
Von RAINER K. KÄMPF | Das Telefon klingelt und Trump ist dran. Was wie Slapstick klingen mag, ist Realpolitik im 21. Jahrhundert, made by Donald Trump.
Der Reihe nach: Es ist Montag und Wolodymyr aus Kiew samt seinen Cheerleadern versucht, dem US-amerikanischen Präsidenten etwas vom Pferd zu erzählen und diesen gegen die Russen in Stellung zu bringen.
Nachdem sie ihm offensichtlich mal wieder eine Ente servieren wollen, wird er stutzig. Offensichtlich nagt der Zweifel an ihm. Als Mann der Tat weiß er sich zu helfen und fragt kurz nach, wie spät es denn in Moskau wäre.
Die Tatsache, daß dort die Uhr eine Stunde nach Mitternacht schlägt, scheint Trump nicht wesentlich zu tangieren und er beschließt, Putin an die Strippe zu klingeln.
Das Entsetzen aufseiten der willigen Koalitionäre muß verzweifelt gewesen sein.
Es sind zwei wesentliche und sehr tiefgründige Botschaften in diesem amüsanten Kabinettstückchen versteckt.
Erstens besteht wahrscheinlich ein sehr persönlicher Kontakt und eine vertrauensvolle Atmosphäre zwischen beiden Präsidenten, die sich des steifen diplomatischen Prozederes entledigt haben. Knappe Entscheidungen, gerade kurze Wege und ein paar Worte unter Männern lassen Zweifel beseitigen und eine offene Ansprache erstickt Misstrauen im Keim.
Die zweite Botschaft wird den Europäern den kalten Angstschweiß auf die Stirn treiben. Sie dürften jetzt wissen, egal was sie für Hirngespinste in die Welt setzen wollen, daß die Administration in Washington erstmal bei den Russen nachfragt, ob die Willigen nicht mal wieder spinnen.
Wer wohl wem mehr vertraut, muß nicht gesondert analysiert werden.
Wenn nicht J.D. Vance selbst darüber berichtet hätte, könnte man sich vorsichtig die Augen reiben. Übrigens schilderte Vance das Gespräch und Putin selbst als sehr angenehm. Trotz der gar nicht protokollkonformen Tageszeit.
PI-NEWS-Autor Rainer K. Kämpf hat Kriminalistik, Rechtswissenschaft und BWL studiert. Er war tätig in einer Anwaltskanzlei, Geschäftsführer einer GmbH, freier Gutachter und Sachverständiger. Politisch aktiv ist Kämpf seit 1986. Als Kommissar in spezieller Stellung im Berliner Polizeipräsidium hatte er Kontakte zum damaligen „Neuen Forum“ in den Anfängen. Er verzichtete darauf, seinem Diensteid zu folgen und folgte lieber seinem Gewissen. Bis 2019 war er Referent einer AfD-Landtagsabgeordneten in Brandenburg. Aus gesundheitlichen Gründen beendete er diese Tätigkeit und befindet sich seither im unruhigen Ruhestand.
The post Nachts um eins in Moskau appeared first on PI-NEWS.

