weil sie Methan ausstoßen. In den vergangenen Jahren sei die Menge der weltweit gehaltenen Rinder sogar gesunken. Es gebe auch Spitzenforschung dazu, wie man mit weniger Methanausstoß mehr Milch produziere. Danke für die interessanten E-Mails. Sie enthalten oftmals abweichende Eindrücke und Erkenntnisse. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe. Zusammengestellt von Christian Reimann.

1. Leserbrief

Hallo Herr Schwinn,
liebes NDS-Team,

mich erinnert die mutmaßliche Lüge von Sky Du Mont an die “Brutkasten-Lüge”, mit der ein Krieg vom Zaun gebrochen wurde. Führt der Schauspieler Krieg gegen das eigene Volk, flankiert vom zwangsfinanzierten öffentlich-“rechtlichen” Rundfunk?

Interessant ist auch der Zeitungsartikel, in dem en passant suggeriert wird, mit konventionellem Rindfleisch schonte man das Klima. Es liegt auf der Hand, daß es für die Viehzucht betreibenden Unternehmen günstiger (= höhere Margen) ist, sich nicht an Bio-Auflagen halten zu müssen, die zudem mit einem gesteigerten Tierwohl und Tierzufriedenheit einher geht (und so nebenbei dem Mißbrauch von Antibiotika einen Riegel vorschiebt, was die Entstehung multiresistenter Keime verringert, also auch im Interesse des Menschen ist). Aus der Schweine- & Hühnermast weiß man, daß man mit ein wenig mehr Aufwand, der nicht allzu viel kostet, deutlich bessere Haltungsumstände für die Tiere erreichen kann, was sich beim Endpreis pro kg nur um wenig mehr durchschlägt (nach meinem letzten Kenntnisstand nicht einmal ein Euro Mehrkosten). Das Einkaufsverhalten der Menschen, zukünftig auf Biofleisch zu verzichten, sorgt demnach für weitere Massentierhaltungen und satten Gewinnen für die Großen, während die kleinen Bio-Betriebe nicht mehr überlebensfähig wären, da weniger Abnehmer deutlich höhere Preise bedeuteten. Damit hätte man mit einem PR-Trick unliebsame Konkurrenz ausgeschaltet.

Es ist erstaunlich, daß die Mär von “Treibhausgasen” immer noch geglaubt wird, wurde diese doch 1971 vom “Club of Rome” ins Leben gerufen, die uns seither knechtet und für Umverteilungen der Gelder von “unten nach oben” sorgt. Methan ist wie Kohlendioxid Bestandteil unseres Ökosystems, und das, seit es Leben auf diesem Planeten gibt. Da ein Planet außerdem ein offenes System ist und der Treibhauseffekt (ohne Gas) auf dem Ausbleiben von Konvektion beruht, sich Luftmassen nicht austauschen und so ihre Temperaturen nicht ausgleichen können, ist der Logikfehler in der Annahme, es existierte so etwas wie ein Treibhausgas, ausreichend offenbart. Nimmt man dann noch hinzu, daß es in Eiszeiten höhere CO2-Konzentrationen gab als heute, so ist die Mär von den “Treibhausgasen” endgültig widerlegt.

Einen schönen 4. Advent wünscht
Michael Schauberger


2. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Schwinn,

was für Kälber vielleicht nicht zutrifft, wird aber leider, Fernsehberichten nach, immer noch in der Schweinezucht praktiziert:

Ferkel werden weiterhin qualvoll getötet. Report Mainz vom 12.1.16:
https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3N3ci5kZS8xNjc4MzIxOA/

Zu schlank. Warum gesunde Ferkel illegal getötet werden. Plusminus vom 7.12.22:
https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL…/

