Putins Plan zur Vereitelung von Trumps Ukraine-Strategie: Ein Gespräch mit CIA-Analyst Larry C. Johnson
Am 11. August 2025 sprach der ehemalige CIA-Analyst Larry C. Johnson über die geopolitischen Spannungen zwischen Russland, der Ukraine und dem Westen sowie die bevorstehende Begegnung zwischen Wladimir Putin und Donald Trump. Im Fokus standen die unterschiedlichen Perspektiven auf den Ukraine-Konflikt, die NATO-Erweiterung und die westliche Haltung gegenüber Russland. Johnson skizzierte eine düstere Sicht auf die westliche Politik und deren Folgen für die globale Ordnung. Im Folgenden ein Überblick über die zentralen Punkte seines Gesprächs.
Der Ukraine-Konflikt: Mehr als ein territorialer Streit
Johnson betonte, dass der Konflikt in der Ukraine für Russland nicht nur ein territorialer Streit ist, wie es der Westen darstellt. Vielmehr sieht Russland darin eine existenzielle Auseinandersetzung mit der NATO und deren Expansion nach Osten. Seit 1995 habe der Westen versucht, Russland durch die Aufnahme neuer Mitgliedsstaaten in die NATO einzukreisen. Dies sei auch der Hintergrund für die jüngsten Entwicklungen in Armenien und Aserbaidschan, wo ein von den USA vermitteltes Abkommen Berichten zufolge geheime Zusagen für eine mögliche NATO-Mitgliedschaft beider Länder enthält. Russland werde dies nicht hinnehmen, da es seine Sicherheit bedroht sehe.
Die westliche Sichtweise, die den Konflikt auf die Frage reduziere, wer welche Gebiete kontrolliert, ignoriere die russische Perspektive. Für Russland geht es um die Abwehr einer feindlichen Umzingelung durch den Westen, der laut Johnson das Ziel verfolge, Russland zu „zerstören, seine Ressourcen zu plündern und es zu unterwerfen“. Die von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg angesprochene Unterscheidung zwischen einer faktischen (de facto) und rechtlichen (de jure) Anerkennung russischer Kontrolle über ukrainische Gebiete wie die Krim oder den Donbass sei irrelevant. Russland betrachte diese Gebiete verfassungsrechtlich als Teil der Russischen Föderation, und Verhandlungen über einen Rückzug seien illusorisch.
Fehlende Kommunikation und westliche Doppelmoral
Johnson wies auf ein fundamentales Kommunikationsproblem hin, das er mit einer berühmten Zeile aus dem Film Cool Hand Luke illustrierte: „What we have here is a failure to communicate.“ Der Westen interpretiere Russlands Handeln als Versuch, ein Imperium wieder aufzubauen, während Russland lediglich seine Sicherheitsinteressen verteidige. Diese Fehlwahrnehmung werde durch die Dämonisierung Putins verstärkt, der in westlichen Medien oft mit Stalin oder Hitler verglichen werde – eine Darstellung, die Johnson als „lächerlich“ und „verrückt“ bezeichnete.
Er betonte, dass der Westen keine Bereitschaft zeige, mit Russland friedlich zu koexistieren. Stattdessen wolle man Russland unterwerfen. Johnson verwies auf historische Ereignisse wie die Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland im Weltraumprogramm, um zu zeigen, dass eine Kooperation möglich wäre. Doch die westliche Politik der letzten Jahrzehnte habe durch die Ablehnung russischer Angebote zur Zusammenarbeit (z. B. Putins Vorschlag, der NATO beizutreten) und die Missachtung russischer Sicherheitsbedenken (z. B. die NATO-Erweiterung) das Vertrauen zerstört.
