Horst D. Deckert

Mutmaßliches Epstein-Opfer schockiert mit Unfall-Story und “tödlichen Verletzungen”

Aktuell gehen Nachrichten auf Social Media und in Mainstreammedien “viral”. Virginia Giuffre, mutmaßliches Opfer des Epstein-Kinderschänderrings, will bei einem Unfall “tödlich verletzt” worden sein und habe nur noch vier Tage zu leben. Diese Geschichte wird offenbar ohne Recherche gedankenlos weiterverbreitet. Die Faktenlage ist anders: Die Polizei und das Krankenhaus wissen nichts von tödlichen Verletzungen, vielmehr steht ein Sorgerechtsstreit mit ihrem langjährigen Ex-Partner im Raum.

Die Gerüchteküche explodierte geradezu seit der Meldung, Epstein-Klägerin Virginia Roberts Giuffre (41) wäre bei einem Unfall tödlich verletzt worden. Die Story brachte sie durch ein Instagram-Posting selbst in Umlauf. Sie veröffentlichte ein unscharfes Bild, das sie mit blauen Flecken im Gesicht zeigen soll. Für viele Menschen war reflexartig klar: das was sicher ein Mordanschlag des Tiefen Staates, um Zeugen im Fall Epstein zu eliminieren. Doch der tatsächliche Sachverhalt ist offenbar alles andere als klar.

Am 30. März soll Giuffre in einen Verkehrsunfall verwickelt worden sein. Ihr Fahrzeug kollidierte mit einem Schulbus. Die telefonisch alarmierte Polizei hatte keine Zeit, um zum Unfallort zu kommen, was auch daran liegt, dass keine wesentlichen Schäden oder Verletzte gemeldet wurden. Sie empfahl telefonisch, sich im Fall von Verletzungen in ein Krankenhaus zu begeben. Ihrer Geschichte nach begab sie sich in Folge nach Hause, wo sie weitere körperliche Beschwerden bemerkte – und sich dann ins Krankenhaus begab. In einem Instagram-Posting (siehe unten) behauptete sie später, tödlich verletzt worden zu sein. Die Ärzte hätten gesagt, sie habe nur noch vier Tage zu leben. Dabei würde sie so gerne ihre Kinder noch einmal sehen.

Giuffre soll sich laut australischen Quellen vor kurzem von ihrem Ehemann getrennt haben, mit dem sie 22 Jahre zusammen war. Gemeinsam haben sie drei Kinder. Offenbar gibt es Probleme mit dem Besuchsrecht.

Das Instagram-Posting von Frau Giuffre vom 30. März 2025.

Bei vielen Medien des Mainstreams, aber auch unter Neuen Medien hielt es niemand für notwendig, die Geschichte kritisch zu hinterfragen. Dabei war schon das veröffentlichte Foto höchst hinterfragenswert. Niemand, der sich auf einer Intensivstation befindet, sieht so aus – und trägt noch seinen Schmuck. Die mutmaßlichen Verletzungen können auch geschminkt sein, auch Bildbearbeitung wäre eine Möglichkeit. Außerdem hat in Zeiten wie diesen wohl jeder ein Mobiltelefon bei sich, das schärfere und bessere Fotos macht. Zudem fragen einige Kommentatoren, wie man kurz nach einem Unfall solche blauen Flecken haben kann – aber ohne jegliche sichtbare Schwellung.

Giuffre gab später an, dass sie dieses Posting nicht öffentlich stellen wollte, es wäre nur für ihr privates Umfeld gedacht gewesen. Auch diese Aussage passt gut zu den erwähnten Sorgerechtsprobleme, welche die Dame momentan offenbar plagen. Allerdings ist das betreffende Posting bis heute unverändert online.

Nachfragen bei Polizei und Krankenhaus erbrachten eine gänzlich andere Informationslage. Bei dem Unfall habe es sich nicht um eine gewaltige Kollision wie von Giuffre behauptet gehandelt (der Bus wäre mit 110 km/h mit ihrem Fahrzeug kollidiert), sondern um einen kleineren Blechschaden. Das Krankenhaus führte aus, dass die Dame in Behandlung sei, aber keinerlei Lebensgefahr besteht. Selbst wenn ihre Geschichte der Niereninsuffizienz stimmen würde, wäre dies kein Todesurteil – mittels Dialyse kann man das Leben eines Menschen auch ohne Nierenfunktion bis zu einer Transplantation erhalten.