Mit freundlichen Grüßen
Joachim Himmeröder


3. Leserbrief

Liebes Nachdenkseiten-Team,

die von Herrn Dumont erzählte Geschichte über die Tötung männlicher Kälber in der Landwirtschaft ist möglicherweise eine unzulässige Verallgemeinerung von Praktiken, die in Italien in der Produktion von Büffelmilch für “echten” Mozarella zumindest bis vor ein paar Jahren tatsächlich üblich waren.
(https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/20907-rtkl-bueffelmozzarella-und-co-diesen-lebensmitteln-steckt-unerwartetes)

Seitdem das aufgedeckt wurde, geht es im Sinne der Tierausbeutung wohl etwas “korrekter” zu, indem man die männlichen Büffelkälber nun nicht mehr einfach verdursten lässt oder in Jauche-Gruben ertränkt, sondern nach ein paar Tagen in den Schlachthof bringt und dort zu Tierfutter verarbeiten lässt. Ob das so viel humaner ist, mag jeder für sich selbst beurteilen.

Tatsächlich ist es so, dass männliche Kälber auch hierzulande sozusagen ein unerwünschtes Nebenprodukt der “normalen” Milchwirtschaft sind, das sich wirtschaftlich nicht rechnet. Und weil das so ist, “verenden” merkwürdigerweise auch hierzulande männliche Kälber nach der Geburt mit einer wesentlich höheren Rate von 10 bis 20 Prozent, während nur 5 Prozent statistisch zu erwarten wären. Das schreibt sogar der Verband ProVieh, der Viehzucht als solche gar nicht ablehnt, sondern sie humanisieren möchte. (Siehe https://www.provieh.de/2021/05/die-ueberschuessigen-kaelber-der-milchviehhaltung/)
Was da hinter geschlossenen Stalltüren passiert, kann man nur mutmaßen, da es der Öffentlichkeit wohl kaum präsentiert wird.

Bei ProVieh kann man auch nachlesen, wie aus den nicht-verendeten Tieren über lange Tiertransporte in spezielle Kalbmastbetriebe (auch im Ausland) noch der letzte Cent heraus geholt wird.

Mir persönlich reicht schon das Wissen, dass selbst in Bio-Betrieben die Kälber nach ihrer Geburt von den Müttern getrennt werden. Man sieht selbst auf Vorzeigehöfen spezielle “Kälberboxen” dafür. Wenn man weiß, dass Säugetiermütter immer eine enge Bindung an ihr Neugeborenes haben, finde ich diesen Umstand schon grausam genug, um nicht die Säuglingsnahrung einer anderen Spezies nachzufragen. Wir sind nicht mehr unsere halb-nomadischen Vorfahren vom Schwarzen Meer, die als genetische Besonderheit eine Laktosetoleranz im Erwachsenenalter entwickelt haben, weil ihnen das einen Überlebensvorteil verschaffte. Heute können wir auch ohne das gut überleben, wie z.B. ostasiatische Kulturen zeigen, wo die Menschen auch heute noch nach dem Abstillen laktoseintolerant werden. (Wie praktisch jede andere, nicht-menschliche Säugetierart auch.)

Viele Grüße
Hauke Dressel


4. Leserbrief

Liebes NDS-Team,

eigentlich bin ich immer Ihrer Meinung und bin froh, dass es Leute gibt, die wie ich denken…

Jetzt muss ich mich mal melden. Vor ein paar Jahren habe ich das Buch von Tanja Busse gelesen ( die Wegwerfkuh ) und lebe seitdem fast vegan. Eine Schülerin erzählte mir ( ich lebe auf dem Land ), dass sie ein süßes Kälbchen bekommen hätten, welches sie aber nicht behalten könnten, da es ein Junge sei…ich habe nicht nach der Art der Entsorgung gefragt. Zur juristischen Aufarbeitung von Tierquälerei: ein Bauer im Umland hat 3000 Schweine verhungern lassen. Angeblich hat er sie vergessen! Urteil: Bewährung, Schweine darf er nicht mehr halten, Rinder schon…die bringen auch noch etwas Profit. Landwirtschaft ist kapitalistische Industrie, nichts Anderes.

