Horst D. Deckert

Milei öffnet die Nazi-Archive Argentiniens – Spekulationen um Hitlers Flucht neu entfacht

Ist Adolf Hitler damals womöglich zusammen mit vielen anderen hochrangigen Nazis nach Argentinien geflüchtet? Bis heute halten sich entsprechende Gerüchte. Die Öffnung der Nazi-Archive durch Präsident Milei könnte nun Licht ins Dunkel der Spekulationen bringen.

Präsident Javier Gerardo Milei hat die vollständige Öffnung der staatlichen Archive angeordnet, die Informationen über Nazi-Kriegsverbrecher enthalten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in das südamerikanische Land flohen.

Milei, der seit seinem Amtsantritt am 10. Dezember 2023 für seine unkonventionellen Ansätze und seine libertäre Haltung bekannt ist, erfüllt damit ein Versprechen, das er im Februar 2025 gegenüber Vertretern des Simon Wiesenthal Centers in Buenos Aires abgegeben hatte. Die Debatte über die sogenannten „Rattenlinien“ – Fluchtwege, die Nazis nach dem Fall des Dritten Reichs nutzten – und die Rolle Argentiniens als Zufluchtsort wird dadurch neu entfacht. Besonders brisant: Spekulationen über eine mögliche Flucht Adolf Hitlers nach Argentinien gewinnen wieder an Fahrt.

Die Hintergründe: Nazis in Argentinien

Es ist kein Geheimnis, dass Argentinien nach 1945 für zahlreiche hochrangige Nazis ein sicherer Hafen wurde. Berüchtigte Figuren wie Adolf Eichmann, der Architekt des Holocausts, und Josef Mengele, der „Todesengel“ von Auschwitz, konnten mithilfe eines Netzwerks aus Sympathisanten, darunter Mitglieder der katholischen Kirche und argentinischer Beamter, unter falschen Identitäten im Land untertauchen. Historiker schätzen, dass bis zu 5.000 Nazi-Kriegsverbrecher nach Argentinien flohen – eine Zahl, die das Ausmaß der sogenannten „Rattenlinien“ verdeutlicht. Diese Fluchtwege wurden durch finanzielle Unterstützung und logistische Netzwerke ermöglicht, die bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind.

Die Entscheidung Mileis, alle verbleibenden Dokumente freizugeben, wurde von Guillermo Francos, dem Chef des argentinischen Ministerkabinetts, bestätigt. „Präsident Milei hat die Veröffentlichung und Deklassifizierung der Archive angeordnet“, erklärte Francos in einem Interview mit dem Sender DNews. „Diese Akten betreffen Nazis, die in Argentinien Zuflucht suchten und über Jahrzehnte hinweg geschützt wurden.“ Besonders interessant sind dabei Dokumente über Banktransaktionen und finanzielle Unterstützung, die im Verteidigungsministerium lagern sollen. Die Initiative folgt auf eine Anfrage des US-Senators Chuck Grassley, der im Rahmen einer Untersuchung zu Nazi-Verbindungen mit Schweizer Bankkonten um Unterstützung bat.

Mileis Motivation: Transparenz und historische Verantwortung

Javier Milei, selbst zum Judentum konvertiert, hat sich seit seinem Amtsantritt als Verfechter von Transparenz und radikaler Offenheit positioniert. Seine libertäre Ideologie, die staatliche Transparenz fordert und individuelle Freiheit betont, scheint auch seine Position in diesem Fall zu beeinflussen. Die Öffnung der Archive passt zu seinem Versprechen, die Vergangenheit Argentiniens schonungslos aufzuarbeiten.

Bei einem Treffen mit Vertretern des Simon Wiesenthal Centers am 17. Februar 2025 in der Casa Rosada versprach er volle Kooperation bei der Freigabe der Dokumente. „Wir haben fast 80 Jahre auf definitive Beweise für Argentiniens Rolle bei den Nazi-Fluchtwegen gewartet“, sagte Ariel Gelblung, Direktor des Simon Wiesenthal Centers für Lateinamerika. „Dank Präsident Milei wird die archivalische Evidenz endlich das volle Ausmaß dieses dunklen Kapitels offenbaren.“

Spekulationen um Hitlers Flucht: Mythos oder Wahrheit?

Die Öffnung der Archive hat auch eine der kontroversesten Theorien der Nachkriegszeit wieder ins Rampenlicht gerückt: die Spekulation, dass Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg überlebt und nach Argentinien geflohen sein könnte. Diese Theorie stützt sich auf Berichte von Augenzeugen, ein deklassifiziertes CIA-Dokument und historische Ungereimtheiten. Ein 2017 freigegebenes CIA-Dokument zeigte, dass die US-Geheimdienste noch 1955 Hinweise auf Hitlers mögliches Überleben in Südamerika untersuchten – fast ein Jahrzehnt nach Kriegsende.

Die offizielle Geschichtsschreibung besagt, dass Hitler sich am 30. April 1945 in seinem Berliner Führerbunker das Leben nahm, als die Rote Armee die Stadt einnahm. Skeptiker verweisen auf die Tatsache, dass die Sowjetunion die Überreste Hitlers angeblich fand, diese jedoch nie vollständig verifiziert wurden. Hinzu kommen Berichte von U-Booten, die 1945 von Deutschland nach Argentinien fuhren, sowie Aussagen argentinischer Einwohner, die in den 1950er-Jahren einen Mann gesehen haben wollen, der Hitler ähnelte.

Die nun freigegebenen Dokumente könnten womöglich Licht ins Dunkel bringen – oder die Spekulationen endgültig entkräften. Einige X-Posts behaupten bereits, dass Milei Beweise für Hitlers Anwesenheit in Argentinien nach 1945 freigegeben habe. Solche Behauptungen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie bisher nicht durch verlässliche Quellen gestützt werden. Dennoch zeigt die öffentliche Reaktion, wie stark das Thema die Fantasie anregt.

Internationale Reaktionen und Erwartungen

Die Ankündigung Mileis wurde international mit Begeisterung aufgenommen. Das Simon Wiesenthal Center lobte die „Blitzgeschwindigkeit“, mit der Milei handelt, während US-Senator Steve Daines, ein enger Verbündeter von Donald Trump, die Entscheidung als „wichtigen Schritt zur Aufklärung der Geschichte“ bezeichnete. In Argentinien selbst sind die Reaktionen gemischt: Während einige Mileis Transparenzkurs unterstützen, sehen Kritiker darin „pure Demagogie“, da die Regierung gleichzeitig Stellen streicht, die für die Archivarbeit zuständig sind.

Was die Archive enthüllen könnten

Experten hoffen, dass die Dokumente Details über die Finanzierung der Rattenlinien, die Rolle argentinischer Behörden und möglicherweise sogar Hinweise auf Hitlers Schicksal liefern. „Es gibt noch unveröffentlichte Dokumente über die Bank- und Finanzoperationen der Nazis“, erklärte Francos. „Die bedeutendsten Akten befinden sich wahrscheinlich im Verteidigungsministerium.“ Sollten die Archive tatsächlich Beweise für Hitlers Flucht enthalten, wäre dies eine Sensation, die die Geschichtsschreibung nachhaltig verändern könnte.

Mein neues Buch ist da: “Im Zensurwahn – Die Aushöhlung von Freiheit und Demokratie“.

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