Bei aller berechtigten Kritik am Kinderschänder-Netzwerk von Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell muss man auch im Auge behalten, dass eventuelle Opfer deshalb nicht zu Menschen werden, die immer die Wahrheit sagen. Zunächst ist auch festzuhalten, dass bei keinem der Opfer bekannt wurde, dass sie gegen ihren Willen oder gar mit Gewalt auf die Insel oder an andere Orte verbracht wurden. Vielmehr warben sich diese Opfer gegenseitig an, offenbar mit Geschichten über reiche Männer und die Möglichkeit in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen. Das rechtfertigt nicht, Minderjährige oder junge Erwachsene zu missbrauchen – aber es ist ein Teil der Geschichte, der gerne vergessen wird.

Hinzu kommt, dass Personen wie Giuffre es offenbar – bei aller berechtigten, möglichen Traumatisierung in der Kindheit – es zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben, von außergerichtlichen Zahlungen der damaligen Täter gut zu leben. Als das Geld aus war, folgten lukrative Deals mit diversen Medien. Giuffres Beruf wird als “Internetpersönlichkeit” beschrieben. Die einzige Errungenschaft ihres Lebens ist offenbar die Vermarktung des mutmaßlichen Missbrauchs ab dem Alter von 16 Jahren durch ältere, berühmte Herren. In Ihrem Fall soll dies auch der britische Prinz Andrew, Herzog von York gewesen sein. Es kam noch nie zu einer Verurteilung.

Virginia Giuffre blieb im Alter von 16 bis 19 bei Epstein und ließ sich für seine Dienstleistungen instrumentalisieren. Sie bewegte sich zwischen seinen Anwesen und flog via Privatjet durch die Welt. Mit 17 wäre sie dann beispielsweise an Prince Andrews “verkauft” worden, um ihm sexuelle Gefälligkeiten zu erweisen. Erst viel später äußerte sie Vergewaltigungsvorwürfe gegen männliche Teilnehmer dieser Veranstaltungen und Partys. Die Beweislage ist dürftig. Mit 19 bezahlte Epstein ihr eine Thai-Massage-Ausbildung in Thailand. Bei dieser Gelegenheit lernte sie den Kampfsporttrainer Robert Giuffre kennen, den sie später heiratete. Sie zog mit ihm nach Australien und brach jeden Kontakt zu Epstein ab.

Die Unfall-Episode nährt berechtigte Zweifel an der Persönlichkeit und Wahrheitsliebe der Frau Giuffre. Eine schwere Traumatisierung in ihrer Kindheit ist belegt, sie wurde bereits vor der Epstein-Episode im Alter von 11 Jahren von einem Bekannten ihrer Familie vergewaltigt. Sie riss von zu Hause aus und lebte in Folge auf der Straße. Erst mit 14 Jahren kehrte sie zu ihrem Vater zurück, der ihr einen Job im Servicebereich verschaffte.

Diese Lebensgeschichte möchte man niemandem wünschen. Allerdings wird dadurch nicht automatisch alles wahr, was Frau Giuffre von sich gibt – und die mehr als dubiose Geschichte des Busunfalls lehrt uns, auch in solchen Fällen genauer hinzusehen und Sachverhalte von allen Seiten zu betrachten.

Von den “nur noch vier Tagen zu leben” ist offenbar nichts übrig geblieben. Die britische BBC berichtet, Giuffre wäre dankbar für die „große Liebe und Unterstützung“, die sie nach ihrem Krankenhausaufenthalt infolge eines Autounfalls erhalten hat. Ihre Familie äußerte sich gegenüber BBC, dass ihr Zustand ernst wäre und man sie medizinisch versorgen würde. Ob sie sich weiterhin im Krankenhaus befindet, blieb offen.

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