Viele Grüße, schöne Feiertage und hoffentlich bis nächstes Jahr
Silvia Zschockelt


5. Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,

Eine Anregung zum Nachdenken:

Bezüglich der Äußerung von Sky Du Mont wollte ich Sie (die Nachdenkseiten) fragen, ob Sie der Meinung sind, dass der Bremer Bauernpräsident, sollte er in dem Zusammenhang nicht von Hetze sprechen, dann noch weiterhin Bremer Bauernpräsident wäre und dass Frau Prof. Marina Hoedemaker, die Direktorin der Rinderklinik der TiHO, der Tierärztlichen Hochschule Hannover, sollte sie hier nicht widersprechen, dann noch ihren Job weiter behalten könnte? Genauso würde es auch anderen Interessensvertretern z.B. des Bauernverbandes gehen, wenn sie dies nicht als Lügen bezeichnen würden. Hier wird keiner ausscheren. Die Präsidenten des Bauernverbandes wären alle innerhalb kürzester Zeit ihre lukrativen Jobs los! – Zu massiv die ökonomischen Interessen, die im Hintergrund sind! Hier wird sich keiner aus der Deckung wagen – zu verfilzt das System und zu groß der Gleichklang

Entscheidend ist wohl, dass Hannes Jaenicke Sky Du Mont nicht widersprochen hat, auch wenn Sky Du Mont jetzt einen Rückzieher macht.

Jetzt muß wieder einer öffentlich abschwören

In jedem Fall, das Thema ist im Raum und sollte weiter verfolgt werden!

Wohlgemerkt, es geht hier um die männlichen Kälber der Hochleistungsmilchkühe!

Mit herzlichen Grüßen
Ein seit Jahren begeisterter Leser der Nachdenkseiten
Franz Rieger


6. Leserbrief

Hallo NDS-Team,

als erfahrener Medienmensch der alten bundesrepublikanischen Medienwelt sollte für Herrn Schwinn ein gemäßigt aufklärerischer Tonfall noch in seinen Erfahrungshorizont fallen. Wäre die landwirtschaftliche Produktionssphäre frei von Skandalen und Korruption, dann wären viele der Behauptungen aus der Natur-und Tierschutzszene vielleicht blanker Unsinn. Aber stimmt das, was hier von Herrn Schwinn skandalisiert wird? Ist hier in der BRD die immer weiter voran schreitende industrielle Produktionsweise und die alles verschlingende kapitalistische Markt- und Verwertungslogik, in welcher der Mensch, das Nutz-Tier und die Natur Stück für Stück ihre Selbstbestimmtheit verlieren, nicht schon Beweis genug für diese groteske Entwicklung einer skrupellosen, aberwitzigen Überproduktion – insbesondere in der Landwirtschaft? Jeder mit den Medien halbwegs vertrauter Bürger kennt die Übertreibungen und Untertreibungen diverser gesellschaftlicher Lager. Bedarf es aber einer fast unsachlichen, diffamierenden Medien-Analyse im Sinn von Herrn Schwinn? Nach fast drei Jahren Pandemie haben auch staatliche Institutionen ihre Unschuld verloren (hier sei z. Bsp. die allgemein vertretene Aussage über die Schutzwirkung der sog. Impfung in Bezug auf Übertragbarkeit der Viren angeführt), sodass Experten mit ihren fachlichen Bewertungen aus diesem Meinungskorridor diese natürliche Unbefangenheit nicht mehr für sich reklamieren können. Damit stellt sich einen wichtige Referenz selbst infrage. Der Feldzug gegen Objektivität und Kausalität wird von Herrn Schwinn in einem scheinbar aufgeklärt klingenden Narrativ weiter gepflegt. Zweierlei Maß ist jetzt die bestimmende Größe. Und das wird insbesondere durch das merkwürdige Konstrukt des aktuellen deutschen Tierschutzgesetzes mehr als deutlich. Und darin wird ausdrücklich den Nutztieren eine Sonderrolle zuteil. Eine, die den Tieren jegliche Souveränität abspricht. Eine maximale Stufe der Entwertung des Lebens selbst. Zwei Schauspieler aus dem deutschen Medieneinerlei heben mit halbgaren Aussagen immerhin die Lautstärke des allgemeinen Echos. Daran reibt sich Herr Schwinn? Egal. Vielleicht werden auf diesem Wege die Anbindehaltung, das Ausbrennen der Hörner, die vorzeitige Tötung männlicher Kälber, belastetes Silagefutter, Gülle und und und … umfassender in das allgemeine Bewußtsein befördert. Warum erhebt sich der gestandene Journalist Schwinn nicht zum Advocatus Diaboli gegen die industrialisierte Landwirtschaft der BRD? In welchem Namen liefert Herr Schwinn wirklich diese unerträgliche Meinungs-Posse zu diesem heiklen Thema?