Das bevorstehende Treffen zwischen Putin und Trump
Das geplante Treffen zwischen Putin und Trump am 15. August 2025 in Alaska sieht Johnson skeptisch. Er glaubt, dass Putin hofft, Trump in einem persönlichen Gespräch von der russischen Position zu überzeugen. Allerdings sei Trump in privaten Gesprächen zwar zugänglicher als in der Öffentlichkeit, doch Johnson bezweifelt, dass das Treffen substanzielle Ergebnisse bringen wird. Die westliche Politik, insbesondere die der USA, sei durch eine tief verwurzelte Feindseligkeit gegenüber Russland geprägt. Johnson verwies auf Trumps jüngste Executive Order, die Russland als Feindstaat einstufe, sowie auf die westliche Unterstützung für destabilisierende Aktionen wie den Putsch in der Ukraine 2014 oder Terroranschläge in Russland.
Putin, so Johnson, sei sich der westlichen Täuschungsmanöver bewusst, etwa der Minsker Abkommen, die von Angela Merkel später als Taktik zur Aufrüstung der Ukraine enthüllt wurden. Dennoch halte Putin an der Hoffnung fest, durch Dialog eine Eskalation zu vermeiden. Johnson sieht dies als naiv, da der Westen keine Kompromisse anstrebe, sondern die Zerstörung Russlands als Ziel verfolge.
Der Gaza-Konflikt und die westliche Heuchelei
Johnson äußerte sich auch scharf zum Gaza-Konflikt und kritisierte die Politik Israels unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Er bezeichnete Netanjahu als „genozidalen Wahnsinnigen“ und wies den Vorwurf zurück, Hamas sei eine Terrororganisation. Die meisten Aktionen von Hamas richteten sich gegen israelische Sicherheitskräfte und Siedler, die palästinensisches Land besetzten. Hamas kämpfe für die Würde und Selbstbestimmung der Palästinenser, ähnlich wie indigene Völker gegen Kolonisatoren. Johnson prangerte die westliche Doppelmoral an, die Hamas als Terroristen dämonisiere, während Gruppen wie Hayat Tahrir al-Scham in Syrien, die weitaus mehr Gewaltakte verübt hätten, von westlichen Diplomaten hofiert würden.
Die Pläne Netanjahus, Gaza zu besetzen und zu entmilitarisieren, verurteilte Johnson als Verstoß gegen internationales Recht. Er unterstützte die russische Position, die Israels Vorgehen als Angriff auf die Zweistaatenlösung kritisiert, und forderte eine internationale Isolierung Israels, um die Gewalt gegen Palästinenser zu stoppen.
Die globale Neuordnung und die Rolle der BRICS
Johnson sieht eine umfassende Neuordnung der internationalen politischen und wirtschaftlichen Ordnung. Russland und China fördern mit den BRICS-Staaten ein alternatives Wirtschaftssystem, das die westliche Hegemonie, insbesondere die Dominanz des US-Dollars, herausfordert. Länder wie Indien und Brasilien, die zunächst zögerlich waren, erkennen zunehmend die feindselige Haltung der USA, etwa durch Trumps Strafzölle. Diese Länder schließen sich dem Bestreben an, sich von der westlichen Kontrolle zu lösen. Johnson betonte, dass die USA ihre globale Dominanz nicht freiwillig aufgeben werden, was zu weiteren Konflikten führen könnte.
Fazit
Larry C. Johnson zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen geopolitischen Lage. Er sieht keinen Raum für eine friedliche Koexistenz zwischen Russland und dem Westen, solange die westliche Politik auf Konfrontation und Unterwerfung ausgerichtet ist. Das Treffen zwischen Putin und Trump wird seiner Meinung nach keine Lösung bringen, da die USA weiterhin auf eine Destabilisierung Russlands abzielen. Gleichzeitig prangert er die westliche Unterstützung für Israels Politik in Gaza und die Doppelmoral in der Terrorismusfrage an. Die Zukunft, so Johnson, liegt in einer Neuordnung der globalen Machtverhältnisse, angeführt von Russland, China und den BRICS-Staaten, die sich der westlichen Dominanz widersetzen.

