Eine neue Preprint-Studie von Forschern der Universität Lausanne – Isabella Locatelli, Djuly Asumpta Pierre-Paul und Valentin Rousson – liefert brisante Erkenntnisse:
Während die Gesamtsterblichkeit in der Schweiz nach den Pandemiejahren 2023–2024 wieder auf das frühere Abwärtstrend-Niveau zurückgekehrt ist, zeigt sich eine bedenkliche Ausnahme:
Die Todesfälle bei jungen Erwachsenen steigen weiterhin deutlich an – insbesondere bei Männern.
Studienaufbau und Methode
Das Forscherteam analysierte offizielle Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) für den Zeitraum 2000 bis 2024.
Sie nutzten ein log-lineares Poisson-Modell, um eine hypothetische Baseline zu berechnen, also wie sich die Sterblichkeit entwickelt hätte, wenn es die Pandemie nicht gegeben hätte.
- Vergleich zwischen realen Todesfällen und dieser Baseline
- Untersuchung nach fünf Altersgruppen:
0–14, 15–44, 45–64, 65–84 und 85+ Jahre - Differenzierung nach Geschlechtern
- Berechnung der Übersterblichkeit während und nach der Pandemie
Wichtigste Ergebnisse
1. Gesamtbevölkerung
- Bis 2024 ist die Gesamtsterblichkeit in der Schweiz wieder auf dem vorpandemischen Trendniveau.
2. Ältere Menschen (65–84, 85+)
- In 2020 starke Sterblichkeitsanstiege.
- 85+ Jahre: Ab 2024 sogar 1.500 weniger Tote als erwartet.
- 65–84 Jahre: Erholung langsamer, aber im Gang.
3. Kinder (0–14)
- Sterblichkeit sehr niedrig, kaum Einfluss durch Pandemie oder Folgejahre.
4. Mittleres Alter (45–64)
- Kaum Abweichungen, leichte Anstiege nur bei Männern.
5. Junge Erwachsene (15–44) → Alarmierende Ausnahme
- Bereits vor COVID stagnierte die Sterblichkeit.
- Ab 2022 beginnt der Anstieg:
- 2024:
- Männer: +36,8 % (260 zusätzliche Tote)
- Frauen: +20,8 % (79 zusätzliche Tote)
- 2024:
- Hauptursachen bei Männern:
- Unfälle und Suizide → zuvor rückläufig, jetzt wieder zunehmend
- Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen stagnieren ebenfalls.
Keine Impffolgen – komplexere Ursachen
Die Autoren betonen ausdrücklich:
„Die Daten zeigen keinen generellen Anstieg der Sterblichkeit direkt nach COVID-Impfungen.“
Stattdessen ist das Problem multifaktoriell:
- Stagnation begann bereits vor der Pandemie.
- Psychische Belastungen, gesellschaftliche Faktoren und Risikoverhalten könnten eine Rolle spielen.
- Ursachen bleiben unklar – weiterer Forschungsbedarf.
Limitationen der Studie
- Preprint-Status → noch nicht peer-reviewed
- Modell basiert auf statistischen Projektionen
- Todesursachen-Daten nur bis 2023 verfügbar
- Mehrere mögliche Einflussfaktoren noch nicht analysiert
Finanzierung und Offenlegung
- Keine externe Finanzierung
- Keine Interessenkonflikte
- Alle Daten stammen aus dem BFS und sind öffentlich verfügbar.
Fazit und Bedeutung
Obwohl die Schweiz insgesamt zur normalen Sterblichkeit zurückkehrt, zeichnet sich ein besorgniserregender Trend ab:
- Junge Erwachsene, besonders Männer, sterben weiterhin überdurchschnittlich häufig.
- Unfälle, Suizide und stagnierende Behandlungserfolge sind zentrale Problemfelder.
- Gesundheitspolitik muss umdenken:
- Fokus weg von den älteren Risikogruppen
- Stärkere Prävention und Unterstützung für junge Erwachsene
Bleibt der Trend unbeachtet, könnten Lebenserwartung, Rentenplanung und Gesundheitskosten langfristig massiv beeinflusst werden.
Studienreferenz
Locatelli, I., Pierre-Paul, D.A., & Rousson, V. (2025).
On age-specific mortality trends since COVID-19 in Switzerland.
Preprint, Research Square. Offizieller Preprint-Link (Research Square)