Vielen Dank an das NDS-Team – vor allem im neuen Jahr,
A. Perstat


7. Leserbrief

Sehr geehrte NDS,

Was soll so ein Artikel? Ist das um weiter mit gutem Gewissen Fleisch zu essen? Eine Art Selbstbestätigung des Autors? Mag ja sein, dass Du Mont mit der einen expliziten Aussage „gelogen“ hat, aber was soll uns der Umkehrschluss sagen? Das es unseren Rindern doch eigentlich ganz gut geht? Ich wohne neben einem Schweinebauern und neben einem Rinderbauern, ich kann ihnen aus Erfahrung sagen, was wir Menschen mit diesen Tieren machen ist eine Sünde. Das weiss ich nicht von Sky du Mont oder Jaennicke, sondern weil ich es mit eigenen Augen sehe. Das kann übrigens jeder, man muss nur mal aufs Dorf fahren und die Augen richtig aufmachen. Wer immer noch nicht verstanden hat, dass unsere Fleischproduktion mit brutaler Ausbeutung der Tiere Hand in Hand geht, der ist Naiv.

Unsere so hoch gehaltene deutsche Moral, wo ist die im Umgang mit Tieren? Kein Respekt vor dem Leben, brutale Ausbeutung, Speziezismus, sind alles Fakten, man muss blind sein, wenn man das nicht sieht. Stattdessen wird auf einer einzigen Aussage herumgeritten, die angeblich falsch ist.

Dem Kalb ist es egal, wie es am Ende zu Tode gequält wird, aber es ist eine Täuschung des Lesers, so zu tun als würde es eigentlich nicht unbedingt gequält. Ich würde sogar behaupten, ohne jedes Schwein, Huhn und Rind persönlich zu kennen, dass die grosse Mehrzahl an Zuchttieren ein Qualleben führt (der Autor kann diesen Satz ja wieder als „Lüge“ entlarven, weil keine Beweise).

Peinlich wird es nur, wenn man sich etwas selbst schön reden will und dann so ein Artikel rauskommt, das ist kognitive Dissonanz in Reinstform.

Schäbig ist den Leuten zu suggerieren, dass unsere Fleischproduktion in Ordnung wäre, anstatt drauf hinzuweisen, das sie es nur in wenigen Ausnahmen ist.

Wir sind im Jahr 2022, werdet mal erwachsen und lebt mit euren Sünden.
Aus meiner Sicht ein wirklich peinlicher Artikel.

Mit freundlichen Grüßen,
Dani El Eid


8. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Schwinn, sehr geehrte Redaktion der NachDenkSeiten,

ich habe mich gefragt, warum Sie diesen Artikel geschrieben bzw. veröffentlicht haben.

Die lügenhafte Übertreibung von Herr Du Mont zeigt aus meiner Sicht nur einmal wieder, dass man einer Sache – in diesem Fall dem Tierschutz – keinen Gefallen tut, wenn man meint, sie durch Übertreibungen und Lügen unterstützen zu können.
Das wäre dann eigentlich schon die ganze Moral der Geschichte gewesen.
Aber Herr Schwinn ist damit offensichtlich noch nicht zu frieden, er stört sich anscheinend am “übertriebenen” Tierschutz und mehr noch an den Aussagen der Wissenschaft über die klimaschädlichen Auswirkungen der Tierhaltung.

