Von MEINRAD MÜLLER | Deutsche sollten das Interview, das Bundeskanzler Friedrich Merz am Freitag dem Moderator von La Chaîne Info (LCI), Darius Robin, gab, lieber nicht kennen. Auf dem Youtube-Kanal des französischen Nachrichtensenders ist es jetzt in voller Länge verfügbar.
Merz reiste nach Südfrankreich zur mittelalterlichen Burg Brégançon, nahe Nizza. Er durfte an der Seite von Emmanuel Macron im staatseigenen Pool planschen und betonte, welch Ehre das für ihn gewesen sei. Und nach Stunden im warmen Wasser schlängelte er sich später im französischen Fernsehen wie ein Fisch an Land.
“…dann müssen wir zur Wehrpflicht zurückkehren”
Merz sagte bei Minute 3 unter anderem: „Wir haben uns darauf geeinigt, an einem Gesetz zur Rekrutierung von Soldaten zu arbeiten, weil wir die Qualität der Bundeswehr verbessern wollen. Und wenn das nicht auf freiwilliger Basis funktioniert, dann müssen wir zur Wehrpflicht zurückkehren. Das ist natürlich nicht einfach. Zum Beispiel: Wie integrieren wir Frauen? Da gibt es noch viele Hindernisse zu überwinden, aber es ist der Anfang.“
Das ist kein Versprecher, sondern Merz pur. Im Land der Wehrpflicht-Abschaffer klingt das wie eine kalte Dusche. Frauen ausdrücklich eingeschlossen. In Deutschland redet er weich von „Anreizen“. In Frankreich holt er die Keule raus.
Französische Atomwaffen auf deutschem Boden
Plötzlich wirkt der ewige CDU-Apparatschik wie ein General. Er redet von Krieg, von Pflicht und von Atomwaffen. Nicht nur irgendeine Floskel: Merz erklärt, er könne sich französische Atomwaffen auf deutschem Boden vorstellen. Ausgerechnet in einem Land, das seine Kernkraftwerke verschrottet hat. In Berlin hätte er diesen Satz niemals gewagt. In Macrons Sommerresidenz Brégançon verkaufte er ihn als Vision.
Merz nutzte die Bühne in Brégançon dann auch, um die AfD als „Verbündeten Putins“ abzustempeln. Ein Satz, den er in Berlin zwar auch fallen lässt, der aber im Ausland eine andere Wirkung hat. Dort gibt er sich als mutiger Demokrat, der gegen Moskaus angebliche Einflussagenten kämpft. In Wahrheit attackiert er damit offen zehn Millionen Deutsche, die sich die AfD ausdrücklich in Regierungsverantwortung wünschen. In Frankreich war er sich des Beifalls sicher – für seine eigenen Bürger ist es nichts anderes als eine Verhöhnung.
Meinrad Müller (71), Unternehmer im Ruhestand, kommentiert mit einem zwinkernden Auge Themen der Innen-, Wirtschafts- und Außenpolitik für diverse Blogs in Deutschland. Der gebürtige Bayer greift vor allem Themen auf, die in der Mainstreampresse nicht erwähnt werden. Seine humorvollen und satirischen Taschenbücher sind auf Amazon zu finden. Müllers bisherige Beiträge auf PI-NEWS gibt es hier, seinen Ratgeber für Hobbyautoren hier.
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