Horst D. Deckert

Muhammeds Waffen gegen Ungläubige: Schwert und Bogen

Bogenschütze (Symbolbild:Imago)

Groß ist derzeit die Bestürzung über den islamistischen Terroranschlag von Norwegen, bei dem der Täter, ein dänischer Islam-Konvertit (inzwischen, wie in solchen Fällen üblich, für psychisch krank und somit „nicht zurechnungsfähig“ erklärt) nicht mit Stich- oder Schusswaffen, sondern mit Pfeil und Bogen mordete. Tatsächlich handelt es sich dabei um Waffen, die im Islam eine lange Tradition haben und eine wesentliche Rolle bei der islamischen Expansion spielten.

Zu meinem Ansage-Artikel über die Seeschlacht von Lepanto vergangene Woche, die sich am 7. Oktober zum 450. Mal jährte, erreichten uns einige Zuschriften. Eine bedauerte, dass als Quellen zum Teil Triviales wie Wikipedia angeführt wurde, andere äußerten Zweifel an der herausgestellten geschichtlichen Bedeutung, weil der denkwürdige Jahrestag in den Medien nicht erwähnt wurde. Viele Leser jedoch zeigten sich neugierig und wollten zum Thema gerne etwas mehr wissen. Deshalb machte ich mich über meine beachtliche Privatbibliothek her – und wurde tatsächlich fündig. Doch noch ein weiterer Grund, aus dem oben genannten traurigen Anlass in Norwegen, veranlasst mich heute noch einmal nachzulegen: Der besagte Einsatz von Pfeil und Bogen durch „Strenggläubige“.

Krummsäbel und Bogen waren schon vor Jahrhunderten gefürchtete Waffen, kaum tödlicher als heutige Modelle. Ein solches dürfte der dänische „Gotteskrieger“ Espen Andersen B. jetzt in Kongsberg verwendet haben, was fünf Menschen zum Verhängnis wurde. Die Wertschätzung des Propheten Mohammed für Bogenschützen schlug sich zwar nicht im Koran nieder (wie ich schon immer sagte, auch dieser ist nicht vollkommen), doch sie fanden bei den in seinem Namen geführten Eroberungszügen durchaus massenhafte Anwendung. im Gegensatz zu den Langbogen der Engländer wurden hierbei auf Kampfschiffen und von den Streitpferden aus vor allem Kurzbogen eingesetzt; einen solchen dürfte auch der Attentäter in Norwegen verwendet haben, keinen einfachen jedoch, sondern einen technisch weiterentwickelten, modernen. Eigentlich ein Sportgerät, aber auch mit Sportwagen wurden schon gezielt Menschen beseitigt; etwa per LKW wie in Berlin durch Anis Amri. Ob dieser im Paradies auch Amok fährt?

Mehr kinetische Energie als eine Pistole

So ein Kurzbogen, wahrscheinlich ein Compound-Bogen, verfügt über eine Sehne, die oben und unten über Excenterrollen geführt ist. Auf die individuelle Pfeillänge eingestellt, rastet er ausgezogen hinten ein. Er erfordert im Gegensatz zum Recurve-Bogen nur auf der ersten Hälfte des Auszuges viel Kraft und wird dann mit jedem weiteren Zentimeter immer weicher, bis man das Ziel fast ohne Kraftanwendung mühelos bis eine Minute lang anvisieren kann. Entwickelt wurde dieses Modell für die Jagd, um das Wild länger anpeilen zu können. Die kinetische Energie der bis 300 Stundenkilometer schnellen Pfeile mit ihrem Gewicht ist höher ist als die einer Pistolenkugel. Die Durchschlagskraft ist tödlich, sogar für Großwild. Die Treffsicherheit mit einem Compound-Bogen ist höher als die mit einer Pistole. Der Autor weiß übrigens, wovon er spricht: Er war schon einmal Landesmeister.

In der Antike und bei jener Seeschlacht existierte diese ausgereifte Technik freilich noch nicht, ebenso nicht die ausgeklügelten Visiere von heute, mit Hochleistungsoptik und integrierter Wasserwaage. Damals war eher die schiere Menge der Bogenschützen mit unzähligen Pfeilen gefürchtet. Die Bogen wurden meist nach oben gerichtet, damit vom Pfeilregen einer ballistischen Kurve zumindest einige sicher ihr Ziel erreichten. Ähnlich wie beim Schrotschießen trafen nicht wenige der abgeschossenen Projektile. Auch in Lepanto: Ein Kommandant der Flotte der Heiligen Liga hatte kurz sein Helmvisier geöffnet, damit seine Befehle auf dem eigenen und den Nachbarschiffen besser verstanden wurden. Das wurde ihm zum Verhängnis, ein Pfeil traf ihn ins Auge.

Wie das und vieles andere bei der legendären Seeschlacht bei Lepanto vor 450 Jahren ausging, ist auf 20 ausführlichen Seiten einer wissenschaftlichen Publikation beschrieben, die ich interessierten Lesern auf Wunsch gerne als PDF zusende (Datenvolumen des Mailanhangs: 10 MB). Schreiben Sie bei Interesse einfach an redaktion@ansage.org.

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