“Wenn es um die Landwirtschaft und unsere Ernährung geht, dann sind es gerne Gruselmärchen, die erzählt werden.”
Wenn es um die Massentierhaltung geht, dann handelt es sich leider nicht um Märchen, sondern um eine gruselige Realität, zu der u.a. auch die Schlachthöfe gehören.
Und so weit enfernt war Herr Dumont mit seinen Übertreibungen nicht von dieser Realität. Wenn ich in meiner Suchmaschine eingebe “Kälber” und “Entsorgung”, dann werden mir u.a. folgende Artikel angezeigt:
Entsorgte Kälber – Bulle? Stirb!
Die Existenznot von Milchbauern führt zu einem zynischen Umgang mit Bullenkälbern.
Tanja Busse, Autorin des Buches “Die Wegwerfkuh”, über eine grausame Entsorgungsmethode der Agroindustrie.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/tierhaltung-die-milchindustrie-entsorgt-maennliche-kaelber-a-1029612.html
200.000 männliche Kälber werden jährlich illegal getötet
Experten und Tierschützer schätzen, dass jedes Jahr Zehntausende Kälber in den ersten drei Lebensmonaten verenden oder getötet werden.
https://www.welt.de/wirtschaft/article203765326/200-000-maennliche-Kaelber-werden-jaehrlich-illegal-getoetet.html

Kommen wir zum Thema Methan.
Bei seinen Ausführungen unterschlägt Herr Schwinn, dass niemand der einzelnen Kuh die Schuld gibt, klimaschädlich zu sein. Klimaschädlich ist aber die Tatsache, das der Mensch aus Profitgier Rinder in unvorstellbaren Massen züchtet.
Auch in Deutschland gibt es mehr Rinder, als durch Futter aus eigenem Anbau ernährt werden können. Solange Deutschland Rinderfutter z.B. in Form von Soja importieren muss, gibt es zu viele Rinder in Deutschland. Und diese Rinder schädigen das Klima nicht nur durch ihren Methanausstoß, sondern auch dadurch, dass für deren Futter der Regenwald in Südamerika abgeholzt wird.
Schauen Sie sich einmal diese Sendung an (ab Minute 18:15):
https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/anthropozaen-das-zeitalter-des-menschen-luft-mit-dirk-steffens-100.html
Alles nur Main-Stream-Lügen?

Ich möchte auch noch kurz auf Florian Schwinns Beitrag “Die Fleisch-Wasser-Lüge” eingehen. Dort schreibt er: “Niemand würde dem Gras, dem Klee und den Kräutern auf der Wiese vorwerfen, sie hätten Wasser „verbraucht“. Den Rindern aber schon. Dabei haben die Pflanzen das Wasser genauso wieder abgegeben wie das Tier. Ob verdunstet oder ausgeatmet, rausgeschwitzt, weggepisst – wo ist der Unterschied? Am Ende ist das Wasser wieder im Kreislauf der Natur.”
Es ist unglaublich wie Herr Schwinn ein riesiges Umweltproblem hier einfach wegleugnet.
Die Massentierhaltung erzeugt Unmengen von Gülle. Diese bewirkt nicht nur eine gesundheitsgefährdende Nitratbelastung des Trinkwassers, sondern auch Ammoniak-Emissionen
und Feinstaub. Der Grund: Ammoniak-Ausgasungen aus Gülle verbinden sich in der Atmosphäre
mit anderen Gasen und werden so zu Feinstaub.
Mit einem Anteil von etwa 45 Prozent gilt für das Max-Planck-Institut die Landwirtschaft – und hier vor allem die Massentierhaltung – als Hauptverursacher für die in Deutschland besonders hohe Feinstaubbelastung.
https://www1.wdr.de/daserste/monitor/extras/pressemeldung-feinstaub-100.html

