Horst D. Deckert

UNTERNEHMER-BERATER, SERIENUNTERNEHMER BZW. MEHRFACHGRÜNDER Parteilos und damit völlig unabhängig von irgendwelchen Parteien, Organisationen, Verbänden, etc. Seit 1971 im Dienst von Inhabern, Geschäftsführern, Unternehmern. 1971: Gründung einer Werbeagentur mit dem Schwerpunkt Marketing für Kleinbetriebe im Alter von 19 Jahren. Seit 1977 Firmengründer in Europa, USA und Südamerika. Fragen?
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Notruf aus dem Zürcher Oberland

Letzte Woche trafen wir das erste Mal zusammen: Niklas*, Joschka, Heinrich und ich auf einer schönen Terrasse in Adetswil. Niklas* hatte einen wunderbaren Flammenkuchen im Ofen, und wir hatten ein selbstgemachtes Birchermüesli mitgebracht. Bei einem Glas Sekt fingen wir an zu plaudern.

Niklas* war nicht gut gelaunt. Er hätte sich überall abgemeldet. Es gäbe überall nur noch böse Menschen. Ob es nun die blinden Schafe seien, die sich brav an alle Massnahmen halten würden oder die Leute in der Opposition: Er sähe keine Zukunft mehr. Und wer würde ihm als selbständig Erwerbenden schlussendlich seinen Lohn zahlen? Die Geimpften oder die Ungeimpften?

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Bild: swisswebcams.ch

Niklas* stand wirklich an einem Tiefpunkt. Schnell war die Frage von uns dreien gestellt: Was möchtest du denn gerade jetzt? Es sei alles so beschwerlich geworden. Nichts könne man mehr spontan unternehmen. Was bleiben würde, sei wandern und Velo fahren. Die Vereinsamung sei auf dem Vormarsch. Er liebe den Paartanz, da könne er abschalten, auftanken. Das sei für ihn der Inbegriff von Leben.

«Wenn du entscheiden könntest, wo würdest du hingehen wollen?» «Ich würde in die USA reisen, dort würde ich mich wohlfühlen.» Visionen sind immer erlaubt, auch wenn sie sehr zukunftsorientiert sind, machen sie Hoffnung.

Wir sprachen viel über die herrschende Situation. Dazwischen gab es auch einmal ein herzhaftes Lachen. Joschka ist eine fröhliche Frau und konnte Geschichten erzählen, die einfach zu komisch waren. Niklas* blieb etwas in der Reserve, traute unseren Ideen noch nicht so ganz.

Doch immer wieder ermunterten wir ihn, einfach mal mitzumachen und zu schauen, was dabei rauskommt. Es gibt immer Menschen in einer Gruppe, die uns nicht genau entsprechen. Genau das macht es aber spannend. So entstehen neue Ideen, sonst wird das Ganze, plakativ ausgedrückt, irgendwann zu einem Stammtisch, an dem man immer über die gleichen Dinge wettert.

Wir konnten Niklas* überzeugen. Er sprach, nachdem wir gegangen waren, noch eine Weile mit Joschka. Sie räumte mit ihm noch die Küche auf und sah sich den Raum an, den er der Zürcher Oberländer Gruppe eigentlich zur Verfügung stellen möchte. Und am Schluss, so erzählte mir Joschka, verabschiedeten sie sich herzlich, und er freute sich auf ein nächstes Treffen. In Bäretswil haben wir unsere Telefonnummern und Mailadressen ausgetauscht und schon sind neue dazu gekommen.

Das Treffen in Bäretswil hat mich aufhorchen lassen und mir nochmals gezeigt, dass sehr viele Menschen wirklich an einem Tiefpunkt sind. Und es braucht sehr viel Kraft von jedem von uns, um diese Menschen wieder positiv zu stimmen und sie mitzunehmen. Sie sind schon so weit, einen anderen Weg zu gehen, doch haben noch nicht genug Kraft dafür.

Kaum zwei Wochen nach unserem Treffen kann ich ihn zu einem zweiten kleinen Treffen im Zürcher Oberland einladen. Er sagte sofort zu. Was für ein positives Zeichen. Willkommen Niklas*! Das nächste Treffen im September steht schon in den Startlöchern. Wir erreichen unser Ziel, eine Gemeinschaft zu bilden, die sich zusammenrauft und einander trägt.

Aus der Zürcher Oberland-Gruppe können auch immer wieder Subgruppen entstehen. Die Idee kam mir, als ich merkte, dass da ganz verschiedene Interessen aufeinanderstossen. Manche wollen eine Parallelgesellschaft entstehen lassen. Ganze Mindmaps wurden mir zugeschickt. Selbstverteidigung, Selbstversorgung, Flickatelier, eigene Mediziner, Homöopathen, eigene Schule … Da kam ganz viel zusammen.

Einige sind esoterisch unterwegs, glauben an das neue kommende Zeitalter, in dem die Menschen nur noch in Frieden zusammenleben. Im neuen Zeitalter braucht es keine Regierung, kein Parteiensystem, keine Schule, keine Gesetze mehr. Dann gibt es Menschen, die einfach in Gesellschaft sein möchten, unglaublich gerne tanzen, wie Niklas* zum Beispiel. Solche, die gerne lesen, Live-Konzerte besuchen, kochen, sich über Fachthemen unterhalten.

Den Schwerpunkten sind keine Grenzen gesetzt. Dies alles braucht etwas Zeit. Die Entstehung der Lokalgruppe bietet erste Möglichkeiten zur Vernetzung. So können wiederum neue Kleingruppen mit gemeinsamen Interessen entstehen.

Warum sich nicht auch mit anderen Lokalgruppen austauschen? Sie haben vielleicht schon Erfahrungen gesammelt, die wir noch nicht haben. Das Rad muss man nicht jedes Mal neu erfinden. Genau für diesen Austausch ist graswurzle.ch entstanden.

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*Name der Redaktion bekannt.

Kontakt für Interessierte im Zürcher Oberland:

Iwana

zuerichoberland@graswurzle.ch

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