Kann es sein, dass die NachDenkSeiten nur dann über Tier- und Umweltthemen berichten, wenn sie sich gegen die Mainstream-Medien instrumentalisieren lassen, und dass Tier- und Umweltschutz den NachDenkSeiten sonst relativ egal sind, wie auch der aktuelle Beitrag kein besonders starkes Engagement erkennen lässt, sondern im Gegenteil eher Mobbing gegen einen Tierschützer betreibt, der über das Ziel hinausgeschossen ist?
Da die Ausführungen Herrn Schwinns über das Klimagas Methan ja schon sehr an die “Wissenschaftler” erinnern, die jahrelang die klimaschädlichen Auswirkungen einer hohen CO2-Konzentration angezweifelt haben, folgende Frage an die NachDenkSeiten: Soll das jetzt eine Art Klimawandel-Leugnung 2.0 werden, nur dass hier nicht die Koch-Brüder dahinterstecken, sondern die deutsche Bauernlobby?

Mit freundlichen Grüßen
Ralf Böhm


9. Leserbrief

Liebe Redaktion der NachDenkSeiten, lieber Florian Schwinn,

wenn es für die betroffenen Tiere nicht so traurig und auch dramatisch wäre, hätte ich über Ihren Artikel herzlich lachen können. Da ich die Argumente des Schleswig Holsteinischen Bauernverbandes bestens kenne und auf Facebook auch schon mit deren Vertretern, auch freiwilligen Befürwortern der konventionellen Landwirtschaft wie einen emeritierten Professor der Biologie und ausgewiesener Gentechniker heftiger Debatten hatte, kann ich deren oft verlogenen Argumente einfach nicht mehr ernst nehmen. Ihr Artikel zeigt, dass Sie Herr Schwinn genau das machen, was wir alle den Mainstreammedien vorwerfen. Es kommt halt immer darauf an, ob man sich selber angegriffen fühlt. Vielleicht liegt es bei Ihnen daran, dass Sie, genau wie ich, im Frankfurter Raum aufgewachsen sind und dort die Landwirtschaft aus in der Regel kleineren Betrieb besteht, die zwar meistens konventionell arbeiten, aber schon sehr früh die integrierte Landwirtschaft eingeführt haben, da sie damit ihre Produkte im finanziell gut ausgestatteten Frankfurter Raum beim Endverbraucher besser vermarkten konnten. Größere agrarwirtschaftliche Betriebe gibt es zwar in der Wetterau, aber mit den sehr großen Betrieben in Norddeutschland und Ostdeutschland sind sie nicht zu vergleichen.

Besondere Probleme n der Landwirtschaft tauchen überall da auf, wo die “Produktion” sowohl von Pflanzen als auch von Nutztieren industriell betrieben wird. Das soll nicht heißen, dass kleinere Betriebe grundsätzlich tier- und umweltfreundlicher arbeiten, aber der Kostendruck auf mittelgroße und sehr große Betriebe ist durch die hohen technischen Erfordernisse noch erheblich größer als als bei kleinen Betrieben, die oft nur nebenberuflich betrieben werden. Gerade aber die großen Betriebe können sich möglicher Strafverfolgung oft entziehen, da sie beste Beziehungen zu den Amtsveterinären und vor allem deren Vorgesetzten., den Landräten pflegen, ebenso zu Bürgermeistern und “Landesvätern”. Da geht es gewissermaßen alttestamentarisch zu, eine Hand wäscht die andere, man bekommt hohe Gewerbesteuern, man kennt sich aus Schützenvereinen und Jagdverbänden. Und wo kein Kläger da kein Richter!

Ich lebe seit 11 Jahren in einer Kleinstadt in Sachsen Anhalt, hier gibt es jede Menge Großbetriebe und auch jede Menge Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Zu diesem Tierschutzgesetz wäre auch noch einiges zu sagen. Das erste deutsche Reichstierschutzgesetz ist von den Nationalsozialisten direkt nach der Machtübernahme in Kraft gesetzt worden. Wobei, wie auch heute, nicht der Tierschutz im Vordergrund stand, sondern erstmals in Deutschland eine industrielle Tierhaltung angestrebt wurde. Wohl um eine bessere Versorgung der deutschen Bevölkerung in geplanten Kriegszeiten zu gewährleisten. Und wie das so ist, nach dem verlorenen Krieg wurde eben dieses unsägliche Tierschutzgesetz in der neu gegründeten BRD fast unverändert übernommen. Und auch die wenigen späteren Änderungen haben nur eine “Verschlimmbesserung” für die Tiere bedeutet. Dies kann man übrigens sehr einfach nachprüfen.

Nun aber endlich zu den Lügen über die Landwirtschaft. Hier ein Link zu einem Spiegelartikel aus dem Jahr 2015, da hat der Spiegel noch kritische Artikel zu Stande gebracht:

https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/tierhaltung-die-milchindustrie-entsorgt-maennliche-kaelber-a-1029612.html

Übrigens lag der Preis für ein Bullenkalb im Jahr 2019 nur noch bei EUR 8,49. Wenn Leben so wenig wert ist, liegt es nahe, sich die Tierarztkosten für eine Euthanasierung auch noch zu sparen und die Kälber einfach verhungern und verdursten zu lassen. Und sollte eines noch nicht sein junges Leben ausgehaucht haben, vielleicht weil es besonders gesund und zäh war, dann kann so ein Tier schon auch einmal unter anderen toten Kälbern begraben werden. Und erzählen Sie mir jetzt nichts davon, dass Menschen so etwas nicht machen würden, ich erinnere da nur an die Massenerschließungen durch die Waffen SS. Wenn das Töten ersteinmal gut durchorganisiert wird, macht der Mensch auch nicht vor Menschen halt.

Interessant ist auch ein Artikel von Peta vom 04.08.2021 mit dem Titel “Kälber in der Milchindustrie”.

Lieber Herr Schwinn, Sie sollen einmal gesagt haben, man könne den Tieren nur helfen, wenn man sich ihnen zuwende. Das wurde genau in der Sendung doch getan. Selbst wenn nicht jeder so versiert ist um alles punktgenau wiederzugeben, was er einmal gehört hat, so zählt bei der Menschlichkeit doch wohl eher der gute Wille. Solche Menschen mit Hähme zu überschütten haben sie nun wirklich nicht verdient. Und die sehr einseitigen Interessen des Schleswig Holsteinischen Bauernverbandes zu vertreten ist Lobbyarbeit, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Und was die Tierhaltung anbelangt, so haben ich mich während eines Ethnologie Studiums in Frankfurt am Main Mitte der 1980igerJahre schon explizit gegen die Massentierhaltung ausgesprochen, die auch schon damals vor allem landwirtschaftlich Ressourcen in der dritten Welt verbraucht hat für unseren Fleischkonsum im heutigen Wertewesten. Der ökologische Fußabdruck war und ist in der Massentierhaltung katastrophal. Da wäre ein Umdenken dringend notwendig mit weniger tierischen Produkten, und vor allem mit einer artgerechten Tierhaltung. Diese würde bei Rindern ganzjährige Weidehaltung bedeuten, natürlich in einer Herde mit Kälbern und einem Bullen zu Zuchtzwecken. Und das Töten sollte mit dem sogenannten Weideschuß erfolgen. Dies wird auch heute schon von wenigen Tierhaltern praktiziert und funktioniert sehr gut. Natürlich kann sich dann ein normaler Konsument nicht mehr täglich Fleisch und Wurst leisten, schon gar nicht in unbegrenzten Mengen. Für die sogenannte Volksgesundheit wäre es aber sehr gut, fragen sie da mal die Ernährungsdocs vom NDR.

Und seien wir doch einmal ehrlich, ist Fleisch aus Massentierhaltung, vollgepumpt mit Stresshormonen und Antibiotika wirklich so erstrebenswert?

In diesem Sinne
Mit tierfreundlichen Grüßen
Brigitte Schmoock

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